Fernweh und andere Probleme

Fernweh

Mir fällt die Decke auf den Kopf. Zumindest fühlt es sich gerade so an. Seit Tagen schon bin ich rastlos, kann mich auf nichts konzentrieren. Ich fange eine Aufgabe an, nur um eine Minute den Tab für etwas neues am PC zu öffnen. Nichts mag irgendwie wirklich gelingen. Mein Kopf ist gefühlt überall – nur nicht dort, wo er gerade sein soll. Wenn er nicht angewachsen wäre, wäre er mir wohl schon längst von den Schultern gesprungen und davon gerollt.

Er wäre zum nächsten Flughafen und in den nächstmöglichen Flieger gekullert, denn die Wahrheit ist die: Ich habe ganz böses Fernweh. Für dieses Jahr stehen schon zwei große Reisen an, die ich voller Ungeduld erwarte, doch jetzt gerade kann es mir einfach nicht schnell genug gehen. Am liebsten würde ich jetzt meinen Koffer packen und abhauen.

Und weil die eine Reise im März ist und die andere im November, überlege ich natürlich auch, wie ich die Monate dazwischen überbrücken kann. Im Moment bin ich jedenfalls fest davon überzeugt, dass ich wahnsinnig werde, wenn ich sie hier verbringe. Meine neueste, fixe Idee ist ein langes Wochenende alleine in einer Stadt, in der ich noch nie vorher gewesen bin: Barcelona.

Zum einen ist da der Nervenkitzel, weil ich gerne mal alleine reisen würde, es aber noch nie wirklich getan habe. Zum anderen möchte ich mich mal wieder voll und ganz diesem Kulturrausch hingeben. Selbst wenn es nur für ein paar Tage ist. Hauptsache weg, hauptsache schön.

Woher dieser plötzliche Drang zur Flucht kommt, weiß ich nicht. Normalerweise bin ich auch eher der Homebuddy, was schlicht und ergreifend daher kommt, dass ich mein zu Hause liebe, aber ich kriege den Kopf einfach nicht frei. Ständig ist da oben irgendwas los. Und oft sagt man ja, dass ein Tapetenwechsel zwischendurch auch für frischen Wind im Oberstübchen sorgt. Schaden kann es jedenfalls nicht (auch wenn mein Bankkonto mir dann etwas anderes sagen wird).

Selbstfindung im neuen Jahrtausend

Vielleicht ist es aber auch diese romantische Vorstellung, die man schon mal hat, wenn man von Leuten hört, die eine Reise gemacht haben und die scheinbar von der absoluten Erleuchtung den Kopf gestreichelt bekommen haben. Sie berichten von der Klarheit, die sie plötzlich über sich und das Leben haben, dass sie auf einmal wissen, wer sie sind und weshalb sie auf dieser Welt sind. Sie fangen an Bücher zu schreiben, eröffnen ein eigenes Meditationszentrum, oder packen ihren Koffer direkt wieder um auszuwandern.

Das ist natürlich ein etwas überzeichnetes Klischee, und doch gibt es diese Reisen, die etwas mit uns machen. Die etwas in uns verändern und den Funken überspringen lassen, der so lange nicht zünden wollte. Vielleicht warte auch ich auf diesen Moment der Erleuchtung. Diesen Moment, wenn ich in einem Café in einer fernen Stadt sitze und mir ganz klar, aber trotzdem  ganz unaufdringlich bewusst wird, wo ich im Leben hin will und mit einem Mal ist alles in mir ruhig und friedlich.

Was labert die da für einen Hippie-Schmarrn?“ höre ich manche jetzt schon fragen, aber ganz ehrlich? Das ist mir wurscht. Es wäre für mich eine einfache Lösung für ein, wie mir scheint, eigentlich nicht ganz so einfach zu lösendes Problem. Weil es zu tief sitzt. Weil ich mir im Leben noch nicht die richtigen Fragen gestellt habe, oder mich nicht traue sie zu beantworten.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Reise löst nicht alle Probleme. Aber sie würde mir zumindest dabei helfen, ein wenig Abstand zu gewinnen und für ein paar Tage aus der Achterbahn in meinem Kopf auszusteigen. Allein das würde mir gerade schon extrem helfen.

Als ich den Glauben an mich selbst verlor

Vorleser

Wer kennt sie nicht? Diese Momente, wenn man im Freundeskreis zusammensitzt und über die verrückten Zeiten sinniert, die man schon gemeinsam erlebt hat.

