Kinder? Nein, Danke.

Der erste Entwurf dieses Beitrags ist anderthalb Jahre alt. Allein das ist ein Indikator dafür, wie schwierig dieses Thema ist. Für mich ist es eigentlich eine verhältnismäßig einfache Sache, aber es gibt Themen, die generell mehr Diskussionen aufwerfen als andere. Neben Politik und Religion gehört dazu Kinder und Familienplanung.

Dabei ist die Bedeutsamkeit für Frauen nochmal eine andere als für Männer. Das ist jedenfalls Mein Eindruck. Immerhin wird uns Frauen recht früh und oft sehr eindringlich vermittelt, dass wir ein Verfallsdatum haben, wenn es darum geht, eine Familie zu gründen. Mitte bis Ende 30 ist bei vielen der Ofen so gut wie aus und es wird schwierig dann noch Kinder zu bekommen. Es ist also nur natürlich, sich vorher Gedanken über dieses Thema zu machen.

Als ich kürzlich wegen einer Erkältung bei einer Ärztin war, wies sie mich auf eine Vorsorgeuntersuchung hin, die sie anbietet und die unter anderem das Thema „Familienplanung“ abdeckt. Sie ließ das Wort so nonchalant fallen, als wäre es etwas vollkommen selbstverständliches. Das ist es für viele Frauen sicher auch. Heiraten, Kinder bekommen… eigentlich etwas ganz normales, aber das erste, was mir dazu einfiel, war: „Ich will gar keine Familie gründen. Kinder sind nicht Teil meiner Zukunftsplanung.

Denn es ist wirklich so. Ich will keine Kinder. Ich habe es noch nie als erstrebenswert für mich angesehen, ein nach deutschen Standards klassisches Familienleben zu führen: verheiratet, Eigenheim und ein oder zwei Kinder… Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Hinzu kommt, dass ich keinerlei mütterliche Instinkte in mir habe und nichtmal annähernd etwas mit Kindern anfangen kann.

Das wird mir vor allem bewusst, wenn ich die Menschen in meinem Umfeld beobachte. Immerhin muss ich mir langsam eingestehen, dass ich in diesem Alter angekommen bin, in dem Menschen heiraten und Kinder kriegen. Wenn eine Freundin mir vollkommen begeistert Bilder von ihrem Neffen zeigt und immer wieder vorschwärmt, wie süß er doch ist, sehe ich einen kleinen pausbäckigen Jungen, aber nichts, was mein Herz höher schlagen lässt. Ein Baby auf den Arm zu nehmen, fühlt sich für mich absolut befremdlich an, selbst wenn es das Kind sehr guter Freunde ist.

Für mich ist klar, dass ich mich über kurz oder lang nicht als Mutter sehe. Wenn ich mir mein Leben in den kommenden Jahren vorstelle, sehe ich Reisen, Bücher, meine Freunde und durchtanzte Nächte, aber ich sehe keinen Ring an meinem Finger und erst recht kein Kind, das ich morgens für die Schule fertig mache. Das mag im ersten Moment egoistisch und unreif klingen, aber meiner Meinung nach hat das nur wenig mit Unreife zu tun und sondern vielmehr damit, dass es mein Recht ist, mein Leben so zu leben, wie ich es möchte. Einen gewissen Egoismus kann ich dabei nicht abstreiten.

Dieser Beitrag soll keinesfalls eine Hasstirade auf Frauen sein, die einen Kinderwunsch haben und eine Familie gründen wollen – und erst recht nicht gegen die Frauen, die für ihre Familie zu Hause bleiben wollen. Im Gegenteil, ich habe davor vollsten Respekt und bin der Meinung, dass dieser Lebensentwurf genauso respektiert werden soll wie mein eigener. Manche Frauen sind einfach die geborenen Mütter. Ich gehöre nur nicht dazu.

Ich will nicht dafür bemitleidet werden, dass ich ohne Nachkommen irgendwann alleine sein könnte oder darüber belehrt werden, dass sich meine Einstellung mit dem richtigen Mann ändert. Ich will den Spiegel nicht von einem veralteten Gesellschaftsmodell vorgehalten bekommen, das man meiner Meinung nach nicht einfach allen Menschen überstülpen kann. In den vergangenen Jahren habe ich mich immer wieder gefragt, ob irgendwann der Moment kommen würde, an dem es „Klick“ macht, doch dieser Moment kam nie. Aber muss es das überhaupt? Ich denke nicht.

Es tut mir in gewisser Weise für meine Eltern Leid, von denen ich weiß, dass sie sich Enkelkinder wünschen würden, weil sie nach mir kein Kind mehr bekommen konnten. Aber ein Kind zu bekommen, nur um sie glücklich zu machen, ist genau so falsch wie ein Kind zu bekommen, um eine kaputte Ehe zu retten.

Ich bin nicht die geborene Mutter. Wenn man ehrlich ist, bin ich nicht einmal die geborene Tante. Das heißt aber nicht, dass ich meinen Platz nicht auf eine andere Art finden kann. Diese Welt hat so viele Herausforderungen und Möglichkeiten zu bieten und ich möchte mich nicht in einen Lebensweg pressen lassen, den ich nicht als meinen eigenen betrachte.

