Sport – mein ewiges Kryptonit?

SportDer Sport und ich, wir hatten schon immer eine äußerst schwierige Beziehung miteinander. Ich habe immer gedacht, dass ich einfach nicht der „sportliche Typ“ bin. Das fing schon auf dem Gymnasium an: Fast alles, was wir dort gemacht haben, hatte irgendwas mit Mannschaften und Bällen zu tun (Handball, Fußball, Basketball, Volleyball…. alles mit Ball halt).

Recht schnell war klar, dass mir weder das Mannschaftsding noch das Bälleding wirklich lag. Eine schlechte Kombi, die am Ende natürlich dazu führte, dass ich regelmäßig zu den letzten gehörte, die in ein Team gewählt wurden. Da ich das absolut verstehen konnte, war das an sich nicht weiter schlimm. Viel tragischer war für mich die Einstellung in meinem Kopf, die sich dadurch über Jahre hinweg festigte:

Ich bin nicht sportlich. Sport macht mir keinen Spaß. Beim Sport enttäusche ich alle. Sport ist – auf gut Deutsch gesagt – scheiße.

Durch die negativen Erfahrungen in der Schule verband ich Sport fast nur noch mit negativen Gedanken. Weil ich in den Sportarten, die wir machten, konsequent schlecht war, hatte ich schnell das ganze Gebiet für mich abgeschrieben, ohne überhaupt zu wissen, was es da draußen noch alles gibt. Ich dachte gar nicht daran, dass es Sportarten geben könnte, die mir tatsächlich Spaß machen würden.


Ein kleiner Exkurs zum Thema Schulsport

Ich halte Schulsport an sich für sehr sinnvoll, weil wir heutzutage viel zu viel herumsitzen und ich verstehe auch, dass Mannschaftssport praktisch ist, wenn man als Lehrer einen Haufen Jugendlicher beschäftigen muss. Was ich aber nicht verstehe, ist, warum konsequent versucht wird, einen in eine Schublade zu zwängen, in die man einfach nicht gehört. Warum soll ich unsportlich sein, nur weil ich keine Tore schießen kann? Was, wenn ich dafür einen richtig geilen Kopfstand machen kann? Ist das nicht sportlich? Und wer hat zu beurteilen, dass ich nicht teamfähig bin, nur weil ich schlecht im Mannschaftssport bin? Das ist einfach nur gequirlte Scheiße.


Man merkt an der Sprache in diesem Beitrag, dass dieses Thema gerade in Bezug auf meine Vergangenheit viele Aggressionen in mir auslöst. Das liegt in erster Linie daran, dass mir die Schule in Bezug auf Sport nur „beigebracht“ hat, was ich nicht kann. Das war auf Dauer extrem niederschmetternd.

Dementsprechend froh war ich, als die Schule endlich vorbei war und ich auch in der Uni nicht mehr dazu gezwungen wurde, Sport zu treiben. Von diesem Privileg habe ich eine Weile ausgiebig Gebrauch gemacht, bis ich irgendwann gemerkt habe, dass mir das nicht gut tat.

Keine Pobacken aus Marmor

Der klassische Studenten-Lifestyle ist nicht gerade dafür bekannt, besonders gesundheitsbewusst zu sein und meiner war es auch nicht. Lange aufbleiben, lange schlafen, Fertigessen und wenig Bewegung waren fest in meinem Alltag integriert. Wirklich wohl fühlte ich mich in meinem Körper damit langfristig nicht. Ich musste also unbedingt etwas tun.

Ich habe ein paar Kurse beim Unisport probiert und mich an Yoga, Pilates und anderen Sportarten versucht. Dabei bin ich zwischendurch so in diese Fitness-Welt gerutscht, dass ich am liebsten auch zu diesen fitten Mädels gehören wollte, die ultraschwere Gewichte stemmen und Pobacken aus Marmor haben, nur um dann zu merken, dass das auch nicht meine Welt ist.

Es lange gedauert, bis ich Sachen gefunden habe, die mir so viel Spaß machen, dass ich sie regelmäßig durchziehe. Eines kann ich schon mal sagen: Laufen gehört definitiv nicht dazu. Genau so lange hat es auch gedauert, meinen Kopf umzuerziehen nach all den Jahren mit dem Ich kann das nicht„-Mantra.

Nicht nur Körper-, sondern auch Kopfsache

Ich musste mir erstmal selber beibringen, meine sportlichen Leistungen als solche anzuerkennen, weil ich kopfmäßig noch irgendwo zwischen Schulsport und megadefiniertem Fitness-Blogger festhing. Auch wenn ich keine Sportskanone bin, heißt das nicht, dass ich eine totale Niete bin. Ich musste lernen, den ganzen Rest auszublenden und mental bei 0 anzufangen, statt bei -10, damit ich nicht zu hart mit mir ins Gericht ging. Damit ich nicht wieder damit anfing, mich in falsche Schubladen zu stecken.

Denn wie in so vielen anderen Dingen im Leben, ist auch beim Sport der Vergleich mit anderen häufig tödlich für die Motivation. Ich würde mich zwar auch heute nichtmal selbst in irgendeine Mannschaft wählen, aber das ist nicht schlimm. Ich habe eine sportliche Balance gefunden, die für mich funktioniert und höre auf das, was mein Körper und mein Energielevel mir sagen.

Ich weiß jetzt, dass nicht jeder Sport scheiße ist und dass ich durchaus sportlich sein kann, wenn mir etwas Spaß macht und mir liegt, was früher komplett an mir vorbeigegangen ist.

Abschließend möchte diesen Moment nutzen und mich bei meiner Schule bedanken.

Für nichts.

3 Antworten auf „Sport – mein ewiges Kryptonit?

  1. Ein wirklich toller Beitrag!
    Ich bin ganz bei dir was den Schulsport angeht… mir wurde die Lust am Sport selbst auch von meinen Lehrern genommen und es hat über ein Jahrzehnt gedauert, bis ich mich wieder mit dem Thema Fitness auseinandergesetzt habe -.- .
    Heute gehört Sport zu meinem Leben. Er ist für mich die Psychohygiene, die ich im stressigen Alltag einfach brauche. Aber auch ich musste die richtige Sportart erst finden und habe zuvor einige Flops durchlaufen…
    Heute gehöre ich zu den Mädels die schwere Gewichte bewegen XD Aber ich werde mich davor hüten, mich optisch mit anderen zu vergleichen. Das demotiviert einen nur und man verliert den Spaß am Training.
    Und das ist ganz einfach das Wichtigste… egal welche Sportart, egal welches Level… Bewegung muss Spaß machen und nur dann hat das Ganze auch wirklich Sinn 🙂

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcatssite.wordpress.com

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo liebe Kay,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Es ist immer schön zu lesen, dass man mit so was nicht alleine ist. Und es freut mich, dass du deine Freude an der Bewegung wiedergefunden hast. Und Gewichte stemmen?? You go, girl!! 😉 Und ja, Spaß ist so unglaublich wichtig… ich dachte auch eine ganze Zeit, dass ich Sachen machen muss, die vermeintlich effektiver sind, die mir aber keinen Spaß machen und das hat mich auch extrem runtergezogen. Ein Hoch auf uns dafür, dass wir es trotz des traumatisierenden Sportunterrichts geschafft haben, unsere Popöchen wieder hoch zu kriegen! 🙂

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