Weißt du noch, als…?“ „Kannst du dich noch an XY erinnern?“ Oft habe ich leider überhaupt keine Ahnung, wovon gesprochen wird und so folge ich in diesen Situationen eher dem Motto „(verwirrt) lächeln und nicken“ als enthusiastisch in die Unterhaltung einzusteigen. Die Wahrheit ist nämlich die: Mein Gedächtnis ist unglaublich schlecht, bzw. komisch vernetzt. Ich kann mich an einen Werbejingle aus den 90ern erinnern, aber nicht an ein Erlebnis mit meinen Freunden im letzten Jahr.

Ein paar Dinge bleiben aber hin und wieder doch hängen. Nicht alle davon sind schön. Einer der prägendsten Momente war der, in dem ich das Vertrauen in mich selbst verloren habe.

Das mag eine sehr dramatische Formulierung sein. Besonders wenn man bedenkt, was passiert ist, erscheint es aus heutiger Sicht lächerlich, doch damals war ich noch ein Kind und als Kind spürt man vieles noch intensiver.

Zurück zum Anfang

Vom Kindergarten bis zum Anfang meiner Gymnasialzeit war ich eine kleine Rampensau. Ich stand gerne im Mittelpunkt, hatte in der Grundschule sogar meinen eigenen Song geschrieben, ihn zum besten gegeben und danach begeistert Autogramme geschrieben. Ich habe gerne Theater gespielt und bei Rollenspielen auf dem Pausenhof war ich sowieso immer voller Enthusiasmus dabei.

In der 6. Klasse (vielleicht war es auch die 7.) ging dann die Neuigkeit herum, dass es einen Vorlesewettbewerb geben wird. Ich habe mich sofort dafür angemeldet und war schon bald stolze Vertreterin meiner Schule beim stadtweiten Entscheid in der hiesigen Buchhandlung. Ich war ziemlich aufgeregt, aber insgesamt doch sehr überzeugt davon, dass ich es schaffen konnte.

Wir sollten zwei Passagen vorlesen. Die erste war eine vorher eingeübte Stelle aus einem Buch unserer Wahl, die zweite war ein Überraschungstext. Für den ersten Teil hatte ich mich für eine Stelle aus Harry Potter entschieden, das erste Buch, wenn ich mich recht erinnere und als ich fertig war, war ich recht selbstbewusst, was meine Leistung anging. Ich wurde sogar von einem Reporter der Rheinischen Post (der arme Kerl) interviewed – weil er wohl glaubte, dass ich gewinnen würde.

An den zweiten Teil kann ich mich, ehrlich gesagt, nicht mehr erinnern, aber das ist auch nicht wichtig. Viel wichtiger ist die Enttäuschung, die in mir hochschäumte, als bei der Siegerehrung nicht mein Name, sondern der eines anderen Kindes fiel. Ich hatte versagt. Es war egal, dass meine Eltern sofort sagten, dass sie trotzdem stolz auf mich seien und ich das gut gemacht habe, oder dass zwei alte Damen auf mich zukamen und mir auch versicherten, dass ich besser gewesen war.

Ich hatte trotzdem versagt, denn die Leute deren Meinung in diesem Moment am wichtigsten für mich war – nämlich die Juroren- hatte ich nicht überzeugen können. Irgendwas musste ich falsch gemacht haben. Meine Leistung war nicht gut genug gewesen. ICH war nicht gut genug gewesen.

Ein Abend mit Folgen

Aus heutiger Sicht erscheint es fast schon lächerlich. Würde mir das heute passieren, würde ich mich natürlich ärgern, aber das Leben geht schließlich weiter und ich würde mich auf jeden Fall über das positive Feedback der anderen Leute freuen, doch damals ging in mir tatsächlich etwas kaputt.

Es war mit das erste Mal, dass ich wirklich etwas wollte und daran scheiterte. Statt daraus Kraft zu schöpfen und mir zu sagen, dass ich in Zukunft besser werden will, zog ich mich nach und nach in mein Schneckenhaus zurück. Rückblickend betrachtet, wäre es wohl zu viel zu sagen, dass das der einzige Grund ist, warum ich mich im Unterricht kaum noch freiwillig gemeldet habe, aber es war auf jeden Fall nicht unschuldig daran. Ich kann mich nämlich noch sehr gut an das Gefühl erinnern, das ich damals empfunden habe.

