Das fiese „Was-kann-ich-eigentlich-Syndrom“

workErfahrung zu sammeln, und davon möglichst viel, ist mit das Beste, was ein Mensch in seinem Leben machen kann. Nur indem wir Erfahrung sammeln, kommen wir weiter. Dabei ist es eigentlich so, dass es auf jedem Gebiet, das wir uns vorstellen können, Menschen gibt, die besser sind als wir. Das ist gut, weil wir dann von ihnen lernen können. Andererseits kann das ziemlich frustrierend sein.

Schließlich haben wir viel zu häufig den Anspruch an uns selbst, alles perfekt machen zu müssen – und das am besten von Anfang an. Wenn wir mit diesem Anspruch im Hinterkopf jemanden sehen, der besser ist als wir, ist es egal, dass diese Person unter Umständen schon mehrere Jahre Erfahrung auf dem Gebiet hat. Wir sehen nur den aktuellen Erfolg und das, was wir  im Vergleich bieten können: nicht viel.

Doch wer weiß schon, was diese Person alles durchgemacht hat, um dorthin zu kommen, wo sie jetzt ist? Jeder bezahlt schließlich sein eigenes Lehrgeld. Wir denken aber oft nur eines: „Verdammt, er/sie ist so viel besser als ich. Wie soll ICH das jemals schaffen?

Konstruktivität statt Destruktivität

Diese Angewohnheit die eigenen Fähigkeiten abzuwerten, kann sich schnell als fatal erweisen; nämlich dann, wenn sie anfängt uns zu lähmen. Ich habe das bei mir selbst schon viel zu oft beobachtet: Die Erfolge anderer haben mich häufig derart verunsichert, dass ich mein Vorhaben nur noch halbherzig verfolgt und schließlich komplett aufgegeben habe. Und damit bin ich nicht alleine. Wir alle leiden hin und wieder unter diesem „Was-kann-ich-eigentlich-Syndrom“ – und schmeißen hin.

Im idealen Fall sehen wir die Überlegenheit Anderer als Ansporn an. Das Ziel kann dann zum Beispiel folgendes sein: Ratschläge und konstruktive Kritik von erfahrenen Menschen nicht als destruktiv zu empfinden und stattdessen auf ihnen aufzubauen. Oder es kann bedeuten, dass man sich erfolgreiche Menschen ansieht und versucht zu rekonstruieren, wie sie zu ihrem Erfolg gekommen sind – Reverse Engineering sozusagen.

Dabei ist es noch nicht mal so wichtig genau den Weg Schritt für Schritt abzubilden, den die Person tatsächlich gegangen ist. Viel bedeutsamer ist es, wenn man so einen Weg findet, der für einen selbst sinnvoll und unter Umständen sogar machbar ist.  Dass nicht alles von Anfang an rund läuft, wenn man sich dann selbst daran versucht, versteht sich von selbst. Fehler gehören halt immer dazu.

Jeder muss seinen eigenen Weg gehen

Es bringt natürlich nichts, sich 1:1 mit anderen zu vergleichen; erst recht nicht, wenn man sich auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen befindet. Stattdessen versuche ich mittlerweile, mich vermehrt mich mit mir selbst zu vergleichen: Wo stand ich vor einer Woche? Wo vor einem Monat? Wenn man sich mit seinem vergangenen Ich vergleicht, fällt es wesentlich leichter, die Fortschritte, die man gemacht hat, auch als solche anzuerkennen. So sieht man weniger die Sachen, die man noch nicht kann und mehr von den Fähigkeiten, die man sich in der Zwischenzeit angeeignet hat.

Denn das Schöne und gleichzeitig auch Gemeine am „Was-kann-ich-eigentlich-Syndrom“ ist, dass es meistens im Zusammenhang mit anderen Menschen auftaucht. Und weil sich der Kontakt zu anderen Menschen nie ganz vermeiden lässt (außer man zieht irgendwo in den Busch, oder auf eine einsame Insel), kann man es leider auch nie ganz abstellen. Man kann jedoch lernen damit umzugehen und seinen Fokus, wie oben erwähnt, anders ausrichten.

Zusammengefasst habe ich also folgende Wege für mich gefunden, die mir dabei helfen, dieses fiese Stimmchen in meinem Kopf leiser zu drehen:

  1. Konstruktive Kritik und Ratschläge von Leuten, die besser sind als ich, auch so anzunehmen und sie zu integrieren
  2. Reverse Engineering: Mir anschauen, wo andere stehen und mit welchen Schritten ich auch dorthin kommen könnte (Jeder macht seine eigenen Erfahrungen)
  3. Den Vergleich mit mir selbst suchen: Wo habe ich mich in der letzten Zeit verbessert? Wo kann ich noch an mir arbeiten?

