Alles reine Kopfsache

Aufwärts

Wenn wir alle mal ehrlich sind, dann wissen doch nur die wenigsten von uns, was wir hier eigentlich tun. Ja, wir planen bestimmte Dinge im voraus. Wir planen unseren Urlaub, Teile unserer Karriere und andere Ziele, die wir erreichen möchten. Aber wenn man das alles runterbricht, sieht es am Ende so aus: Wir leben von einem Tag zum nächsten und können nur einen Schritt nach dem anderen gehen.

Das fällt uns an manchen Tagen sehr leicht. Alles scheint uns regelrecht zuzufliegen und wir sind beeindruckt von dem, was wir gerade erreichen. Es gibt aber auch Tage, an denen es schwer ist. So schwer, dass wir manchmal einfach nur stehen bleiben wollen, weil wir das Gefühl haben, dass wir nicht weitergehen können. Wir starren dann einfach nur auf unsere Füße. Der Weg scheint scheint immer weiter und weiter zu werden. Und man fragt sich: Wozu überhaupt noch weitergehen? Das wir doch sowieso nichts mehr.

Auch wenn es häufig nichts an de Tief selbst ändert, hilft es mir immer, wenn ich mir diesen Momenten vor Augen führe, dass sie nur temporär sind. Dass alles langfristig gesehen nicht mal halb so schlimm ist, wie meine Gedanken es mir einreden wollen. Und gerade in unseren vermeintlich schwächsten Augenblicken, haben wir mehr Stärke in uns, als wir in uns zugestehen.

Zu dieser Erkenntnis bin ich vor ein paar Tagen gekommen (oder eher gebracht worden). Besonders wenn wir sehr perfektionistisch veranlagt sind, fällt es uns schwer, Lob oder Komplimente anzunehmen, denn wir sehen in erster Linie nur die Dinge, die wir noch besser machen können und vernachlässigen das, was wir schon geschafft haben. Ich bin gerade in den letzten Monaten besser darin geworden, anerzuerkennen, dass das, was ich mache gut ist – auch wenn es (noch) nicht perfekt ist.

Trotzdem gibt es Tage, an denen mir mein „gut“einfach nicht gut genug ist. Ich ärgere mich einfach nur über alles, was ich tue und nicht tue, weil mir alles falsch und schlecht vorkommt. Das sind die Tage, an denen ich stehen bleibe oder mich noch lieber in der Erde einbuddeln würde. Dabei denke ich gar nicht daran, dass das nur meine Sicht der Dinge ist. Ich vergesse, dass die Menschen um mich herum mich trotzdem für das schätzen, was ich tue und für das, was ich bin.

Nach meinem Tief der letzten Tage, fühlt es sich wieder so an, als würde es langsam wieder bergauf gehen. Meine Schritte haben noch lange nicht ihr altes Tempo aufgenommen, sie warten nur darauf, dass mein Kopf ihnen wieder das „Go“ gibt. Denn das sind die Herausforderungen in unserem Leben: reine Kopfsache. Ganz besonders dann, wenn es schwer wird.

Ich weiß, dass ich jetzt am Beginn einer neuen Aufwärtskurve stehe. Wenn ich nach vorne blicke, kann ich sie schon sehen, diese leichte Steigung. Nur noch ein bisschen die Zähne zusammenbeißen, gut zu mir selbst sein und das Leben nehmen, wie es ist. Wir können alles tun, was wir uns vornehmen. Wir müssen uns nur jeden Tag wieder ein bisschen mehr anstrengen – oder es wenigstens versuchen.

Dieses Tief hatte jetzt nicht die Ausmaße des Finanzcrashs von 2008, doch es hat ausgereicht, um für mich alles wieder ins rechte Licht zu rücken. Es hat mich auf die nächsten Schritte vorbereitet und mir die Zeit gegeben, um meine Wanderschuhe neu zu schnüren. Es ist immer leichter, bergab zu gehen, sich seinen Gedanken hinzugeben, wenn sie erstmal Fahrt aufgenommen haben, selbst wenn man weiß, dass sie einem nicht gut tun. Es ist aber nur so lange leicht, bis man im Tal angekommen ist. Es ist schon dunkel und man hat keinen Ort zum schlafen.