Die Enttäuschung über mich selbst und Scham, weil ich geglaubt hatte, in etwas gut zu sein, ja sogar besser als viele andere und dann doch zu versagen… Was hatte ich mir nur eingebildet? Das wollte ich nicht mehr spüren. Deshalb glaube ich, dass dieses Ereignis einen großen Teil zu meiner weiteren Entwicklung beigetragen hat.

Zu meiner Tendenz, mich eher klein zu machen als große Sprünge zu wagen oder es anzuerkennen, wenn ich doch etwas gut gemacht habe. Zu meiner Angst davor, Dinge zu tun, die mir eigentlich wichtig sind, weil ich es nicht verbocken will. Oder zu meiner Neigung, mich aus Gesprächen herauszuhalten, wenn ich glaube, dass ich nichts sinnvolles beitragen kann.

Das Nachspiel

Ein paar Tage nach diesem Abend erschien die Rheinische Post mit dem Artikel über den Vorlesewettbewerb. Fast der komplette Artikel war nur über mich. Der Sieger ist nur in einem Satz am Schluss erwähnt worden und meine Oma war so stolz auf mich, dass sie den Artikel gleich ausgeschnitten und aufgehoben hat. Alleine, wenn ich daran denke, kommen mir, ehrlich gesagt, die Tränen.

Es war kein schönes Erlebnis und auch die Lehren, die ich daraus gezogen habe, waren im ersten Moment vielleicht nicht die besten. Doch mittlerweile kann ich auch die guten Seiten daran sehen: dass ich überhaupt so weit gekommen bin, die bedingungslose Liebe meiner Eltern, der Stolz meiner Oma, das Lob der Menschen, die mich nichtmal kannten…

Im Leben läuft nicht alles nach Plan und auch wenn wir nicht immer perfekt reagieren, weil wir es manchmal einfach nicht besser wissen, oder bestimmte Gefühle zu stark sind, haben sie doch einen Sinn. Oft bringen uns die Momente, die wir persönlich als besonders hart empfinden, am meisten über uns und unsere Mitmenschen bei. Und ich bin froh darüber, dass ich langsam wieder an Stärke zunehme.

Und um das ganze einigermaßen passend mit J.K.Rowlings Worten abzuschließen: „Happiness can be found, even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.

 

Immer wieder Sonntags

cozy Sonntag

Der Sonntag ist wieder da – der Tag der Woche, dem ich immer wieder aufs neue mit der größten Ambivalenz gegenüber stehe. Auf der einen Seite ist er Teil des lang ersehnten Wochenendes. Man kann lange schlafen, den ganzen Tag entspannt auf der Couch verbringen und Serien gucken und es sich gut gehen lassen. Manchmal ist er aber auch einfach nur als Erholung vom Samstag bitter nötig. Wie auch immer man den Sonntag nutzt, missen will ihn vermutlich keiner.

Und doch ist da immer dieser eine Wermutstropfen: Es ist der Tag vor dem Montag.

Für einen Mensch wie mich, dem es schwer fällt, im Jetzt zu leben und der stattdessen viel Zeit in der Vergangenheit und der Zukunft verbringt, ist das ein Fluch. Und für mich geht das meistens schon Freitags los: Es mag ein wenig verrückt sein, aber ich denke schon am Freitagabend, dass das Wochenende eigentlich fast vorbei ist, weil ich eigentlich nur den Samstag habe, den ich wirklich unbeschwert verbringen kann (und das eigentlich auch nur mit Einschränkung, weil ich hin und wieder an den Sonntag denke).

Wo ist mein Wochenende?

Am Sonntag bin ich gedanklich schon wieder in der neuen Woche, bei den To-Do’s auf der Arbeit und all den anderen Dingen, die ich ab Montag machen muss. Die Zeit an diesem Tag scheint förmlich zu rennen ohne dass ich sie voll ausschöpfen kann und ehe ich mich versehe, ist es schon wieder Zeit, um ins Bett zu gehen, denn am Montag muss man ja wieder früh aufstehen. Gedanklich habe ich also eigentlich nur einen Tag Wochenende. Dieser Teufelskreis zerschießt mir das ganze Wochenende.

„Sunday Mood“ ist bei mir die meiste Zeit für’n Arsch.

Die Feiertage mit den kurzen Arbeitswochen haben einen natürlich sehr verwöhnt, aber es war schon ein schönes Gefühl diese Woche nur 4 Tage arbeiten zu gehen – obwohl mir diese Woche skurrilerweise genau so lang vorkam, wie eine normale Arbeitswoche. Nur konnte ich das lange Wochenende auch nur beschränkt genießen, weil ich direkt daran denken musste, dass das nächste wieder nur 2 Tage hat und dann auch die Arbeitswochen wieder 5 Tage haben werden.

