So ein Donnerstag, 21:15 Uhr

Herbstblues

Dass ich den Herbst liebe, ist nichts neues, doch jede Jahreszeit hat ihre Schattenseiten. Und das meine ich in diesem Fall ganz wörtlich: Die Tatsache, dass es früher dunkel wird, macht selbst mir ein wenig zu schaffen. Das Büro zu verlassen und im Dunkeln zu stehen, sorgt äußerst zuverlässig dafür, dass ich am liebsten sofort ins Bett gehen würde.

Es ist manchmal so schon schwer genug, sich zu all den Dingen aufzuraffen, die man im Alltag machen muss. Darunter fällt für mich persönlich eigentlich alles außer schlafen, essen und die Couch/das Bett zu belagern. Die Dunkelheit macht es nicht gerade einfacher, gerade wenn es darum geht, nach der Arbeit noch produktiv zu sein. Viel lieber zieht man sich gleich was gemütliches an und igelt sich ein.

Wenn die Kuschelsocken stärker sind als die Motivation

An dem Abend, an dem ich diese Worte schreibe, sitze ich eingehüllt in meinen Pyjama und meinen Mops-Fleecemantel auf dem Sofa. Ich habe Feierabend und seit ich nach Hause gekommen bin, war das Produktivste, das ich getan habe, die Pizzareste vom Mittagessen in den Ofen zu schieben. Kein Sport, kein Aufräumen, kein Garnichts.

Ich glaube nicht daran, dass man immer produktiv sein muss. Ruhephasen gehören genau so zum Leben, wie das hektische Treiben zwischendurch. Es ist aber die eine Sache, sich bewusst für eine Auszeit zu entscheiden. Es ist etwas ganz anderes, wenn es sich so anfühlt, als würden die äußeren Umstände einen regelrecht dazu zwingen und man ist in dem Moment einfach nur zu schlapp, um sich aufzuraffen.

Aber so geht es mir zurzeit. Mein Körper und mein Geist laufen gefühlt auf Sparflamme. Ich versuche, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Dinge zu tun, die einfach getan werden müssen, aber alles, was darüber hinausgeht, übersteigt aktuell meine Kapazitäten.

„TSCHAKKAA!!“ und so…

Die richtigen Kämpfernaturen da draußen werden jetzt wahrscheinlich sagen: „Da muss man sich halt durchbeißen und einfach durchpowern!“ das mag in vielen Fällen auch zutreffen, aber ich bin auch der Meinung, dass einem der Körper solche Signale nicht umsonst sendet. Wenn man wirklich erschöpft ist, dann muss man Gott auch mal einen guten Mann sein lassen, selbst wenn es in dem Moment schwer fällt. Man neigt ja doch dazu, sich sehr schnell ein schlechtes Gewissen zu machen.

Ich denke mir auch die ganze Zeit, dass ich schon längst wenigstens eine halbe Stunde Sport hätte dazwischen schieben können, aber ich weiß auch, dass ich überhaupt nicht leistungsfähig gewesen wäre. Es kommt nicht häufig vor, aber ich muss mich echt dazu zwingen, zu entspannen, ohne mich dafür schuldig zu fühlen.

Es ist wohl an der Zeit, dass ich meinen eigenen Ratschlag befolge: die Schuldgefühle fallen zu lassen, den Abend so zu verbringen, wie es meinem Körper gut tut und morgen wieder gestärkt zur Tat zu schreiten. Denn es ist „so ein“ Abend – ein Abend an dem auch mit ein wenig gutem Willen nichts geht. Und das muss auch mal in Ordnung sein.

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