So formuliere ich die Frage „Was kann ich eigentlich?“ um in „Was kann ich noch tun, damit ich noch besser werde, als ich es jetzt schon bin?“ und integriere dabei das im Grunde sehr wertvolle Feedback meiner Mitstreiter.

 

Dem materiellen Chaos Herr werden (inkl. Worksheet)

Ausmisten

Dieses Wochenende steht bei mir ganz im Zeichen der Entrümpelung. Ich habe eine Box mit 15 Büchern, DVDs und CDs gepackt, die ich zu Momox schicken werde und weitere Bücher ausgesucht, die ich zum Bücherschrank bringen werde, damit Leute sich die kostenlos mitnehmen können. Ich habe alte Handtücher und Klamotten aussortiert und Zeitschriften weg geschmissen. Und das ist erst der Anfang.

Es ist faszinierend und erschreckend zugleich, wie viel Zeug sich in ein paar Jahren ansammelt und wie wenig man davon tatsächlich braucht. Wobei man, wenn man den Begriff „brauchen“ ganz streng sieht, auch gleich 90% seiner Besitztümer weg schmeißen könnte. Doch an vielen Dingen halten wir nur fest, weil wir emotionale Verbindungen zu ihnen haben. Wir benutzen sie eigentlich gar nicht mehr, doch jedes Mal, wenn wir darüber nachdenken, sie weg zu geben, bekommen wir ein schlechtes Gewissen. Am Ende stehen sie aber doch nur in der Ecke und setzen Staub an.

Meistens handelt es sich dabei um Geschenke oder wir verbinden diese Dinge mit bestimmten Ereignissen in unserem Leben. Natürlich ist es schön, etwas in die Hand zu nehmen und sich an etwas besonderes zu erinnern, doch manchmal sollte man sich auch die folgende Frage stellen:

Ist meine Erinnerung weniger wert, wenn ich dieses Ding weg gebe?

In letzter Zeit habe ich mich auch vermehrt gefragt, ob ich manche Dinge nur behalte, weil sie zur Gewohnheit geworden sind. Sie waren einfach schon immer da, haben sich dadurch nahtlos in das Bild meiner Wohnung eingefügt. Deshalb habe ich sie nie hinterfragt. Und oft ist da dieser trügerische Gedanke, dass ich sie irgendwann nochmal gebrauchen könnte. Das ist in den meisten Fällen ein Irrtum. Viele Dinge haben nach einer gewissen Zeit ihren Zweck bei uns erfüllt. Sie darüber hinaus noch zu behalten, bedeutet nur weiteren Ballast – emotional und räumlich.

Vor allem bei Büchern fiel es mir immer schwer einen Schlussstrich zu ziehen. Ich lese unglaublich gerne und ich liebe es, Bücher zu besitzen – mich einfach tagtäglich mit ihnen zu umgeben. Aber es gibt immer Bücher, die einem weniger gefallen als andere. Warum sollte ich sie noch länger behalten, wenn ich sie nicht mehr lese? Nur um ein volles Bücherregal zu haben? Dabei gibt es mit Sicherheit andere Menschen, die sie mehr wertschätzen würden als ich.

Das gleiche gilt für diese eine Hose, die jede Frau nur deswegen im Kleiderschrank hat, weil sie glaubt, dass sie irgendwann wieder passt. Vielleicht passt sie irgendwann tatsächlich wieder, aber das muss nicht heißen, dass sie deshalb jahrelang im Schrank liegen und einem womöglich noch ein schlechtes Gewissen machen sollte. Wir wissen nur, was im Jetzt passiert und was uns im Jetzt nicht glücklich macht, sollte einfach gehen.

Das 7-Fragen-Worksheet

Im Zuge meiner Aufräum-Wut, die mich die Tage ergriffen hat, habe ich ein kleines Worksheet mit Fragen zusammengestellt, die mir dabei helfen, wenn ich Dinge aussortiere. Sie helfen dabei, jeden Gegenstand, bei dem man sich unsicher ist, besser einordnen zu können. Und obwohl es sich um scheinbar einfache Ja-Nein-Fragen handelt, haben sie zumindest bei mir viele Denkprozesse angeregt, wenn es um die Dinge geht, mit denen ich mich tagtäglich umgeben möchte.