Lange Rede, kurzer Sinn

Ich habe (bzw. mein Kopf hat) ein riesiges Problem damit, nicht ständig abzuschweifen und einfach nur den Moment oder den Tag zu leben, der gerade ist. Ich kann nicht einfach nur sein. Und dabei gibt es auch noch folgende kleine Gemeinheit: Selbst wenn ich schon heute an die Dinge denke,die ich morgen zu tun habe, kann ich sie noch nicht beeinflussen. Ich kann noch nichts tun. Ich erreiche also absolut gar nichts, wenn ich mir jetzt schon den Kopf zerbreche, außer dass ich mir selber den Tag versaue.

Ich bewundere wirklich Menschen, die diese Denkmaschine einfach mal für die einzigen freien Tage der Woche abstellen können. Die nicht schon im Voraus anfangen, die To-Do-Liste der kommenden Woche im Kopf durchzugrübeln, sondern die Zeit voll ausnutzen, die sie in diesem Moment haben.

Deshalb, obwohl ich eigentlich kein großer Freund von Neujahresvorsätzen bin, möchte ich mir für 2018 gerne vornehmen, mehr im Jetzt zu leben. Ich möchte mich weniger von Dingen beeinflussen lassen, die ich nicht mehr oder noch nicht beeinflussen kann und die deshalb im Grunde nur stören.

Für Tipps, wie man das anstellt, bin ich sehr dankbar, also immer her damit!

 

Diese Tage zwischen den Jahren

Lustig
Dieses Bild wurde nicht nur wegen der für Silvester symbolischen Wunderkerze ausgewählt, sondern weil die Autorin die Vorstellung besonders witzig findet, dass da tatsächlich jemand unter Wasser ist und eben jene Wunderkerze in die Höhe hält – #IchBinKunstkenner #nicht #mussmannichtverstehen

Die Zeit vor dem Jahreswechsel lädt in der Regel sehr zur Reflektion ein. Vor allem, wenn Weihnachten (endlich) hinter uns liegt und wir ein wenig Zeit zum Entschleunigen haben, lassen wir das vergangene Jahr nochmal Revue passieren und stellen uns mental auf das neue Jahr ein. Das ist an sich eine wirklich schöne Sache. Ich finde es gut, wenn Leute sich wirklich bewusst Zeit dafür nehmen, um zu überlegen, was sie in den letzten Monaten erreicht haben und was sie noch erreichen möchten. Denn selten hat man so viel Zeit, wie in diesen paar Tagen.

Nur meistens kommt es anders und zweitens als man denkt. In dem Moment, in dem ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich schniefend und hustend auf meinem Sofa, eingewickelt in eine Decke und mit mehr Tee intus als meine Erbsenblase vertragen kann. Ich habe meinen Nachbarn die halbe Nacht die Ohren vollgehustet und auch ein erholsamer Schlaf will sich diese Woche einfach nicht einstellen.

Das letzte, woran mein in Watte gepackter Kopf gerade denkt, ist mir ernsthafte Gedanken über das vergangene oder das nächste Jahr zu machen. Aktuell will er nur auf dem Sofa herumkrebsen und die letzten 3 Folgen „Mrs. Maisel“ gucken. Ich vermute, man kann sich so ungefähr vorstellen, in was für einer mentalen Verfassung ich mich gerade befinde.

Und trotzdem schleichen sich hin und wieder Erinnerungen an die letzten Monate ein. Die guten und die schlechten Momente – wobei ich sagen muss, dass 2017 ein vergleichsweise gutes Jahr war. Es ist wenigstens niemand gestorben, was das Schicksal jedoch nicht davon abhielt, uns um die Weihnachtszeit mehrmals ins Krankenhaus zu schicken. Insgesamt hat sich aber vieles besser entwickelt, als ich Ende 2016 gedacht hätte und die „schlechten“ Momente, sind hauptsächlich Kleinigkeiten, an denen ich mich in den nächsten Monaten aufhängen kann, die im großen und ganzen aber eigentlich nichtig sind.

Wenn ich aber an 2018 denke, dann bin ich ungewohnt optimistisch. Auf der einen Seite habe ich immer den Glauben, dass gerade Jahreszahlen mehr Glück bringen, als ungerade, weil sie schöner aussehen. In der Praxis ist es aber wohl eher umgekehrt, wenn ich mir die letzten Jahre so anschaue… (Man erinnere sich an meinen herzlichen Abschied vom Jahr 2016).

