Der (un)konventionelle Lebensweg

konventionell

Wenn man die Deutschen danach fragt, was der ideale Karriereverlauf ist, dann antworten die meisten vermutlich mit dieser Reihenfolge:

  1. Schule
  2. Studium oder Ausbildung
  3. Jobeinstieg in dem Bereich, in dem man ausgebildet wurde
  4. In der ersten Firma so lange wie möglich bleiben – im besten Fall bis zur Rente

Dieser Weg ist zweifellos der einfachste und komfortabelste. Doch meiner Meinung nach muss er nicht zwangsläufig auch der beste sein. Gerade heutzutage, wo auch junge Leute sich vermehrt mit dem Thema Selbstständigkeit beschäftigen oder nach anderen Alternativen zur Einkommensbeschaffung suchen, ist der konventionelle Weg nicht nur unattraktiver, sondern auch weniger praktikabel geworden.

Abgesehen davon wird immer mehr Menschen bewusst, wie schnelllebig unser Leben und damit auch unsere Karrieren verlaufen können. Man muss nicht bis zur Rente in ein und derselben Firma bleiben und nur weil man etwas studiert hat, heißt das noch lange nicht, dass man in diesem Feld später tatsächlich arbeiten wird. Der Fokus wird dadurch zunehmend auf das Sammeln von unterschiedlichen Erfahrungen gelegt und darauf, seinem Leben einen Sinn zu geben, der aus mehr besteht, als einfach nur Geld für den nächsten Urlaub zu verdienen. Frei nach dem Motto:

Selbstverwirklichung statt Sicherheit/Beständigkeit

Obwohl ich bisher viel Glück hatte, was meine Karriere angeht, würde ich nicht sagen, dass ich bisher eine Standard-Karriere gemacht habe (wenn es so was überhaupt noch gibt). Nach dem Abitur habe ich mich gegen ein Studium oder eine Ausbildung in einem „krisensicheren Feld“ entschieden. Stattdessen habe ich Asienwissenschaften studiert. Auf die bange Frage von Angehörigen und Bekannten hin, was man damit macht, habe ich immer gesagt, dass ich z.B. als Auslandsreferentin oder Übersetzerin arbeiten könne, was durchaus stimmt, aber je weiter ich in meinem Studium kam, desto mehr wurde mir bewusst, dass das langfristig nicht mein Weg ist.

Das Studium war für mich eine nützliche und wichtige Station, die mein Leben und meine weiteren Entscheidungen zwar beeinflusst aber nicht zu 100% festgelegt hat. Dabei dachte ich in der Schule immer, dass das Studium mein komplettes restliches Leben bestimmen würde. Das ist absoluter Bullshit.

Das Leben ist kein ebener, asphaltierter Weg, der immer nur gerade aus geht. Es gibt unterschiedliche Terrains und Abzweigungen, die man nehmen kann. Schon die nächste Kurve kann vollkommen neue Möglichkeiten offenbaren. Die Erkenntnis, dass ich vom vorgezeichneten Weg abweichen kann, war für mich nicht beängstigend. Ich habe sie als Chance gesehen, mich zu öffnen. Ich musste nicht zwangsläufig das machen, was ich gelernt habe.

Der direkte Weg ist überbewertet

So machte ich im Studium einen Abstecher in die Start-Up-Welt und wurde ein Teil von mymuesli. Die Arbeit dort hat mir unheimlich Spaß gemacht und ich habe viel gelernt, aber auch das war nur eine Station. Jetzt arbeite ich seit über einen Jahr im Bereich Produktmanagement und Marketing eines Verlags – ein Job, der mich ungemein erfüllt. Trotzdem kann ich nicht mit Sicherheit sagen, dass ich ihn bis an das Ende meines beruflichen Lebens ausüben werde.

Ich bin also bisher von den Geisteswissenschaften über Biomüsli bis zum Marketing gekommen. Geradlinig sieht eindeutig anders aus. Dass mein Leben so verlaufen würde, hätte ich vor knapp 8 Jahren, als ich mein Abitur gemacht habe, niemals erwartet. Und doch bin ich froh darüber, dass es so gekommen ist, denn so konnte ich in relativ kurzer Zeit viele wertvolle Erfahrungen sammeln – Umwege nicht ausgeschlossen.

