Diese Tage zwischen den Jahren

Lustig
Dieses Bild wurde nicht nur wegen der für Silvester symbolischen Wunderkerze ausgewählt, sondern weil die Autorin die Vorstellung besonders witzig findet, dass da tatsächlich jemand unter Wasser ist und eben jene Wunderkerze in die Höhe hält – #IchBinKunstkenner #nicht #mussmannichtverstehen

Die Zeit vor dem Jahreswechsel lädt in der Regel sehr zur Reflektion ein. Vor allem, wenn Weihnachten (endlich) hinter uns liegt und wir ein wenig Zeit zum Entschleunigen haben, lassen wir das vergangene Jahr nochmal Revue passieren und stellen uns mental auf das neue Jahr ein. Das ist an sich eine wirklich schöne Sache. Ich finde es gut, wenn Leute sich wirklich bewusst Zeit dafür nehmen, um zu überlegen, was sie in den letzten Monaten erreicht haben und was sie noch erreichen möchten. Denn selten hat man so viel Zeit, wie in diesen paar Tagen.

Nur meistens kommt es anders und zweitens als man denkt. In dem Moment, in dem ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich schniefend und hustend auf meinem Sofa, eingewickelt in eine Decke und mit mehr Tee intus als meine Erbsenblase vertragen kann. Ich habe meinen Nachbarn die halbe Nacht die Ohren vollgehustet und auch ein erholsamer Schlaf will sich diese Woche einfach nicht einstellen.

Das letzte, woran mein in Watte gepackter Kopf gerade denkt, ist mir ernsthafte Gedanken über das vergangene oder das nächste Jahr zu machen. Aktuell will er nur auf dem Sofa herumkrebsen und die letzten 3 Folgen „Mrs. Maisel“ gucken. Ich vermute, man kann sich so ungefähr vorstellen, in was für einer mentalen Verfassung ich mich gerade befinde.

Und trotzdem schleichen sich hin und wieder Erinnerungen an die letzten Monate ein. Die guten und die schlechten Momente – wobei ich sagen muss, dass 2017 ein vergleichsweise gutes Jahr war. Es ist wenigstens niemand gestorben, was das Schicksal jedoch nicht davon abhielt, uns um die Weihnachtszeit mehrmals ins Krankenhaus zu schicken. Insgesamt hat sich aber vieles besser entwickelt, als ich Ende 2016 gedacht hätte und die „schlechten“ Momente, sind hauptsächlich Kleinigkeiten, an denen ich mich in den nächsten Monaten aufhängen kann, die im großen und ganzen aber eigentlich nichtig sind.

Wenn ich aber an 2018 denke, dann bin ich ungewohnt optimistisch. Auf der einen Seite habe ich immer den Glauben, dass gerade Jahreszahlen mehr Glück bringen, als ungerade, weil sie schöner aussehen. In der Praxis ist es aber wohl eher umgekehrt, wenn ich mir die letzten Jahre so anschaue… (Man erinnere sich an meinen herzlichen Abschied vom Jahr 2016).

Auf der anderen Seite sind für 2018 schon so viele schöne Sachen geplant, auf die ich mich freuen kann: Dazu gehören große Sachen wie zwei Reisen (USA und Japan), aber auch kleine Sachen wie eine 30-Tage-Yoga-Challenge oder Filme auf die ich mich freue. Zum Teil richtig banales Zeug, aber es sind ja oft gerade die kleinen Dinge, die uns über Wasser halten und die das Leben lebenswert machen.

Außerdem möchte ich mir wieder mehr konkrete Projekte für meine Freizeit vornehmen. Dieses Jahr stand für mich vor allem im Zeichen der Anpassung – Anpassung an einen neuen Lebensstil mit einem Vollzeitjob. Da war am Ende eines Tages meistens eher Gammeln statt Produktivität angesagt. Jetzt möchte ich wieder mehr tun. Ich möchte alte Sprachkenntnisse wieder auffrischen und vielleicht sogar ein Projekt beginnen, vor dem ich Angst habe, das für mich aber sehr wichtig ist.

Natürlich fällt es einem immer besonders leicht, hochtrabende Pläne zu schmieden, bevor das Jahr angefangen hat und es ans Eingemachte geht. Die berühmt-berüchtigten Jahresvorsätze hält man meistens sowieso nicht ein, aber darum geht es mir aktuell nicht. Im Moment möchte ich einfach nur ein bisschen spinnen und mir vorstellen, was passieren könnte, wenn ich diese Dinge wirklich umsetze. Ich möchte Möglichkeiten für mein Leben schaffen und Türen hinter mir schließen, die ich nicht mehr brauche.

Das ist in meinem Rotznasenzustand nicht gerade einfach, aber irgendwie glaube ich auch, dass dieser leicht realitätsferne Zustand meine Fantasie nur noch mehr beflügelt. Ganz ohne Kleber schnüffeln oder „Brownies“ naschen… In diesem Sinne verabschiede ich mich erstmal wieder und wünsche allen einen guten Jahreswechsel und ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2018.