Auf der anderen Seite sind für 2018 schon so viele schöne Sachen geplant, auf die ich mich freuen kann: Dazu gehören große Sachen wie zwei Reisen (USA und Japan), aber auch kleine Sachen wie eine 30-Tage-Yoga-Challenge oder Filme auf die ich mich freue. Zum Teil richtig banales Zeug, aber es sind ja oft gerade die kleinen Dinge, die uns über Wasser halten und die das Leben lebenswert machen.

Außerdem möchte ich mir wieder mehr konkrete Projekte für meine Freizeit vornehmen. Dieses Jahr stand für mich vor allem im Zeichen der Anpassung – Anpassung an einen neuen Lebensstil mit einem Vollzeitjob. Da war am Ende eines Tages meistens eher Gammeln statt Produktivität angesagt. Jetzt möchte ich wieder mehr tun. Ich möchte alte Sprachkenntnisse wieder auffrischen und vielleicht sogar ein Projekt beginnen, vor dem ich Angst habe, das für mich aber sehr wichtig ist.

Natürlich fällt es einem immer besonders leicht, hochtrabende Pläne zu schmieden, bevor das Jahr angefangen hat und es ans Eingemachte geht. Die berühmt-berüchtigten Jahresvorsätze hält man meistens sowieso nicht ein, aber darum geht es mir aktuell nicht. Im Moment möchte ich einfach nur ein bisschen spinnen und mir vorstellen, was passieren könnte, wenn ich diese Dinge wirklich umsetze. Ich möchte Möglichkeiten für mein Leben schaffen und Türen hinter mir schließen, die ich nicht mehr brauche.

Das ist in meinem Rotznasenzustand nicht gerade einfach, aber irgendwie glaube ich auch, dass dieser leicht realitätsferne Zustand meine Fantasie nur noch mehr beflügelt. Ganz ohne Kleber schnüffeln oder „Brownies“ naschen… In diesem Sinne verabschiede ich mich erstmal wieder und wünsche allen einen guten Jahreswechsel und ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2018.

Rock on, Bitches!

Die Stadt der Liebe? Is‘ klar…

Paris

Dieser Beitrag ist eigentlich schon ein paar Monate alt. Ich weiß nicht, warum ich ihn damals nicht veröffentlicht habe – deshalb tue ich es jetzt. Der Hintergrund ist ein Kurztrip nach Paris mit meiner besten Freundin im vergangenen Sommer.

Enjoy, people!

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Kürzlich habe ich ein langes Wochenende in Paris verbracht. Ich bin schon über 5 Jahre nicht mehr dort gewesen und obwohl ich die Stadt sehr schön finde, und auch immer wieder mal hinfahren würde, sind mir dieses Mal einige Dinge aufgefallen, die ich bei meinem ersten Besuch damals wohl verdrängt habe. Oder es gab sie damals einfach noch nicht, wer weiß…