Das Leben ist zu kurz für Stagnation und das Verharren in der Komfortzone.

Deshalb finde ich es so bewundernswert, wenn junge Leute, einige sogar jünger als ich, den Schritt in die Selbstständigkeit wagen oder sich anderweitig etwas eigenes aufbauen. Natürlich wissen sie nicht, ob sie erfolgreich sein werden oder wann sie davon leben werden können. Aber sie erweitern kontinuierlich ihre Grenzen und folgen ihrer Leidenschaft – auch wenn das am Anfang oftmals härtere Arbeit und weniger Lohn bedeutet.

Selbst wenn es am Ende nicht funktioniert und sie sich wieder umorientieren müssen, kann mir keiner sagen, dass die Erfahrung selbst nicht lehrreich war. Ich will damit nicht sagen, dass wir jetzt alle unsere Jobs oder das Studium hinschmeißen und ein Unternehmen gründen sollen (für mich wäre das sowieso nichts), aber ich glaube, dass wir alle etwas mehr Mut vertragen können, wenn es um unser Berufsleben geht.

Denn wir brauchen Mut, wenn wir unseren bisherigen Pfad verlassen wollen oder sogar müssen. Wir brauchen Mut, um…

  • etwas eigenes zu starten.
  • einen Neuanfang zu wagen.
  •  unserer Leidenschaft zu folgen.
  • Umwege zu gehen.
  • Auszeiten zu nehmen.

Ich bin für unkonventionelle Lebensläufe und Menschen, die sich etwas trauen. Wir sollten alle unsere Komfortzonen öfter mal verlassen, denn man weiß nie, was für Abenteuer einen erwarten, wenn man den ausgetretenen Pfad verlässt und einfach mal querfeldein weiter geht.

Geduld ist eine B*tch – oder bin ich es?

Geduld

Als ich vor 2 Jahren mit meiner Mutter in Schottland unterwegs war, sind wir eines Abends in einem kleinen, gemütlichen Pub in Edinburgh abgestiegen. Zufälligerweise fand dort an diesem Abend auch ein Pub-Quiz statt, für das wir uns spaßeshalber als „The Germans“ eintrugen. Es sollte eine lustige, kleine Sache werden. Wir hatten uns auch nicht auf die Fahne geschrieben, zu gewinnen. Wir ahnten schon, dass wir gegen die ganzen „native speakers“ kaum eine Chance hatten.  Trotzdem entwickelte ich sehr schnell einen äußerst ungesunden Ehrgeiz. Statt zwischendurch meiner Mutter die Fragen und Vokabeln zu übersetzen, wenn sie etwas nicht verstand, liefen die Synapsen in meinem Gehirt sofort auf Hochtouren, auf der Suche nach der richtigen Antwort. Zeit ist schließlich Geld!

Am Ende seufzte ich bei jeder Frage meiner Mutter theatralisch auf und winkte dann mit einem hastigen „Ich kann grad‘ nicht!“ ab. Am Ende wurden wir, wer hätte es gedacht, die Letzten und dampften mit unserem Trostpreis ab.

Eine kleine Lehrstunde

Diese kurze Episode verrät eine ganze Menge über mich:

  1. 1. Ich bin ein verdammt schlechter Verlierer (und deshalb vollkommen ungeeignet für „lustige“ Gesellschaftsspiele)
  2. 2. Ich habe ein hohes Aggressionspotenzial – besonders, wenn ich gestresst bin und das Gefühl habe, dass etwas auf dem Spiel steht
  3. 3. Ich bin wahnsinnig ungeduldig

Von all diesen vermeintlich liebenswerten Eigenarten möchte ich heute auf die dritte eingehen. Eines direkt vorweg: Geduld hatte ich eigentlich nie. Dass ich früher nie Nachhilfeunterricht gegeben habe, um mein Taschengeld aufzubessern, führe ich vor allem darauf zurück, dass ich es hasse, Leuten Dinge zig Mal hintereinander erklären zu müssen. Ich hasse es, mein Tempo zu verlangsamen, um es anderen leichter zu machen, weil es mich gefühlsmäßig ja auch zurückhält.

