Socially awkward Steppenläufer

Einsiedlerkrebs

Oft finde ich mich in irgendwelchen Gesprächen wieder und denke mir einfach nur: „Ich habe dazu gerade absolut nichts zu sagen.“ weil in meinem Kopf einfach nichts ist, nicht bis auf eine gähnende Leere. Manchmal glaube ich sogar, dass ich mein Gehirn wie eine kleine Murmel durch meinen Kopf rollen hören kann. Und ich frage mich dann ganz automatisch: „Ist dieses Gespräch dumm oder bin ich es?

Man sagt oft von introvertierten Personen, dass in ihren Köpfen viel mehr vorgeht, als sie nach außen zeigen. Lieber lassen sie sich auf ein langes, intensives Gespräch ein, als auf sinnlose Diskussionen oder Smalltalk. Beides sind einfach unnötige Energieräuber. Auf mich trifft das alles nur in Teilen zu. Sicher, es gibt Gespräche an denen ich mich gerne beteilige, wo es mir auch Spaß macht zu diskutieren, aber oft genug habe ich keinen blassen Schimmer, was ich sinnvolles beitragen könnte. Also, sage ich einfach nichts.

Ein bisschen ratlos, ein bisschen frustriert

Ich weiß nicht, ob es nicht besser wäre, diesen Muskel zu trainieren und mich solchen Gesprächen zu stellen. Nur, wie macht man das? Soll ich meine Unwissenheit nutzen und Fragen stellen? Oder eine Aussage aufgreifen, mit der ich zumindest vage etwas anfangen kann, um das Gespräch in eine Richtung zu lenken mit der ich arbeiten kann? Allein, wenn ich nur an diese beiden Optionen denke, spüre ich, wie sich mein Energietank von selbst leert.

Es ist ein wenig frustrierend. Wie viele Gespräche mit potenziell interessanten Menschen habe ich schon verpasst, einfach weil ich keine Ahnung hatte, was ich sagen soll? Und wann ist die Interaktion mit anderen Menschen so schwierig geworden? Oder bin ich einfach nur schwierig geworden?

Es ist der große Blogeintrag der Fragen auf die ich keine Antwort habe. Das ist für niemanden wirklich befriedigend. Weder für meine armen Leser, noch für mich, aber gerade deshalb ist es umso wichtiger für mich ist, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Immerhin weiß ich, dass ich im Kreise meiner Engsten nicht mundfaul bin, aber der Kreis dieser Engsten besteht aus Menschen, die ich seit vielen, vielen Jahren kenne.

Alle anderen, die bisher weniger als 4 Jahre mit mir ausgehalten haben, werden es oftmals schwer haben, mir mehr als 2 Sätze am Stück aus der Nase zu ziehen. Nach den üblichen Nettigkeiten trete ich dann in der Regel den Rückzug an und gehe zum höflichen Nicken und Lächeln über. Ich warte eigentlich nur noch darauf, dass einer der obligatorischen Steppenläufer wie in einem Western durch die Szenerie geweht wird. Langsam und qualvoll.

„Socially awkwardness“ ist kein Freifahrtsschein

Ich könnte es mit dem Label der allgemein anerkannten „socially awkwardness“ abtun, mich einfach rausreden, indem ich sage: „So bin ich halt.“ das möchte ich aber nicht. Ich bin mir dessen bewusst, dass Konversation nie meine größte Stärke sein wird, dafür schweige ich einfach zu gerne, aber ich merke auch, dass mir diese Veranlagung zumindest das eine oder andere Erlebnis verbaut und es mir auch auf professioneller Ebene erschwert mich durchzusetzen.

Dann würde ich diesen Steppenläufer am liebsten abfackeln und die Murmel in meinem Kopf mindestens wieder auf die Größe eines halbwegs funktionalen Gehirns aufblasen, um ein einigermaßen sinnvolles Gespräch führen zu können.

Also, werde ich das tun, was ich am besten kann: Einen intensiven „Deep Dive“ (yay, neues Business-Deutsch) durchführen, rund 10% des Gelernten an zwei Gelegenheiten ausprobieren, das Experiment als Fehlschlag abstempeln und zu meinen alten Gewohnheiten zurückkehren, weil es im Kokon des alt bekannten doch am schönsten ist. Wünscht mir Glück!