  1. Paris ist schweineteuer. Gut, solange man Urlaub innerhalb Westeuropas macht, kann man nur schwer damit rechnen, eine vernünfte Mahlzeit für unter 10€ zu bekommen. Zumindest wenn man was vernünftiges haben will. Aber nicht nur das Essen summiert sich ganz schnell: Besonders wenn man die kulturellen Vorzüge der Stadt genießen will, muss man tief in die Tasche greifen. Währen in London fast alle Museen kostenlos sind, muss man für den überfüllten (aber dennoch sehenswerten) Louvre 16€ bezahlen, sobald man das Pech hat Ü25 zu sein. Zum Glück sind wenigstens die Metrotickets recht erschwinglich.
  2. Touristen, überall Touristen. Auch damit sollte man rechnen, wenn man im Sommer irgendein Land besucht. Besonders oft gesichtet wurden Horden chinesischer Touristen, die bunten Schirmchen hinterher liefen. Wirkliche Romantik kann da weiß Gott nicht aufkommen. Ganz besonders nicht an solchen Hotspots wie Notre Dame, in Montmartre oder in Versailles.
  3. Und sind sie alle dumm? Als wir uns auf den Weg 20170729_114938nach Versailles machten, mussten wir an einer Metro-Station in die Bahn umsteigen, die bis nach Versailles fuhr. Da die meisten Touristen anscheinend zu dumm sind, um den Weg über die Straße zur Station zu finden, sind eigens Leute rekrutiert worden, um besagten Touristen per Fingerzeig den Weg zu deuten. Das gleiche Vergnügen erwartete einen nach der Ankunft am Bahnhof von Versailles. Wie soll man auch sonst den Weg zum riesigen Schloss finden??
  4. Man(n) hat gerne was zu gucken. Es soll ja schon mal vorkommen, dass Männer Interesse am anderen Geschlecht haben und das auch mehr oder weniger offen zeigen, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal von so vielen Männern so offen angestarrt wurde – und ich merke sowas eigentlich nie. Sehr subtil, meine Herren! Vielleicht hatte ich aber auch einfach nur was zwischen den Zähnen…
  5. Bloß nicht vor 19 Uhr Essen gehen! Anscheinend gehören die Franzosen zu den Völkchen, die gerne sehr spät zu Abend essen. Wen vor 19 Uhr der Hunger umtreibt, wird die meisten Restaurants geschlossen vorfinden. Bis dahin gibt es nur Wein und Zigaretten.
  6. Keine japanischen Restaurants besuchen, die nicht von Japanern betrieben werden. Nachdem wir uns 4 Stunden durch den Louvre geschleppt hatten, hing uns der Magen bis in die Kniekehlen. Und so stürmten wir dankbar einen Laden, der verheißungsvoll und in japanischen Lettern „Ramen“ versprach. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann, der dort arbeitete nicht nur kein Japaner, sondern Chinese war, was an sich kein Verbrechen ist. Wirklich kriminell wurde es erst dann, als eine Truppe seiner Landsmänner nach uns reinmarschiert kam, eigene Beilagen mitbrachte UND auch noch vor uns bedient wurde. Jep, danach waren wir auch mehr als bedient.

Wer schon ein paar Mal in Paris war, wird über diese Erkenntnisse vermutlich den Kopf schütteln und sie als Allerweltswissen abstempeln. Für uns war es nach all den Jahren doch wieder ein kleiner Kulturschock. Da springt man für dreieinhalb Stunden in die Bahn und befindet sich in einer vollkommen neuen Welt.

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Dabei war nicht alles schlecht, im Gegenteil! Wir lernten einen charmanten Kellner kennen, der mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat und der tatsächlich all seinen Mut zusammennahm, um Deutsch mit uns zu sprechen. Wir hatten ein fantastisches Boeuf à la Bordelaise. Von unserem charmanten Apartment aus hatten wir jeden Tag einen fantastischen Blick auf Sacre Coeur. Keiner von uns wurde ausgeraubt. Wir haben viel Zeit damit verbracht, die Stadt zu Fuß zu erkunden und über Gott und die Welt zu reden.

Wenn man die richtigen Ecken zur richtigen Zeit besucht, ist Paris eine wunderschöne Stadt. Und wenn man es mal schafft, den Menschenmassen für einen Moment zu entkommen, dann fühlt es sich sogar so an, als wäre man mitten in „Midnight in Paris“ gelandet – wo die kleinen, engen Gassen eine Faszination ausüben, der man sich nicht entziehen kann und wo hin und wieder ein leises Chanson erklingt.

Was bedeutet „A Phalerate Mind“?

Bedeutung

„A Phalerate Mind“, auf Deutsch „ein reich verzierter Geist“ – wer denkt sich so einen Quatsch aus? Ich natürlich! Heute geht es um die Frage, die sich bis jetzt vermutlich kaum einer gestellt hat und die ich trotzdem beantworten werde: Wie ist der Blog zu seinem Namen gekommen?

Dafür sollte man zunächst folgendes wissen: das Wort „phalerate“ kommt – wer hätte es gedach – aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „reich verziert“ oder „dekoriert“. Es ist ein mittlerweile ausgestorbener Begriff aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, den ich vor vielen, vielen Monaten aufgeschnappt habe.

In meiner Wohnung liegt ein Notizbuch, in dem ich Zitate und auch ungewöhnliche Worte sammle, wenn sie mir über den Weg laufen. Eines Tages stieß ich per Zufall auf „phalerate“ und es ist einfach hängen geblieben. Es klingt für mich wie ein Wort, das glatt aus Oscar Wildes Feder hätte stammen können, denn es hört sich überbordend und blumig an, passend zu seiner Bedeutung. Wenn ich es höre, denke ich an feine Aristokraten in noch feineren Outfits, die im Kerzenschein geistreiche Gespräche führen. Gleichzeitig hat es aus moderner Sicht einen herrlich antiquierten Klang.

