Fakten: Das A und O einer guten Geschichte?

Art

Als Kind habe ich gerne Geschichten geschrieben. Damals habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, ob etwas realistisch oder sinnvoll ist. Ich bin einfach meiner Fantasie gefolgt. Die Ergebnisse waren oft so seltsam wie faszinierend. Dieser unbefangene Umgang mit meiner Fantasie ist im Laufe der Jahre immer stärker zurückgegangen. Stattdessen habe ich einen größeren Wert auf Fakten gelegt.

Im Zuge dessen habe ich mehr Gehirnschmalz in meine Geschichten gesteckt. Für eine bestimmte Story sammelte ich sämtliche Informationen über Jack the Ripper, Folterinstrumente und das viktorianische London, die ich finden konnte. Für eine andere zeichnete ich eine Karte von Manhattan mit den wichtigsten Merkmale aller Viertel und überlegte wie ich sie sinnvoll in die Geschichte einweben konnte. Teilweise suchte ich mir dafür sogar die Strecken der öffentlichen Verkehrsmittel raus, um zu sehen, wie lang die Wege zwischen einzelnen Punkten waren.

Recherche > Schreiben?

Am Ende war es ein bisschen wie beim Sims-Spielen: Ich habe mehr Zeit damit verbracht, das Haus zu bauen, als tatsächlich mit den Sims zu spielen. Es hat zum einen länger gedauert, aber es hat teilweise auch fast schon mehr Spaß gemacht. Und mal ehrlich: wer liest nicht gerne stundenlang Artikel über „Spanische Stiefel“, „die Judaswiege“ und co.?

Nur ich? Auch gut…

Der Sinn dieser ganzen Recherche war eigentlich nur eines: Ich wollte meine Geschichten so authentisch wie möglich schreiben. Dass dabei vieles trotzdem reines Fantasiegespinst war, steht außer Frage. Denn es ist nun mal so: ich habe nie im viktorianischen London gelebt, geschweige denn irgendein Folterinstrument selbst ausprobiert und als ich meine andere Geschichte schrieb, hatte ich noch nie einen Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt. „Authentisch“ bezieht sich also auf den Rahmen meiner stark beschränkten Möglichkeiten und Kenntnisse.

Irgendwann habe ich mal gehört, dass man nur das schreiben soll, was man selbst kennt. Auf der einen Seite macht es durchaus Sinn: wie soll ich über das Leben in Indien schreiben, wenn ich noch nie da gewesen bin und gar nicht weiß, wie die Leute dort leben? Dabei ist es auf der anderen das Schöne an der Kunst, egal in welcher Form, dass man die Realität nehmen und sie nach den eigenen Vorstellungen formen kann. Man kann ihr den Anstrich verleihen, den man gerade benötigt und so seine eigene Version dieser Realität erschaffen.

Denn noch wichtiger als die Fakten ist für mich die Atmosphäre – das Gefühl, das eine Geschichte bei einem hinterlässt. Deshalb glaube ich zwar an eine gründliche Recherche, aber nur, um die Atmosphäre zu unterstützen, die ich kreieren will und ihr einen passenden Rahmen zu geben. Es ist meine Art, um neues zu entdecken und so meinen Horizont zu erweitern.

Nobody’s perfect – nobody’s the same

Ich würde es mir nie nehmen lassen, über ein Thema zu schreiben, das mich interessiert, nur weil ich es selber nicht erlebt habe. Was ich schreibe, mag dann nicht zu 100% den Tatsachen entsprechen, aber was heißt das schon? Was ist schon richtig oder falsch, wenn jeder die Welt anders wahrnimmt? Und muss immer alles streng realistisch sein?

Wenn ja, dann würde es wahrscheinlich mehr als die Hälfte aller Filme und Bücher, die wir so sehr lieben, nicht geben. Und das wäre einfach nur traurig. Ich für meinen Teil möchte mir die Freude am Schreiben nicht durch irgendwelche Dogmen dieser Art nehmen lassen. Dafür ist mir das bisschen Kreativität zu kostbar, das ich in mir trage und das muss auch genutzt werden. Selbst wenn das bedeutet, dass ich trotz aller Sorgfalt Fehler machte.

 

Ein ominöses Dokument…

Schreiben

Im Dezember saß ich in einemmehrtägigen Seminar. Es ging um das Thema Werbetexten und so verbrachten wir einige Stunden mit Zusammenbauen unterschiedlicher Textpassagen und dem Spielen mit  Wörtern. Das ganze wurde immer wieder von Theorie-Vorträgen unterbrochen.