Vernunft und Verlangen

beinahe ons

Wir waren beide betrunken und ich war einfach da, als du mich fragtest, ob wir zu dir gehen sollen oder zu mir. Dabei wusste ich genau, dass nicht ich es sein musste, die mit dir gehen soll, sondern einfach irgendwer. Nur war ich gerade diejenige, die da war. Die um kurz vor 3 in der Nacht dicht an dicht mit dir in der Kälte stand.

Für einen Moment dachte ich tatsächlich darüber nach, es zu tun. Egal, ob zu dir oder zu mir. Der Gedanke, die Wärme eines anderen Menschen bei und in mir zu spüren, war beruhigend. Wie so oft, wenn ich betrunken und emotionaler bin als mir gut tut. Allerdings war ich in solchen Augenblicken normalerweise alleine. Jetzt warst du da. Die Frage, die schon während unseres gemeinsamen Fußwegs schwer und nebulös in der Luft lag, nun ausgebreitet vor uns auf dem Tisch.

Die Versuchung, einfach mit dir ins Bett zu kriechen, war groß. Ich wollte nicht an das denken, was danach passieren könnte, aber ich tat es. Und alles, was ich „danach“ sah, war kompliziert und anders. Beides Worte, die ich nicht leiden kann. Es fiel mir wirklich schwer, etwas abzulehnen, das ich nie erwartet und mir doch für einen kurzen Traum einmal gewünscht hatte. Doch die Angst vor dem, was danach passieren würde, war zu groß.

Ich wollte nicht noch mehr Scham spüren oder die Blicke der anderen, die mir jedes Mal aufs neue sagen: „Wir wissen es.“ Es hätte in dieser Nacht auch für mich irgendwer gereicht. Und wenn ich losgelassen hätte, hättest du gereicht. Vielleicht sogar mehr als das, aber wer will am Ende schon irgendwer sein?

Also entschied ich mich für die unausgesprochene, dritte Option. Unsere Wege trennten sich. Du gingst zu dir und ich zu mir. Wir sprachen nicht mehr darüber und das ist auch gut so. Auch wenn ich ab und an daran denken muss, was passiert wäre, wenn ich deine Frage anders beantwortet hätte, bin ich froh, dass ich es nicht getan habe. Irgendwie.

Und so siegte einmal mehr die Vernunft über das Verlangen.

Mein Berliner Alter Ego

berlinVon Freitag auf Samstag war ich beruflich in Berlin unterwegs. Am zweiten Tag hatte ich den Nachmittag über ein paar Stunden bis zu meinem Rückflug, die ich für mich nutzen konnte. Also stieg ich in den nächsten Bus und fuhr zur Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum, wo ich fast zwei Stunden andächtig von einem Raum zum nächsten wanderte. Anschließend fuhr ich zurück nach Charlottenburg. Ziel: Schwarzes Café, um noch ein schönes Stück Kuchen zu genießen, bevor ich zum Flughafen musste.

Ich hatte Glück und bekam draußen noch ein kleines Tischchen. Die Sonne schien – es war der perfekte Tag, um dort zu sitzen und die Leute um mich herum zu beobachten. Neben mir unterhielten sich zwei Amerikanerinnen auf englisch über die Hindernisse der deutschen Sprache. Direkt vor mir saß ein schwules Pärchen bei einem Tässchen Kaffee. Alles wirkte irgendwie international und besonders. Ich konnte meinen Blick nur schwer von der jungen Frau nehmen, die rauchend vor dem Café stand und ihren königsblauen Zweiteiler mit einer Selbstverständlichkeit trug, die man Bonn so nicht (oder nur sehr selten) erleben würde. Berlin ist halt doch eine Welt für sich.

Und während ich so da saß, konnte ich nicht anders, als mir vorzustellen, was wäre, wenn ich ein Teil dieser Welt wäre. Ein bisschen künstlerisch, ein bisschen alternativ, weltoffen und ein kleiner Paradiesvogel. Ich stellte mir vor, ein großes Atelier mit hohen Decken und knarzendem Parkett zu haben. Meine Haare sind immer ein bisschen unordentlich, aber der rote Lippenstift ist stets perfekt nachgezogen. Im Sommer sitze ich oft draußen in einem der zahlreichen Cafés, rauche eine Zigarette und beobachte die Leute.

Im Herbst und Winter mache ich alleine lange Spaziergänge durch die Stadt. Probleme mit anderen ins Gespräch zu kommen, habe ich keine. Meine Beobachtungen und Gespräche sind die Grundlage für meine gefeierten Kurzgeschichten und Romane. Freitagabends geht es dann in eine kleine, schummerige Jazz- oder Soulbar – ganz ohne Plan, denn man trifft immer Leute, die man kennt.

Und vielleicht würde ich sogar die junge Frau ansprechen, die mir im Bus gegenüber sitzt und die mit ihrem perfekten, französisch angehauchten Garconne-Stil und dem kurzen, Haar, das ihr verwegen in die Stirn fällt, einen femininen James-Dean-Charme versprüht.