Da ist mich sehr für vergangene Zeiten interessiere und in manchen Dingen ein wenig altmodisch bin, ist das für mich eine absolut positive Eigenschaft. Es steht für vergangene Welten und Zeiten, für die ich beinahe nostalgische Gefühle hege, obwohl ich sie selbst nie miterlebt habe. Es drückt sozusagen meine Vorliebe für Geschichte und schöne Wörter aus.

Das Wort „mind“, also „Geist“ oder „Seele“, erklärt sich im Grunde von selbst. Für mich persönlich steht es vor allem für das, was sich hinter den Kulissen, außerhalb der körperlichen Ebene abspielt und was nicht jeder zu sehen bekommt – das Geistige und das Emotionale. Zusammengefasst stehen diese beide Wörter einfach gesagt dafür, dass in meinem Kopf ständig irgendwas los ist. Ich bin eine notorische Tagträumerin, habe eigentlich immer irgendwas zu grübeln, auch wenn man es mir nicht ansieht. Es ist ständig etwas los, häufig vollkommen durcheinander und unzusammenhängend. Manchmal drehen sich meine Gedanken aber auch einfach nur im Kreis.

Aber so geht es ja auch auf diesem Blog zu. Er ist fast wie eine Art Braindump, auf dem ich mein Gedanken ordnen und loswerden kann, also ein Spiegel dessen, was mir aktuell durch den Kopf geht. Und das kann wirklich alles sein. Da kann es schon mal vorkommen, dass nicht alles zusammenpasst.

Natürlich versuche ich hier irgendwie eine Linie mit meinem Content zu finden, doch ich glaube auch, dass ich hier nur authentisch sein kann, wenn ich auch das wiedergebe, was mich wirklich beschäftigt. Dann ist es egal, ob ein Thema gerade in aller Munde ist und mir deshalb mehr Traffic ermöglichen würde. Wenn es mich nicht interessiert, weil mich gerade ganz andere Themen nachts wach halten, dann bringt es mir auch nichts darüber zu schreiben.

So nehme ich es lieber im Kauf, auch mal über Dinge zu reden, die weniger Leute interessieren. Nur so kann ich ehrlich sagen, was ich denke und meine authentische Sicht der Dinge bieten. Denn das ist etwas, das in der heutigen Zeit, was gerade heute in den Medien, wo Meinungen leicht erkauft werden können, häufig zu kurz kommt.

Das hier soll jetzt nicht in einen Rant über unsere Medienlandschaft ausarten, aber ich hoffe, dass ich hiermit die eine oder andere stille Frage beantworten konnte. „A Phalerate Mind“ war kein Titel für den ich lange überlegen musste. Er war einfach schon immer irgendwie da, in meinem kleinen, überfüllten Kopf.

Saturday Night Fever

Tanzen

Der Samstag ist nicht erst seit den Zeiten von „Saturday Night Fever“ mit John Travolta der Tag, an dem traditionell die Sau raus gelassen wird. Es hat fast schon etwas ritualisiertes an sich, wenn man sich für den Abend her richtet und dann mit seinen Freunden in die Nacht hinauszieht, um einfach nur Spaß zu haben. In den seltensten Fällen wird darüber nachgedacht, wie es einem am Tag danach gehen könnte, aber darum geht es auch nicht. Was zählt, ist der Moment.

So ging es auch mir am letzten Samstag, als es mich mit ein paar Freunden erst in die Bar unseres Vertrauens und dann in den Club gezogen hat. Dabei sollte ich jetzt direkt schon vorausschicken, dass ich, verglichen mit anderen Leuten, einen anderen Ansatz verfolge, wenn es um das Thema Ausgehen geht. Viele wollen nämlich nicht nur Spaß haben im Sinne von Tanzen und Trinken, sondern sie wollen Leute kennenlernen – allen voran potenzielle Partner für Paarungszwecke.

Wenn ich aber sage: „Ich gehe heute Tanzen.“ dann meine ich das auch wirklich genau so. Das heißt nicht, dass ich nicht offen dafür wäre, mich auf jemanden einzulassen, wenn ich mich genug für ihn interessiere, aber es wäre nur das Beiwerk. Mein primäres Ziel ist es einfach nur abzupacken und meine Lieblingslieder schief mitzugrölen.