In der Zeit, die ich dafür aufwenden muss, um anderen zu erklären wie die Dinge gehen, habe ich es selbst schon längst drei Mal selber gemacht – und dann ist es aber auch so, wie ich es will. Natürlich weiß ich mittlerweile, dass ich, vor allem im Job, bestimmte Tätigkeiten delegieren muss. Ich weiß auch, dass ich am Ende Zeit spare, wenn ich mir am Anfang die Zeit zum erklären nehme, aber das ist nicht immer so einfach.

Die Wohnungssuche – eine Geduldsprobe par excellence

Dabei müsste mich der Bonner Wohnungsmarkt mittlerweile ausreichend Geduld für ein ganzes Leben gelehrt haben. Eigentlich wollte ich im Laufe des letzten Jahres schon längst in eine größere Wohnung gezogen sein. Jetzt ist es schon 2018 und ich sitze immernoch in meiner Studentenbutze, weil ich einfach nichts finde, das meinen Wünschen entspricht und das ich mir leisten kann. Denn seien wir mal ehrlich: Umziehen macht keinen Spaß und wenn ich mir die Arbeit mache, dann wenigstens, weil ich weiß, dass ich langfristig in der neuen Wohnung bleibe.

Mittlerweile bin ich aber, was die Wohnungssuche angeht, recht entspannt geworden. Je länger ich in meiner alten Wohung bleibe, desto mehr Geld kann ich sparen. Und solange mir nicht der Putz auf die Rübe bröckelt, habe ich eigentlich auch keine Eile. Ist schließlich im Grunde ganz nett hier (mit knapp über 30m² nur alles etwas beengt).

Inwieweit ist Geduld lernbar?

Nur warum kann ich diese Gelassenheit nicht auch auf andere Lebensbereiche übertragen? Warum fällt mir das Warten, Ausharren und einfach mal Zeit nehmen so schwer? Ich schaffe es meistens ja nicht mal, mehr als 20 Seiten am Stück in einem Buch zu lesen. Dabei steht „mehr Geduld“ in meinem Streben nach mehr Balance und Achtsamkeit ganz oben auf meiner To-Do-Liste.

Mehr Geduld mit mir selbst, mit anderen und mit der Umwelt. Alles immer nur mit der Brechstange oder einem Bulldozer lösen zu wollen, ist definitiv nicht der langfristig beste Weg. Und wer weiß? Hätte ich mir bei dem Pub-Quiz den einen oder anderen Moment genommen, um mit meiner Mutter zu reden, vielleicht wären wir dann nicht auf dem letzten Platz gelandet.

Ich glaube schon, dass diese Ungeduld eine tief in mir verankerte Charaktereigenschaft ist. Immerhin habe ich mir viele Jahre nicht gerade Mühe gemacht, etwas daran zu ändern, aber ich bin dennoch davon überzeugt, dass das kein Dauerzustand sein muss. Ich mag vielleicht nicht direkt dazu in der Lage sein, die Ungeduld selbst zu bekämpfen, aber es sollte doch möglich sein, zumindest anders mit ihr umzugehen. Damit ich mir und anderen gegenüber nicht so eine verdammte Bitch sein muss, wenn sie wieder zuschlägt.

Out of Order

krank

Manchmal kommt es ganz plötzlich. An dem einen Tag fühlt man sich noch wie der junge Frühling und blickt hochmotiviert einer neuen Woche entgegen – und am nächsten Morgen wacht man auf mit Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel und dichten Nebenhöhlen. Dahin sind die Motivation und wie der junge Frühling sieht man nach wenigen Stunden auch nicht mehr aus, wenn man in den Spiegel schaut. Eher wie ein Kohlkopf, der ein paar Mal unter die Räder gekommen ist. Ladies und Gentlemen, das war wahrlich und wahrlich der Beginn einer wunderbaren Woche.