Es ist eine kleine, idealisierte Traumwelt, die ich mir in nicht viel mehr als einer halben Stunde aufgebaut habe. Eine Welt in der ich stereotype Künstlerin und legere Verführerin in einem bin. Es ist eine interessante Vorstellung, die ich gerne bis zu einem gewissen Grad ausreizen würde. Denn wer würde nicht manchmal gerne die perfekte Welt seiner Tagträume ausleben? Einfach nur, um wirklich nachempfinden zu können, wie das Leben sonst noch sein könnte?

Wer weiß, das Leben ist noch jung. Vielleicht verwirkliche ich irgendwann tatsächlich einen Teil dieser vielen kleinen Träume und mache mein Leben damit zu einer Symbiose bestehend aus all den Alter Egos, die ich mir schon erträumt habe.

Wir vergessen oft, dass wir unser Leben selbst in der Hand haben. Dass wir immer noch selbst bestimmen, wie wir leben. Manche Träume sind in der Fantasie zwar besser aufgehoben, aber manchmal sind sie auch das perfekte Material um zu experimentieren dem Alltag neues Leben einzuhauchen.

Mir persönlich war mein Berliner Alter Ego trotz aller Klischeehaftigkeit irgendwie sympathisch, weil es so viel unangepasster und freier ist, als das Ich, das ich im Moment lebe. Vielleicht sollte ich mir davon mal eine Scheibe abschneiden.

Auch wenn ich dem Rauchen wohl nie anfangen werde… das war nur eine künstlerische Freiheit meiner Kreativität, die ich selber nicht ganz verstehe.

Eine Woche der Exzesse

exzess

Nach einer Woche „La dolce Vita“ in Italien hatte ich mich am vergangenen Montag eigentlich recht motiviert gefühlt, um wieder voll in meine gesunden Tagesroutinen einzusteigen: selbst gekochtes Essen auf der Arbeit, regelmäßiger Sport, mehr Wasser trinken und jeden Morgen Trockenbürsten sind nur ein paar der Punkte, die ich mir vorgenommen hatte. Doch, wie so oft, machte mir das Leben einen Strich durch die Rechnung.

Am Ende der letzten Woche hatte ich nämlich so gut wie keines meiner kleinen Alltagsziele erreicht. Stattdessen bin ich jeden Tag essen gegangen (manchmal sogar mittags und abends), habe kaum Sport gemacht und viel Alkohol getrunken. Gepaart mit der Tatsache, dass meine Periode zum Ende hin kurz bevor stand (Hallo, Milchtüten-Brüste!), kann man sich vielleicht vorstellen, dass ich mich am Sonntag, gelinde gesagt, bescheiden gefühlt habe. Ich war ein gestrandetes Walross an einem kalten, windigen Tag an der Nordsee.

Natürlich habe ich für meine Verfehlungen gute Entschuldigungen parat – für ein paar jedenfalls. Eine gute Freundin hatte ihre letzte Woche in Bonn und die mussten wir natürlich ausnutzen. Dann war da noch eine andere Freundin, die ich einen Monat nicht gesehen hatte und ein Geburtstag, den wir am Samstag derart gebührend gefeiert haben, dass ich die Nachwirkungen bis heute gespürt habe. Man wird nicht jünger, nicht wahr?

Dass meine Prioritäten da nicht gerade bei sportlicher Aktivität oder dem täglichen Abschrubben meines Körpers lagen, liegt wohl auf der Hand. Was mich bei all dem Spaß, den ich in dieser Woche allerdings hatte, am meisten erstaunt, ist die Tatsache, wie sehr mir meine gesunden Routinen gefehlt haben.

Früher dachte ich immer, dass einfach nur rumgammeln und Essen gehen das größte ist. In gewisser Weise denke ich das auch jetzt noch, aber mir fehlte trotzdem ein Ausgleich für meinen Körper. Ich habe mich schlapp gefühlt und ständig vergessen, genug Wasser zu trinken. Zwischendurch war da einfach diese Trägheit in mir, die ich kaum noch loswerden konnte. Ich war ständig müde. Abgesehen davon ist mir wieder bewusst geworden, wie teuer Essengehen und Trinken überhaupt ist.

Für mich war es also in mehrfacher Hinsicht eine Woche der Exzesse. Hin und wieder kann man das mal machen, aber ich habe wirklich gemerkt, dass das für mich kein Lebensstil ist, den ich auf Dauer führen könnte. Da lobe ich mir zwischendurch Tage wie heute. Von der Arbeit nach Hause kommen und dann ein lockeres Workout einlegen, Duschen, Trockenbürsten und was gutes zu Essen kochen. Als nächstes stehen ein schöner Film und ein paar Seiten Lektüre auf dem Plan. Für mich ein absolut perfekter Feierabend, wenn ich mich nicht mit Freunden treffe.

Ich brauche nicht jeden Tag Halli-Galli, auch wenn ein Leben voller Dekadenz für eine Woche ganz nett war. Manchmal reichen auch die eigene Gesellschaft und ein intensiver Blick von Mr. Darcy. Na, welcher Film wird heute Abend geguckt?