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Die Art, wie ich jetzt an dieses Thema herangehe, ist sehr durch die Methode von Marie Kondo inspiriert, wenn auch nicht ganz so strikt. Sie fragt sich stets: „Does it spark joy?“ („Löst es ein Glücksgefühl aus?„). Daran lehnt sich auch die erste Frage auf dem Worksheet an.

Niemand tickt gleich

Im Grunde ist es aber so: Manche Menschen können nur mit wenig Dingen um sich herum leben, weil alles andere sie ablenkt und wieder andere lieben es, sich mit ein bisschen Schnickschnack zu umgeben. Ich gehöre eindeutig in die letzte Gruppe. Am Ende muss natürlich jeder selbst wissen, womit er sich umgibt. Es gibt meiner Meinung nach keine Methode zur Entrümpelung, die bei allen Menschen gleich funktioniert, weil jeder für sich andere Schwerpunkte im Leben setzt.

Ich selbst habe nach jeder Aufräumaktion das Gefühl, wieder ein bisschen besser atmen zu können und mehr Klarheit zu haben. Bis die nächste Session vor der Tür steht.

 

Einfach mal im Kreis kotzen

Verkehr

Wer in der Schule Pädagogik hatte, wurde mit Sicherheit auch mit jenem berühmten Ausspruch von Rousseau gequält: „Jeder Mensch ist im Grunde gut.“ die genauen Hintergründe zu diesem Spruch möchte ich an dieser Stelle nicht weiter präzisieren, aber so sehr man sich auch bemüht „gut“ zu sein: Wir alle tragen aggressives Potenzial in uns.

Das wurde mir erst kürzlich wieder bewusst, als ich vor ein paar Tagen eine Freundin nach der Arbeit besuchen wollte. Ich hatte extra meine Pause abgekürzt und früher Feierabend gemacht, damit ich einen früheren Bus zu ihr nehmen konnte. Also ging ich zur Bushaltestelle und wartete. Und wartete. Und wartete. 10 Minuten vergingen, dann 15 und auch nach 20 Minuten war von dem Bus keine Spur zu sehen. Ich spürte, dass ich mit jeder Minute unruhiger wurde und fing an, nervös mit dem Fuß zu wackeln. Meine gesamte Gesichtsmuskulatur spannte sich an und unaufhörlich schwirrte diese Frage in meinem Kopf herum: „Warum kommt dieser verdammte Bus nicht?“

Als nach einer halben Stunde endlich ein Bus kam (es war der Bus nach dem, den ich eigentlich hatte nehmen wollen), hatte ich mich selbst so in Rage gedacht, dass ich mich gar nicht darüber freuen konnte. Ich dachte nur daran, wie viel Zeit ich damit vergeudet hatte, an dieser Bushaltestelle zu stehen und zu warten. In der Zeit hätte ich zum Beispiel schon längst zu Hause sein können – oder eben bei meiner Freundin.

Das Beste aus der Situation machen, ist manchmal zu einfach

Und solche Momente passieren einem immer wieder. Momente, in denen wir oft keinen Einfluss auf unsere Umwelt nehmen können und uns nichts anderes übrig bleibt als zu reagieren. Diese Machtlosigkeit macht mich jedes Mal rasend. Ich versuche mir dann einzureden, dass es nichts bringt, mich aufzuregen, weil es nichts an der Situation ändert, aber ich kann diese Wut nicht unterdrücken.

Doch da liegt oftmals der springende Punkt: Es ist vollkommen legitim, sich im ersten Moment zu ärgern. Wenn einem etwas widerfährt, das einem nicht gefällt, muss man es nicht weglachen, weil man „ja sowieso nichts ändern kann“. Viel entscheidender ist das, was unmittelbar danach passiert. Als ich nämlich geschlagene 30 Minuten an dieser Bushaltestelle stand, hatte ich die ganze Zeit über ein Buch in meiner Tasche. Ich hätte diese Zeit nutzen und mindestens ein Kapitel darin lesen können. Oder ich hätte mir mindestens eine Folge von einem informativen Podcast anhören können.

