„Schalt mal ’nen Gang runter.“

Pause

Wenn man ein Projekt startet, das einem viel Spaß macht oder bei dem man schnell Erfolge sehen will, neigt man gerade in der Anfangszeit dazu zu viel zu machen. Klar, man ist hochmotiviert und will Ergebnisse sehen, doch wie oft kommt es dann vor, dass man zu viel auf einmal will? Man fängt an, sich mehr Druck als nötig zu machen, arbeitet unter Umständen mehr als jemals zuvor, aber wirklich zufrieden ist man trotzdem nicht.

Am Ende ist man oftmals so überfordert, dass man hinschmeißt. Und damit meine ich nicht nur die Kandidaten, die sich jedes Jahr zu Beginn vornehmen, mehr Sport zu treiben. Es kann einen in jedem Bereich treffen: wenn wir eine Sprache lernen wollen, wenn wir neben dem Job ein kleines Business gründen, oder sogar bei derart banalen Dingen wie dem Entrümpeln der eigenen vier Wände.

Alles auf einmal ist nicht immer besser

Das geflügelte Wort „Work-Life-Balance“ wird einem in der Regel immer dann um die Ohren gehauen, wenn man zu viel vom ersten Teil der Rechnung hat: Arbeit. Dann werden wir meist von Freunden und Kollegen, die es nur gut mit uns meinen, dazu aufgefordert, endlich mal einen Gang runter zu schalten. Ich gehöre von Natur aus eher zu den entspannteren Personen, die dementsprechend eher damit kämpfen, ihren Hintern überhaupt erst für etwas hoch zu kriegen. Doch auch ich habe diese Momente, in denen ich zu viel will.

Die komplette Wohnung muss dann in einer Art Gewaltmarsch innerhalb eines Tages komplett auf den Kopf gestellt und aufgeräumt werden, anstatt alles auf zwei Tage zu verteilen. Ein 40 Seiten langer Text für die Arbeit muss in wenigen Stunden überarbeitet werden – und das neben dem üblichen Tagesgeschäft auf der Arbeit, das alleine schon mehr als genug ist. Mein persönliches Paradebeispiel habe ich aber gerade hier erlebt.

Die letzten Wochen war ich extrem motiviert, was diesen Blog angeht. Ich wollte jede Woche regelmäßig Content raushauen – mindestens zwei-, besser natürlich dreimal die Woche. Hochwertig sollte er sein und natürlich war da die ganze Zeit der Gedanke im Hinterkopf: „Du musst da jetzt was machen! Wenn du jetzt nicht machst, dann bringt das alles doch nix.“ es war ein bisschen so wie früher, als ich angefangen hatte, mein ganzes Leben um mein Sportprogramm zu bauen – nur eben mit dem Blog.

Stress statt Spaß

Ich habe überlegt, welche Termine ich wie legen muss, damit ich noch Zeit zum schreiben habe, habe mir irgendwas aus den Fingern gesaugt und teilweise auch die Momente ignoriert, in denen es besser gewesen wäre, wenn ich mal eine Pause eingelegt hätte. Zweimal die Woche einen Text zu schreiben und ins Internet zu stellen, mag für so manchen nach wenig Arbeit klingen, doch für mich ist es tatsächlich ein wenig anders.

Bei einem Vollzeitjob, sozialen Verpflichtungen und Sport bleibt nicht mehr viel Zeit übrig, wenn ich zwischendurch noch etwas entspannen will. Doch in den letzten Tagen stellte ich mir vermehrt die folgende Frage: „Warum überhaupt der ganze Stress, wenn es doch eigentlich Spaß machen soll?Geht die Welt unter, wenn ich mal ein paar Tage nichts schreibe? Nein. Bin ich weniger wert, wenn ich mir eine Pause gönne ohne vorgearbeitet zu haben? Auch das nicht.

Und so habe ich mir die letzten Tage einfach mal genommen, um mich auf andere Dinge zu konzentrieren, die mir wichtig sind und den Kopf frei zu kriegen. Denn obwohl ich gerne schreibe und es mir hilft, meine Gedanken zu ordnen, ist es immer auch mit Anstrengung verbunden. Und bevor ich es übertreibe und mir sprichwörtlich der Treibstoff ausgeht, lasse ich es lieber etwas langsamer angehen.

Volle Kraft voraus durch regemäßige Pausen

Auch wenn das bedeutet, dass es hier etwas langsamer zugeht. Ich weiß, dass es für mich langfristig die schlauere Lösung ist, denn wie immer im Leben geht es um die Balance. Die besteht definitiv nicht nur darin, immer nur volle Power zu geben bis der Tank komplett leer ist, sondern auch darin zu wissen, wann man sich ein wenig zurückziehen muss.

Deshalb ist mir gerade jetzt wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, hin und wieder mal die Beine hoch zu legen und zu versuchen, sich Ruhe zu gönnen, ohne deswegen direkt in die Selbstkritik zu verfallen. Ab und an einen Gang runter zu schalten, ist nichts wofür man sich meiner Meinung nach schämen muss, sondern etwas, das in der heutigen Zeit des „Hustlens“ viel mehr geschätzt und kultiviert werden sollte, denn nur mit regelmäßigen Pausen bleiben wir langfristig leistungsfähig und behalten den Spaß an dem, was wir tun.

Und diese Pause kam mir zusätzlich zugute, weil sie mich zu diesem spontanen Post inspiriert hat, auf den ich wohl nicht gekommen wäre, wenn ich krampfhaft versucht hätte, mir etwas zu überlegen. Also ein absoluter Win-Win für alle, oder nicht?

Was bedeutet „A Phalerate Mind“?

Bedeutung

„A Phalerate Mind“, auf Deutsch „ein reich verzierter Geist“ – wer denkt sich so einen Quatsch aus? Ich natürlich! Heute geht es um die Frage, die sich bis jetzt vermutlich kaum einer gestellt hat und die ich trotzdem beantworten werde: Wie ist der Blog zu seinem Namen gekommen?