Dann heißt es: Einfach mal eine Nacht unter freiem Himmel schlafen, reflektieren und sich ausruhen. Morgen geht es weiter und dann wird es auch wieder bergauf gehen. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.

Ein Angriff auf das Gewohnheitstier

London

Spontaneität ist nicht gerade eine meiner Stärken. Ich bin sehr verwurzelt in meinen Routinen und fühle mich dort sehr wohl. Vieles, was diesen gewohnten Rahmen sprengt, erfordert meist stundenlanges Überlegen. Dabei wiege ich pro und kontra meist derart umfangreich ab, dass sich die Entscheidung wieder erledigt hat, weil es einfach zu spät ist.

Diesem Dilemma begegne ich im Alltag relativ häufig. Egal, ob es darum geht, in einer Sitzung auf der Arbeit etwas vor allen Anwesenden zu sagen, oder darum, anstelle von Spaghetti-Eis was anderes zu probieren. Um hier ja keinen zu spannenden Cliffhanger zu erzeugen: meistens bleibe ich bei meinen Mustern. Das heißt, ich sage in der Sitzung natürlich nichts und was anderes als Spaghetti-Eis kommt mir nicht auf den Tisch. Denn mal ehrlich: Was ist bitteschön besser als der gefrorene Kern aus Sahne?

Eine Entscheidung gegen die Gewohnheit

Doch auch als erprobtes Gewohnheitstierchen habe ich mir in letzter Zeit vermehrt die folgende Frage gestellt: Was ist eigentlich das Schlimmste, was mir passieren kann, wenn ich mal etwas anders mache? Und vor allem spontan anders mache?

Die Antwort darauf war so beruhigend wie erüchternd. Denn meistens sieht es doch so aus: Ich werde davon weder sterben, noch sonst irgendwem Schaden zufügen. Ich gebe mir selbst nur die Chance etwas zu erleben, das potenziell besser sein kann als mein normales Leben – aber auch schlechter. Mehr ist es nicht. Und trotzde fällt es mir so schwer, einfach mal dem Impuls des Moments zu folgen…

Um aus dieser Gewohnheitskiste auszubrechen, habe ich deshalb etwas ganz verrücktes getan („verrückt“ ist übrigens ein sehr dehnbarer Begriff, wie man an meinen Standards sieht): Ich habe ein Wochenende in London gebucht. Ganz für mich allein. Und ich habe nur 2 Tage gebraucht, um diese Entscheidung zu treffen! Das hat doch einen feuchten Schulterklopfer verdient, oder?

Damit habe ich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen, um mich mit sanftem Druck aus meiner Komfortzone zu schieben. Denn die Sache ist die: London ist natürlich keine billige Stadt, aber im Moment kann ich es mir leisten. Also, wozu der falsche Geiz? Erlebnisse sind schließlich die beste Form der Geldanlage (sorry, Aktien).  Nun aber zu den Gewohnheiten, denen ich mit dieser Aktion ein Schnippchen schlagen will:

1. Ich verbringe mein Wochenende mal komplett anders als sonst. Obwohl London mir sehr vertraut ist, habe ich dort natürlich ganz andere Möglichkeiten. Statt zu Hause oder bei meinen Eltern einfach nur herumzuhängen, werde ich unterwegs sein und Ecken der Stadt erkunden, die ich noch nicht gesehen habe und mich mit neuen Eindrücken umgeben.

2. Ich werde alleine sein. Damit habe ich an sich kein Problem, doch es gibt immer noch Dinge, die ich nicht gerne alleine mache, allen voran auswärts essen. Dabei ist es eigentlich nichts wofür man sich schämen muss. Dieses Wochenende wird für mich also eine gute Probe sein, mich noch wohler in meiner eigenen Gesellschaft zu fühlen und mich davon nicht einschränken zu lassen. Und auch so werde ich alles alleine regeln müssen. Das ist in einer Stadt, die man schon kennt, vielleicht nicht die größte Herausforderung, aber doch zumindest eine gute Übung.