 

Mein Körper – mein Zuhause

körper2

Als Jugendliche trug ich nicht gerne kurze Hosen oder Röcke. Schwimmen gehen war mir ein Graus und enge Oberteile waren sowieso der Horror. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich den Sommer nie leiden konnte, denn meist bedeutet er all diese Dinge. Da ist nicht viel mit Kuschelpullovern, in denen man sich verstecken kann, oder mit langen Hosen, die die unliebsame Orangenhaut an den Beinen verstecken.

Ich kann mich nicht daran erinnern, wann genau ich damit angefangen habe, meinen Körper zu verstecken. Ich erinnere mich aber an das Gefühl, das ich hatte, wenn ich andere Mädchen angesehen habe: Nicht genug. Mein Bauch ist nicht flach genug, meine Oberschenkel sind nicht glatt genug. Meine Wangen sind nicht schmal genug. Ich habe immer irgendetwas an mir gefunden, das mich gestört hat – was an sich nichtmal das Dramatische ist.

Denn Selbstliebe bedeutet in meinen Augen nicht, dass ich alles an mir bedingungslos lieben muss. Die Cellulite an meinen Beinen finde ich nicht schön, aber der Fehler liegt nicht darin, dass ich sie nicht schön finde, sondern darin, dass sie über Jahre hinweg bestimmt hat, ob ich zum Beispiel kurze Hosen anziehen darf oder nicht. Sie ist noch nichtmal besonders schlimm. Trotzdem habe ich mich dafür geschämt. Also, habe ich auch im Hochsommer lange Hosen getragen, nur damit ich nicht zeigen muss, dass ich auch nur ein Mensch bin. Ein Mensch, der nicht mit Photoshop bearbeitet wurde und taufrisch einem Fitness-Magazin entsprungen ist.

Ich brauche keinen „perfekten“ Körper

Da Gefühl nicht genug zu sein (oder an manchen Stellen zu viel) sorgte lange Zeit dafür, dass ich überhaupt kein Gefühl für meinen Körper hatte. Die Tatsache, dass er trotz seiner Mäkel begehrenswert sein kann, kam mir dabei nie in den Sinn. Ich habe nur seine Unzulänglichkeiten gesehen.

Erst in jüngerer Vergangenheit habe ich damit angefangen, mich mit ihnen zu arrangieren und es ärgert mich, dass ich es so lange hinausgezögert habe. Denn mal ehrlich: Wer will mir im Hochsommer verbieten, kurze Hosen zu tragen? Wen interessiert das überhaupt? Niemand. Und wer achtet auf das kleine Bäuchlein? Genau, auch niemand. Und wenn doch, warum sollte mich das beeinflussen?

Es ist traurig, dass ich erst jetzt lerne, so zu denken und noch trauriger, dass manche Menschen es nie lernen, weil sie sich einfach nicht trauen loszulassen. Aber ich bin es mittlerweile einfach Leid, mir Dinge zu verbieten,  nur weil ich hin und wieder gerne das Leben genieße und man das auch sehen kann (ganz zu schweigen von den Tagen an denen man sich aufgrund der Freuden des weiblichen Zyklus besonders unattraktiv und aufgeschwemmt fühlt).

Diese neu aufkeimende Akzeptanz für meinen eigenen Körper soll jetzt auf keinen Fall bedeuten, dass ich nur noch in Hotpants und knallengen Croptops durch die Gegend laufen werde – aus dem Alter bin ich sowieso langsam raus. Ich bin nur nicht mehr dazu bereit, mich für Dinge zu schämen, für die ich mich eigentlich nicht schämen muss.

Das Leben ist dafür nicht nur zu kurz („Ich bin zu alt für diesen Scheiß.„), sondern auch zu schade. Vielleicht kann man wirklich sagen, dass mit dem Alter eine gewisse Weisheit kommt. Ich würde es jetzt eher als ein gewisses Maß an Gleichgültigkeit bezeichnen, weil ich einfach keinen Bock mehr habe, mir mehr Gedanken über solche Nichtigkeiten zu machen, als tatsächlich nötig ist.

Niemand erwartet von uns mehr Perfektion als wir selbst. Und jetzt ist es Zeit, ein bisschen locker zu lassen. In meinem Körper bin ich zu Hause und jetzt soll er sich auch wie eines anfühlen.

Kleine Sünden…

Sünde

Vor rund anderthalb Wochen hatte ich einen kleinen Pickel am Kinn. Er war wirklich winzig und eigentlich kaum der Rede wert, doch ich wäre nicht ich, wenn ich ihn einfach in Ruhe gelassen hätte, frei nach dem Motto: „Der geht schon von selbst wieder weg.“ Nein, ich musste mit meinen kleinen Giftgriffeln natürlich „nachhelfen“.

Ich dachte, dass ich danach erstmal eine kleine Wunde in Kauf nehmen muss, die sich nach ein paar Tagen wieder erledigt hat. Stattdessen ereignete sich folgendes: binnen weniger Tage breitete sich die anfangs kleine Wunde über mein halbes Kinn aus. Ein wirklich unschöner Anblick. Es sah aus, als hätte ich mich übel auf die Fresse gelegt und eine Schürfwunde davon getragen.