Dafür sollte man zunächst folgendes wissen: das Wort „phalerate“ kommt – wer hätte es gedach – aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „reich verziert“ oder „dekoriert“. Es ist ein mittlerweile ausgestorbener Begriff aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, den ich vor vielen, vielen Monaten aufgeschnappt habe.

In meiner Wohnung liegt ein Notizbuch, in dem ich Zitate und auch ungewöhnliche Worte sammle, wenn sie mir über den Weg laufen. Eines Tages stieß ich per Zufall auf „phalerate“ und es ist einfach hängen geblieben. Es klingt für mich wie ein Wort, das glatt aus Oscar Wildes Feder hätte stammen können, denn es hört sich überbordend und blumig an, passend zu seiner Bedeutung. Wenn ich es höre, denke ich an feine Aristokraten in noch feineren Outfits, die im Kerzenschein geistreiche Gespräche führen. Gleichzeitig hat es aus moderner Sicht einen herrlich antiquierten Klang.

Da ist mich sehr für vergangene Zeiten interessiere und in manchen Dingen ein wenig altmodisch bin, ist das für mich eine absolut positive Eigenschaft. Es steht für vergangene Welten und Zeiten, für die ich beinahe nostalgische Gefühle hege, obwohl ich sie selbst nie miterlebt habe. Es drückt sozusagen meine Vorliebe für Geschichte und schöne Wörter aus.

Das Wort „mind“, also „Geist“ oder „Seele“, erklärt sich im Grunde von selbst. Für mich persönlich steht es vor allem für das, was sich hinter den Kulissen, außerhalb der körperlichen Ebene abspielt und was nicht jeder zu sehen bekommt – das Geistige und das Emotionale. Zusammengefasst stehen diese beide Wörter einfach gesagt dafür, dass in meinem Kopf ständig irgendwas los ist. Ich bin eine notorische Tagträumerin, habe eigentlich immer irgendwas zu grübeln, auch wenn man es mir nicht ansieht. Es ist ständig etwas los, häufig vollkommen durcheinander und unzusammenhängend. Manchmal drehen sich meine Gedanken aber auch einfach nur im Kreis.

Aber so geht es ja auch auf diesem Blog zu. Er ist fast wie eine Art Braindump, auf dem ich mein Gedanken ordnen und loswerden kann, also ein Spiegel dessen, was mir aktuell durch den Kopf geht. Und das kann wirklich alles sein. Da kann es schon mal vorkommen, dass nicht alles zusammenpasst.

Natürlich versuche ich hier irgendwie eine Linie mit meinem Content zu finden, doch ich glaube auch, dass ich hier nur authentisch sein kann, wenn ich auch das wiedergebe, was mich wirklich beschäftigt. Dann ist es egal, ob ein Thema gerade in aller Munde ist und mir deshalb mehr Traffic ermöglichen würde. Wenn es mich nicht interessiert, weil mich gerade ganz andere Themen nachts wach halten, dann bringt es mir auch nichts darüber zu schreiben.

So nehme ich es lieber im Kauf, auch mal über Dinge zu reden, die weniger Leute interessieren. Nur so kann ich ehrlich sagen, was ich denke und meine authentische Sicht der Dinge bieten. Denn das ist etwas, das in der heutigen Zeit, was gerade heute in den Medien, wo Meinungen leicht erkauft werden können, häufig zu kurz kommt.

Das hier soll jetzt nicht in einen Rant über unsere Medienlandschaft ausarten, aber ich hoffe, dass ich hiermit die eine oder andere stille Frage beantworten konnte. „A Phalerate Mind“ war kein Titel für den ich lange überlegen musste. Er war einfach schon immer irgendwie da, in meinem kleinen, überfüllten Kopf.

Saturday Night Fever

Tanzen

Der Samstag ist nicht erst seit den Zeiten von „Saturday Night Fever“ mit John Travolta der Tag, an dem traditionell die Sau raus gelassen wird. Es hat fast schon etwas ritualisiertes an sich, wenn man sich für den Abend her richtet und dann mit seinen Freunden in die Nacht hinauszieht, um einfach nur Spaß zu haben. In den seltensten Fällen wird darüber nachgedacht, wie es einem am Tag danach gehen könnte, aber darum geht es auch nicht. Was zählt, ist der Moment.

So ging es auch mir am letzten Samstag, als es mich mit ein paar Freunden erst in die Bar unseres Vertrauens und dann in den Club gezogen hat. Dabei sollte ich jetzt direkt schon vorausschicken, dass ich, verglichen mit anderen Leuten, einen anderen Ansatz verfolge, wenn es um das Thema Ausgehen geht. Viele wollen nämlich nicht nur Spaß haben im Sinne von Tanzen und Trinken, sondern sie wollen Leute kennenlernen – allen voran potenzielle Partner für Paarungszwecke.

Wenn ich aber sage: „Ich gehe heute Tanzen.“ dann meine ich das auch wirklich genau so. Das heißt nicht, dass ich nicht offen dafür wäre, mich auf jemanden einzulassen, wenn ich mich genug für ihn interessiere, aber es wäre nur das Beiwerk. Mein primäres Ziel ist es einfach nur abzupacken und meine Lieblingslieder schief mitzugrölen.

Spaß (fast) ohne Rücksicht auf Verluste

Dabei nehme ich keine Rücksicht darauf, wie das auf andere wirken könnte oder ob die Art wie ich tanze sexy aussieht. Ich würde meinen Stil sowieso eher als eine Art psychedelischen bis spastischen Ausdruckstanz beschreiben. Wie das in der Realität aussieht, kann sich jeder selbst vorstellen. Wenn viel Herumgefuchtel mit den Armen und Herumgehoppse dabei ist, wird es schon passen.

Jedenfalls führt dieser Stil auch dazu, dass ich eigentlich nie mitten auf der Tanzfläche unterwegs bin. Ich habe noch nie verstanden, warum alle sich konsequent darauf konzentrieren, auf der Mitte der Fläche zu tanzen. Gut, man wird dort vielleicht am ehesten beachtet, aber wie soll man sich da anständig bewegen? Ich müsste dort jedes Mal Angst haben, dass ich harmlosen Zivilisten meine Arme ins Gesicht klatsche oder ihnen auf die Füße trete.