Rock on, Bitches!

Die Stadt der Liebe? Is‘ klar…

Paris

Dieser Beitrag ist eigentlich schon ein paar Monate alt. Ich weiß nicht, warum ich ihn damals nicht veröffentlicht habe – deshalb tue ich es jetzt. Der Hintergrund ist ein Kurztrip nach Paris mit meiner besten Freundin im vergangenen Sommer.

Enjoy, people!

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Kürzlich habe ich ein langes Wochenende in Paris verbracht. Ich bin schon über 5 Jahre nicht mehr dort gewesen und obwohl ich die Stadt sehr schön finde, und auch immer wieder mal hinfahren würde, sind mir dieses Mal einige Dinge aufgefallen, die ich bei meinem ersten Besuch damals wohl verdrängt habe. Oder es gab sie damals einfach noch nicht, wer weiß…

  1. Paris ist schweineteuer. Gut, solange man Urlaub innerhalb Westeuropas macht, kann man nur schwer damit rechnen, eine vernünfte Mahlzeit für unter 10€ zu bekommen. Zumindest wenn man was vernünftiges haben will. Aber nicht nur das Essen summiert sich ganz schnell: Besonders wenn man die kulturellen Vorzüge der Stadt genießen will, muss man tief in die Tasche greifen. Währen in London fast alle Museen kostenlos sind, muss man für den überfüllten (aber dennoch sehenswerten) Louvre 16€ bezahlen, sobald man das Pech hat Ü25 zu sein. Zum Glück sind wenigstens die Metrotickets recht erschwinglich.
  2. Touristen, überall Touristen. Auch damit sollte man rechnen, wenn man im Sommer irgendein Land besucht. Besonders oft gesichtet wurden Horden chinesischer Touristen, die bunten Schirmchen hinterher liefen. Wirkliche Romantik kann da weiß Gott nicht aufkommen. Ganz besonders nicht an solchen Hotspots wie Notre Dame, in Montmartre oder in Versailles.
  3. Und sind sie alle dumm? Als wir uns auf den Weg 20170729_114938nach Versailles machten, mussten wir an einer Metro-Station in die Bahn umsteigen, die bis nach Versailles fuhr. Da die meisten Touristen anscheinend zu dumm sind, um den Weg über die Straße zur Station zu finden, sind eigens Leute rekrutiert worden, um besagten Touristen per Fingerzeig den Weg zu deuten. Das gleiche Vergnügen erwartete einen nach der Ankunft am Bahnhof von Versailles. Wie soll man auch sonst den Weg zum riesigen Schloss finden??
  4. Man(n) hat gerne was zu gucken. Es soll ja schon mal vorkommen, dass Männer Interesse am anderen Geschlecht haben und das auch mehr oder weniger offen zeigen, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal von so vielen Männern so offen angestarrt wurde – und ich merke sowas eigentlich nie. Sehr subtil, meine Herren! Vielleicht hatte ich aber auch einfach nur was zwischen den Zähnen…
  5. Bloß nicht vor 19 Uhr Essen gehen! Anscheinend gehören die Franzosen zu den Völkchen, die gerne sehr spät zu Abend essen. Wen vor 19 Uhr der Hunger umtreibt, wird die meisten Restaurants geschlossen vorfinden. Bis dahin gibt es nur Wein und Zigaretten.
  6. Keine japanischen Restaurants besuchen, die nicht von Japanern betrieben werden. Nachdem wir uns 4 Stunden durch den Louvre geschleppt hatten, hing uns der Magen bis in die Kniekehlen. Und so stürmten wir dankbar einen Laden, der verheißungsvoll und in japanischen Lettern „Ramen“ versprach. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann, der dort arbeitete nicht nur kein Japaner, sondern Chinese war, was an sich kein Verbrechen ist. Wirklich kriminell wurde es erst dann, als eine Truppe seiner Landsmänner nach uns reinmarschiert kam, eigene Beilagen mitbrachte UND auch noch vor uns bedient wurde. Jep, danach waren wir auch mehr als bedient.

Wer schon ein paar Mal in Paris war, wird über diese Erkenntnisse vermutlich den Kopf schütteln und sie als Allerweltswissen abstempeln. Für uns war es nach all den Jahren doch wieder ein kleiner Kulturschock. Da springt man für dreieinhalb Stunden in die Bahn und befindet sich in einer vollkommen neuen Welt.

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Dabei war nicht alles schlecht, im Gegenteil! Wir lernten einen charmanten Kellner kennen, der mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat und der tatsächlich all seinen Mut zusammennahm, um Deutsch mit uns zu sprechen. Wir hatten ein fantastisches Boeuf à la Bordelaise. Von unserem charmanten Apartment aus hatten wir jeden Tag einen fantastischen Blick auf Sacre Coeur. Keiner von uns wurde ausgeraubt. Wir haben viel Zeit damit verbracht, die Stadt zu Fuß zu erkunden und über Gott und die Welt zu reden.