Fun Fact: Der erste Entwurf dieses Beitrags ist knapp 1 Jahr alt. Wenn das nicht bestätigt, dass ich ein Problem habe, dann weiß ich auch nicht.

Wie viel bin ich wert?

Verkauf dich niemals unter Wert!“ Das wird einem vor jeder Gehaltsverhandlung eingebläut, aber auch wenn man sich auf einen neuen Partner einlässt. Dabei frage ich mich allerdings immer wieder: Woher weiß ich denn wie viel ich wert bin? Was bin ich überhaupt wert?

Vor allem im Arbeitsumfeld stellt sich mir diese Frage immer wieder. Ich bin umgeben von hart arbeitenden Menschen mit guten Ideen, die in ihrem eigenen Bereich wirklich viel erreichen. Da kann ich einfach nicht anders, als mich mit ihnen zu vergleichen. Natürlich weiß ich, dass es Dinge gibt, die mir mehr liegen als ihnen, aber wenn ich diese Leute sehe und mich dann frage „Wie viel bin ich wert?„, komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass mein Wert geringer ist als ihrer. Immerhin haben sie so viel großes geleistet, sich durchgebissen und was erreicht. Aber ich? Was habe ich schon großartiges geleistet?

Vielleicht liegt es daran, dass ich genau um meine Schwächen weiß, aber in meinen Augen nicht konsequent genug an ihnen arbeite. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich die Dinge, die ich schon erreicht habe nicht ausreichend wertschätze – dass ich sie immer als weniger innovativ oder nutzbringend ansehe als die Beiträge anderer.

Schätze ich meinen Wert schlechter ein als andere?

Wie ich es auch drehe und wende, am Ende stehe ich immer wieder vor demselben Problem: „Wert“ ist in diesem Fall eine vollkommen subjektiv betrachtete Einheit. Jeder hat seine eigenen Maßstäbe. Was ich als unzureichend ansehe, könnte jemand anderesherausragend finden. Und dazu kommt auch noch folgende Schwierigkeit: wer mit einem ähnlich dürftig ausgeprägten Selbstbewusstsein ausgestattet ist wie ich, wird seinen Wert eher an seinen Fehlern messen als an seinen Stärken und ihn dadurch automatisch niedriger einschätzen.

Dadurch bringt man sich sich selbst und anderen gegenüber direkt in eine schlechtere Verhandlungspositionen. Denn am Ende ist es doch auch so: Selbst wenn jemand anderes ursprünglich denkt, dass ich weniger wert bin, kann ich ihn vom Gegenteil überzeugen, wenn ich selbst auch davon überzeugt bin und dafür stichhaltige Argumente vorbringen kann. Aber wie soll ich das machen, wenn ich selbst nicht daran glaube?

Es ist alles Ansichtssache

Am Ende ist dieser berühmt berüchtigte Wert in erster Linie eines: eine Ansichtssachte. Ich habe leider keine magische Formel dafür, wie man seinen indiviuellen Wert berechnet, oder wie ich meinen eigenen am Ende doch noch gefunden habe. Auch für mich ist es ein work in progress. Indem ich mich mit dieser Frage beschäftige, sehe ich meine größten Verbesserungspotenziale und wo ich vielleicht auch mal auf die Meinung anderer hören sollte.

Fakt ist, dass ich meinen Wert steigern will. Nicht, weil ich 10% mehr Gehalt will, sondern weil ich eine Bereicherung für mein Team sein will. Ich will am Ende des Tages mit dem Bewusstsein nach Hause gehen, dass ich alles gegeben habe um uns einen Schritt nach vorne zu bringen. Dann weiß ich wenigstens, dass ich all meine aktuellen Privilegien zu Recht genieße. Das wäre doch schon mal ein Anfang, oder nicht?

Das Glück im Unglück finden

In dem Moment, in dem ich diese Worte schreibe, wäre ich eigentlich gerade am Düsseldorfer Flughafen angekommen, um nach Manchester zu fliegen. Dass dem gerade nicht so ist, liegt daran, dass mein Flug gestrichen wurde. 3 Stunden vor Abflug.