Dann nehme ich doch lieber mit den Ecken vorlieb, wo weniger los ist, ich mich aber wenigstens frei bewegen kann. Wenn schon, denn schon. Ich will am Ende nicht diejenige sein, die nahezu bewegungsunfähig in einem Pool aus schwitzenden Menschen eingezwängt ist, wenn „Come on Eileen“ oder „Dancing with Myself“ ertönt.

Zu zweit Tanzen – mein Antichrist?

Für mich ist ein Abend dementsprechend dann erfolgreich gelaufen, wenn meine Stimme heiser vom singen ist und meine Beine weh tun, weil so viele tanzbare Lieder gespielt wurden. Es macht mich unglaublich glücklich, weil ich mal alles rauslassen konnte, was sich über die Woche hinweg angestaut hat und es mir in dem Moment egal ist, was andere über mich denken. Das Tüpfelchen auf dem i ist ein Muskelkater in den Waden am nächsten Tag.

All das ist für mich generell mehr wert, als irgendwann knutschend mit irgendeinem Kerl in der Ecke zu stehen, den ich wahrscheinlich nie wiedersehe, weil er doch nicht Cary Grant ist. Noch schlimmer wird es, wenn es darum geht, zusammen zu tanzen. Ich kann es nicht. Ich kann mich nicht anständig bewegen, wenn ich zu sehr auf andere achten und auch noch mit ihnen interagieren muss.

Da verliere ich jegliches Gefühl für Rhythmus und meinen Körper – eine Erfahrung, die ich anderen und mir selbst am liebsten erspare. Tanzen sollte eine Möglichkeit sein, um sich frei zu fühlen und sich selbst auszudrücken und nicht, um sich selbst zu kasteien, nur um jemand anderem zu gefallen.

Dance like nobody is watching and be proud of it!

Scheiß‘ auf das, was andere über dich denken könnten, wenn du tanzt. Scheiß‘ darauf, wie es aussehen könnte. Wichtig ist, wie es sich für dich anfühlt und wenn die Musik dir Impulse gibt, dann folge ihnen, auch wenn es vielleicht doof aussieht. Am Ende der Nacht erinnert sich fast niemand mehr daran und das hat auch etwas herrliches an sich.

Vor ein paar Wochen gab es tatsächlich den Moment, als ich mich hingesetzt habe, um eine Pause vom Tanzen zu machen, als ein Mädel auf mich zukam und mir sagte, dass sie mir schon die ganze Zeit zugesehen hatte und mir einfach mal sagen wollte, wie sehr ihr mein Tanzstil gefiel. Ich war so perplex, dass ich kaum ein Wort rausbekommen habe, habe mich aber unheimlich darüber gefreut. Für meine verrückte Art von einer Person ein wenig gefeiert zu werden, war und ist mehr wert, als die Blicke von 50 Typen, die nur dann reagiert hätten, wenn ich im Minirock ein bisschen mit dem Arsch gewackelt und das Haar lasziv über die Schulter geworfen hätte.

Ich hätte ihr gerne noch ein Kompliment für ihren tollen Zylinder gemacht (es war Halloween), aber ich war einfach noch in einem Zustand der positiven Schockstarre.

Ein solches Kompliment blieb am letzten Samstag aus, doch meine Stimmung hätte trotzdem nicht besser sein können, als ich heiser und leise „Africa“ von Toto summend nach Hause gestiefelt bin. Nach der Hitze und dem Trubel im Club gab es nichts besseres, als mich wieder der Ruhe hinzugeben und mich über mein eigentlich ganz schönes Leben zu freuen.

Rock on, Freunde der Nacht und bis zum nächsten Wochenende!

Durchgewischt und abgestaubt

Putzen

Es gibt Hausarbeiten, die eigentlich niemand leidenschaftlich gerne macht. Dazu gehören Bügeln, Abspülen und Fenster putzen. Es ist ja im Grunde auch eine ziemliche Sysiphos-Arbeit, denn der positive Effekt dieser Arbeiten ist nur temporär. Spätestens nach ein paar Tagen sehen die Fenster wieder so aus, als hätte man sie 6 Monate nicht geputzt und das sorgsam gebügelte Hemd übersteht nicht mal einen Tag ohne wieder auszusehen wie Hulle.

Ich kenne einige Leute, die so unangenehme Aufgaben deshalb outsourcen. Ein Mal in der Woche kommt die Putzfrau und die Hemden werden in die Reinigung gebracht. So spart man für ein wenig Geld viel Arbeit und kann sich trotzdem an einer sauberen Umgebung erfreuen. Ein absolut lohnenswerter Deal.

Ich persönlich bin noch nicht auf diesen Zug aufgesprungen. Zum einen weil es keinen Sinn macht bei unter 50m² überhaupt jemanden zu engagieren und zum Anderen, weil mir der Gedanke, dass fremde Leute in meinen Sachen herumschnüffeln könnten, überhaupt nicht gefällt. Da schwinge ich lieber selber den Wischmopp. Nur geschieht das zumindest in letzter Zeit leider viel zu selten.

Immer diese Angewohnheiten

Besonders in den vergangenen Monaten habe ich die schlechte Angewohnheit entwickelt, meine Wohnung so lange ungeputzt zu lassen, bis mir die Staubmäuse regelrecht ins Gesicht springen, wenn ich die Tür öffne. Der Grund dafür ist natürlich pure Faulheit. Ich liebe Ausmisten und in alten Sachen herumwühlen, aber Putzen ist überhaupt nicht mein Ding, obwohl ich das Gefühl danach liebe. Es ist also ein bisschen wie mit Sport: Der Weg dorthin ist schwierig, aber am Ende ist man froh, wenn man es gemacht hat.