Nach ein paar Tagen des Eincremens dachte ich, dass es langsam wieder besser werden würde, doch dann kam das letzte Wochenende und weitere Wunden und kleine Pusteln gesellten sich dazu. Gestern sah ich dann vollends aus wie eine Statistin für „Les Misérables“. Und damit meine ich nicht feine-hübsche-Cosette-Les-Misérables, sondern Fantine-nachdem-sie-ihre-letzten-Tage-endgültig-hinter-sich-hat-Les-Misérables. So wie die feinen Herrschaften in dem Film, die mit irgendwelchem Schmand im Gesicht  resigniert in die Kamera starren, während sie leise vor sich hin singen. (Natürlich ist das alles jetzt üüüüüüberhaupt nicht übertrieben oder dramatisiert!)

Das Ganze sieht also nicht nur unschön aus, sondern es tut auch noch weh. Heute dann der Gang zum Arzt. Diagnose: bakterielle Infektion. Und warum? weil ich die Finger nicht von diesem ollen Pickelchen lassen konnte und den ganzen Schmock damit auf meinem Gesicht verteilt habe. Ich hatte mir ja im Vorfeld schon fast eine spektakulärere Diagnose erhofft, damit man eine bessere Story zum Erzählen hat. Am Ende sollte ich aber lieber froh darüber sein, mit so etwas simple davongekommen zu sein.

Die Moral von der Geschichte lautet natürlich, dass kleine Sünden sofort bestraft werden. Besonders dann, wenn man eigentlich genau weiß, dass man etwas nicht tun sollte. Ein Beispiel: wenn man mit einer Tüte Chips auf dem Sofa sitzt. Man weiß genau, dass man nicht die ganze Tüte essen sollte. Am Ende tut man es doch und hat ein schlechtes Gewissen (abgesehen davon, dass die Chips sich sofort auf die Hüften setzen).

Wir alle haben so kleine Eigenarten, von denen wir genau wissen, dass sie uns nicht gut tun. Wir sollten es eigentlich sein lassen und trotzdem siegt jedes Mal das kleine garstige Stimmchen in unserem Kopf, das uns einreden will, dass es schon nicht so schlimm sein wird. Dabei ist es eigentlich immer SO schlimm – und in diesem Fall sogar noch schlimmer. Du hattest ein Mini-Pickelchen und kriegst ein Gesicht wie eine syphillis-geschwängerte Straßendirne aus dem viktorianischen England (oder um die Anekdote vom Anfang aufzugreifen: wie eine syphillisgeschwängerte Straßendirne aus einem klassischen, französischen Drama – kommt auf das selbe raus).

Und das Traurige an der Geschichte? Ich weiß jetzt schon, dass ich trotz allem beim nächsten Pickelchen nicht die Disziplin haben werde, um die Finger davon zu lassen. Aber wenigstens habe ich direkt die richtige Creme im Haus, wenn es wieder hart auf hart kommt.

Ein unentspannter Sommer

running

Was sind das nur für ein paar verrückte Wochen gewesen? Und damit meine ich nichtmal zwingend das deutsche Wetter, das beschlossen hat, uns einen Hochsommer zu bescheren,  der mich dazu gezwungen hat, mir jeden Tag die Beine zu rasieren und mein klimaanlagenloses Büro im 6. Stock regelecht zu verabscheuen. Ich meine den kleinen „Struggle“ (ich habe mir sagen lassen, dass die coolen Kids heutzutage sich so ausdrücken), den ich gerade mein Leben nenne.

Einer der Urheber des Ganzen ist ein kleines Gerät, das ich seit beinahe 3 Monaten mit mir herumtrage und das ich Ende nächster Woche endlich wieder ablegen kann. Ich rede von einem Schrittzähler. Ein paar Mitarbeiter kamen nämlich auf die glorreiche Idee, bei der „Virgin Pulse Challenge“ anzutreten, die am 23. Mai gestartet ist. Und ich Depp hatte die noch viel glorreichere Idee, dort mit einzusteigen.

Eine „gute“ Idee, oder nicht?

Das Prinzip dieser Challenge ist denkbar einfach: man findet sich in Teams zu je 7 Personen zusammen und sammelt 100 Tage lang Schritte. Der Gewinner kriegt irgendwas, was er nicht braucht – und natürlich Ruhm und Ehre. Dabei tritt man gegen Teams aus der eigenen Firma und der ganzen Welt an.

Ich dachte ja, dass es ein guter Weg wäre, um mich zu mehr Bewegung zu motivieren. Damit lag ich auch gar nicht mal so falsch. Ich bin seltener mit dem Bus gefahren, als sonst. Ich habe öfter die Treppen genommen und auch so regelmäßig Sport gemacht. All das ist durchaus positiv, doch das Gefühl des Zwangs, immer mehr Schritte zu machen, machte mich recht schnell zu einem unentspannten Menschen.

