Vom Erdboden verschluckt

Welle

In den vergangenen Wochen habe ich nichts von mir hören lassen. Ich hatte öfter in der Zeit die Idee, wieder etwas zu schreiben, aber am Ende habe ich es doch nicht getan. Entweder hatte ich keine Lust oder keine Idee. Das ist vielleicht einer der Gründe, weshalb ich zuerst den mpuls hatte, diesen Beitrag mit einer Enschuldigung zu beginnen.

Doch wie man sieht, habe ich mich dagegen entschieden. Ich wollte diesen Blog nie als einen Ort ansehen, der für mich nur eine weitere Verpflichtung neben meinem Alltag ist, sondern als einen Ort, an dem ich teilen kann, was in mir vorgeht und wenn mir danach ist. Die letzten Wochen war mir einfach nicht danach und um ehrlich zu sein, war ohnehin nur nach wenig Dingen zumute.

Mein Kopf hing hing (und hängt) die ganze Zeit in den Wolken fest. Ich habe mich an meinem Alltag entlang gehangelt, habe getan, was ich tun musste, um zu funktionieren – viel mehr aber auch nicht. Es mag zum Teil diese allgemeine Sommerträgheit sein, die einen überkommt, wenn es zu heiß zum Denken wird. Alles, was man dann will, ist in einer Hängematte zu liegen und zu schlafen. Überhaupt habe ich mich die letzten Wochen sehr müde gefühlt.

Meine Zahnärztin fragte mich zuletzt, ob ich unter Kopfschmerzen leide, da ich nachts mit den Zähnen knirsche. Die Kopfschmerzen blieben bisher aus, doch die Folgen des Zähneknirschens spüre ich beinahe jeden Morgen, wenn der Kiefer spannt und die Zähne ein kleines bisschen pochen. Nicht genug, um zu schmerzen, aber ausreichend, um zu signaliseren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Und das kommt nicht von ungefähr.

Wenn ich mir so ansehe, was ich bisher geschrieben habe, lautet das Motto dieses Beitrags wohl „Stress“. Ich war die letzten Wochen einfach nur gestresst. Nicht, weil ich Überstunden auf der Arbeit gemacht habe oder weil etwas Traumatisierendes passiert ist. Es ist vielmehr so, dass es mir unglaublich schwer gefallen ist, Gedanken loszulassen.

Das ist noch nie meine Stärke gewesen. Ich gehöre zu den Menschen, die mit 86 Jahren auf ihrem Totenbett liegen und sich voller Scham daran zurückerinnern, wie sie mit 13 im Matheunterricht eine falsche Antwort genannt haben. Doch dieses Festhalten an bestimmten Gedanken oder Erinnerungen lähmt mich eher selten in den Ausmaßen, wie es jetzt der Fall war. Gedanken und kleine Sorgen haben sich still und heimlich aufeinander gestapelt und zu einem dicken Knoten verhärtet, der in meiner Kehle wohnt. Es war wohl nur eine Frage der Zeit bis mein Verstand runterfährt, um das erstmal zu verarbeiten.

Ich kann also noch nicht sagen, dass ich „zurück“ bin, weil ich genau spüre, dass mental und körperlich noch nicht ganz auf der Höhe bin. Aber gleichzeitig will ich es nicht mehr einfach so laufen lassen. Es ist Zeit, aus meiner kleinen Höhle zu kriechen und wieder ein bisschen frische Luft zu schnuppern.

In diesem Sinne, bis später!