Heute habe ich es aber endlich wieder geschafft! Ich habe die Böden gewischt und die Regale abgestaubt. Ich habe das Bad geputzt und die Küche auf Vordermann gebracht. Und wie immer sitze ich nun in dieser frisch duftenden, blitzeblanken Oase der Ruhe und frage mich, wie ich es die letzten Tage in meinem eigenen Dreck nur ausgehalten habe.

Die Antwort ist einfach: Ignorieren. Wir Menschen haben die faszinierende Eigenschaft, Unangenehmes über sehr lange Zeiträume auszublenden und herunterzuspielen. Bis der Punkt erreicht ist, an dem man es nicht mehr ignorieren kann, vergeht unter Umständen eine Menge Zeit. In diesem speziellen Fall kann es sich bei mir sogar um Wochen handeln.

Den Kopf einfach mal ausschalten

Ich weiß, schön ist anders, aber meistens ist die Vorstellung, sich direkt nach der Arbeit auf die Couch zu verziehen, halt viel verlockender, als Staub zu wischen. Und der innere Schweinehund ist oft einfach zu stark. Heute habe ich es auch nur geschafft, aktiv zu werden, weil ich nicht nachgedacht habe.

Ich habe einfach angefangen, meine Sachen aus dem Weg zu räumen und den Boden frei zu machen. Ich habe mir nicht vorgestellt, wie anstrengend es ist, das Bad zu schrubben und wie viel schöner es stattdessen wäre, mein neues Videospiel zu zocken. Jede Bewegung war wie automatisiert und ehe ich mich versah, war ich schon mittendrin, ohne wirklich bewusst die Entscheidung getroffen haben „Jetzt putze ich meine Wohnung.“.

In unseren Köpfen ist die meiste Zeit viel zu viel los und nicht alles, was sich dort abspielt, bringt uns weiter. Gedanken wie aus dem obrigen Beispiel lähmen uns eher als dass sie uns nutzen, weil den bequemen Weg mit dem anstrengenden Weg vergleichen. Wie dann die Entscheidung ausfällt, ist eigentlich klar. Das mit dem Putzen ist ein sehr banales, aber äußerst alltägliches Beispiel.

Doch wenn diese Bequemlichkeit schon bei derart kleinen Dingen dazu führt, dass man wochenlang in seinem eigenen Dreck sitzt ohne etwas daran zu ändern, welche Auswirkungen hat sie erst, wenn wir mit wirklich wichtigen Entscheidungen konfrontiert werden? Wenn wir stundenlang pro und kontra abwiegen, bis wir uns am Ende nur noch im Kreis drehen und uns dafür entscheiden, nichts zu tun, weil das am einfachsten ist.

Wie das Leben so spielt

Ehrlich gesagt, hätte ich nicht gedacht, dass dieser Text diese fast schon tiefsinnige Wendung nehmen würde. Eigentlich sollte das hier nur zeigen, dass es ganz schön ist, ab und an mal den Hintern hoch zu kriegen, doch der Kopf macht halt doch, was er will. Solange das, wie hier, bedeutet, dass man zu einer Erkenntnis kommt, die einem etwas bringt, die einem dabei hilft zu verstehen, kann man den Kopf auch einfach mal machen lassen.

Gefährlich wird es erst, wenn uns das davon abhält, unser Potenzial zu entfalten, weil ein anderer Weg aus der Sicht unseres Verstandes einfacher oder bequemer ist. Und während ich das hier schreibe, merke ich erst wieder, was für einen weiten Weg ich in dieser Hinsicht noch zu gehen habe.

Was für ein Start ins Wochenende!

Sport – mein ewiges Kryptonit?

SportDer Sport und ich, wir hatten schon immer eine äußerst schwierige Beziehung miteinander. Ich habe immer gedacht, dass ich einfach nicht der „sportliche Typ“ bin. Das fing schon auf dem Gymnasium an: Fast alles, was wir dort gemacht haben, hatte irgendwas mit Mannschaften und Bällen zu tun (Handball, Fußball, Basketball, Volleyball…. alles mit Ball halt).

Recht schnell war klar, dass mir weder das Mannschaftsding noch das Bälleding wirklich lag. Eine schlechte Kombi, die am Ende natürlich dazu führte, dass ich regelmäßig zu den letzten gehörte, die in ein Team gewählt wurden. Da ich das absolut verstehen konnte, war das an sich nicht weiter schlimm. Viel tragischer war für mich die Einstellung in meinem Kopf, die sich dadurch über Jahre hinweg festigte:

Ich bin nicht sportlich. Sport macht mir keinen Spaß. Beim Sport enttäusche ich alle. Sport ist – auf gut Deutsch gesagt – scheiße.

Durch die negativen Erfahrungen in der Schule verband ich Sport fast nur noch mit negativen Gedanken. Weil ich in den Sportarten, die wir machten, konsequent schlecht war, hatte ich schnell das ganze Gebiet für mich abgeschrieben, ohne überhaupt zu wissen, was es da draußen noch alles gibt. Ich dachte gar nicht daran, dass es Sportarten geben könnte, die mir tatsächlich Spaß machen würden.


Ein kleiner Exkurs zum Thema Schulsport

Ich halte Schulsport an sich für sehr sinnvoll, weil wir heutzutage viel zu viel herumsitzen und ich verstehe auch, dass Mannschaftssport praktisch ist, wenn man als Lehrer einen Haufen Jugendlicher beschäftigen muss. Was ich aber nicht verstehe, ist, warum konsequent versucht wird, einen in eine Schublade zu zwängen, in die man einfach nicht gehört. Warum soll ich unsportlich sein, nur weil ich keine Tore schießen kann? Was, wenn ich dafür einen richtig geilen Kopfstand machen kann? Ist das nicht sportlich? Und wer hat zu beurteilen, dass ich nicht teamfähig bin, nur weil ich schlecht im Mannschaftssport bin? Das ist einfach nur gequirlte Scheiße.


Man merkt an der Sprache in diesem Beitrag, dass dieses Thema gerade in Bezug auf meine Vergangenheit viele Aggressionen in mir auslöst. Das liegt in erster Linie daran, dass mir die Schule in Bezug auf Sport nur „beigebracht“ hat, was ich nicht kann. Das war auf Dauer extrem niederschmetternd.