3. Ich folge meinem Bauchgefühl. Meist ist es doch so,  dass wir unsere Tage sehr ähnlich verbringen. Wir nehmen uns zwar ständig besondere Ausflüge vor, machen aber nur die wenigsten davon, weil wir es uns selbst wieder ausreden. Doch gerade, wenn diese Impulse spontan aufkommen, sind sie ein Zeichen dafür, dass uns etwas gerade besonders gut tun würde oder uns schlicht fehlt. In meinem Fall heißt das, zumindest für 2 Tage den Alltag zu verlassen und mir Zeit für mich zu nehmen, die ich nicht mit Netflix & Co. verbringe.

Der Moment, als ich die Flugtickets gebucht habe, war für mich unerwartet aufregend. Einfach, weil ich normalerweise nicht als der Mensch bekannt ist, der spontan irgendwo hin fliegt oder etwas ungewöhnliches macht. Doch das muss nicht bedeuten, dass ich mich dieser Rolle immer fügen muss. Ich will mehr reisen und mehr Erfahrungen sammeln, auch wenn das heißt, dass ich meine geliebten Gewohnheiten zeitweilig hinter mir lassen muss.

Ein ominöses Dokument…

Schreiben

Im Dezember saß ich in einemmehrtägigen Seminar. Es ging um das Thema Werbetexten und so verbrachten wir einige Stunden mit Zusammenbauen unterschiedlicher Textpassagen und dem Spielen mit  Wörtern. Das ganze wurde immer wieder von Theorie-Vorträgen unterbrochen.

In einem dieser Vorträge traf es mich absolut unerwartet. Es war, als wäre ein Blitz direkt neben mir eingeschlagen und der plötzliche Schock hätte mich an etwas wichtiges erinnert. Fast so, wie wenn man mitten in der Nacht mit einem Mal kerzengerade im Bett sitzt, weil einem eingefallen ist, dass man vergessen hat Klopapier zu kaufen.

Das hier war jedoch mehr eine fixe Idee, obwohl es sich gleichzeitig so anfühlte, als hätte sie schon länger unter der Oberfläche geschwelt. Als hätte sie darauf gewartet, auszubrechen. Ich glaube, es lag daran, dass es an dem Morgen geschneit hatte…

Ein neues Symbol auf meinem Desktop

Was ich in Stichworten im Seminar schnell hingekritzelt hatte, schrieb ich so rasch wie möglich aus. Es war nicht viel – nur etwas weniger als eine Seite – aber es fühlte sich trotzdem wichtig an. Es war eine Szene und ich wusste, dass sie der Einstieg zu einem Roman werden würde. Das Dokument nannte ich dann ganz belanglos „Idee Story“ und legte es auf meinem Desktop ab. In den nächsten Monaten wanderte mein Blick jedes Mal, wenn ich meinen Computer startete, automatisch zu diesem Icon. „Idee Story“. Doch ich wusste noch nicht, was ich damit anfangen sollte.

Ich hatte zwar in dem Moment, als ich diese Seite geschrieben habe, eine grobe Richtung im Kopf, aber es war nicht genug, um damit weiter zu arbeiten. Es war zu vage, zu einfach. Viele der großen Schriftsteller glauben an die „harte Arbeit“. Das ist es, was Schreiben die meiste Zeit ist. Die romantische Vorstellung, die wir so häufig damit verbinden, entspricht in den seltensten Fällen der Wahrheit. Dieser beinahe meditative Schreibfluss kommt nicht von selbst. Gute Ideen sind in den seltensten Fällen spontane Eingebungen, sondern das Ergebnis stundenlangen Grübelns. Stunden, in denen man manchmal nicht mehr als eine halbe Seite schafft und 90% ist Mist.

Ich war damals noch nicht bereit, diese Arbeit zu investieren. Ich musste die Idee erst „marinieren“ lassen und sie in meinem Kopf weiter spinnen. Ab einem gewissen Punkt fing ich an, mir Notizen über die beiden Protagonisten und den weiteren Verlauf zu machen. Das meiste davon ist jetzt überflüssig. Es war zu konstruiert. Ein zwanghafter Versuch um voran zu kommen und das Ruder mit Gewalt herum zu reißen.