Spaß (fast) ohne Rücksicht auf Verluste

Dabei nehme ich keine Rücksicht darauf, wie das auf andere wirken könnte oder ob die Art wie ich tanze sexy aussieht. Ich würde meinen Stil sowieso eher als eine Art psychedelischen bis spastischen Ausdruckstanz beschreiben. Wie das in der Realität aussieht, kann sich jeder selbst vorstellen. Wenn viel Herumgefuchtel mit den Armen und Herumgehoppse dabei ist, wird es schon passen.

Jedenfalls führt dieser Stil auch dazu, dass ich eigentlich nie mitten auf der Tanzfläche unterwegs bin. Ich habe noch nie verstanden, warum alle sich konsequent darauf konzentrieren, auf der Mitte der Fläche zu tanzen. Gut, man wird dort vielleicht am ehesten beachtet, aber wie soll man sich da anständig bewegen? Ich müsste dort jedes Mal Angst haben, dass ich harmlosen Zivilisten meine Arme ins Gesicht klatsche oder ihnen auf die Füße trete.

Dann nehme ich doch lieber mit den Ecken vorlieb, wo weniger los ist, ich mich aber wenigstens frei bewegen kann. Wenn schon, denn schon. Ich will am Ende nicht diejenige sein, die nahezu bewegungsunfähig in einem Pool aus schwitzenden Menschen eingezwängt ist, wenn „Come on Eileen“ oder „Dancing with Myself“ ertönt.

Zu zweit Tanzen – mein Antichrist?

Für mich ist ein Abend dementsprechend dann erfolgreich gelaufen, wenn meine Stimme heiser vom singen ist und meine Beine weh tun, weil so viele tanzbare Lieder gespielt wurden. Es macht mich unglaublich glücklich, weil ich mal alles rauslassen konnte, was sich über die Woche hinweg angestaut hat und es mir in dem Moment egal ist, was andere über mich denken. Das Tüpfelchen auf dem i ist ein Muskelkater in den Waden am nächsten Tag.

All das ist für mich generell mehr wert, als irgendwann knutschend mit irgendeinem Kerl in der Ecke zu stehen, den ich wahrscheinlich nie wiedersehe, weil er doch nicht Cary Grant ist. Noch schlimmer wird es, wenn es darum geht, zusammen zu tanzen. Ich kann es nicht. Ich kann mich nicht anständig bewegen, wenn ich zu sehr auf andere achten und auch noch mit ihnen interagieren muss.

Da verliere ich jegliches Gefühl für Rhythmus und meinen Körper – eine Erfahrung, die ich anderen und mir selbst am liebsten erspare. Tanzen sollte eine Möglichkeit sein, um sich frei zu fühlen und sich selbst auszudrücken und nicht, um sich selbst zu kasteien, nur um jemand anderem zu gefallen.

Dance like nobody is watching and be proud of it!

Scheiß‘ auf das, was andere über dich denken könnten, wenn du tanzt. Scheiß‘ darauf, wie es aussehen könnte. Wichtig ist, wie es sich für dich anfühlt und wenn die Musik dir Impulse gibt, dann folge ihnen, auch wenn es vielleicht doof aussieht. Am Ende der Nacht erinnert sich fast niemand mehr daran und das hat auch etwas herrliches an sich.

Vor ein paar Wochen gab es tatsächlich den Moment, als ich mich hingesetzt habe, um eine Pause vom Tanzen zu machen, als ein Mädel auf mich zukam und mir sagte, dass sie mir schon die ganze Zeit zugesehen hatte und mir einfach mal sagen wollte, wie sehr ihr mein Tanzstil gefiel. Ich war so perplex, dass ich kaum ein Wort rausbekommen habe, habe mich aber unheimlich darüber gefreut. Für meine verrückte Art von einer Person ein wenig gefeiert zu werden, war und ist mehr wert, als die Blicke von 50 Typen, die nur dann reagiert hätten, wenn ich im Minirock ein bisschen mit dem Arsch gewackelt und das Haar lasziv über die Schulter geworfen hätte.

Ich hätte ihr gerne noch ein Kompliment für ihren tollen Zylinder gemacht (es war Halloween), aber ich war einfach noch in einem Zustand der positiven Schockstarre.

Ein solches Kompliment blieb am letzten Samstag aus, doch meine Stimmung hätte trotzdem nicht besser sein können, als ich heiser und leise „Africa“ von Toto summend nach Hause gestiefelt bin. Nach der Hitze und dem Trubel im Club gab es nichts besseres, als mich wieder der Ruhe hinzugeben und mich über mein eigentlich ganz schönes Leben zu freuen.

Rock on, Freunde der Nacht und bis zum nächsten Wochenende!