Stattdessen habe ich alle zwei Minuten auf mein Handy geschaut und mich mit meiner Wut weiter hoch geschaukelt. Was ich davon hatte? Natürlich nichts. Es ist dumm, wenn man solche Momente rückblickend nochmal betrachtet. Wenn eine Bahn 5 oder 10 Minuten Verspätung hat, ist das erstmal ärgerlich, aber welche weitreichenden Folgen hat das in der Regel, wenn man keinen wichtigen Termin hat? Meistens keine. Wir sind dann vielleicht 10 Minuten später zu Hause und das war’s. Kein Drama.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Nur sagt sich das immer so leicht, wenn man nicht gerade in dieser Situation steckt. Ich kann jetzt vollkommen abgeklärt sagen, wie wenig Bedeutung die Dinge haben, die uns widerfahren und dass es viel wichtiger ist, wie wir darauf reagieren, aber sobald mein nächster Zug 10 Minuten Verspätung hat, werde ich wieder da stehen und ein Gesicht wie 10 Tage Regenwetter ziehen.

Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass diese Wut den ganzen Tag unterschwellig in mir brodelt und nur darauf wartet, einen Anlass dafür zu finden, um auszubrechen. Dabei kann es sich um die banalsten Dinge handeln: Ich bekomme eine Flasche nicht auf, ich sterbe immer wieder an derselben Stelle in einem Videospiel, Autofahren im allgemeinen und auf der Autobahn im speziellen, weil einfach jeder seinen Führerschein im Lotto gewonnen zu haben scheint.

Sobald ein unerwarteter Störfaktor auftaucht, gehen sämtliche Alarmglocken los. Wenn man Zeit hat, um sich auf ein Problem oder eine schwere Aufgabe vorzubereiten, ist es oftmals weniger schlimm, als mit einer kleinen Lappalie konfrontiert zu werden, die einen dafür eiskalt erwischt.

Das „Wie“ ist wichtiger als das „Was“

Insgesamt betrachtet glaube ich tatsächlich daran, dass das „Wie“ wichtiger ist, als das „Was“. Was um uns herum passiert, können wir oft nicht steuern, aber wir könnnen steuern, wie wir reagieren (nachdem der erste Unmut verflogen ist). Dass ich in der Hinsicht noch einen weiten Weg vor mir habe, ist mehr als offensichtlich, aber wie sagt man so schön? Das Leben ist eine Reise. Und wenn man mein Leben nach diesem Kriterium bewerten würde, würde diese Reise wohl nie zuende gehen.

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Die schönste Jahreszeit ist zurück

HerbstViele von euch trauern dem Sommer wahrscheinlich schon seit Wochen hinterher. Es wird jetzt merklich früher dunkel. Es ist kalt, wenn man morgens das Haus verlässt und viele Bäume sind jetzt schon so gut wie kahl. Und wenn man es so betrachtet sind die Aussichten für die kommenden Monate tatsächlich ziemlich deprimierend.

Jedoch nicht für mich, denn der Herbst ist mit Abstand meine liebste Jahreszeit. Ich liebe es, auf dem Sofa eingekuschelt zu sein, wenn es draußen richtig usselig ist und ich liebe Herbstspaziergänge, bei denen das Laub unaufhörlich unter den Schuhen raschelt. Dem Sommer konnte ich nie wirklich viel abgewinnen. Zu heiß, zu wenig bedeckte Körperteile, zu viele Insekten. Ich bin halt kein Sommer-Sonne-Strand-Kind. Ins Freibad zu gehen, hat mich nie so gereizt, wie einfach nur gemütlich ein Buch zu lesen.

„Im Herbst stirbt alles.“

Meine Mutter, die den Sommer sehr liebt, sagt immer, dass der Herbst die Zeit ist, in der alles stirbt. Bereits Wochen bevor der Herbst überhaupt richtig anfängt, sagt sie bei unseren Spaziergängen mit den Hunden jedes Mal: „Es sieht schon richtig herbstlich aus.“ dann fange ich jedes Mal an mich zu freuen wie ein Schneekönig und ernte dafür einen Blick puren Unverständnisses.

Dabei ist der Herbst wie mein Seelenverwandter, wenn es so etwas  unter den Jahreszeiten gibt. Ich mag diese leichte Melancholie, die in der Luft liegt und die einen zum Nachdenken und Reflektieren anregt. Schon in der Schule habe ich mir vorgestellt, wie ich in meinem früheren Leben im 19. Jahrhundert mit locker hochgestecktem Haar an meinem Schreibtisch vor dem Fenster sitze, während der Wind den Regen gegen die Fensterscheibe peitscht. Natürlich schreibe ich einen Gruselroman und natürlich spielt sich das ganze in England ab. Alternativ schreibe ich einen verzweifelten Liebesbrief an den Sohn des Earl of Schlagmichtot, der absolut nicht in meiner Liga spielt.