Ready when I’m not…

Erst Ende letzten Monats wurde diese Idee, die ich im Dezember hatte, konkreter. Konkret genug, dass ich mir den Spaß machte, das Dokument wieder zu öffnen und ein Stückchen weiter zu schreiben. Am nächsten Tag noch ein Stückchen. Und ein paar Tage darauf noch ein Stückchen. Ohne den Anspruch auf Perfektion oder Vollständigkeit. Ohne viel darüber nachzudenken.

Ich bin weiß Gott noch nicht weit, aber so langsam fühlt es sich so an, als würde das Ganze irgendwo hin führen. Fragt mich nur nicht wohin.  Es ist meine persönliche Herkules-Aufgabe, die ich für mich und in meinem eigenen Tempo lösen muss. Der gordische Knoten, der mir lange genug den Magen zusammengeschürt hat und den ich nun zerteilen muss.

Ich weiß schon, wie es ausgehen wird. Egal, wie oft ich Namen, Szenen oder Orte ändern muss bis es passt. Die Vision für das Ende wird in meinem Kopf immer klarer. Aber das ist nicht das Ziel. Ich will mir selbst beweisen, dass ich bereit bin, auch wenn ich mich noch nicht so fühle. Ich muss nur weiter machen – jeden Tag ein bisschen mehr.

Jägerin des verlorenen Mojo

mojo

Das vergangene Osterwochende habe ich endlich mit dem verbracht, was ich schon längst hätte machen sollen: Ich habe meine Wohnung aufgeräumt und entrümpelt. Das bedeutete einen Gang zur Altkleidersammlung, eine Tour zum Wertstoffhof und weitere Fahrten zu diversen Baumärkten, Gartencentern und natürlich IKEA (an einem Ostersamstag reiner Selbstmord!).

Vor allem nach diesem Samstag hatte ich seit langem endlich wieder das Gefühl wirklich etwas geschafft zu haben. Endlich habe ich ein paar Dinge entsorgt, die ich absolut nicht mehr gebraucht habe. Ich habe mir nach Jahren Vorhänge geholt, die mein Schlafzimmer ausreichend abdunkeln, damit es nicht schon um halb 7 morgens taghell ist. Auf einmal hatte ich wieder Stauraum, von dem ich vorher gar nicht wusste, dass ich ihn überhaupt besitze.

Dieser Tag hat mir dabei geholfen, mein Leben wieder ein bisschen auf die Kette zu kriegen. Besonders nachdem ich mich die Wochen davor so unruhig und ein wenig verloren gefühlt hatte. Es ist meiner Meinung nach wirklich keine Übertreibung, wenn davon gesprochen wird, dass unsere Wohnzustände in Teilen unsere Seele und unseren Gemütszustand widerspiegeln. Mein Kopf war in der letzten Zeit so voll gestopft mit Müll, genau wie meine kleine Butze. Da konnte ja nichts vernünftiges bei rumkommen.

Auf dem Weg zurück zum „königlichen Groove“

Das bedeutet natürlich nicht, dass damit auf einen Schlag all meine Probleme und Fragen aus der Welt geschafft sind, aber es hat mir dabei geholfen, ein paar Dinge klarer zu sehen und meine Prioritäten neu zu setzen. Will ich Dinge nur um mich haben, nur um des Habens willen oder weil ich sie schätze und genieße? Je länger ich mit dieser Aktion gewartet hätte, desto mehr hätte sich angesammelt und meine Wohnung und meine Gedanken verstopft.

Jetzt fühle ich mich aber endlich wieder so, als wäre ich auf dem besten Weg, um mein „Mojo“, mein Glück, nicht nur zu finden, sondern wieder selbst in die Hand zu nehmen. Denn wie gesagt, nur weil ich meine Wohnung aufgeräumt habe, regelt das nicht automatisch mein ganzes Leben.