Ich habe angefangen, meine Tage um den Sport herum zu bauen, damit ich auch bloß auf die Schrittzahl komme, die ich brauchte. Ich wollte ja meinen, geschweige denn den Gruppenschnitt, nicht runterziehen. Zwischenzeitlich habe ich sogar überlegt, mir extra für die Challenge ein Fahrrad zu kaufen – was ich nicht getan habe.

From Hero to Zero?

Also, stand ich an manchen Tagen ganz früh auf, um noch vor der Arbeit zu trainieren, oder habe die Matte spät Abends ausgerollt. Wenn ich mal einen Tag einfach Pause gemacht habe, hatte ich direkt ein schlechtes Gewissen. Ich habe Sport gemacht, anstatt zu schreiben oder etwas anderes zu tun, auf das ich theoretisch Lust gehabt hätte. Von Motivation konnte da irgendwann keine Rede mehr sein. Es war reiner Zwang. Hauptsache, irgendwas gemacht.

Abgesehen davon, hatte ich irgendwann das Gefühl, dass es egal war, ob ich etwas tat oder nicht, weil der Impact gleich Null zu sein schien. Und so schrumpfte mein Schrittedurchschnitt von Anfangs knapp 17.000 Schritten auf aktuell knapp über 15.000 Schritte. Dabei weiß ich noch nichtmal genau, was ich anders mache, als am Anfang. Wahrscheinlich ist das einfach nur die Strafe dafür, dass ich mental aktuell die Power von einem Schluck Wasser in der Kurve habe und mich in der Hinsicht ein wenig gehen lasse.

Ich muss ja zugeben, dass mein Körper lange nicht mehr so sommertauglich gewesen ist, wie in dieser Saison, aber der Preis, den ich rein gefühlsmäßig dafür zahlen musste, ist mir zu hoch, um mir den Stress nächstes Jahr nochmal zu machen. Ich werde nie die Panik vergessen, die aufkam, als ich auf einer 5 stündigen Autofahrt kurz Pause an der Autobahntanke machte, wieder weiterfuhr und plötzlich feststellte, dass dieser dämliche Schrittzähler weg war. Ich war drauf dran, wieder umzudrehen und nach diesem Ding zu suchen. Zum Glück sah ich es gerade noch rechtzeitig zwischen meine Füßen auf dem Boden liegen.

Nein, dieser Sommer war wahrlich nicht gerade der entspannendste in meinem Leben. Er hat mir allerdings gezeigt, dass körperliche Ertüchtigung nichts ist, was ich einer „lustigen Challenge“ verbinden sollte, da es zu viele negative Gedanken in mir auslöst. Zu viel selbst auferlegter Zwang, zu wenig Gehör für die Bedürfnisse meines Körpers.

Vom Erdboden verschluckt

Welle

In den vergangenen Wochen habe ich nichts von mir hören lassen. Ich hatte öfter in der Zeit die Idee, wieder etwas zu schreiben, aber am Ende habe ich es doch nicht getan. Entweder hatte ich keine Lust oder keine Idee. Das ist vielleicht einer der Gründe, weshalb ich zuerst den mpuls hatte, diesen Beitrag mit einer Enschuldigung zu beginnen.

Doch wie man sieht, habe ich mich dagegen entschieden. Ich wollte diesen Blog nie als einen Ort ansehen, der für mich nur eine weitere Verpflichtung neben meinem Alltag ist, sondern als einen Ort, an dem ich teilen kann, was in mir vorgeht und wenn mir danach ist. Die letzten Wochen war mir einfach nicht danach und um ehrlich zu sein, war ohnehin nur nach wenig Dingen zumute.

Mein Kopf hing hing (und hängt) die ganze Zeit in den Wolken fest. Ich habe mich an meinem Alltag entlang gehangelt, habe getan, was ich tun musste, um zu funktionieren – viel mehr aber auch nicht. Es mag zum Teil diese allgemeine Sommerträgheit sein, die einen überkommt, wenn es zu heiß zum Denken wird. Alles, was man dann will, ist in einer Hängematte zu liegen und zu schlafen. Überhaupt habe ich mich die letzten Wochen sehr müde gefühlt.

Meine Zahnärztin fragte mich zuletzt, ob ich unter Kopfschmerzen leide, da ich nachts mit den Zähnen knirsche. Die Kopfschmerzen blieben bisher aus, doch die Folgen des Zähneknirschens spüre ich beinahe jeden Morgen, wenn der Kiefer spannt und die Zähne ein kleines bisschen pochen. Nicht genug, um zu schmerzen, aber ausreichend, um zu signaliseren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Und das kommt nicht von ungefähr.

Wenn ich mir so ansehe, was ich bisher geschrieben habe, lautet das Motto dieses Beitrags wohl „Stress“. Ich war die letzten Wochen einfach nur gestresst. Nicht, weil ich Überstunden auf der Arbeit gemacht habe oder weil etwas Traumatisierendes passiert ist. Es ist vielmehr so, dass es mir unglaublich schwer gefallen ist, Gedanken loszulassen.