Wenn man die richtigen Ecken zur richtigen Zeit besucht, ist Paris eine wunderschöne Stadt. Und wenn man es mal schafft, den Menschenmassen für einen Moment zu entkommen, dann fühlt es sich sogar so an, als wäre man mitten in „Midnight in Paris“ gelandet – wo die kleinen, engen Gassen eine Faszination ausüben, der man sich nicht entziehen kann und wo hin und wieder ein leises Chanson erklingt.

Plötzlich erwachsen?

Alter

Als ich in die erste Klasse kam, kamen mir die Viertklässler so erwachsen vor. Ich wollte unbedingt so sein wie sie. Als ich auf das Gymnasium kam, waren die Abiturienten das absolute Nonplusultra. Danach waren es die Studenten. Mit jeder Stufe, die ich auf meinem Lebensweg erklomm, gab es jemand neues zu dem ich aufgeblickt habe, weil diese Person oder diese Gruppe von Menschen mir so viel erfahrener und erwachsener vorkam.

So bin ich Anderen immer hinterher gelaufen und das in einem Rennen, das ich sowieso nie gewinnen kann. Denn als ich in die vierte Klasse kam, habe ich mich nicht viel erfahrener gefühlt als in der ersten Klasse, weil ich es in dem Moment einfach nur genoss, ein Kind zu sein. Und als ich vor mittlerweile über einem Jahr meine Masterarbeit abgegeben habe, war ich nicht viel besser auf das Leben als „Erwachsener“ vorbereitet als an dem Tag, an dem ich mit der Schule fertig wurde.

Was heißt überhaupt „Erwachsen sein“? Und woher weiß man, dass man dieses Stadium erreicht hat? Erreicht man es überhaupt jemals? Fragen wie diese geistern mir schon seit vielen Jahren im Kopf herum – ganz besonders seit der Zeit kurz vor meinem Uniabschluss. Da hatte ich das Gefühl direkt am Rand einer Klippe zu stehen und die Abgabe meiner Abschlussarbeit würde mich mit brutaler Gewalt in die Welt der Erwachsenen stoßen, die ich nie wirklich verstanden habe.

In eine Welt, in der man Steuern zahlt, sich tagtäglich einem langweiligen Job hingibt und nur auf das Wochenende wartet. Man redet über Politik und Wirtschaft, gründet eine Familie und weiß, wie die Welt funktioniert.

Die Wahrheit über das Erwachsensein

Dabei sieht die Wahrheit ganz anders aus. Zumindest die Wahrheit, die ich für mich gefunden habe: wir alle stolpern eigentlich nur durch’s Leben, in der Hoffnung, dass niemand es bemerkt, wenn wir mal stolpern oder uns mit Schmackes auf die Fresse legen. Dann heißt es schnell aufstehen, die Klamotten abklopfen und so tun als wäre nichts gewesen. Und so geht es einfach immer weiter. Der Punkt, an dem man sich vollkommen sicher in seinem Tun fühlt, kommt einfach nie. Und wenn doch, ist es nur eine Frage der Zeit bis der nächste Stolperstein auftaucht.

Ich habe eine sehr lebhafte Erinnerung daran, wie ich in der Schule mit Leuten geredet habe, die so alt waren, wie ich jetzt (also Mitte bis Ende 20). Wobei man hier eher von einem Versuch sprechen sollte, denn ich hatte immer das Gefühl, dass ich keinen Kontakt zu ihnen aufbauen konnte, weil ich glaubte, irgendwas erwachsenes und intellektuelles sagen zu müssen. Und so geht es mir auch heute manchmal noch mit Leuten, die ich für erfahrener als mich selbst halte (also fast alles über 30).

Es gibt kein Ende

Man kommt einfach nie irgendwo an, weil sich alles ständig verändert. Weil wir uns ständig verändern und immer neue Dinge an uns entdecken, die dafür sorgen, dass wir uns „noch nicht soweit“ fühlen. Ich bin auch noch nicht dazu bereit, mich mit 26 Jahren als erwachsene Frau zu bezeichnen, aber das muss noch lange kein Defizit sein. Warum also der Stress?

Und es ist äußerst beruhigend zu wissen, dass es mir nicht alleine so geht. Denn das ist wohl eine der wenigen wirklich einflussreichen Erkenntnisse, die ich im Laufe meines Lebens gemacht habe: Erwachsen sein ist im Grunde ein Mythos. Wir haben alle keinen wirklichen Plan und DEN EINEN Plan gibt es sowieso nicht. Weil wir alle verschieden sind und uns kontinuierlich verändern.

Deshalb ist es auch egal, wenn ich in 4 Jahren ledig und kinderlos bin. Es ist egal, ob ich mich für Politik oder Hippiekram interessiere. Und vor allem ist es egal, ob ich mich als Erwachsener klassifiziere oder nicht. Mein Leben funktioniert auch so.

Und überhaupt: wenn Erwachsensein so ist, wie viele Leute es sagen – langweilig, routiniert, immer planbar und ernst – dann kann ich jetzt guten Gewissens darauf verzichten. Ich bleibe ich, egal wie alt ich bin und das ist viel besser.