Man kann sich meine Begeisterung, als mich die kurze SMS der Fluggesellschaft erreichte, sicher gut vorstellen. Also packte ich meine 7 Sachen wieder, informierte meine beste Freundin darüber, dass sie die erste Nacht in UK alleine verbringen muss und dackelte nach Hause. Dort führte ich ein nettes Gespräch mit einem Callcenter-Agent der Fluggesellschaft (Achtung: keine Ironie!), veranlasste eine Rückzahlung und buchte einen Alternativflug für morgen Vormittag.

All das passierte in einem Zeitfenster von gerade mal knapp einer Stunde.

Jetzt sitze ich hier auf meinem Sofa und habe wieder meine Schlabberhose angezogen. In der Küche kocht eine Portion Spaghetti mit Lachssoße.

So lästig diese ganze Geschichte auch ist, es bringt nichts, wenn ich mich darüber aufrege. Es ändert schließlich nichts. Stattdessen fallen mir immer mehr positive Dinge ein, die ich aus dieser Erfahrung ziehen kann.

Mir ging es heute den ganzen Tag nicht wirklich gut, war müde und hatte am Nachmittag mit etwas Übelkeit zu kämpfen. Jetzt kann ich mich noch eine Nacht zu Hause auskurieren. Außerdem spare ich mir gerade teures Flughafenfutter. Ich kann in Ruhe zu Hause etwas gutes essen, denn jetzt, wo die Übelkeit weg ist, fühlt es sich so an, als würde sich mein Magen selbst aufessen.

Und nicht ganz unwichtig, wenn man einen Trip macht, dessen Einkäufe hauptsächlich aus Büchern bestehen wird: Ich kann ein paar Klamotten aus meinem Koffer holen. So habe ich mehr Platz für das, was wirklich wichtig ist. Mehr Bücher.

Und last, but not least: mit etwas Glück habe ich Anspruch auf eine zusätzliche Entschädigung, die höher ausfallen wird, als mich der Flug gekostet hat. Insgesamt also alles eigentlich halb so wild.

Es ist nicht immer leicht, das Glück im Unglück zu finden. Gerade im Alltag konzentrieren wir uns häufig gerade auf die Sachen, die schlecht laufen. Wenn die Bahn zu spät kommt, kommen wir zu spät zur Arbeit. Wenn wir vergessen, etwas wichtiges im Supermarkt zu kaufen, müssen wir nochmal hin. Größter Wermutstropfen scheint dabei neben monetären Aspekten natürlich die Zeit zu sein.

Wir verlieren nie gerne Zeit – erst recht nicht, wenn uns gar keine Schuld trifft. Doch manchmal hat diese vermeintlich verlorene Zeit auch etwas gutes. Ich für meinen Teil kann, auch wenn es nach wie vor ein Ärgernis ist, genug gutes in dieser Planänderung sehen, um sie ohne großen Groll hinzunehmen.

Ich freue mich darauf, morgen mittag aus dem Flieger zu steigen und von meiner besten Freundin in Manchester in Empfang genommen werden. Dann reisen wir weiter nach York. Es wird, trotz allem, ein glorreiches Wochenende!

Lehrgeld und finanzielle Freiheit

Geld

Vor ein paar Wochen habe ich meine ersten Aktien gekauft. Welche das sind, ist nicht wichtig. Es sind aber keine großen Werte wie Alphabet oder Amazon. Für einen erfahrenen Anleger ist allein die Summe, die ich investiert habe, absolut lächerlich, doch darum geht es an dieser Stelle nicht. Wichtiger sind die Gedanken, die hinter diesem Schritt stecken.

Aber zunächst mal so viel zu meinem bisherigen Umgang mit Geld: Während meiner Studienzeit habe ich nicht viele Gedanken an meine Finanzen verschwendet. Ich habe zwar lange Zeit ein Haushaltsbuch geführt und nebenbei gearbeitet, um mir auch in dieser Zeit ein kleines Polster anzusparen, aber Themen wie Zukunftsplanung, Altersvorsorge oder gar Geldanlage waren so weit entfernt wie die Erde von der Sonne.

Dieses längerfrstig orientierte Bewusstsein kam erst, als ich anfing, Vollzeit zu arbeiten – und das ausgerechnet in der Finanzbranche, genauer gesagt der Börsenwelt. Über meinen Bankberater schloss ich damals einen kleinen Fondssparplan ab, der der Bank  am Ende wahrscheinlich mehr einbringt als mir, aber es war ein erster, wichtiger Schritt, um mich überhaupt mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen.