In einem dieser Vorträge traf es mich absolut unerwartet. Es war, als wäre ein Blitz direkt neben mir eingeschlagen und der plötzliche Schock hätte mich an etwas wichtiges erinnert. Fast so, wie wenn man mitten in der Nacht mit einem Mal kerzengerade im Bett sitzt, weil einem eingefallen ist, dass man vergessen hat Klopapier zu kaufen.

Das hier war jedoch mehr eine fixe Idee, obwohl es sich gleichzeitig so anfühlte, als hätte sie schon länger unter der Oberfläche geschwelt. Als hätte sie darauf gewartet, auszubrechen. Ich glaube, es lag daran, dass es an dem Morgen geschneit hatte…

Ein neues Symbol auf meinem Desktop

Was ich in Stichworten im Seminar schnell hingekritzelt hatte, schrieb ich so rasch wie möglich aus. Es war nicht viel – nur etwas weniger als eine Seite – aber es fühlte sich trotzdem wichtig an. Es war eine Szene und ich wusste, dass sie der Einstieg zu einem Roman werden würde. Das Dokument nannte ich dann ganz belanglos „Idee Story“ und legte es auf meinem Desktop ab. In den nächsten Monaten wanderte mein Blick jedes Mal, wenn ich meinen Computer startete, automatisch zu diesem Icon. „Idee Story“. Doch ich wusste noch nicht, was ich damit anfangen sollte.

Ich hatte zwar in dem Moment, als ich diese Seite geschrieben habe, eine grobe Richtung im Kopf, aber es war nicht genug, um damit weiter zu arbeiten. Es war zu vage, zu einfach. Viele der großen Schriftsteller glauben an die „harte Arbeit“. Das ist es, was Schreiben die meiste Zeit ist. Die romantische Vorstellung, die wir so häufig damit verbinden, entspricht in den seltensten Fällen der Wahrheit. Dieser beinahe meditative Schreibfluss kommt nicht von selbst. Gute Ideen sind in den seltensten Fällen spontane Eingebungen, sondern das Ergebnis stundenlangen Grübelns. Stunden, in denen man manchmal nicht mehr als eine halbe Seite schafft und 90% ist Mist.

Ich war damals noch nicht bereit, diese Arbeit zu investieren. Ich musste die Idee erst „marinieren“ lassen und sie in meinem Kopf weiter spinnen. Ab einem gewissen Punkt fing ich an, mir Notizen über die beiden Protagonisten und den weiteren Verlauf zu machen. Das meiste davon ist jetzt überflüssig. Es war zu konstruiert. Ein zwanghafter Versuch um voran zu kommen und das Ruder mit Gewalt herum zu reißen.

Ready when I’m not…

Erst Ende letzten Monats wurde diese Idee, die ich im Dezember hatte, konkreter. Konkret genug, dass ich mir den Spaß machte, das Dokument wieder zu öffnen und ein Stückchen weiter zu schreiben. Am nächsten Tag noch ein Stückchen. Und ein paar Tage darauf noch ein Stückchen. Ohne den Anspruch auf Perfektion oder Vollständigkeit. Ohne viel darüber nachzudenken.

Ich bin weiß Gott noch nicht weit, aber so langsam fühlt es sich so an, als würde das Ganze irgendwo hin führen. Fragt mich nur nicht wohin.  Es ist meine persönliche Herkules-Aufgabe, die ich für mich und in meinem eigenen Tempo lösen muss. Der gordische Knoten, der mir lange genug den Magen zusammengeschürt hat und den ich nun zerteilen muss.

Ich weiß schon, wie es ausgehen wird. Egal, wie oft ich Namen, Szenen oder Orte ändern muss bis es passt. Die Vision für das Ende wird in meinem Kopf immer klarer. Aber das ist nicht das Ziel. Ich will mir selbst beweisen, dass ich bereit bin, auch wenn ich mich noch nicht so fühle. Ich muss nur weiter machen – jeden Tag ein bisschen mehr.

Die Ängste eines Anfängers

Blatt

Jedes Mal, wenn ich diese weiße Seite sehe, habe ich Angst. Ich habe Angst davor, dass mir nichts einfällt. Angst davor, dass das, was mir einfällt, nicht gut genug ist. Dabei ist das, was ich hier schreibe eigentlich nur für mich gedacht. Ich muss es niemandem zeigen. Ich muss es ja nichtmal selbst lesen, wenn ich es nicht will.

Trotzdem ist der Anspruch hoch. Am besten muss alles sofort perfekt sein. Dabei weiß ich ganz genau, dass Perfektion ein Luftschloss ist, dem man sich zwar annähern kann, das man aber nie wirklich erreicht. Erst recht nicht, wenn man gar nicht erst anfängt zu laufen.

