Wie“La dolce Vita“ meine Seele kurierte

Bergamo

Am Freitagabend stieg ich am Flughafen Köln/Bonn aus dem Flieger. Es war kalt und etwas ungemütlich. Ich konnte zwar noch die warmen Sonnenstrahlen der letzten Tage auf meiner Haut nachspüren, aber sie war bedeckt von einem Pullover und meiner Jeansjacke, um sie vor dem plötzlichen Temperatursturz zu schützen. In Deutschland liegen trotz der noch warmen Temperaturen bereits die ersten Vorboten des Herbstes in der Luft.

Doch in der vergangenen Woche konnte ich kurz vor dem Abschied des Sommers die Vorzüge eines mediterranen Sommers erleben. Eine Woche in Bergamo liegt hinter mir und sie war genau das, was ich gebraucht hatte. Die Erkundung neuer Städte und einer neuen Kultur. Wandertouren in den Bergen. Hier und da eine neue Herausforderung. Es war genau das, wonach mein Körper und meine ausgehungerte Seele seit Monaten regelrecht gegiert hatten.

Schon als wir vorletzten Freitag um kurz vor 10 in der Früh in Bergamo ankamen, wusste ich, dass es genau das war, was mir gefehlt hatte. Eine Auszeit an einem Ort, der mich nicht jeden Tag an die Arbeit erinnert. Einfach mal komplett abschalten, mich treiben lassen und ohne Reue mit Pizza, Pasta und Aperol Spritz das Leben genießen.

Ein bisschen „La dolce Vita“

Wir (meine Mutter und ich) gingen in diesen Urlaub ohne einen festen Zeitplan. Wir hatten ein paar Dinge, die wir auf jeden Fall machen wollten, wie zum Beispiel für einen Tag nach Mailand fahren und Wandern gehen, doch im Grunde lebten wir einfach in jeden Tag hinein und richteten uns danach, wie wir uns fühlten.

So erkundeten wir am ersten Tag erstmal in Ruhe die Stadt mit ihrem gigantischen Friedhof, den kleinen Straßen und Lokalen. An einem anderen Tag trieben wir uns fast nur in den hiesigen Museen herum. Ab Montag wagten wir uns mit unserem Mietwagen auf die italienischen Straßen mit ihren unzähligen Kreisverkehren und Serpentinen, bei denen wir das eine oder andere Mal regelrecht Blut und Wasser schwitzten. Dafür wurden wir mit Ausblicken und Erlebnissen belohnt, die ich kaum in Worte fassen kann.

Wir entdeckten die vielfältige Natur des Serio-Tals mit seinen majestätischen Wasserfällen, die Wälder und Wiesen bei Lecco am Lago di Como und die Höhen der Berge hinter Cusio, wo ein Blick ins Tal kilometerweit reichte. Wir erlebten die Freundlichkeit der Lombarden und konnten ein bisschen von dem Gefühl erhaschen, das man „La dolce Vita“ nennt, als wir an einem besonders sonnigen Tag die Wanderschuhe auszogen und unsere Füße in den Lago d’Iseo hielten.

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Ein kleiner Reset zwischendurch

Diese Reise war ein dringend nötiger Reset für mich. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie angespannt ich in der letzten Zeit wirklich gewesen bin. Es ist für mich eine große Erkenntnis, dass ich kein Mensch bin, der nur in einem Lebensraum überleben kann, ohne schlecht gelaunt zu werden oder mich vom Alltagsstress überrollen zu lassen. Ich habe es immer irgendwie gefühlt, habe die Wichtigkeit des Reisens aber trotzdem immer heruntergespielt.

Und mindestens genau so wichtig ist dabei für mich, dass ich mich nicht zwangsläufig 3 Wochen am Stück für ein Retreat auf Bali zurückziehen muss, sondern dass auch eine kurze Woche wie diese zwischendurch ausreicht, um meinen Tank wieder aufzufüllen. Hauptsache weg.

In anderthalb Monaten werde ich wieder im Flieger sitzen. Eine Reise, auf die ich, seit meinem letzten Trip dorthin, schon 5 Jahre warte: Japan. Zweieinhalb Wochen werde ich mit meiner besten Freundin das Land bereisen – von Tokyo über Kyoto nach Hiroshima und wieder zurück. Auch hier werde ich sicher am Ende kurz berichten, was ich erlebt habe.

Bs dahin bereite ich mich mental schon mal auf meine liebste Jahreszeit vor und versuche so viel wie möglich von dieser neu gewonnenen Leichtigkeit zu bewahren.

 

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