Beziehungsunfähig oder beziehungsunwillig?

Beziehungen. Was für einige Menschen den Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens darstellt, ist für mich im Laufe der letzten Jahre zunehmend in den Hintergrund gerückt. Und nein, ich glaube nicht, dass es zwingend daran liegt, dass ich „den Richtigen“ noch nicht gefunden habe. Ich habe schlichtweg kein Interesse an einer festen Beziehung. Der Gedanke daran erfüllt mich nicht mit einem Gefühl des Glücks und der Geborgenheit. Im Gegenteil. Er engt mich ein.

Dieses Gefühl zieht sich durch jeden Ansatz von einer festen Beziehung, den ich jemals in meinem bisherigen Leben miterleben durfte. Zu schnell wollte ich zu meinen alten Single-Gewohnheiten zurückkehren, wollte aus dem Wir so schnell wie möglich wieder ein Ich machen.

Doch ich würde mich niemals als beziehungsunfähig bezeichnen. Ich will einfach nur nicht – was ein großer Unterschied ist. Ich bin durchaus der Ansicht, dass ich mich auf etwas festes einlassen könnte, wenn ich ein wirkliches Verlangen danach hätte. Und das ist absolut nichts falsches. Jeder Mensch muss für sich wissen, was ihm gut tut und was er braucht, um ein Leben zu führen, das ihn zufrieden macht. Ein fester Partner gehört für mich nicht zu den Dingen, die ich brauche, um mir das zu ermöglichen.

Ich will damit nicht sagen, dass sich das nicht irgendwann ändern kann. Es ist einfach nur das, was ich in den letzten Jahren gefühlt habe und jetzt immernoch fühle. Heute bin ich mir dessen um einiges bewusster als früher. Ich muss nicht so tun, als würde ich nach meinem Mr. Right suchen, oder als würde ich diese Verbindung zu einer bestimmten Person vermissen, wenn dem nicht so ist.

Mein perfektes Leben ohne Partner

Ich kann für mich alleine stehen. Ich kann alleine glücklich sein. Nicht, weil ich es anders nicht kann, sondern weil ich es nicht muss, wenn es nicht das ist, was ich will. Die Zeiten, in denen man sich dafür schämen muss, dass man über einen längeren Zeitraum keinen festen Partner hatte, sind vorbei. Zumindest sollten wir endlich so handeln. Eine (monogame) Beziehung ist nicht das be-all and end-all allen Lebens. Und das ist okay. Genauso okay ist es, wenn man ein Beziehungsmensch ist und diese Bindung braucht. Das will ich hier keinesfalls verdammen.

Nur, wenn ich mir ein perfektes Leben ausmale, sehe ich selten einen anderen Menschen an meiner Seite. Ich sehe meine Freunde, denen ich vertraue. Ich sehe Familie. Ich sehe Bücher und Filme, lange Spaziergänge und Tagträumereien. Ich sehe Reisen und durchtanzte Nächte. Ich sehe aber niemanden, der morgens neben mir aufwacht.

Ein kleines Zugeständnis…

Natürlich stelle ich mir manchmal vor, wie es sein könnte. Manchmal gefällt mir dieser Gedanke auch. Irgendwie. Aber er verfliegt in der Regel so schnell, wie er gekommen ist. Denn es ist nicht das ernsthafte Verlangen danach, das mich reizt, sondern die bloße Vorstellung an sich. So, wie Menschen manchmal nur die Vorstellung einer bestimmten Person lieben, ungeachtet der Realität.

Ich denke, dass wir künftig noch offener und toleranter werden müssen, was verschiedene Lebens- und Liebeskonzepte angeht. Es gibt kein „one size fits all“ und nicht jeder, der keine feste Beziehung anstrebt, ist gleich beziehungsunfähig. Dafür müssen wir aber vor allem mehr miteinander über solche Dinge reden und nachfragen, bevor wir jemanden einfach in eine Schublade stecken. Aber das gilt wohl für so ziemlich alle Dinge des Lebens…