Das ist noch nie meine Stärke gewesen. Ich gehöre zu den Menschen, die mit 86 Jahren auf ihrem Totenbett liegen und sich voller Scham daran zurückerinnern, wie sie mit 13 im Matheunterricht eine falsche Antwort genannt haben. Doch dieses Festhalten an bestimmten Gedanken oder Erinnerungen lähmt mich eher selten in den Ausmaßen, wie es jetzt der Fall war. Gedanken und kleine Sorgen haben sich still und heimlich aufeinander gestapelt und zu einem dicken Knoten verhärtet, der in meiner Kehle wohnt. Es war wohl nur eine Frage der Zeit bis mein Verstand runterfährt, um das erstmal zu verarbeiten.

Ich kann also noch nicht sagen, dass ich „zurück“ bin, weil ich genau spüre, dass mental und körperlich noch nicht ganz auf der Höhe bin. Aber gleichzeitig will ich es nicht mehr einfach so laufen lassen. Es ist Zeit, aus meiner kleinen Höhle zu kriechen und wieder ein bisschen frische Luft zu schnuppern.

In diesem Sinne, bis später!

Sind Brüste unmoralisch?

Körper

Die Verehrung und gleichzeitige Verdammung des weiblichen Körpers scheinen keine Grenzen zu kennen. Dieser Gegensatz zwischen Ästhetik und Verwerflichkeit wird für mich am deutlichsten, wenn man sich ansieht, wie die Brüste der Frau in der Gesellschaft behandelt werden. Häufig werden sie mit Scham verbunden, als etwas, das versteckt werden muss. Einige Menschen finden es sogar unmoralisch, wenn eine Frau ihr Kind in der Öffentlichkeit stillt. Doch was könnte natürlicher sein, als das? Was soll daran bitteschön unmoralisch sein?

Anderes Beispiel: Wenn Männer im Schwimmbad nur in Badehose herumlaufen, ist das normal. Wenn Frauen ihr Bikinioberteil ausziehen, ernten sie abwertende Blicke und wenn sie Pech haben, sogar eine Anzeige – wie ein aktuelles Beispiel aus Spanien zeigt.

Warum müssen wir gerade diesen Teil unseres Körper derart verstecken?

Ich muss an dieser Stelle offen zugeben, dass auch ich nicht vollkommen frei von sämtlicher Befangenheit bin. Ich würde mich ja nichtmal trauen,  in meiner eigenen Wohung oben ohne herumzulaufen, weil man mich durch die Fenster sehen kann. Wie sollte es aber auch anders sein? Wie soll ich unbefangen sein, wenn mir vorgelebt wird, dass es „sich nicht gehört„, seine Brüste zu zeigen? Und das nicht von meiner eigenen Mutter oder meiner Familie, sondern direkt von der ganzen Gesellschaft.

Wenn Frauen keinen BH tragen wollen, tragen sie gerne Nippel-Cover, damit man bloß „nichts sieht„. Es ist die eine Stelle des weiblichen Körpers, die auf keinen Fall angesehen werden darf. Was auch immer du tust, schau auf gar keinen Fall hin!

Und trotzdem wird geguckt. Ich will jetzt nicht in die „Scheiß-Männer-Kerbe“ schlagen, aber es ist einfach so, dass Männer den Drang haben zu gucken, wenn es ein paar schöne Ländererein zu sehen gibt – aber da geht es mir nicht anders. Frauenkörper üben nunmal eine sexuelle Faszination aus. Das ist einfach so. Da ändern auch ein Rollkragenpulli und eine Schlabberhose nichts dran. Aber ist das echt so schlimm? Was, wenn nicht die Brüste das eigentliche Problem sind, sondern unser Bild von Sex und Sexualität im allgemeinen und wir diese Diskussion vor einem völlig falschen Hintergrund führen?

Alles doppelmoralisch korrekt

Für mich wirkt es jedenfalls so:  Frauen, die ihre Brüste in der Öffentlichkeit zeigen, wollen die Aufmerksamkeit der Männer auf sich ziehen – wahrlich skandalös! Und weil der weibliche Körper ohnehin schon so stark sexualisiert wird, über Sex aber weder geredet noch gesprochen werden darf, muss alles versteckt werden, was damit in Verbindung gebracht werden könnte.

Deshalb sind Männerbrüste wahrscheinlich auch total egal. Ich habe jedenfalls noch nie einem Mann auf die Brust gestarrt und gedacht: „Euch Schnuckis nehme ich mit in die Kiste und dann zeig ich euch, wo der Hammer hängt.“ höchstens, wenn ich ihm mal auf den knackigen Hintern geschaut habe, aber der ist in der Regel ja auch züchtig verpackt. Also, alles im Rahmen der doppelmoralischen Richtlinien.

Insgesamt muss ich sagen, dass hier Probleme gemacht werden, wo eigentlich keine sind. Der menschliche Körper, ist nichts, wofür man sich schämen sollte. Trotzdem tun wir alles, um ihn schlecht zu reden, zu verhüllen, zu verdammen und zu bemäkeln. Ich bin kein Paradebeispiel für bedingungslose Selbstliebe, aber ein absoluter Verfechter davon, es jeden Tag auf’s neue zu üben und mir mehr Respekt zu schenken – selbst wenn mir die Gesellschaft das Gegenteil andrehen will.