Dinge, die ich tun will, um mein Mojo wieder zu beleben:

  1. Weniger Zeit vertrödeln – Ich neige vor allem nach der Arbeit sehr stark dazu, mich durch irgendwelche Videos auf Youtube zu klicken, oder mich in den Weiten von Pinterest zu verlaufen. Die Zeit, die dafür drauf geht, kann ich viel sinnvoller nutzen.
  2. Weniger Süß essen – Die letzten Wochen war mein Konsum an Süßigkeiten relativ gering gewesen. Das hat sich in den letzten Tagen dramatisch geändert und sich in meiner Haut und dem kleinen Bauchtäschchen widergespiegelt, das ich gerne mit hoch geschnittenen Hosen verdecke. Das darf kein Dauerzustand werden!
  3. Bewegung, Bewegung, Bewegung – Während ich in den USA war, ist der Sport eindeutig zu kurz gekommen. Vor allem Yoga hilft mir sehr um meine körperliche und mentale Ausgeglichenheit aufrecht zu erhalten.
  4. Weniger einfache Kohlenhydrate – Ich liebe Nudeln, aber leider merke ich es auch, wenn ich sie mehrere Tage hintereinander esse. Deshalb heißt die Devise nun leider: weniger Nudeln, mehr Gemüse.
  5. Meinen Balkon aufhübschen – Meine Wohnung ist jetzt frühlingsbereit (inkl. geputzter Fenster!). Jetzt muss ich nur noch dafür sorgen, dass es mein Balkon bald nachzieht. Ich habe also endlich einen ernsthaften Grund, um ins Gartencenter zu fahren – Hurra!!
  6. Mehr Wasser trinken – Eine ganze Zeit lang habe ich es ganz gut geschafft, auf mein tägliches Soll an Flüssigkeit zu kommen, doch in der letzten Zeit ist es mir sehr schwer gefallen.Deshalb werde ich wieder damit anfangen, meine Flüssgkeitszufuhr zu tracken.

All die Sachen, die ich hier aufgelistet habe, sind an sich ziemlich simpel und leicht in meinen Alltag zu integrieren, aber oft sind es diese vermeintlich einfachen Dinge, die wir aufschieben oder vergessen – vor allem, wenn wir dafür doch unseren Schweinehund überwinden müssen, wohl wissend, dass es eigentlich gut für uns ist.

Neben den hier erwähnten Vorhaben, gibt es natürlich weitere, größere Projekte, die ich machen möchte, aber gerade um die zu schaffen, glaube ich, dass es für mich persönlich umso wichtiger ist, auf diese 6 Dinge besonders zu achten. Ich möchte nicht nach 2 Monaten fest stellen, dass ich mich kaum bewegt habe, mir dafür aber jeden Abend einen fetten Teller Pasta reingezogen habe (überspitzt ausgedrückt) und mich dann schlecht fühlen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Jägerin des verlorenen Mojo nimmt ihr Leben jetzt wieder selbst in die Hand!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Ängste eines Anfängers

Blatt

Jedes Mal, wenn ich diese weiße Seite sehe, habe ich Angst. Ich habe Angst davor, dass mir nichts einfällt. Angst davor, dass das, was mir einfällt, nicht gut genug ist. Dabei ist das, was ich hier schreibe eigentlich nur für mich gedacht. Ich muss es niemandem zeigen. Ich muss es ja nichtmal selbst lesen, wenn ich es nicht will.

Trotzdem ist der Anspruch hoch. Am besten muss alles sofort perfekt sein. Dabei weiß ich ganz genau, dass Perfektion ein Luftschloss ist, dem man sich zwar annähern kann, das man aber nie wirklich erreicht. Erst recht nicht, wenn man gar nicht erst anfängt zu laufen.

Obwohl ich ein langsamer Leser bin, lese ich gerne und so viel, wi bei meinem Tempo irgendwie möglich. Ich habe Bücher gelesen, die mir nicht gefallen haben, Bücher, die ich gut fand, aber die trotzdem schnell wieder in Vergessenheit geraten sind und Bücher, die nachhaltig in mein Gedächtnis gebrannt haben.