Der Herbst ist halt das perfekte Setting für jegliches dramatisches Szenario (Wuthering Heights lässt grüßen – grauenhaftes Buch!). Gerade deshalb fangen vor allem in dieser Jahreszeit meine kreativen Säfte wieder an zu sprudeln. Geschichten und Gedanken kommen dann wie von selbst. Der Sommer hingegen ist für mich die Zeit der Faulheit, fast schon der Lathargie. Er inspiriert mich in der Regel nur mäßig, denn meistens ist es für mich viel zu heiß, um zu denken, geschweige denn etwas zu tun.

Keine Bauarbeiterdekolletés mehr!

Man darf mich jetzt gerne oberflächlich nennen, aber der Herbst hat für mich noch einen weiteren, immensen Pluspunkt: weil die Menschen aufgrund der sinkenden Temperaturen wieder mehr anziehen müssen, muss ich weniger Dinge sehen, die ich eigentlich nicht sehen will. Keine Bauarbeiterdekolletés mehr, keine halbnackten, jungen Mädels, die in Sachen rumlaufen, in denen ich meine imaginären Kinder im Leben nicht auf die Straße lassen würde, weil es eine Beleidigung für das menschliche Auge und das weibliche Selbstwertgefühl wäre.

Besonders witzig ist in dieser Hinsicht gerade die Übergangszeit, in der keiner wirklich weiß, was er anziehen soll. Es ist kein wirklicher Sommer mehr, aber so richtig kalt ist es eigentlich auch noch nicht. Während die einen aber schon den Wintereinbruch erwarten und den dicken Daunenmantel ausgepackt haben, laufe andere noch in kurzer Hose durch die Stadt. Und ich stehe in meiner Übergangsjacke mit einem Tee dazwischen und beömmel mich.

Autumn is comin‘, baby! Und ich könnte darüber nicht glücklicher sein.

Und welche Jahreszeit ist dein Seelenverwandter?

 

 

Wer nichts investiert, bekommt nichts zurück (Pseudo-Podcast #2)

InvestitionEs gibt für jede Situation im Leben einen passenden Spruch. Meistens wird er von Außenstehenden abgelassen, wenn man ihnen von seinen Problemen erzählt. Einer meiner „Favoriten“ ist:

Von nix kommt nix.

Erste Reaktion? Wahrscheinlich ein genervtes Augenrollen. Das Problem bei diesen Sprüchen? Wir wollen sie nicht nur nicht hören, weil sie abgedroschen und manchmal ziemlich kitschig sind; oft sind sie auch noch verdammt wahr. Sie treffen einen Nerv, weil sie unser Problem so vereinfacht und altklug darstellen, dass es weh tut. Gerade dieses „Von nix kommt nix“ hat mich in letzter Zeit unglaublich beschäftigt.

Oft sehen wir all diese erfolgreichen Menschen, egal ob privat oder in den Medien und wir fragen uns: „Wie hat er/sie das nur gemacht?“ und manchmal kommt da auch der alte Freund Neid ganz kräftig durch, der ihnen den Erfolg nicht gönnt. Es wirkt, als hätten sie über Nacht Karriere gemacht und sonst nichts dafür getan.

Nur selten sehen wir, welcher immense Aufwand neben einem Quäntchen Glück eigentlich dahinter steckt. Denn die Sache ist die: Man muss im Leben immer etwas investieren, um auch etwas zu bekommen. Dabei ist es egal, ob es darum geht Geld, Zeit oder Aufwand zu investieren. Bei besonders großen Projekten muss man auch regelrecht alles geben. Wer den ganzen Tag nur auf dem Sofa sitzt und Netflix guckt, braucht sich nicht wundern, wenn er im Leben sonst nicht viel erreicht.

Nichtstun ist einfach, bringt aber auch nichts

Ich selbst kann mich von diesem Verhalten nicht freisprechen. Ich liebe es, auf der Couch rumzugammeln und im Grunde nichts zu tun, doch mittlerweile wird mir fast schlecht, wenn ich überlege, was ich in all diesen Stunden die letzten Jahre hätte erreichen können. Ich habe abgesehen vom nötigsten – sprich dem, was die Uni von mir verlangt hat – kaum etwas in mich investiert. Ich habe mich nur wenig weitergebildet, nur wenig private Projekte verfolgt. Wenn ich Leute in meinem Alter gesehen habe, die sich schon als Jungunternehmer bezeichnen konnten, hatte ich das Gefühl, dass ich mein eigenes Potenzial nie wirklich ausgeschöpft habe.