Trotzdem war das Thema Börse für mich noch lange Zeit eine Blackbox, wie für viele andere Deutsche auch. Fun Fact: In Deutschland investieren gerade mal 7% der Bevölkerung in Aktien. In den USA oder Großbritannien sind es je über 20%. Einer der Gründe dafür liegt wahrscheinlich darin, dass viele Deutsche nicht verstehen, wie die Börse funktioniert. Das führt zu vielen Vorurteilen und smit dazu, dass viele sich einfach nicht trauen, in Aktien zu investieren.

Mit Aktien verspielt man sein ganzes Geld.“ „Beim nächsten Crash wirst du mittellos.“ Aktien werden häufig nicht als Mittel zur Wahrung und Vermehrung des Geldes gesehen, sondern als potenzielle Gefahr, um es unwiderruflich zu verlieren. Allein die Turbulenzen des Crashs von 2008 sind bei vielen Menschen noch äußerst präsent, selbst wenn sie damals nicht an der Börse aktiv waren.

Die Angst davor, alles zu verlieren, ist verdammt groß und lassen viele ihr Geld auf dem Konto Staub ansetzen.

Im Grunde sieht es aber so aus: Die Börse ist ein ewiges auf und ab. Ja, man wird zwangsläufig nicht immer nur Gewinne machen, aber langfristig gesehen, sind Aktien die beste Möglichkeit um ein Vermögen verhältnismäßig sicher aufzubauen.

Wichtig ist nur, dass man Ruhe bewahrt und den Blick nach vorne richtet, statt bei jedem Stolperstein das Handtuch zu werfen und nicht blind in jeden Hype einzusteigen, ohne ihn zu verstehen. Die beiden Werte, die ich gekauft habe, waren zwar günstig, aber sind auch sehr schwankungsanfällig. Das habe ich bewusst so gewählt, um zu sehen, wie ich damit zurechtkomme, wenn ich kurzfristig Verluste anstelle von Gewinnen einfahre.

Dass ich damit noch keine großen Sprünge mache, ist klar. Ich werde nicht in einem Monat Millionärin sein – auch nicht in einem Jahr. Diese beiden Aktien sind für mich das Lehrgeld, das ich bezahle, um mich in dieser Welt überhaupt erstmal zurecht zu finden und davon zu lernen. Wenn ich sicherer im Umgang mit Aktien bin, ist es durchaus wahrscheinlich, dass ich mehr Geld in die Hand nehme.

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich meine aktuelle finanzielle Freiheit nicht nur von meinem monatlichen Gehalt abhängig machen will.  Ich kann auch nicht automatisch davon ausgehen, dass mich mein 9-to-5-Job im Alter ausreichend versorgen wird. Ich muss mich zwangsläufig selber darum kümmern, denn wenn ich es nicht tue, dann tut das niemand.

Für viele Leser mag das Thema Geldanlage (noch) nicht besonders interessant sein. Es ist auch nichts, worüber ich hier normalerweise schreibe oder was ich mit meinen Freunden bespreche. Trotzdem finde ich es wichtig, dass man sich darüber Gedanken macht und sich vor allem informiert, statt auf irgendwelche Halbwahrheiten von Bekannten dritten Grades zu hören.

Geld ist kein Tabuthema, sondern ein essenzieller Bestandteil unseres Alltags und sollte auch als solcher behandelt werden. Wenn wir mehrere Tage mit der Planung eines Urlaubs auf Bali verbringen können, können wir uns auch ein paar Stunden freischaufeln, um unsere Finanzen in die Hand zu nehmen – Aktien hin oder her.

 

Wie füllt man einen Sonntag?

Sonntag

Ist der Sonntag nicht ein komischer Tag? Ja, er gehört zum Wochenende dazu, aber irgendwie hängt man mit seinen Gedanken meistens schon beim Montag. Das verpasst dem Wochenend-Gefühl einen ziemlich gemeinen Dämpfer. Dazu kommt dann noch die Tatsache, dass der Sonntag einen augenscheinlich zum Nichtstun verdammt: Die Geschäfte haben geschlossen. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren meistens auch nicht so ideal, wie unter der Woche (aber wo will man auch hin, wenn nichts auf hat?) und überhaupt ist der ganze Tag häufig von dieser merkwürdigen Aura umgeben:

Man macht kaum was und trotzdem ist der Sonntag schneller vorbei als man gucken kann. Das war’s dann schon wieder mit dem Wochenende.