Dementsprechend froh war ich, als die Schule endlich vorbei war und ich auch in der Uni nicht mehr dazu gezwungen wurde, Sport zu treiben. Von diesem Privileg habe ich eine Weile ausgiebig Gebrauch gemacht, bis ich irgendwann gemerkt habe, dass mir das nicht gut tat.

Keine Pobacken aus Marmor

Der klassische Studenten-Lifestyle ist nicht gerade dafür bekannt, besonders gesundheitsbewusst zu sein und meiner war es auch nicht. Lange aufbleiben, lange schlafen, Fertigessen und wenig Bewegung waren fest in meinem Alltag integriert. Wirklich wohl fühlte ich mich in meinem Körper damit langfristig nicht. Ich musste also unbedingt etwas tun.

Ich habe ein paar Kurse beim Unisport probiert und mich an Yoga, Pilates und anderen Sportarten versucht. Dabei bin ich zwischendurch so in diese Fitness-Welt gerutscht, dass ich am liebsten auch zu diesen fitten Mädels gehören wollte, die ultraschwere Gewichte stemmen und Pobacken aus Marmor haben, nur um dann zu merken, dass das auch nicht meine Welt ist.

Es lange gedauert, bis ich Sachen gefunden habe, die mir so viel Spaß machen, dass ich sie regelmäßig durchziehe. Eines kann ich schon mal sagen: Laufen gehört definitiv nicht dazu. Genau so lange hat es auch gedauert, meinen Kopf umzuerziehen nach all den Jahren mit dem Ich kann das nicht„-Mantra.

Nicht nur Körper-, sondern auch Kopfsache

Ich musste mir erstmal selber beibringen, meine sportlichen Leistungen als solche anzuerkennen, weil ich kopfmäßig noch irgendwo zwischen Schulsport und megadefiniertem Fitness-Blogger festhing. Auch wenn ich keine Sportskanone bin, heißt das nicht, dass ich eine totale Niete bin. Ich musste lernen, den ganzen Rest auszublenden und mental bei 0 anzufangen, statt bei -10, damit ich nicht zu hart mit mir ins Gericht ging. Damit ich nicht wieder damit anfing, mich in falsche Schubladen zu stecken.

Denn wie in so vielen anderen Dingen im Leben, ist auch beim Sport der Vergleich mit anderen häufig tödlich für die Motivation. Ich würde mich zwar auch heute nichtmal selbst in irgendeine Mannschaft wählen, aber das ist nicht schlimm. Ich habe eine sportliche Balance gefunden, die für mich funktioniert und höre auf das, was mein Körper und mein Energielevel mir sagen.

Ich weiß jetzt, dass nicht jeder Sport scheiße ist und dass ich durchaus sportlich sein kann, wenn mir etwas Spaß macht und mir liegt, was früher komplett an mir vorbeigegangen ist.

Abschließend möchte diesen Moment nutzen und mich bei meiner Schule bedanken.

Für nichts.

Urlaub zu Hause

Balkonien

Die Abgabe des Urlaubsantrags ist für viele der Startschuss, um nach Hotels und Flügen für den nächsten Trip zu suchen. Gerade wenn man die Uni verlassen hat und in einem festen Job steckt, wird Urlaub noch wertvoller als er vorher ohnehin schon war. Man hat eindeutig weniger davon und im von Arbeit geprägten Alltag sind die Freiheiten des Lebens sowieso spärlich gesät.

Umso wichtiger ist es da, das bisschen an freier Zeit voll und ganz auszuschöpfen. Und während das für viele bedeutet, die Sachen zu packen und am besten möglichst weit weg und möglichst lange zu flüchten, gebe ich mich schon damit zufrieden, einfach mal ein paar Tage zu Hause zu verbringen.

Reisen ist nicht alles

Natürlich fahre ich auch gerne weg. Gerade Kurztrips können unerwartet erfüllend sein und den Energietank schnell wieder auffüllen, aber es hat auch etwas für sich, wenn man einfach mal seinem natürlichen Lebensrhythmus folgen kann. Ohne durch die normalen Arbeitszeiten eingeschränkt zu werden, kann ich mir dann meinen Tag einteilen, wie ich es möchte.

Ich kann schlafen, so lange wie ich will. Dann ein bisschen Sport machen und ein ausgiebiges Frühstück genießen. Und danach? Mal sehen, immerhin habe ich alle Zeit der Welt. Ich kann mich endlich um all die Dinge kümmern, die in der letzten Zeit zu kurz gekommen sind. Das bedeutet leider auch oft Aufräumen oder andere Dinge, die nicht so angenehm sind, aber dafür habe ich anschließend immer noch genug Zeit zum faulenzen übrig.

Zu wissen, dass ich meine Putzsession oder meinen Wocheneinkauf nicht in die wenigen freien Stunden nach der Arbeit schieben muss, ist für mich schon ein großer Stressfaktor weniger. Meistens genieße ich solche Tätigkeiten dann auch mehr, weil ich weiß, dass ich mich nicht hetzen muss, oder weil danach noch etwas schönes ansteht.

Auch ein bisschen Schadenfreude muss mal sein

Außerdem hat der Urlaub zu Hause für mich auch aus psychologischer Sicht eine positive, aber auch etwas merkwürdige Wirkung. Wenn man wegfliegt, denkt man eigentlich kaum an die daheim gebliebenen Kollegen. Für ein paar Tage lebt man in einer Art schönen, entspannten Parallelwelt, wo es keine Arbeit gibt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Bleibe ich aber zu Hause, denke ich vor allem die ersten beiden Tage an die armen Seelen, die schon längst im Büro sitzen, während ich mich noch genüsslich im Bett strecke.

Es ist ein wenig gehässig, aber aus meiner Sicht durchaus menschlich, in diesem Moment ein wenig Schadenfreude zu empfinden. Abgesehen davon gibt es mit Sicherheit genug Gelegenheiten, an denen der Spieß umgedreht wird. Da darf man sich ruhig mal freuen, wenn man sich der absoluten Faulheit hingeben kann … und andere eben nicht.

