Durchgewischt und abgestaubt

Putzen

Es gibt Hausarbeiten, die eigentlich niemand leidenschaftlich gerne macht. Dazu gehören Bügeln, Abspülen und Fenster putzen. Es ist ja im Grunde auch eine ziemliche Sysiphos-Arbeit, denn der positive Effekt dieser Arbeiten ist nur temporär. Spätestens nach ein paar Tagen sehen die Fenster wieder so aus, als hätte man sie 6 Monate nicht geputzt und das sorgsam gebügelte Hemd übersteht nicht mal einen Tag ohne wieder auszusehen wie Hulle.

Ich kenne einige Leute, die so unangenehme Aufgaben deshalb outsourcen. Ein Mal in der Woche kommt die Putzfrau und die Hemden werden in die Reinigung gebracht. So spart man für ein wenig Geld viel Arbeit und kann sich trotzdem an einer sauberen Umgebung erfreuen. Ein absolut lohnenswerter Deal.

Ich persönlich bin noch nicht auf diesen Zug aufgesprungen. Zum einen weil es keinen Sinn macht bei unter 50m² überhaupt jemanden zu engagieren und zum Anderen, weil mir der Gedanke, dass fremde Leute in meinen Sachen herumschnüffeln könnten, überhaupt nicht gefällt. Da schwinge ich lieber selber den Wischmopp. Nur geschieht das zumindest in letzter Zeit leider viel zu selten.

Immer diese Angewohnheiten

Besonders in den vergangenen Monaten habe ich die schlechte Angewohnheit entwickelt, meine Wohnung so lange ungeputzt zu lassen, bis mir die Staubmäuse regelrecht ins Gesicht springen, wenn ich die Tür öffne. Der Grund dafür ist natürlich pure Faulheit. Ich liebe Ausmisten und in alten Sachen herumwühlen, aber Putzen ist überhaupt nicht mein Ding, obwohl ich das Gefühl danach liebe. Es ist also ein bisschen wie mit Sport: Der Weg dorthin ist schwierig, aber am Ende ist man froh, wenn man es gemacht hat.

Heute habe ich es aber endlich wieder geschafft! Ich habe die Böden gewischt und die Regale abgestaubt. Ich habe das Bad geputzt und die Küche auf Vordermann gebracht. Und wie immer sitze ich nun in dieser frisch duftenden, blitzeblanken Oase der Ruhe und frage mich, wie ich es die letzten Tage in meinem eigenen Dreck nur ausgehalten habe.

Die Antwort ist einfach: Ignorieren. Wir Menschen haben die faszinierende Eigenschaft, Unangenehmes über sehr lange Zeiträume auszublenden und herunterzuspielen. Bis der Punkt erreicht ist, an dem man es nicht mehr ignorieren kann, vergeht unter Umständen eine Menge Zeit. In diesem speziellen Fall kann es sich bei mir sogar um Wochen handeln.

Den Kopf einfach mal ausschalten

Ich weiß, schön ist anders, aber meistens ist die Vorstellung, sich direkt nach der Arbeit auf die Couch zu verziehen, halt viel verlockender, als Staub zu wischen. Und der innere Schweinehund ist oft einfach zu stark. Heute habe ich es auch nur geschafft, aktiv zu werden, weil ich nicht nachgedacht habe.

Ich habe einfach angefangen, meine Sachen aus dem Weg zu räumen und den Boden frei zu machen. Ich habe mir nicht vorgestellt, wie anstrengend es ist, das Bad zu schrubben und wie viel schöner es stattdessen wäre, mein neues Videospiel zu zocken. Jede Bewegung war wie automatisiert und ehe ich mich versah, war ich schon mittendrin, ohne wirklich bewusst die Entscheidung getroffen haben „Jetzt putze ich meine Wohnung.“.

In unseren Köpfen ist die meiste Zeit viel zu viel los und nicht alles, was sich dort abspielt, bringt uns weiter. Gedanken wie aus dem obrigen Beispiel lähmen uns eher als dass sie uns nutzen, weil den bequemen Weg mit dem anstrengenden Weg vergleichen. Wie dann die Entscheidung ausfällt, ist eigentlich klar. Das mit dem Putzen ist ein sehr banales, aber äußerst alltägliches Beispiel.

Doch wenn diese Bequemlichkeit schon bei derart kleinen Dingen dazu führt, dass man wochenlang in seinem eigenen Dreck sitzt ohne etwas daran zu ändern, welche Auswirkungen hat sie erst, wenn wir mit wirklich wichtigen Entscheidungen konfrontiert werden? Wenn wir stundenlang pro und kontra abwiegen, bis wir uns am Ende nur noch im Kreis drehen und uns dafür entscheiden, nichts zu tun, weil das am einfachsten ist.

Wie das Leben so spielt

Ehrlich gesagt, hätte ich nicht gedacht, dass dieser Text diese fast schon tiefsinnige Wendung nehmen würde. Eigentlich sollte das hier nur zeigen, dass es ganz schön ist, ab und an mal den Hintern hoch zu kriegen, doch der Kopf macht halt doch, was er will. Solange das, wie hier, bedeutet, dass man zu einer Erkenntnis kommt, die einem etwas bringt, die einem dabei hilft zu verstehen, kann man den Kopf auch einfach mal machen lassen.

Gefährlich wird es erst, wenn uns das davon abhält, unser Potenzial zu entfalten, weil ein anderer Weg aus der Sicht unseres Verstandes einfacher oder bequemer ist. Und während ich das hier schreibe, merke ich erst wieder, was für einen weiten Weg ich in dieser Hinsicht noch zu gehen habe.

Was für ein Start ins Wochenende!

2 Antworten auf „Durchgewischt und abgestaubt

    1. Ja, es ist absolut erstaunlich, was passiert, wenn man die banalsten Dinge im Leben tut und sich auch einfach mal die Zeit nimmt, um den Kopf einfach „machen“ zu lassen. Das ist manchmal effektiver als den Gehirnschmalz ganz bewusst anzustrengen.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s