Obwohl ich persönlich das Nichtstun ja gerne als Hobby bezeichne, kann selbst ich nicht nur den ganzen Tag abhängen und in die Röhre gucken. Im Idealfall versuche ich mit dem, was möglich ist, das Beste aus diesem Tag zu machen:

Zum Pflanzencenter fahren. Ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat, dass einige große Pflanzencenter Sonntags geöffnet haben, aber diese Person hat einen Orden verdient. Für mich ist das dort gefährlicher als bei IKEA. Ich liebe es, durch die großen Hallen zu spazieren und mir all die schönen Pflanzen anzusehen, neue Kräuter für meinen Fenstersims auszusuchen und mich danach zu Hause mit einem neuen Stück Natur zu umgeben. Für mich ist das zweifellos einer der Höhepunkte eines perfekten Sonntags.

Spazieren gehen. Wenn ich nicht mein Geld im Pflanzencenter auf dem Kopf haue, nutze ich die freien Stunden auch gerne, um an die frische Luft zu gehen (soll ja angeblich gesund sein, ne?). Selbst wenn es nur für eine halbe Stunde ist. Entweder nehme ich die Hunde mit ins Feld, wenn ich bei meinen Eltern bin, oder ich suche mir einen spannenden Podcast raus und mache einen Zug durch die Gemeinde. Vor allem, wenn sich innerhalb der Woche viele Gedanken angesammlt haben, ist das für mich eine gute Möglichkeit, um den Kopf wieder frei zu kriegen.

Kochen. Letztes Jahr habe ich mir einen Slow Cooker gegönnt. Dieses Ding ist der Wahnsinn und das Essen damit ein Gedicht! Mit einem Nachteil: Die Gerichte darin brauchen alle etwas länger – länger im Sinne von: 3-6 Stunden. Deshalb ist der Sonntag der perfekte Tag, um Gerichte zu kochen, für die ich unter der Woche keine Zeit habe. Dazu gehören gerade in der kalten Jahreszeit Eintöpfe und herzhafte Currys. Und das beste daran: Ich habe gleich für mehrere Tage vorgesorgt.

Schreiben. Mittlerweile habe ich eine mehr oder weniger erfolgreiche Routine entwickelt, was das Schreiben von kleinen Texten für diesen Blog angeht. Häufig setze ich mich Abends nach der Arbeit noch hin und schreibe, aber an sich ist der Sonntag der perfekte Tag dafür: Keine Verpflichtungen, keine Termine und viel Zeit, die gefüllt werden muss. Wenn ich in den Tagen davor Notizen mit Ideen gesammelt habe, können die nun endlich niedergeschrieben werden. Oder ich folge einer spontanen Eingebung, so wie heute.

Aufräumen/Ausmisten. Obwohl ich natürlich nichts gegen eine saubere, aufgeräumte Wohnung habe, tendiere ich sehr häufig dazu, sie mit als erstes zu vernachlässigen, wenn ich mich ein bisschen ausgebrannt fühle. Da muss irgendwann nachgeholt werden. Weil mir der Sonntag genug Zeit und Muße gibt, eignet er sich nicht nur perfekt zum Putzen, sondern vor allem auch dazu, endlich mal durch die Schränke und Regale zu wühlen und all das Zeug auszusortieren, das ich nicht mehr brauche. Clear space, clear mind.

Yoga/Sport. Im Januar habe ich die 30-Tage-Yoga-Challenge von Yoga mit Adriene gemacht. Sie gibt mir jedes Mal die Möglichkeit, positiv in das neue Jahr zu starten. Überhaupt ist Yoga für mich neben Pilates eine ieale Art der Bewegung  ohne lästiges Herumhüpfen und an einem schönen Sonntagvormittag kann ich mir dafür auch ordentlich Zeit nehmen. Da werden es statt den üblichen 30-40 Minuten gerne 60 und mehr.