Und damit meine ich nicht diese, sondern die letzte. Der Grund für meine Abwesenheit letzte Woche lag nämlich in einem extrem überraschend über mich hergefallenen Virus, der beschlossen hatte, die komplette Woche bei mir zu verbringen. Noch am Mittwoch wagte ich den vorsichtigen, äußerst dummen Versuch, doch arbeiten zu gehen, was ich aber schnell wieder bleiben ließ. Am Ende verbrachte ich die Woche abwechselnd auf dem Sofa oder im Bett. Mehr als Fernsehen oder schlafen war eigentlich auch nicht drin (und jede halbe Stunde auf Toilette wanken, weil meine Blase das Fassvermögen einer Erbse hat).

Ich gab mir wirklich alle Mühe, alles ruhig angehen zu lassen, damit ich mich auskurieren kann. Trotzdem weigerte ich mich die ersten Tage zum Arzt zu gehen. Einerseits weil ich, wie immer, dem Irrglauben unterlag „Das geht von selbst wieder weg“ und andererseits aus Angst, dass er die Spritze zückt, um mir Blut abzuzapfen. Das schlimmste war aber meine Angst davor, dass er mich krank schreibt.

Keine Zeit zum gesund werden

Es ist schon komisch, wie gut wir darin sind auf die Gesundheit anderer zu achten und ihnen damit in den Ohren zu hängen, dass sie zum Arzt gehen sollen, wenn sie krank sind, aber sobald wir selbst dran glauben müssen, haben wir zu viel zu tun um krank zu sein und geben uns weder die Ruhe, noch die Mittel um wieder wirklich gesund werden zu können. Ich selbst dachte auch nur an all die Termine und Deadlines, die mich erwarteten. Wie sollte ich da krank sein können?

Die Antwort ist ergreifend schlicht: Ich war es einfach. Das war halt so und ich musste das Beste daraus machen. Es einfach nur zu ignorieren, ändert schließlich auch nichts an den Tatsachen.Wenn mein Haus brennt und ich das Fenster öffne, um frische Luft rein zu lassen, brennt es trotzdem weiter (manchmal sogar schlimmer als vorher).

Davon geht die Welt nicht unter

Als der Arzt mich dann bis einschließlich heute krank schrieb (nicht ohne den Hinweis, dass ich ja arbeiten gehen könnte, wenn ich mich entsprechend fühle), versuchte ich mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass ich meine Termine einfach verschieben muss. In dem Zustand wäre ich ohnehin für niemanden eine wirkliche Freude gewesen – mal ganz abgesehen von der Ansteckungsgefahr. Die Termine zu verschieben, war am Ende kein wirklich großes Ding und ich hatte endlich den Kopf frei um mich zu erholen. Die ganze Zeit davor hatte ich an nichts anderes denken können, als ich bloß schnell wieder gesund sein muss, um meine Termine einzuhalten.

Aber ganz ehrlich? Was, wenn sich wirklich alles ein paar Tage nach hinten verschiebt? Davon geht die Welt auch nicht unter.

Wir schieben ja oft die Arbeit vor, wenn wir krank sind. Wir haben viel zu viel zu tun und „können“ uns nicht die Zeit nehmen, um gesund zu werden. Die Wahrheit ist meistens aber die: wir können uns die Zeit schon nehmen, wir wollen nur häufig nicht. Weil wir anderen nicht zur Last fallen wollen, weil wir keine Lusche sein wollen, oder was auch immer. Fakt ist aber, wenn wir die Symptome ignorieren und einfach weiter arbeiten, ist das weder pflichtbewusst, noch sollten wir uns dafür über den Klee loben. Es sorgt nur dafür, dass wir uns nicht richtig auskurieren, die Krankheit verschleppen und womöglich auch noch andere anstecken.

Ehrlich gesagt, bin ich auch noch nicht zu 100% wieder gesund, aber ich bin aus dem schlimmsten raus und das soll bitte auch so bleiben. Sollte ich auf der Arbeit merken, dass es noch nicht geht, dann gehe ich halt wieder und lasse lieber nochmal den Arzt drübersehen. Jedenfalls habe ich jetzt nicht mehr vor, dem „Workaholic-Lifestyle“ zu frönen, sondern dafür zu sorgen, dass ich mich vernünftiger um mich selbst kümmere.

Sonst bin ich meinen Kollegen auf der Arbeit auch keine große Hilfe. Die hassen mich am Ende nur, wenn ich sie kurz vor Karneval mit einem Virus anstecke.