Lehrgeld und finanzielle Freiheit

Geld

Vor ein paar Wochen habe ich meine ersten Aktien gekauft. Welche das sind, ist nicht wichtig. Es sind aber keine großen Werte wie Alphabet oder Amazon. Für einen erfahrenen Anleger ist allein die Summe, die ich investiert habe, absolut lächerlich, doch darum geht es an dieser Stelle nicht. Wichtiger sind die Gedanken, die hinter diesem Schritt stecken.

Aber zunächst mal so viel zu meinem bisherigen Umgang mit Geld: Während meiner Studienzeit habe ich nicht viele Gedanken an meine Finanzen verschwendet. Ich habe zwar lange Zeit ein Haushaltsbuch geführt und nebenbei gearbeitet, um mir auch in dieser Zeit ein kleines Polster anzusparen, aber Themen wie Zukunftsplanung, Altersvorsorge oder gar Geldanlage waren so weit entfernt wie die Erde von der Sonne.

Dieses längerfrstig orientierte Bewusstsein kam erst, als ich anfing, Vollzeit zu arbeiten – und das ausgerechnet in der Finanzbranche, genauer gesagt der Börsenwelt. Über meinen Bankberater schloss ich damals einen kleinen Fondssparplan ab, der der Bank  am Ende wahrscheinlich mehr einbringt als mir, aber es war ein erster, wichtiger Schritt, um mich überhaupt mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen.

Trotzdem war das Thema Börse für mich noch lange Zeit eine Blackbox, wie für viele andere Deutsche auch. Fun Fact: In Deutschland investieren gerade mal 7% der Bevölkerung in Aktien. In den USA oder Großbritannien sind es je über 20%. Einer der Gründe dafür liegt wahrscheinlich darin, dass viele Deutsche nicht verstehen, wie die Börse funktioniert. Das führt zu vielen Vorurteilen und smit dazu, dass viele sich einfach nicht trauen, in Aktien zu investieren.

Mit Aktien verspielt man sein ganzes Geld.“ „Beim nächsten Crash wirst du mittellos.“ Aktien werden häufig nicht als Mittel zur Wahrung und Vermehrung des Geldes gesehen, sondern als potenzielle Gefahr, um es unwiderruflich zu verlieren. Allein die Turbulenzen des Crashs von 2008 sind bei vielen Menschen noch äußerst präsent, selbst wenn sie damals nicht an der Börse aktiv waren.

Die Angst davor, alles zu verlieren, ist verdammt groß und lassen viele ihr Geld auf dem Konto Staub ansetzen.

Im Grunde sieht es aber so aus: Die Börse ist ein ewiges auf und ab. Ja, man wird zwangsläufig nicht immer nur Gewinne machen, aber langfristig gesehen, sind Aktien die beste Möglichkeit um ein Vermögen verhältnismäßig sicher aufzubauen.

Wichtig ist nur, dass man Ruhe bewahrt und den Blick nach vorne richtet, statt bei jedem Stolperstein das Handtuch zu werfen und nicht blind in jeden Hype einzusteigen, ohne ihn zu verstehen. Die beiden Werte, die ich gekauft habe, waren zwar günstig, aber sind auch sehr schwankungsanfällig. Das habe ich bewusst so gewählt, um zu sehen, wie ich damit zurechtkomme, wenn ich kurzfristig Verluste anstelle von Gewinnen einfahre.

Dass ich damit noch keine großen Sprünge mache, ist klar. Ich werde nicht in einem Monat Millionärin sein – auch nicht in einem Jahr. Diese beiden Aktien sind für mich das Lehrgeld, das ich bezahle, um mich in dieser Welt überhaupt erstmal zurecht zu finden und davon zu lernen. Wenn ich sicherer im Umgang mit Aktien bin, ist es durchaus wahrscheinlich, dass ich mehr Geld in die Hand nehme.

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich meine aktuelle finanzielle Freiheit nicht nur von meinem monatlichen Gehalt abhängig machen will.  Ich kann auch nicht automatisch davon ausgehen, dass mich mein 9-to-5-Job im Alter ausreichend versorgen wird. Ich muss mich zwangsläufig selber darum kümmern, denn wenn ich es nicht tue, dann tut das niemand.

Für viele Leser mag das Thema Geldanlage (noch) nicht besonders interessant sein. Es ist auch nichts, worüber ich hier normalerweise schreibe oder was ich mit meinen Freunden bespreche. Trotzdem finde ich es wichtig, dass man sich darüber Gedanken macht und sich vor allem informiert, statt auf irgendwelche Halbwahrheiten von Bekannten dritten Grades zu hören.

Geld ist kein Tabuthema, sondern ein essenzieller Bestandteil unseres Alltags und sollte auch als solcher behandelt werden. Wenn wir mehrere Tage mit der Planung eines Urlaubs auf Bali verbringen können, können wir uns auch ein paar Stunden freischaufeln, um unsere Finanzen in die Hand zu nehmen – Aktien hin oder her.

 

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