Weil es einfacher ist, nichts zu tun. Es ist einfacher die Hände in den Schoß zu legen und sich hin und wieder ein wenig zu beschweren, als die Ärmel hochzukrempeln und in die Projekte zu investieren, die einem im Kopf herumschwirren.

Und selbst wenn wir uns aufraffen können, so wissen wir im Vorfeld nicht, ob sich die Investition auch lohnen wird. Was, wenn wir alles geben und nichts dafür zurück bekommen? Mittlerweile sehe ich es so: Wir bekommen immer irgendwas zurück. Und wenn es nicht das ist, was wir uns erhoffen, dann sind wir zumindest um Erfahrungen reicher, die uns langfristig trotzdem weiterbringen.

Wenn wir trotz Schweiß und Tränen an etwas scheitern, ist diese Erfahrung immer noch mehr wert, als es vor lauter Angst gar nicht erst zu versuchen. Man kann keine Sprache lernen ohne Vokabeln und Grammatik zu pauken. Man bekommt kein Zertifikat ohne die Prüfung dafür abzulegen. Wer nichts investiert, bekommt nichts zurück.

2. Binsenweisheit: Man kann nicht alles haben

Natürlich bedeutet das auch, dass man Abstriche machen muss: Ich kann nicht den ganzen Tag Downton Abbey gucken und gleichzeitig meinen Gehirnschmalz für Texte wie diesen hier anstrengen (Herzlichen Glückwunsch an die Leute, die das können).  Und wenn ich plane, einen Kurs zu besuchen, von dem ich weiß, dass er mich in meiner persönlichen Weiterentwicklung unterstützen wird, werde ich nicht nur meine Zeit, sondern wohl auch mein Geld investieren müssen.

Das wichtigste, was ich bei meinem aktuellen Wissensstand mitnehme, ist die Erkenntnis, dass wir uns dessen bewusst werden müssen, wo wir langfristig im Leben stehen wollen und mehr in die Faktoren zu investieren, die uns diesem Ziel näherbringen. Das kann bedeuten, dass man weniger Zeit auf Social Media verbringt, aber dafür diese Zeit aufwendet, um sich einen Podcast, zu einem Thema, das einen beschäftigt, anzuhören. Oder es bedeutet, dass man mal nicht die ganze Nacht durchfeiert und stattdessen früh aufsteht und eine Runde laufen geht.

Investiere dich und deine Ressourcen, auch wenn du nicht weißt, wie das Ergebnis sein wird und traue dich, einfach mal mehr zu geben, als du es bisher gegeben hast. Nur so kannst du Dinge bewegen.

Keinen Plan für dein Leben? Voll okay!

Unentschlossen

Jeder von uns hatte wahrscheinlich diese eine Person in der Klasse, die scheinbar schon immer wusste, was sie aus ihrem Leben machen will; die gezielt daran arbeitete und dieses Ziel auch erreichte oder nun kurz davor steht. Diese Zielstrebigkeit habe ich immer bewundert, weil sie diese Menschen so erwachsen wirken ließ. Also hätten sie ihr Leben einfach im Griff.

Ich hingegen war schon immer eher das Fähnchen im Wind, das tat, was ihm gerade in den Sinn kam und was ihm halt gerade so gefiel. Einen Plan für mein Leben hatte ich also nie.

Deshalb hatte ich nie etwas, worauf ich hinarbeiten konnte. Als ich mein Abitur  2010 gemacht habe, hatte ich keine Ahnung von nichts – keine Vorstellung davon, was ich mit mir machen sollte. Studieren wollte ich schon, aber was? BWL? Weil es jeder tat und anscheinend eine sichere Bank ist? Dabei habe ich es doch gar nicht so mit Zahlen.

Am Ende entschied ich mich für ein Studium, bei dem die Chancen, in dem Bereich später auch zu arbeiten, schwindend gering waren. Ein Fach bei dem ich mir dafür sicher war, dass ich mich zumindest nicht in jeder Vorlesung bekotzen würde, weil ich es hasste.

Von Asienwissenschaften zum Finanzverlag

Ich studierte Asienwissenschaften. Eines, dieser typischen Fächer, bei dem sämtliche entfernten Verwandten auf jeder Familienfeier entgeistert fragen: „Und was macht man dann damit?“ Ich erzählte ihnen das übliche: Dolmetscherin, Auslandsreferenz, etc. Es war eine einstudierte Antwort, um die lästigen Fragen der Anderen abzuwimmeln. Denn die Sache war die: Ich wusste in etwa, was man generell damit machen kann, aber ich wusste nie, wo ich mich dabei sah. Und das empfand ich als noch lästiger.