Und weil auch die lästige Heimreise weg fällt, die in den seltensten Fällen glatt läuft und einen dann mindestens so gestresst wieder zur Arbeit kommen lässt, wie man sie verlassen hat, ist der Übergang vom Urlaub zur Arbeit weitaus sanfter. Balkonien sei Dank!

Absolute Zufriedenheit für wenig Geld

Obwohl ich das mit dem Balkon die nächsten Tage lieber sein lasse, so kalt wie es draußen ist. Dafür habe ich viel Zeit für meine Freunde, Sport, Spazieren gehen, Lesen, den Blog und Serien eingeplant. Zwischendurch noch ein wenig die Wohnung aufmöbeln und ich bin vollkommen zufrieden. Einfach eine Woche voller abgammeln und schöner Dinge – ohne Flug- oder Hotelkosten.

Für mich ist es auch ein gutes Zeichen, dass ich mein Leben nicht komplett hinter mir lassen muss, um entspannen zu können. Es ist nichts bemitleidenswertes, wenn man Urlaub macht, ohne weg zu fahren. Für mich ist es vielmehr ein Zeichen dafür, wie zufrieden ich mit meinem normalen Leben bin und wie sehr ich die Stadt liebe, in der ich wohne. Und das ist meiner Meinung nach auch schon eine ganze Menge wert.

Aber trotzdem: Die nächste Reise ist schon in Planung, denn ein Leben ganz ohne Reisen wäre wie eine Spielekonsole mit kaputtem Controller. Sinnlos und ohne jeglichen Spaß.

 

Der Weg zur Achtsamkeit

Achtsamkeit

Bei dem Wort „Achtsamkeit“ denken viele an Hippies, die jeden Tag stundenlang meditieren, Bäume umarmen und von der großen Liebe reden, die die ganze Menschheit eint. Lange hielt ich das Geschwafel von Achtsamkeit oder mindfulness, wie es so schön im Englischen heißt, auch nur für esoterisches Hippie-Zeug. Jetzt, wo ich mich etwas länger mit diesem Thema beschäftigt habe, hat sich meine Wahrnehmung jedoch ziemlich gewandelt.

Ganz nüchtern betrachtet, ist Achtsamkeit nichts anderes als ein Bewusstseinszustand, der es einem ermöglicht, das aktuelle Geschehen in einem und um einem herum zu beobachten. Diese innere Wachsamkeit befähigt uns dazu bewusstere Entscheidungen treffen, statt immer nur unseren Impulsen zu folgen. Wir lernen uns selbst besser kennen und entwickeln im besten Fall ein tieferes Verständnis für uns selbst und andere.

Es hat also weniger etwas damit zu tun, immer und überall im Reinen mit sich und der Welt zu sein, sondern vielmehr damit, zu erkennen, wann welche Gefühle in einem aufkommen und sie nicht weg zu schieben. Warum fühle ich mich gerade jetzt so wie ich mich fühle? Wie kann ich am besten darauf reagieren? Es ist eine kontinuierliche Selbstreflexion.

Anstrengend, aber lohnenswert?

Durch Achtsamkeit sind wir zum Beispiel dazu in der Lage, uns nicht wegen jeder Kleinigkeit unnötig direkt aufzuregen. Stattdessen halten wir eine Sekunde inne, betrachten die Situation von außen und können so besser einschätzen, ob es sich wirklich lohnt, unsere Energie auf einen Wutanfall zu verwenden, der meistens sowieso kaum nutzbringend ist. Das ist aber nur der Idealzustand, denn in der Realität sieht es oft etwas anders aus.

Außerdem weiß ich auch, dass sich das irgendwie anstrengend anhört. Besonders die Worte „kontinuierliche Selbstreflexion“ klingen nach einem Haufen Arbeit, die da hinter den Kulissen im Kopf abgehen muss. Und ich muss auch sagen, dass es mir nicht immer leicht fällt – vor allem dann, wenn es darum geht, meinen Ärger in Zaum zu halten. Ich rege mich oft viel zu schnell über Kleinigkeit auf, die es eigentlich nicht wert sind.

In solchen Momenten fängt die Achtsamkeit oft erst dann an, wenn der erste Ärger bereits verraucht ist. Dann erst frage ich mich, warum ich mich so aufgeregt habe und ob mich das wirklich weitergebracht hat (spoiler: die Antwort lautet fast immer Nein). Das mag für viele vielleicht nach der falsche Reihenfolge klingen, um Achtsamkeit zu praktizieren, weil ich dann nicht im Moment bin, doch ich glaube, dass es schon hilft, sich seiner Emotionen und Gedanken überhaupt bewusst zu werden und sie zu hinterfragen – egal wann.

Durch Achtsamkeit schlechte Gewohnheiten durchbrechen

Es gab eine Zeit, da „musste“ ich 5 mal die Woche Sport machen. Andernfalls hatte ich das Gefühl, nichts geschafft zu haben und mich von meinen Zielen zu weit zu entfernen. Wenn ich in einer Woche ein Mal weniger Sport gemacht habe, weil viel los war oder weil ich einfach mal nicht die Energie dafür hatte, habe ich mich schlecht gefühlt. In dieser Zeit war ich zwar zufrieden, weil ich Ergebnisse gesehen habe und für meine Verhältnisse recht fit war, aber ich war unentspannt und habe meine Tage immer um den Sport herum geplant.

Dabei habe ich auch innere Bedürfnisse ignoriert wie Müdigkeit oder einfach die Lust, mich mit Freunden zu treffen, weil es meinen Zeitplan zerschossen hätte. Von Achsamkeit mir selbst und anderen gegenüber konnte da keine Rede sein.