Vielleicht sollte ich doch mal nackt durch meine Wohnung laufen. Einfach, weil ich es kann.

Lehrgeld und finanzielle Freiheit

Geld

Vor ein paar Wochen habe ich meine ersten Aktien gekauft. Welche das sind, ist nicht wichtig. Es sind aber keine großen Werte wie Alphabet oder Amazon. Für einen erfahrenen Anleger ist allein die Summe, die ich investiert habe, absolut lächerlich, doch darum geht es an dieser Stelle nicht. Wichtiger sind die Gedanken, die hinter diesem Schritt stecken.

Aber zunächst mal so viel zu meinem bisherigen Umgang mit Geld: Während meiner Studienzeit habe ich nicht viele Gedanken an meine Finanzen verschwendet. Ich habe zwar lange Zeit ein Haushaltsbuch geführt und nebenbei gearbeitet, um mir auch in dieser Zeit ein kleines Polster anzusparen, aber Themen wie Zukunftsplanung, Altersvorsorge oder gar Geldanlage waren so weit entfernt wie die Erde von der Sonne.

Dieses längerfrstig orientierte Bewusstsein kam erst, als ich anfing, Vollzeit zu arbeiten – und das ausgerechnet in der Finanzbranche, genauer gesagt der Börsenwelt. Über meinen Bankberater schloss ich damals einen kleinen Fondssparplan ab, der der Bank  am Ende wahrscheinlich mehr einbringt als mir, aber es war ein erster, wichtiger Schritt, um mich überhaupt mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen.

Trotzdem war das Thema Börse für mich noch lange Zeit eine Blackbox, wie für viele andere Deutsche auch. Fun Fact: In Deutschland investieren gerade mal 7% der Bevölkerung in Aktien. In den USA oder Großbritannien sind es je über 20%. Einer der Gründe dafür liegt wahrscheinlich darin, dass viele Deutsche nicht verstehen, wie die Börse funktioniert. Das führt zu vielen Vorurteilen und smit dazu, dass viele sich einfach nicht trauen, in Aktien zu investieren.

Mit Aktien verspielt man sein ganzes Geld.“ „Beim nächsten Crash wirst du mittellos.“ Aktien werden häufig nicht als Mittel zur Wahrung und Vermehrung des Geldes gesehen, sondern als potenzielle Gefahr, um es unwiderruflich zu verlieren. Allein die Turbulenzen des Crashs von 2008 sind bei vielen Menschen noch äußerst präsent, selbst wenn sie damals nicht an der Börse aktiv waren.

Die Angst davor, alles zu verlieren, ist verdammt groß und lassen viele ihr Geld auf dem Konto Staub ansetzen.

Im Grunde sieht es aber so aus: Die Börse ist ein ewiges auf und ab. Ja, man wird zwangsläufig nicht immer nur Gewinne machen, aber langfristig gesehen, sind Aktien die beste Möglichkeit um ein Vermögen verhältnismäßig sicher aufzubauen.

Wichtig ist nur, dass man Ruhe bewahrt und den Blick nach vorne richtet, statt bei jedem Stolperstein das Handtuch zu werfen und nicht blind in jeden Hype einzusteigen, ohne ihn zu verstehen. Die beiden Werte, die ich gekauft habe, waren zwar günstig, aber sind auch sehr schwankungsanfällig. Das habe ich bewusst so gewählt, um zu sehen, wie ich damit zurechtkomme, wenn ich kurzfristig Verluste anstelle von Gewinnen einfahre.

Dass ich damit noch keine großen Sprünge mache, ist klar. Ich werde nicht in einem Monat Millionärin sein – auch nicht in einem Jahr. Diese beiden Aktien sind für mich das Lehrgeld, das ich bezahle, um mich in dieser Welt überhaupt erstmal zurecht zu finden und davon zu lernen. Wenn ich sicherer im Umgang mit Aktien bin, ist es durchaus wahrscheinlich, dass ich mehr Geld in die Hand nehme.

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich meine aktuelle finanzielle Freiheit nicht nur von meinem monatlichen Gehalt abhängig machen will.  Ich kann auch nicht automatisch davon ausgehen, dass mich mein 9-to-5-Job im Alter ausreichend versorgen wird. Ich muss mich zwangsläufig selber darum kümmern, denn wenn ich es nicht tue, dann tut das niemand.

Für viele Leser mag das Thema Geldanlage (noch) nicht besonders interessant sein. Es ist auch nichts, worüber ich hier normalerweise schreibe oder was ich mit meinen Freunden bespreche. Trotzdem finde ich es wichtig, dass man sich darüber Gedanken macht und sich vor allem informiert, statt auf irgendwelche Halbwahrheiten von Bekannten dritten Grades zu hören.

Geld ist kein Tabuthema, sondern ein essenzieller Bestandteil unseres Alltags und sollte auch als solcher behandelt werden. Wenn wir mehrere Tage mit der Planung eines Urlaubs auf Bali verbringen können, können wir uns auch ein paar Stunden freischaufeln, um unsere Finanzen in die Hand zu nehmen – Aktien hin oder her.