So zog ich auch mein Studium recht planlos durch und kam recht bald zu der Erkenntnis, dass ich aller Wahrscheinlichkeit einen Abschluss in einem Gebiet erlangen würde, in dem ich nie arbeiten würde. Mein Fokus im Leben hatte sich einfach geändert. Ich sah mich  beruflich nicht mehr als „Asienwissenschaftlerin“. Ich wusste aber auch nicht, wo ich mich sonst sah.

Meine Nebenjobs waren im hiesigen Studentensekretariat und anschließend im Verkauf/Store-Management im Food-Bereich. Im Prinzip also alles wild durcheinander gewürfelt. Ich hatte halt nie einen Plan und bin nun in einem Finanzverlag gelandet, was ich erst recht niemals gedacht hätte und was mich gleichzeitig mehr erfüllt, als ich jemals gedacht hätte.

Deine Entscheidungen bestimmen nur einen Abschnitt deines Lebens

Was ich mit dieser extrem langen/langweiligen Einleitung sagen will, ist folgendes: Es gibt Leute, die ihr ganzes Leben durchplanen und ein Ziel nach dem nächsten von ihrer Liste streichen. Es gibt aber auch Leute wie mich und vielleicht auch dich, die nie wirkliche Pläne hatten und von einem Blatt zum nächsten springen. Und auch das ist vollkommen okay!

Gerade in der Schule wollen einem alle Erwachsenen einreden, dass die Entscheidung, was man studiert oder welche Ausbildung man macht, entscheidend für das komplette weitere Leben ist. Ich sage: Dem ist nicht so. Zumindest nicht mit dieser Dramatik, wie es einem in diesem Moment erscheint. Auch wenn man glaubt, den Grundstein für sein ganzes Leben mit dieser einen Entscheidung zu legen, so entscheidet sie nur über die Voraussetzungen für einen Lebensabschnitt. Was danach kommt, weiß kein Mensch!

Manche Leute merken nach 20 Jahren im Job, dass ihre eigentliche Berufung eine ganz andere ist. Oder man realisiert, dass dieses Ziel, auf das man Jahre hingearbeitet hat, einem nicht mehr so wichtig ist. Es kann einen jederzeit treffen.

Sich flexibel dem Leben und seinen Möglichkeiten anpassen

Deshalb sollte man sich auch nicht so stressen, wenn man z.B. in der Schule noch nicht weiß, in welchem Beruf man sich für den Rest seines Lebens sieht. Nichts ist für die Ewigkeit. Nichts ist in Stein gemeißelt. Das mag einerseits beunruhigend klingen, weil das eine ständige Instabilität bedeutet; ich würde es aber eher Flexibilität nennen. Hätte mir mein Studium nicht gefallen, hätte ich mich jederzeit umorientieren können. Und auch wenn mich mein aktueller Beruf irgendwann nicht mehr erfüllt, kann ich kündigen und ein neues Kapitel beginnen.

Keinen Plan zu haben, hat mich offener für Möglichkeiten gemacht, die ich andernfalls nicht erwogen hätte. Ich habe meine Fähigkeiten in Gebieten ausgeschöpft, die ich vorher nicht bedacht hätte und neue Kompetenzen entwickelt. Dafür bin ich dankbar.

Generell bin ich natürlich dafür, dass man jegliche Pläne und Träume, die man hat, auch verfolgt. Das Leben ist zu kurz für die ständige Was-wäre-wenn-Fragerei. Aber es ist auch zu kurz, um sich unnötig zu stressen, wenn man nunmal keinen konkreten Plan hat. Am Ende kommt meistens alles zusammen, denn das Glück findet sich auf so vielen unterschiedlichen Wegen. Und jeder geht seinen eigenen Weg auf seine eigene Weise.

Wenn du keinen Plan hast, sei offen für das Leben und die Möglichkeiten, die es dir bietet. Nutze sie und schaue, wo sie dich hinführen. Wenn du schon einen Plan hast, dann verfolge ihn, aber sei achtsam dabei und setze keine Scheuklappen auf, die dir den Blick für neue Chancen nehmen.