Heute höre ich besser auf mich. Ich versuche immer noch regelmäßig Sport zu machen und mich zu bewegen, aber nicht um jeden Preis. Wenn ich spüre, dass ich erschöpft bin, dann lasse ich es bleiben. Wenn ich mich mit Freunden treffen will, dann mache ich das. Ich fühle mich dann auch nicht mehr so schlecht wie früher, weil ich genau weiß, dass ich meinem Körper einen größeren Gefallen tue, wenn ich ihm hin und wieder etwas Ruhe gönne.

Es ist immer eine Reise

Bei Dingen wie Sport fällt es mir also langsam leichter achtsam zu sein, denn so etwas ist mehr oder weniger planbar. Schwieriger wird es, wenn ich spontan mit Sitationen konfrontiert werde, die mich stören und die bei mir sehr schnell den Impuls auslösen, zu fluchen und mich in Grund und Boden zu ärgern. Selbst wenn ich versuche, die Situation rational zu betrachten und auch einsehe, dass mein Ärger nichts bringt, kann ich ihn in diesem Moment nicht loslassen. Und solche Momente kommen häufig vor.

Ich hoffe wirklich, dass ich irgendwann über diesen Zustand des ständigen sich Ärgerns hinweg komme, aber muss dafür leider einen Schritt nach dem anderen machen. Bei meiner latenten Ungeduld ist das echt nicht einfach. Schummeln gibt es hierbei (leider) nicht, wenn es darum geht, an sich selbst zu arbeiten.

Wie alles im Leben ist also auch Achtsamkeit ein Prozess, beziehungsweise eine Reise, auf die man sich auch erstmal einlassen muss. In meinen Augen ist sie aber absolut nutzbringend und wenn man sich von dem vermeintlichen Hippie-Zeug losreißt.


In diesem Sinne schließe ich mit einem kleinen Appell ab:

Nutze die nächsten Tage, um dein Innenleben bewusster wahrzunehmen. Was fühlst du in bestimmten Momenten? Warum bist du wütend, enttäuscht oder einfach mal glücklich? Und was kannst du daraus für die Zukunft mitnehmen?

Erfahrung vor Perfektion – Wagen statt Aufschieben

mehr-machen

Das Wichtigste ausnahmsweise mal direkt zu Beginn: Man kann eigentlich nicht zu früh damit anfangen, Visionen und Vorstellungen umzusetzen.Viele unserer Vorhaben scheitern nämlich nicht daran, dass wir sie zu früh angehen, sondern daran, dass wir sie immer weiter aufschieben, weil wir glauben, dass wir noch nicht genug Erfahrung haben. Doch wo soll man diese Erfahrung hernehmen, wenn man gar nicht erst anfängt?

Nur vom Bücher wälzen, planen und sich den  Kopf zerbrechen, passiert auch nichts. Und vom Zweifeln sowieso nicht. Wir lernen erst dann wirklich dazu, wenn wir ins Handeln kommen. Ja, dabei macht man Fehler und ja, es ist anstrengend, aber nur so kommt man weiter.  Um das zu verdeutlichen, muss ich mal wieder in die Klischee-Motivationssprüche-Kiste greifen, aber es gibt im Englischen diesen Satz, den man eigentlich als Mantra vieler erfolgreicher Menschen bezeichnen kann:

Start before you’re ready.“

Oder auf Deutsch: „Fang‘ an, bevor du soweit bist.“ Dieses Prinzip ist so einfach, wie einleuchtend: Wenn wir immer erst warten würden, bis wir uns bereit fühlen, würden wir gerade die großen Projekte in unserem Leben gar nicht erst wagen. Wir würden sie immer weiter vor uns herschieben, mit dem Vorwand, dass wir noch nicht soweit sind. Wir fangen dann an, auf irgendwelche Zeichen vom Universum zu warten und verlieren aber eigentlich nur wertvolle Zeit. Am Ende landen diese Träume dann in der Mottenkiste.

Aller Anfang ist schwer

Als Königin des Aufschiebens kann ich davon ein Liedchen singen. Wie viele Vorhaben ich schon vor mir her geschoben und dann komplett in den Sand gesetzt habe, kann ich hier gar nicht aufzählen. Den Plan ein Buch zu schreiben, von dem ich vor geraumer Zeit gesprochen habe, habe ich natürlich immer noch nicht angekratzt. Es ist ein Mammutprojekt, das mir so wichtig ist, dass die Angst davor, es überhaupt zu beginnen und damit zu scheitern, viel zu groß ist.

Eigentlich wäre das natürlich mein perfektes Start-Before-You’re-Ready-Projekt, aber was soll ich sagen? Ich bin halt nicht perfekt und ich glaube, dass es oft so ist, dass es uns schwerer fällt, etwas anzugehen, je wichtiger es uns ist, weil wir es von Anfang an richtig machen wollen. Weil wir glauben, noch nicht genug zu wissen. Weil wir glauben, dass wir einfach noch nicht gut genug sind. Mir fallen jedenfalls immer Tausend „gute“ Gründe ein, warum ich eine Idee besser erstmal ruhen lassen sollte.

Ergänzend zu einem meiner vergangenen Posts, möchte ich nochmal kurz darauf eingehen, dass wir überall von Menschen umgeben sind, die besser sind als wir. Ich glaube, dass auch dieser Aspekt einen nicht unwesentlichen Anteil an unserer Angst vor der Umsetzung unserer Träume hat. Wenn man überall, gerade im Bereich Social Media, von Leuten umgeben ist, die ihr Handwerk scheinbar perfekt beherrschen, ist das natürlich einschüchternd. Da wagt man es gar nicht erst, sich mit ihnen messen zu wollen.

Aber der entscheidendste Faktor, für mich jedenfalls, ist die generelle Angst zu Versagen. Sobald man sich an ein Projekt heran wagt, ist da immer die Gefahr, dass es nicht klappt. Wenn man es aber gar nicht erst versucht, dann braucht man sich dieser Gefahr auch nicht erst auszusetzen. Auf diese Weise kann man sich ganz simpel aus der Affäre ziehen. Und so hüllen wir uns in den sicheren Kokon des Nichtstuns, bis wir irgendwann für uns die Entscheidung treffen, dass es jetzt sowieso zu spät ist. Was folgt, ist die oben erwähnte Mottenkiste.