Museen/Kultur. Ich bin ja schon ein kleiner Museumsfutzi. Vor allem, wenn es um Kunstmuseen geht und wenn die Besichtigung einer Burg oder eines Schlosses ansteht, bin ich direkt in der ersten Reihe. Und wann macht man sowas schon, wenn nicht an einem Sonntag?

Während ich diese kleine Liste geschrieben habe, ist mir eine Sache über diesen Wochentag bewusst geworden: Wenn uns der Sonntag eines gibt, dann ist es Zeit. In einem meiner letzten Beiträge habe ich über die Wichtigkeit von Zeit gesprochen und wie oft wir sie vertrödeln. Gerade der Sonntag wird zumindest bei mir allzu oft verschwendet, gerade weil er mir so viel Zeit gibt.

Die Aktivitäten, die ich aufgelistet habe, sind weiß Gott nichts neues. Ich hatte nicht vor, das Rad der Sonntags-Aktivitäten neu zu erfinden, doch manchmal hilft es schon, sich die ganz einfachen Dinge ins Leben zu rufen, die man machen kann, bevor man sich schon wieder einen ganzen Tag der vermeintlichen Langeweile hingibt. Denn mal ehrlich: selbst wenn man nur 2 oder sogar 3 von diesen Dingen schafft, ist der Tag doch gar nicht mal so übel, oder?

Anfang des Jahres konnte ich mich mit dem Sonntag ja noch nicht besonders anfreunden. Aber ich glaube, ich bin damit auf dem Weg Besserung – auch ohne Jahresvorsätze.

Die wertvollste Ressource der Welt

Zeit

Das Thema Geld ist überall – egal, ob man es hat oder nicht. Oft sind wir damit knauserig. Ich kann mich beispielsweise noch gut an mein Studium erinnern, als ich sämtliche Ausgaben und Einnahmen aufgeschrieben habe, um den Überblick über mein Geld zu behalten. Und nicht selten habe ich überlegt, ob ich mir das Kino oder den Restaurantbesuch wirklich leisten kann.

Geld ist also nicht nur überall, sondern es ist auch noch extrem wichtig. Ohne Geld haben wir kein Dach über dem Kopf und können uns nichts zu Essen leisten. Kein Urlaub, keine neue Kleidung, nix. Trotzdem gibt es für mich noch etwas, das in den letzten Monaten viel, viel wichtiger geworden ist: Zeit. Denn während wir Geld durch Arbeit und Sparen vermehren können, wird die Zeit, die wir auf dieser Erde haben immer weniger.  Wir wissen noch nichtmal, wie viel wir am Ende überhaupt von ihr haben. Trotzdem gehen wir mit ihr um, als wäre sie grenzenloses Gut.

All die Stunden, die wir mit dem Binge-Watching irgendwelcher Serien verbringen oder damit, uns vor den Sachen zu drücken, die wir eigentlich machen sollten… all das ist wertvolle Zeit, die nahezu ungenutzt verstreicht und nicht wieder zurückkommt. Ich selbst bin oft recht wahllos, wenn es darum geht, wie ich mir meine Tage einteile. Dann nehme ich mir zwar oft Dinge vor, die ich tun will, aber am Ende versacke doch vor dem Fernseher oder in einem der zahlreichen Wurmlöcher auf Youtube. Am Ende des Tages habe ich nichts gemacht, außer mich berieseln zu lassen.

Wertvolles Potenzial wird einfach verschenkt

Ich glaube nicht, dass man seinen Tag mit sämtlichen Kunstgriffen aus der Effizienz-Trickkiste feintunen muss, nur damit am Ende auch wirklich jede Minute sinnvoll genutzt sind. Mir persönlich sind solche Pausen, in denen ich nichts tue, auch mehr als willkommen. Wenn ich den ganzen Tag über meiner Arbeit gebrütet habe, will halt einfach nichts mehr machen, das mich mental anstrengt. Nur nehmen diese „kleinen Pausen“ schnell Überhand. Statt zu schreiben oder etwas anderes kreatives zu machen, gebe ich mich dann komplett dem Konsum hin.