Ich habe sie aufgesogen. Die Emotionen, die Ästhetik, die Worte – jede einzelne Seite. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, selbst zu schreiben, will ich, dass meine Texte bei anderen genau diese Wirkung hervorruft. Ich will eine Geschichte schreiben, die einen wach hält, wenn man eigentlich schon längst schlafen sollte. Dieser Moment, wenn man das Licht eigentlich schon ausgemacht hat, es dann aber doch wieder einschaltet, um „nur noch ein paar Seiten“ zu lesen.

Die eigenen Ansprüche sind die höchsten Mauern

Doch dafür muss ich zunächst meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden, die im Moment höher sind als die von allen anderen. Die Perfektion, die ich aus dem Stand zu erreichen versuche, ist dabei unerreichbar. Erst recht nicht, wenn ich noch am Anfang meines Weges stehe. Am liebsten würde ich mit Anlauf auf die Pforte meines Luftschlosses zustürmen und das Schloss gewaltsam aufbrechen.

Ich wäre gerne das „Wunderkind“ gewesen, das mit Anfang 20 ein Erstlingswerk veröffentlicht, das von Kritikern wie Lesern gleichermaßen geliebt wird. Es wäre mein Weg gewesen, um etwas besonderes zu sein. Mein Ziel war hohe Literatur für die Massen, doch die Zweifel waren bisher immer stärker als der Wille.

Bis heute fehlten mir stets der Mut, die Ideen und das Handwerk, das ich nur erlange, wenn ich mich hinsetze und mich meiner Angst stelle. Auch wenn mir diese Worte gerade leicht von der Hand gehen, weil ich einfach nur das schreibe, was mir gerade durch den Kopf geht, ist es nicht das, was ich eigentlich schreiben will. Das „Blatt“ füllt sich, aber für mich bleibt es dennoch leer.

Imitation oder Originalität?

Einer meiner größten Albträume liegt wohl darin, dass die Geschichten, die ich hoffentlich später schreiben werde, lediglich als minderwertige Kopien der Werke wahrgenommen werden, die ich bewundere. Mir ist bewusst, dass ich das Rad nicht neu erfinden kann und dass im Grunde alles, was ich mir überlegen könnte, wahrscheinlich schon durch die Hände eines anderen seinen Weg in die Realität gefunden hat.

Mein Problem liegt eher, dass ich automatisch versuche, den Stil der Bücher zu imitieren, die ich liebe, weil ich mich an ihnen messe. Liegt es daran, dass ich meiner eigenen Stimme nicht vertraue? Daran, dass ich nicht glaube, mit meiner eigenen Art etwas von Bedeutung schaffen zu können? Oder daran, dass ich so verzweifelt versuche, die Gefühle zu reproduzieren, die diese Bücher in mir ausgelöst haben?

All das sind wahrscheinlich Fragen, die sich jeder Schreiberling an irgendeinem Punkt seiner Reise in der einen oder anderen Form stellt. Zweifeln ist normal. Es gehört zum Prozess dazu. Mittlerweile habe ich einen ersten Versuch gestartet, um etwas eigenes zu erschaffen. Ich weiß noch nicht, wohin es führt, aber es ist ein notwendiger, wenn auch einschüchternder Schritt, den ich machen muss.

Ich werde aus diesem Nichts, dieser leeren Seite, etwas formen. Selbst wenn ich am Ende noch nicht zufrieden sein werde. Meine Zweifel sollen nicht länger die Fesseln sein, die mich von den Dingen abhalten, die ich tun muss, um glücklich zu sein.

Das MET – Ein Irrgarten der Kunst

METIch liebe große Städte – ihre Vielfalt und die Anonymität. Millionen von Menschen, die sich wie Ameisen durch ein Netz von Straßen schlängeln. Alles wirkt hektisch und überfordert einen manchmal mit seine Reizen und doch hat es System. Mittlerweile fühle ich mich in Seoul und in London fast wie zu Hause. Tokyo ist eine der faszinierendsten Städte, die ich bisher besucht habe und jetzt kann ich auch New York City auf meine Liste der bisher besuchten Großstädte setzen.