 

Du bist deines Glückes Schmied

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Als Jugendliche habe ich viel Zeit dafür aufgewendet, unangepasst zu sein. Ich habe mir mein Lippenpiercing stechen lassen, die Haare schwarz gefärbt – überhaupt war da sehr viel schwarz involviert – und Musik angehört, die außer mir keiner mochte. Es ging mir nicht primär darum, ein Ehrenmitglied im „Special-Snowflakes-Club“ zu werden, sondern ich fand es schön, in meiner eigenen Welt zu leben und einfach nur das zu tun, was mir gerade Spaß macht. Dass die meisten meiner Klassenkameraden damit nichts anfangen konnten, kümmerte mich nicht und auch dass ich mich dadurch in gewisser Weise von ihnen distanzierte.

So hundertprozentig egal war es mir dennoch nicht, was sie über mich dachten; zumindest, was den Unterricht angeht. Ich war schweigsam, aus Angst, mich mit falschen Antworten zu blamieren und das hat mir meine Abitur-Note am Ende etwas zerschossen. Und auch so habe ich mich selten in etwas eingemischt, auch wenn ich vielleicht anderer Meinung war als meine Klassenkameraden. Wirklich lösen konnte ich mich von ihrer Meinung also nie.

Das ist ein Zwiespalt, den wohl die meisten Leute mit sich ausfechten müssen. Auf der einen Seite möchte man sich abheben und sein eigenes Ding durchziehen. Auf der anderen Seite möchte man aber auch anerkannt und gemocht (oder wenigstens nicht abgelehnt) werden. Die wenigsten Leute, die ich kenne, scheißen – auf gut Deutsch gesagt – wirklich auf das, was andere über sie sagen. Diese Kompromisslosigkeit finde ich bewundernswert, solange man seine Mitmenschen nicht vollkommen vergisst.

Du bist für dich selbst verantwortlich

Die meisten von uns vergessen aber, dass wir selbst unser Glückes Schmied sind undn icht „die anderen“. Wenn wir nicht die Dinge tun, die wir tun müssen, um glücklich und erfolgreich zu sein, nur weil uns die Meinung anderer so wichtig ist, dann blockieren wir uns selbst. Das habe ich damals in der Schule mehr als genug miterlebt. Privat konnte ich mich in meiner Persönlichkeit ausleben, doch beim Thema Schule hemmte mich meine Angst extrem. Deswegen habe ich mein Potenzial nie ganz entfaltet.

Vor allem in den letzten Monaten ist mir mehr und mehr bewusst geworden, wie wichtig es ist, selbst die Zügel in die Hand zu nehmen und einfach mal zu machen, ohne sich darum zu scheren, was andere davon halten könnten:

Du hast eine Idee und willst ein Unternehmen gründen? Dann krieg‘ deinen Arsch hoch und mach es. Du willst dir ein Tattoo stechen lassen? Warum auch nicht. In ein paar Jahrzehnten werden fast alle unserer Kumpels im Altenheim tättoowiert sein. Du willst alleine eine Reise machen? Ja, warum auch nicht? Jeder muss seine eigenen Erfahrungen im Leben machen, um weiter zu kommen, sein eigenes Lehrgeld dafür bezahlen.

Menschen im Leben kommen und gehen, und wenn sie einen ablehnen wegen der Dinge, die man tut, dann sind sie einfach nicht diejenigen, die man in seinem Leben haben sollte. Wenn du die Dinge tust, die für dich richtig sind, ziehst du auch die Menschen an, die für dich richtig sind.

Das klingt im ersten Moment einfach, aber selbst ich weiß, dass es das nicht zwingend ist. Ich selbst werde nie jemand sein, der anderer Leute Meinungen einfach ausblenden kann, aber ich kann mir nach und nach Teile von mir zurückerobern und die konstruktive Kritik, die ich auf meinem Weg bekomme, nutzen um weiter zu wachsen.

Auf die innere Stimme hören

Es ist kein Neujahrsvorsatz, den ich erst 2018 umsetzen will, sondern mit sofortiger Wirkung: Ich will tiefer in mich hineinhorchen und herausfinden, was ich will. Was ich tun muss, um glücklich zu sein und danach zu handeln, auch wenn nicht alle meiner Mitmenschen das verstehen.

Ich kann mich einfach nur wiederholen: Wir sind unseres Glückes Schmied und wenn wir nicht endlich die Verantwortung dafür übernehmen, dann wird das niemand tun.  Mach dich frei von deinen Ängsten und nimm‘ dein Leben selbst in die Hand – nicht für andere, sondern für dich.