„Schalt mal ’nen Gang runter.“

Pause

Wenn man ein Projekt startet, das einem viel Spaß macht oder bei dem man schnell Erfolge sehen will, neigt man gerade in der Anfangszeit dazu zu viel zu machen. Klar, man ist hochmotiviert und will Ergebnisse sehen, doch wie oft kommt es dann vor, dass man zu viel auf einmal will? Man fängt an, sich mehr Druck als nötig zu machen, arbeitet unter Umständen mehr als jemals zuvor, aber wirklich zufrieden ist man trotzdem nicht.

Am Ende ist man oftmals so überfordert, dass man hinschmeißt. Und damit meine ich nicht nur die Kandidaten, die sich jedes Jahr zu Beginn vornehmen, mehr Sport zu treiben. Es kann einen in jedem Bereich treffen: wenn wir eine Sprache lernen wollen, wenn wir neben dem Job ein kleines Business gründen, oder sogar bei derart banalen Dingen wie dem Entrümpeln der eigenen vier Wände.

Alles auf einmal ist nicht immer besser

Das geflügelte Wort „Work-Life-Balance“ wird einem in der Regel immer dann um die Ohren gehauen, wenn man zu viel vom ersten Teil der Rechnung hat: Arbeit. Dann werden wir meist von Freunden und Kollegen, die es nur gut mit uns meinen, dazu aufgefordert, endlich mal einen Gang runter zu schalten. Ich gehöre von Natur aus eher zu den entspannteren Personen, die dementsprechend eher damit kämpfen, ihren Hintern überhaupt erst für etwas hoch zu kriegen. Doch auch ich habe diese Momente, in denen ich zu viel will.

Die komplette Wohnung muss dann in einer Art Gewaltmarsch innerhalb eines Tages komplett auf den Kopf gestellt und aufgeräumt werden, anstatt alles auf zwei Tage zu verteilen. Ein 40 Seiten langer Text für die Arbeit muss in wenigen Stunden überarbeitet werden – und das neben dem üblichen Tagesgeschäft auf der Arbeit, das alleine schon mehr als genug ist. Mein persönliches Paradebeispiel habe ich aber gerade hier erlebt.

Die letzten Wochen war ich extrem motiviert, was diesen Blog angeht. Ich wollte jede Woche regelmäßig Content raushauen – mindestens zwei-, besser natürlich dreimal die Woche. Hochwertig sollte er sein und natürlich war da die ganze Zeit der Gedanke im Hinterkopf: „Du musst da jetzt was machen! Wenn du jetzt nicht machst, dann bringt das alles doch nix.“ es war ein bisschen so wie früher, als ich angefangen hatte, mein ganzes Leben um mein Sportprogramm zu bauen – nur eben mit dem Blog.

Stress statt Spaß

Ich habe überlegt, welche Termine ich wie legen muss, damit ich noch Zeit zum schreiben habe, habe mir irgendwas aus den Fingern gesaugt und teilweise auch die Momente ignoriert, in denen es besser gewesen wäre, wenn ich mal eine Pause eingelegt hätte. Zweimal die Woche einen Text zu schreiben und ins Internet zu stellen, mag für so manchen nach wenig Arbeit klingen, doch für mich ist es tatsächlich ein wenig anders.

Bei einem Vollzeitjob, sozialen Verpflichtungen und Sport bleibt nicht mehr viel Zeit übrig, wenn ich zwischendurch noch etwas entspannen will. Doch in den letzten Tagen stellte ich mir vermehrt die folgende Frage: „Warum überhaupt der ganze Stress, wenn es doch eigentlich Spaß machen soll?Geht die Welt unter, wenn ich mal ein paar Tage nichts schreibe? Nein. Bin ich weniger wert, wenn ich mir eine Pause gönne ohne vorgearbeitet zu haben? Auch das nicht.

Und so habe ich mir die letzten Tage einfach mal genommen, um mich auf andere Dinge zu konzentrieren, die mir wichtig sind und den Kopf frei zu kriegen. Denn obwohl ich gerne schreibe und es mir hilft, meine Gedanken zu ordnen, ist es immer auch mit Anstrengung verbunden. Und bevor ich es übertreibe und mir sprichwörtlich der Treibstoff ausgeht, lasse ich es lieber etwas langsamer angehen.

Volle Kraft voraus durch regemäßige Pausen

Auch wenn das bedeutet, dass es hier etwas langsamer zugeht. Ich weiß, dass es für mich langfristig die schlauere Lösung ist, denn wie immer im Leben geht es um die Balance. Die besteht definitiv nicht nur darin, immer nur volle Power zu geben bis der Tank komplett leer ist, sondern auch darin zu wissen, wann man sich ein wenig zurückziehen muss.

Deshalb ist mir gerade jetzt wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, hin und wieder mal die Beine hoch zu legen und zu versuchen, sich Ruhe zu gönnen, ohne deswegen direkt in die Selbstkritik zu verfallen. Ab und an einen Gang runter zu schalten, ist nichts wofür man sich meiner Meinung nach schämen muss, sondern etwas, das in der heutigen Zeit des „Hustlens“ viel mehr geschätzt und kultiviert werden sollte, denn nur mit regelmäßigen Pausen bleiben wir langfristig leistungsfähig und behalten den Spaß an dem, was wir tun.

Und diese Pause kam mir zusätzlich zugute, weil sie mich zu diesem spontanen Post inspiriert hat, auf den ich wohl nicht gekommen wäre, wenn ich krampfhaft versucht hätte, mir etwas zu überlegen. Also ein absoluter Win-Win für alle, oder nicht?

2 Antworten auf „„Schalt mal ’nen Gang runter.“

  1. Zum richtigen Pausemachen gehört einfach auch Erfahrung. Wird ja kaum beigebracht ( außer Yoga- oder Entspannungskursen ). Aber man muss eben auch außerhalb des Yogakurses aufpassen, dass man sich nicht von anderen oder der vermeintlichen Erwartungshaltung überfordern lässt…

    Gefällt 2 Personen

    1. Du sagst es! Mit Yoga könnte ich übrigens auch mal wieder anfangen. 😀
      Meistens wird uns leider nur gezeigt, wie wichtig es ist immer irgendwas zu machen und in Bewegung zu sein. Und das Stichwort ist da bestimmt auch die „vermeintliche Erwartungshaltung“, die du erwähnst, weil wir einfach glauben, dass das von uns erwartet wird.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s