Zu früh anfangen gibt’s nicht, aber zu spät anfangen?

Ich denke, es ist so: zu früh anfangen, gibt es im Grunde nicht. Der Anfang ist immer das schwierigste, selbst wenn man glaubt, im Vorfeld genug Erfahrung gesammelt zu haben. Oft kommt es trotz aller Planung anders als gedacht, aber daraus lernt man wenigstens etwas. Ein wenig schwieriger ist es mit der Frage, ob es jemals zu spät ist, um etwas zu anzufangen.

Prinzipiell glaube ich nicht, dass es jemals zu spät ist, um eine neue Sprache zu lernen, sich selbstständig zu machen oder zum Beispiel auszuwandern. Doch die Sache ist die: je mehr Zeit wir uns lassen, um uns Gedanken zu machen, desto mehr Zeit haben wir, um Ausreden zu finden oder uns mit unnützen Gedankenspielen verrückt zu machen; und desto weniger Zeit bleibt am Ende für die Umsetzung und damit für die Erfahrung selbst. Das ist etwas, das so verkopfte Menschen wie ich, die immer alles gerne in sämtlichen Szenarien im Kopf durchspielen, nur schwer umsetzen können. Immerhin soll alles direkt perfekt sein.

Deshalb ist es gerade für mich wichtig den Punkt zu finden, an dem ich aufhöre, etwas zu planen und stattdessen damit anfange, zu prokrastinieren und mir Vorhaben auszureden, weil ich Angst habe, dass ich an ihnen scheitern werde. Selbst wenn ich mir alles ausmale, was passieren könnte, ist das nichts wert, solange ich es nicht wenigstens versucht habe. Egal, ob ich glaube, dass ich bereit bin oder nicht.

In diesem Sinne auch ein gut gemeintes Memo an mich selbst: Es ist nie zu früh, um mit etwas anzufangen (außer vielleicht mit Rauchen, Alkohol und solchen Späßen). Wir werden uns am Ende immer mehr über das ärgern, was uns entgangen ist, weil wir in unserem Kokon geblieben sind, statt dem Ruf der Wildnis zu folgen. Denn eines trifft auf die Menschheit leider ziemlich genau zu:

Wir denken zu viel und machen zu wenig.

Mit diesem kurzen Pep-Talk an mich selbst schließe ich die Woche nun langsam ab und nehme mir folgendes als kurzes, knackiges Mantra mit:

Erfahrung vor Perfektion – Wagen statt Aufschieben

 

So ein Donnerstag, 21:15 Uhr

Herbstblues

Dass ich den Herbst liebe, ist nichts neues, doch jede Jahreszeit hat ihre Schattenseiten. Und das meine ich in diesem Fall ganz wörtlich: Die Tatsache, dass es früher dunkel wird, macht selbst mir ein wenig zu schaffen. Das Büro zu verlassen und im Dunkeln zu stehen, sorgt äußerst zuverlässig dafür, dass ich am liebsten sofort ins Bett gehen würde.

Es ist manchmal so schon schwer genug, sich zu all den Dingen aufzuraffen, die man im Alltag machen muss. Darunter fällt für mich persönlich eigentlich alles außer schlafen, essen und die Couch/das Bett zu belagern. Die Dunkelheit macht es nicht gerade einfacher, gerade wenn es darum geht, nach der Arbeit noch produktiv zu sein. Viel lieber zieht man sich gleich was gemütliches an und igelt sich ein.

Wenn die Kuschelsocken stärker sind als die Motivation

An dem Abend, an dem ich diese Worte schreibe, sitze ich eingehüllt in meinen Pyjama und meinen Mops-Fleecemantel auf dem Sofa. Ich habe Feierabend und seit ich nach Hause gekommen bin, war das Produktivste, das ich getan habe, die Pizzareste vom Mittagessen in den Ofen zu schieben. Kein Sport, kein Aufräumen, kein Garnichts.

Ich glaube nicht daran, dass man immer produktiv sein muss. Ruhephasen gehören genau so zum Leben, wie das hektische Treiben zwischendurch. Es ist aber die eine Sache, sich bewusst für eine Auszeit zu entscheiden. Es ist etwas ganz anderes, wenn es sich so anfühlt, als würden die äußeren Umstände einen regelrecht dazu zwingen und man ist in dem Moment einfach nur zu schlapp, um sich aufzuraffen.

Aber so geht es mir zurzeit. Mein Körper und mein Geist laufen gefühlt auf Sparflamme. Ich versuche, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Dinge zu tun, die einfach getan werden müssen, aber alles, was darüber hinausgeht, übersteigt aktuell meine Kapazitäten.

„TSCHAKKAA!!“ und so…

Die richtigen Kämpfernaturen da draußen werden jetzt wahrscheinlich sagen: „Da muss man sich halt durchbeißen und einfach durchpowern!“ das mag in vielen Fällen auch zutreffen, aber ich bin auch der Meinung, dass einem der Körper solche Signale nicht umsonst sendet. Wenn man wirklich erschöpft ist, dann muss man Gott auch mal einen guten Mann sein lassen, selbst wenn es in dem Moment schwer fällt. Man neigt ja doch dazu, sich sehr schnell ein schlechtes Gewissen zu machen.

Ich denke mir auch die ganze Zeit, dass ich schon längst wenigstens eine halbe Stunde Sport hätte dazwischen schieben können, aber ich weiß auch, dass ich überhaupt nicht leistungsfähig gewesen wäre. Es kommt nicht häufig vor, aber ich muss mich echt dazu zwingen, zu entspannen, ohne mich dafür schuldig zu fühlen.

Es ist wohl an der Zeit, dass ich meinen eigenen Ratschlag befolge: die Schuldgefühle fallen zu lassen, den Abend so zu verbringen, wie es meinem Körper gut tut und morgen wieder gestärkt zur Tat zu schreiten. Denn es ist „so ein“ Abend – ein Abend an dem auch mit ein wenig gutem Willen nichts geht. Und das muss auch mal in Ordnung sein.