Die schönste Jahreszeit ist zurück

HerbstViele von euch trauern dem Sommer wahrscheinlich schon seit Wochen hinterher. Es wird jetzt merklich früher dunkel. Es ist kalt, wenn man morgens das Haus verlässt und viele Bäume sind jetzt schon so gut wie kahl. Und wenn man es so betrachtet sind die Aussichten für die kommenden Monate tatsächlich ziemlich deprimierend.

Jedoch nicht für mich, denn der Herbst ist mit Abstand meine liebste Jahreszeit. Ich liebe es, auf dem Sofa eingekuschelt zu sein, wenn es draußen richtig usselig ist und ich liebe Herbstspaziergänge, bei denen das Laub unaufhörlich unter den Schuhen raschelt. Dem Sommer konnte ich nie wirklich viel abgewinnen. Zu heiß, zu wenig bedeckte Körperteile, zu viele Insekten. Ich bin halt kein Sommer-Sonne-Strand-Kind. Ins Freibad zu gehen, hat mich nie so gereizt, wie einfach nur gemütlich ein Buch zu lesen.

„Im Herbst stirbt alles.“

Meine Mutter, die den Sommer sehr liebt, sagt immer, dass der Herbst die Zeit ist, in der alles stirbt. Bereits Wochen bevor der Herbst überhaupt richtig anfängt, sagt sie bei unseren Spaziergängen mit den Hunden jedes Mal: „Es sieht schon richtig herbstlich aus.“ dann fange ich jedes Mal an mich zu freuen wie ein Schneekönig und ernte dafür einen Blick puren Unverständnisses.

Dabei ist der Herbst wie mein Seelenverwandter, wenn es so etwas  unter den Jahreszeiten gibt. Ich mag diese leichte Melancholie, die in der Luft liegt und die einen zum Nachdenken und Reflektieren anregt. Schon in der Schule habe ich mir vorgestellt, wie ich in meinem früheren Leben im 19. Jahrhundert mit locker hochgestecktem Haar an meinem Schreibtisch vor dem Fenster sitze, während der Wind den Regen gegen die Fensterscheibe peitscht. Natürlich schreibe ich einen Gruselroman und natürlich spielt sich das ganze in England ab. Alternativ schreibe ich einen verzweifelten Liebesbrief an den Sohn des Earl of Schlagmichtot, der absolut nicht in meiner Liga spielt.

Der Herbst ist halt das perfekte Setting für jegliches dramatisches Szenario (Wuthering Heights lässt grüßen – grauenhaftes Buch!). Gerade deshalb fangen vor allem in dieser Jahreszeit meine kreativen Säfte wieder an zu sprudeln. Geschichten und Gedanken kommen dann wie von selbst. Der Sommer hingegen ist für mich die Zeit der Faulheit, fast schon der Lathargie. Er inspiriert mich in der Regel nur mäßig, denn meistens ist es für mich viel zu heiß, um zu denken, geschweige denn etwas zu tun.

Keine Bauarbeiterdekolletés mehr!

Man darf mich jetzt gerne oberflächlich nennen, aber der Herbst hat für mich noch einen weiteren, immensen Pluspunkt: weil die Menschen aufgrund der sinkenden Temperaturen wieder mehr anziehen müssen, muss ich weniger Dinge sehen, die ich eigentlich nicht sehen will. Keine Bauarbeiterdekolletés mehr, keine halbnackten, jungen Mädels, die in Sachen rumlaufen, in denen ich meine imaginären Kinder im Leben nicht auf die Straße lassen würde, weil es eine Beleidigung für das menschliche Auge und das weibliche Selbstwertgefühl wäre.

Besonders witzig ist in dieser Hinsicht gerade die Übergangszeit, in der keiner wirklich weiß, was er anziehen soll. Es ist kein wirklicher Sommer mehr, aber so richtig kalt ist es eigentlich auch noch nicht. Während die einen aber schon den Wintereinbruch erwarten und den dicken Daunenmantel ausgepackt haben, laufe andere noch in kurzer Hose durch die Stadt. Und ich stehe in meiner Übergangsjacke mit einem Tee dazwischen und beömmel mich.

Autumn is comin‘, baby! Und ich könnte darüber nicht glücklicher sein.

Und welche Jahreszeit ist dein Seelenverwandter?

 

 

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