In diese Falle bin ich besonders gerne während des Studiums getappt, als ich noch mehr Zeit hatte. Nur ist es mir damals nie wirklich aufgefallen. Jetzt, mit einem Vollzeitjob, ist mir erst bewusst geworden, wie wenig freie Zeit mir eigentlich zur Verfügung steht, um mir die Träume und Ziele zu erfüllen, die ich abseits meines Jobs habe. Muss ich während meines Feierabends wirklich 3 Folgen einer Serie schauen? Oder reicht es auch, wenn ich mal nur eine Folge gucke?

Wir tauschen langfristiges Glück gegen kurzfristiges Vergnügen

Es ist natürlich immer die einfachere Wahl, den Konsum zu wählen und sich stundenlang einfach nur berieseln zu lassen, statt aktiv zu werden. Doch fühlen wir uns danach wirklich besser? Ich muss zugeben, dass ich es manchmal schon bereue, wenn ich Sonntagabends ins Bett gehe mit dem Wissen, dass ich nichts geschafft habe, außer eine ganze Staffel Gilmore Girls zu gucken – was sicher auch irgendwo beeindruckend ist. Aber war das wirklich die ganze Zeit wert, die ich dafür hergegeben habe?

Wäre es schlimm gewesen, wenn ich zumindest 2 Stunden freigeschaufelt hätte, um spazieren zu gehen oder wenigstens etwas zu lesen? Gerade nach einem langen Tag auf der Arbeit fällt es mir sehr leicht, mich direkt in meinen Pyjama zu schmeißen und den Rest des Abends an mir vorbeiziehen zu lassen. Auch diese Blogposts, die mir eigentlich Spaß machen und mir dabei helfen, das Chaos in meinem Kopf zu ordnen, erfordern eine gewisse Anstrengung und Mühe.

Es war ja schon Arbeit, den Fernseher nach einer Folge Suits abzustellen, um diesen Beitrag hier zu schreiben.

Schlussendlich sieht es jedoch so aus: Jeder Mensch auf diesem Planeten hat 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Der einzige Unterschied zwischen den Menschen, die Erfolg (welcher Art auch immer) und Erfüllung verspüren und dem Rest, der sich zwar das gleiche wünscht, aber nichts dafür tut, ist die Art wie er diese 24 Stunden nutzt.

Der erste Schritt in die richtige Richtung besteht darin, wirklich zu erkennen, wie man seine Zeit verbringt. Worin investieren wir besonders viel Zeit? Macht uns das langfristig glücklich? Und was würden wir gerne mehr in unser Leben integrieren? Allein indem wir damit anfangen, über diese Fragen nachzudenken und uns ernsthaft mit ihnen auseinander zu setzen, fördern wir einen bewussteren Umgang mit der wichtigsten Ressource der Welt.

Der (un)konventionelle Lebensweg

konventionell

Wenn man die Deutschen danach fragt, was der ideale Karriereverlauf ist, dann antworten die meisten vermutlich mit dieser Reihenfolge:

  1. Schule
  2. Studium oder Ausbildung
  3. Jobeinstieg in dem Bereich, in dem man ausgebildet wurde
  4. In der ersten Firma so lange wie möglich bleiben – im besten Fall bis zur Rente

Dieser Weg ist zweifellos der einfachste und komfortabelste. Doch meiner Meinung nach muss er nicht zwangsläufig auch der beste sein. Gerade heutzutage, wo auch junge Leute sich vermehrt mit dem Thema Selbstständigkeit beschäftigen oder nach anderen Alternativen zur Einkommensbeschaffung suchen, ist der konventionelle Weg nicht nur unattraktiver, sondern auch weniger praktikabel geworden.

Abgesehen davon wird immer mehr Menschen bewusst, wie schnelllebig unser Leben und damit auch unsere Karrieren verlaufen können. Man muss nicht bis zur Rente in ein und derselben Firma bleiben und nur weil man etwas studiert hat, heißt das noch lange nicht, dass man in diesem Feld später tatsächlich arbeiten wird. Der Fokus wird dadurch zunehmend auf das Sammeln von unterschiedlichen Erfahrungen gelegt und darauf, seinem Leben einen Sinn zu geben, der aus mehr besteht, als einfach nur Geld für den nächsten Urlaub zu verdienen. Frei nach dem Motto:

Selbstverwirklichung statt Sicherheit/Beständigkeit

Obwohl ich bisher viel Glück hatte, was meine Karriere angeht, würde ich nicht sagen, dass ich bisher eine Standard-Karriere gemacht habe (wenn es so was überhaupt noch gibt). Nach dem Abitur habe ich mich gegen ein Studium oder eine Ausbildung in einem „krisensicheren Feld“ entschieden. Stattdessen habe ich Asienwissenschaften studiert. Auf die bange Frage von Angehörigen und Bekannten hin, was man damit macht, habe ich immer gesagt, dass ich z.B. als Auslandsreferentin oder Übersetzerin arbeiten könne, was durchaus stimmt, aber je weiter ich in meinem Studium kam, desto mehr wurde mir bewusst, dass das langfristig nicht mein Weg ist.