Auch wenn ich sie als Stadt per sé nicht als schön beschreiben würde, hat sie doch unglaublich viel zu bieten. Es ist wirklich eine Stadt, die niemals still steht – geschweige denn still ist. Dabei habe ich mir zwischendurch nichts mehr als ein bisschen Stille gewünscht. Und ich fand sie.

Ich fand die Stille in ihrer schönsten Form direkt am Central Park: Das Metropolitan Museum of Art, kurz MET. Dreieinhalb Stunden nur für mich, umgeben von Gemälden, Skulpturen und vielen anderen Kunstgegenständen mit denen ich niemals gerechnet hätte. Jeder Raum hielt eine neue Überraschung für mich bereit.

Müsste ich diesen Ort mit nur wenigen Worten beschreiben, dann würde ich sagen, es ist ein gigantischer Irrgarten der Kunst. Abgesehen davon, dass es absolut riesig ist (spoiler alert: Ich habe noch lange nicht alles gesehen und muss wohl „leider“ nochmal hin), bietet es eine Fülle an Objekten, die ich in einer solchen Vielfalt noch nie gesehen habe.

Allein diese Vielfalt und die Tatsache, dass man meiner Meinung nach mindestens zwei Tage einplanen sollte, wenn man sich möglichst viel anschauen will, rechtfertigt in meinen Augen den stolzen Eintrittspreis von 25$. Dafür kann man das Museum an 3 aufeinanderfolgenden Tagen besuchen. Ein super Preisleistungsverhältnis für jeden Kunst-Junkie!

Nachdem ich meinen Eintritt bezahlt hatte, legte ich meine Musik auf und die Reise konnte losgehen. Mein Weg führte mich über antike Skulpturen nach Afrika, Südamerika, zu den Impressionisten und Klassikern des 19. Jahrhunderts. Ich sah die prächtigen Räume venezianischer Palazzi wieder auferstehen und tauchte in die Welt von Fabergé ein.

Und obwohl das Museum gut besucht und damit teilweise mit mehr Leuten angefüllt als mir lieb war, gab es Bereiche, in denen sich kaum ein Mensch aufhielt und wo ich wirklich für mich sein konnte. Dann nahm ich mir auch wirklich Zeit, um all die Einflüsse, die mich umgaben, aufzunehmen und zu genießen.

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Die schiere Fülle an unterschiedlichen Stilen und Objekten war beinahe erschlagend, als ich auf einmal merkte, dass mir die Zeit davonlief und ich noch lange nicht alles gesehen hatte, was ich sehen wollte. Was war mit der asiatischen Kunst? Und mit den Ägyptern? Abgesehen davon hatte ich mich zwischenzeitlich ohnehin zwischen irgendwelchen Kolonialmöbelstücken verlaufen.

Trotz der Hektik, die sich dadurch zum Ende meines Besuches entwickelte, lief ich regelrecht auf Wolken. So sehr, dass ich mir aus dem Souveniershop glatt noch eine Tasse oder einen Beutel mitgenommen hätte, doch beides wurde zu derart salzigen Preisen angeboten, dass ich beschloss, mich auf die Eintrittskarte als Andenken zu beschränken.

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Das MET war für mich eine der positivsten Überraschungen dieser Reise und damit eines der absoluten Highlights. Obwohl rein von meinem Bauchgefühl her das „Victoria & Albert Museum“ in London nach wie vor mein liebstes Kunstmuseum ist, hat sich das MET im Sturm auf den zweiten Platz katapultiert (gefolgt vom „Louvre“ in Paris). Während ich das Victoria & Albert Museum fast jedes Mal besuche, wenn ich in London bin, hat das MET zweifellos das Potenzial dazu das gleiche zu werden, wenn ich in Zukunft wieder nach New York reise.

