Jeder ist mal ein Nichtsnutz.

Blattwerk
Photo by Thomas Millot on Unsplash

Auch wenn man sich im allgemeinen nicht über das Leben beklagen kann, abgesehen von den üblichen Erste-Welt-Problemen, gibt es immer wieder diese Tage an denen nichts wirklich zu klappen scheint. Tage, die einem das Gefühl geben, dass man vom Pech verfolgt wird und an denen man mit einem Mal alles in Frage stellt, was man bisher gemacht hat.

Gestern war für mich einer dieser Tage. Ich bin eigentlich davon überzeugt, dass ich ganz gut darin bin, Dinge zu planen und zu organisieren. Zwar mehr für andere als für mich selbst, das eigene Leben endet ja doch immer irgendwo im Chaos, aber selbst mit der besten Planung können Dinge schief gehen. So auch gestern.

Wahrscheinlich kam es mir auch einfach nur schlimm vor und für die meisten ist es kein großes Ding:

Das kann jedem Mal passieren.“

Da steckt man manchmal nicht drin. Muss man halt das beste draus machen.

Ist doch kein Ding. Mach dir nichts draus.

Das ist zumindest die Art der aufmunternden Antworten, die man bei solchen Geschichten zu hören bekommt. Und eigentlich muss ich ihnen recht geben. Bei aller Sorgfalt passieren immer wieder unvorhergesehene Dinge und dann muss man das Beste daraus machen. Ist einfach so.

Wäre da nur nicht dieser kleine Teil in meinem Kopf, der sofort anfängt aufzulisten, was ich falsch gemacht habe, oder hätte anders machen können, um es zu vermeiden. Obwohl der Zug schon abgefahren. Das Kind ist in den Brunnen gefallen und hat sich beide Arme gebrochen. Und beide Beine. So fühlt es sich jedenfalls an.

Und das ist dann auch meistens der Anfang vom Ende, denn was darauf folgt, ist selten gut: Ich fange dann nicht nur an, meine Handlungen in dieser speziellen Situation zu hinterfragen, sondern im Prinzip auch sämtliche anderen Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe.

Fazit: Eigentlich bin ich ja sowieso unwürdig und kann nix. 

Zu dieser Erkenntnis komme ich in der Regel nach erschreckend kurzer Zeit. Dabei ist am Ende alles nur halb so schlimm. Der Druck, den wir uns selbst machen, ist in den meisten Fällen um einiges größer als der, der uns von anderen auferlegt wird. Klar, wir wollen perfekt sein, gelobt werden und im Leben voran kommen. Zu oft vergessen wir aber, dass auch Fehler machen zum Vorwärts kommen gehören.

Wenn ich rückblickend etwas aus dem gestrigen Tag gelernt habe, dann nicht, dass ich ein vollkommen inkompetenter Vollhorst bin, sondern was ich anders machen kann, wenn mich wieder eine solche Situation oder Aufgabe erwartet. Es war eine dieser kleinen Lektionen, die im ersten Moment weh tun und unangenehm sind, mit denen wir aber immer rechnen müssen. Und in der Regel sind sie auch noch lehrreicher als die Momente, in denen alles glatt laufen zu scheint.

Wenn man etwas Zeit hatte, um einen Rückschlag zu verarbeiten, so klein er am Ende auch sein mag, ist es natürlich immer leicht so hochtrabend daher zu reden wie jetzt. Gestern hätte ich mich am liebsten in einem Loch verkrochen und wäre nicht wieder raus gekommen. Ich war zu enttäuscht von mir selbst, um klar zu denken

Also beschloss ich, sie mit ein wenig Retail Therapy und einem guten Essen in einem kleinen, gemütlichen Café von mir weg zu schieben.  Das gelang mir auch so halb. Doch als ich später am Abend am Flughafen Tegel ankam und mein Flieger mit über einer Stunde Verspätung die Stadt verließ, war ich mir sicher, dass dieser Tag nun vollkommen verkorkst war.

Um kurz vor Mitternacht öffnete ich die Tür zu meiner kleinen 33m²-Wohnung. Ich war wieder zu Hause. Faszinierend, wie schnell einen diese Tatsache wieder beruhigen kann.

Fest steht: Der gestrige Tag wird nicht gerade als der beste oder erfolgreichste Tag in die Annalen meiner persönlichen Geschichte eingehen. Er wird aber auch nicht der schlimmste sein. Bei weitem nicht. Ob ich das jetzt beruhigend finde oder nicht, sei jetzt mal dahin gestellt, aber er war eine wertvolle Lektion, denn kein Mensch ist wirklich immer zu Hundert Prozent perfekt.

Und das sollten wir auch nicht von uns erwarten.

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