Das Studium war für mich eine nützliche und wichtige Station, die mein Leben und meine weiteren Entscheidungen zwar beeinflusst aber nicht zu 100% festgelegt hat. Dabei dachte ich in der Schule immer, dass das Studium mein komplettes restliches Leben bestimmen würde. Das ist absoluter Bullshit.

Das Leben ist kein ebener, asphaltierter Weg, der immer nur gerade aus geht. Es gibt unterschiedliche Terrains und Abzweigungen, die man nehmen kann. Schon die nächste Kurve kann vollkommen neue Möglichkeiten offenbaren. Die Erkenntnis, dass ich vom vorgezeichneten Weg abweichen kann, war für mich nicht beängstigend. Ich habe sie als Chance gesehen, mich zu öffnen. Ich musste nicht zwangsläufig das machen, was ich gelernt habe.

Der direkte Weg ist überbewertet

So machte ich im Studium einen Abstecher in die Start-Up-Welt und wurde ein Teil von mymuesli. Die Arbeit dort hat mir unheimlich Spaß gemacht und ich habe viel gelernt, aber auch das war nur eine Station. Jetzt arbeite ich seit über einen Jahr im Bereich Produktmanagement und Marketing eines Verlags – ein Job, der mich ungemein erfüllt. Trotzdem kann ich nicht mit Sicherheit sagen, dass ich ihn bis an das Ende meines beruflichen Lebens ausüben werde.

Ich bin also bisher von den Geisteswissenschaften über Biomüsli bis zum Marketing gekommen. Geradlinig sieht eindeutig anders aus. Dass mein Leben so verlaufen würde, hätte ich vor knapp 8 Jahren, als ich mein Abitur gemacht habe, niemals erwartet. Und doch bin ich froh darüber, dass es so gekommen ist, denn so konnte ich in relativ kurzer Zeit viele wertvolle Erfahrungen sammeln – Umwege nicht ausgeschlossen.

Das Leben ist zu kurz für Stagnation und das Verharren in der Komfortzone.

Deshalb finde ich es so bewundernswert, wenn junge Leute, einige sogar jünger als ich, den Schritt in die Selbstständigkeit wagen oder sich anderweitig etwas eigenes aufbauen. Natürlich wissen sie nicht, ob sie erfolgreich sein werden oder wann sie davon leben werden können. Aber sie erweitern kontinuierlich ihre Grenzen und folgen ihrer Leidenschaft – auch wenn das am Anfang oftmals härtere Arbeit und weniger Lohn bedeutet.

Selbst wenn es am Ende nicht funktioniert und sie sich wieder umorientieren müssen, kann mir keiner sagen, dass die Erfahrung selbst nicht lehrreich war. Ich will damit nicht sagen, dass wir jetzt alle unsere Jobs oder das Studium hinschmeißen und ein Unternehmen gründen sollen (für mich wäre das sowieso nichts), aber ich glaube, dass wir alle etwas mehr Mut vertragen können, wenn es um unser Berufsleben geht.

Denn wir brauchen Mut, wenn wir unseren bisherigen Pfad verlassen wollen oder sogar müssen. Wir brauchen Mut, um…

  • etwas eigenes zu starten.
  • einen Neuanfang zu wagen.
  •  unserer Leidenschaft zu folgen.
  • Umwege zu gehen.
  • Auszeiten zu nehmen.

Ich bin für unkonventionelle Lebensläufe und Menschen, die sich etwas trauen. Wir sollten alle unsere Komfortzonen öfter mal verlassen, denn man weiß nie, was für Abenteuer einen erwarten, wenn man den ausgetretenen Pfad verlässt und einfach mal querfeldein weiter geht.