Ein kleines Lebenszeichen

Unruhe

Genau 3 Wochen sind seit meinem letzten Beitrag vergangen und eines kann ich direkt vorweg sagen: Es ist echt viel passiert. Ich war in New York City und Orlando, Florida (Berichte dazu werden nach und nach folgen). Ich bin 27 geworden und auch im Job kündigen sich in den nächsten Monaten einige willkommene Veränderungen an. Ich habe eine neue Obsession entdeckt und gemerkt, dass ich ein bisschen Vitamin D doch besser gebrauchen kann, als ich kleine Schneekönigin sonst immer wahrhaben wollte.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Entwicklungen, die sich gerade durch mein Leben ziehen, sehr positiv sind. Mein Geburtstag ist zwar in der Regel ein Tag, den ich am liebsten überspringen würde, um nicht ans Älterwerden erinnert zu werden, aber ich habe, wenn man das große Ganze betrachtet, gerade in den letzten Wochen viel erlebt, was mich glücklich macht.

Dazu hat mit Sicherheit auch die kleine Auszeit in den USA beigetragen. Ich konnte viele neue Eindrücke mitnehmen, Sonne tanken und zumindest für ein paar Tage aus dem Alltag ausbrechen. Als ich am vorletzten Sonntag wieder nach Hause kam, war ich hochmotiviert. Ich habe direkt am Montag dem Friseur einen Besuch abgestattet und meine formlosen Zotteln abschneiden lassen. Jetzt bin ich wieder stolze Bob-Trägerin.

Alles neu macht der M…März?

Am liebsten hätte ich sofort meiner Wohnung den bitter nötigen Frühjahrputz verpasst, den Balkon aufgemöbelt und mein ganzes Hab und Gut ausgemistet. Bei mir stehen alle Zeichen auf einen fast schon euphorischen Neustart – aber irgendwas fühlt sich verkehrt an.

Ich habe schon seit einer Woche versucht, herauszufinden, was es ist. Natürlich ohne Erfolg. Mein Zeitmanagement ist die letzten Tage katastrophal gewesen. Meist bin ich über eine Stunde später ins Bett gekommen, als ich eigentlich wollte – wie auch immer ich das geschafft habe. Wenn ich dann erstmal im Bett lag, wollte mein Kopf einfach nicht abschalten. Ständig unterbrach ein neuer aufkommender Gedanke die so dringend herbeigesehnte Stille und wenn mir dann doch endlich die Augen zufielen, war der Schlaf unruhig und die Träume so merkwürdig (bis verstörend), wie sie lebhaft waren.

Man kann das ganze auf den Jet-Lag nach einer fast 24-Stunden langen Reise zurückführen und wahrscheinlich war dieser Umstand auch nicht unschuldig an dieser inneren Unruhe, die nur sehr zögerlich von mir ablässt. Ehrlich gesagt, glaube ich aber, dass das nicht alles ist.

Ein reißender Strom in meinem Bauch

Aus irgendeinem Grund bin ich aufgeregt und habe Hummeln im Hintern. Es ist aber nicht wie die Vorfreude auf eine Reise, wo man sonst an nichts anderes mehr denken kann oder will, sondern vielmehr eine unterschwellige, aber konstante Anspannung. Es fällt mir sehr schwer, mich zu konzentrieren – einer der Gründe, warum ich mich so spät erst wieder melde. Es ist, als würde mein Körper die ganze Zeit darauf warten, dass etwas passiert. Ich weiß nur nicht, was das sein soll.

Vielleicht wird es langsam Zeit, dass endlich Frühling wird. Wahrscheinlich wird sich diese Unruhe auch so still und heimlich wieder verabschieden, wie sie gekommen ist. Trotzdem wüsste ich gerne, warum sie überhaupt über mich gekommen ist. Ich werde das kommende lange Wochenende jedenfalls dafür nutzen und einen Teil der angestauten Energie abbauen, indem ich meiner Wohnung endlich eine Grundreinigung verpasse. Dabei werde ich mich auch gleich auf die Suche nach meinem verschollenen Zen machen.

Ich werde dann auch versuchen, meine ersten Eindrücke aus den USA zusammenzufassen. Schließlich will ich euch dazu nichts vorenthalten. Ich weiß noch nicht, wie das genau aussehen wird. Nur folgendes kann ich jetzt schon verraten: Dem MET werde ich einen eigenen Beitrag widmen!