Obwohl ich ein langsamer Leser bin, lese ich gerne und so viel, wi bei meinem Tempo irgendwie möglich. Ich habe Bücher gelesen, die mir nicht gefallen haben, Bücher, die ich gut fand, aber die trotzdem schnell wieder in Vergessenheit geraten sind und Bücher, die nachhaltig in mein Gedächtnis gebrannt haben.

Ich habe sie aufgesogen. Die Emotionen, die Ästhetik, die Worte – jede einzelne Seite. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, selbst zu schreiben, will ich, dass meine Texte bei anderen genau diese Wirkung hervorruft. Ich will eine Geschichte schreiben, die einen wach hält, wenn man eigentlich schon längst schlafen sollte. Dieser Moment, wenn man das Licht eigentlich schon ausgemacht hat, es dann aber doch wieder einschaltet, um „nur noch ein paar Seiten“ zu lesen.

Die eigenen Ansprüche sind die höchsten Mauern

Doch dafür muss ich zunächst meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden, die im Moment höher sind als die von allen anderen. Die Perfektion, die ich aus dem Stand zu erreichen versuche, ist dabei unerreichbar. Erst recht nicht, wenn ich noch am Anfang meines Weges stehe. Am liebsten würde ich mit Anlauf auf die Pforte meines Luftschlosses zustürmen und das Schloss gewaltsam aufbrechen.

Ich wäre gerne das „Wunderkind“ gewesen, das mit Anfang 20 ein Erstlingswerk veröffentlicht, das von Kritikern wie Lesern gleichermaßen geliebt wird. Es wäre mein Weg gewesen, um etwas besonderes zu sein. Mein Ziel war hohe Literatur für die Massen, doch die Zweifel waren bisher immer stärker als der Wille.

Bis heute fehlten mir stets der Mut, die Ideen und das Handwerk, das ich nur erlange, wenn ich mich hinsetze und mich meiner Angst stelle. Auch wenn mir diese Worte gerade leicht von der Hand gehen, weil ich einfach nur das schreibe, was mir gerade durch den Kopf geht, ist es nicht das, was ich eigentlich schreiben will. Das „Blatt“ füllt sich, aber für mich bleibt es dennoch leer.

Imitation oder Originalität?

Einer meiner größten Albträume liegt wohl darin, dass die Geschichten, die ich hoffentlich später schreiben werde, lediglich als minderwertige Kopien der Werke wahrgenommen werden, die ich bewundere. Mir ist bewusst, dass ich das Rad nicht neu erfinden kann und dass im Grunde alles, was ich mir überlegen könnte, wahrscheinlich schon durch die Hände eines anderen seinen Weg in die Realität gefunden hat.

Mein Problem liegt eher, dass ich automatisch versuche, den Stil der Bücher zu imitieren, die ich liebe, weil ich mich an ihnen messe. Liegt es daran, dass ich meiner eigenen Stimme nicht vertraue? Daran, dass ich nicht glaube, mit meiner eigenen Art etwas von Bedeutung schaffen zu können? Oder daran, dass ich so verzweifelt versuche, die Gefühle zu reproduzieren, die diese Bücher in mir ausgelöst haben?

All das sind wahrscheinlich Fragen, die sich jeder Schreiberling an irgendeinem Punkt seiner Reise in der einen oder anderen Form stellt. Zweifeln ist normal. Es gehört zum Prozess dazu. Mittlerweile habe ich einen ersten Versuch gestartet, um etwas eigenes zu erschaffen. Ich weiß noch nicht, wohin es führt, aber es ist ein notwendiger, wenn auch einschüchternder Schritt, den ich machen muss.

Ich werde aus diesem Nichts, dieser leeren Seite, etwas formen. Selbst wenn ich am Ende noch nicht zufrieden sein werde. Meine Zweifel sollen nicht länger die Fesseln sein, die mich von den Dingen abhalten, die ich tun muss, um glücklich zu sein.

Bin ich ein Blogger?

Blogger

Ich erinnere mich noch an die Zeit – vor mittlerweile vielen, vielen Jahren – als es diese ganze Social-Media- und Influencer-Welt noch nicht gab. Und damit meine ich nicht die Zeit, als das ganze gerade irgendwie anfing, sondern als dieses Feld noch nicht existent war. Meinen ersten Blog habe ich vor über 10 Jahren geschrieben. Er war, wie dieser hier, sehr persönlich geprägt. Dabei ging es mir nicht darum, bekannt zu werden oder damit Geld zu verdienen. Ich habe es gemacht, weil es mir Spaß gemacht hat. Genau so ging es mit dem Youtube-Channel, den ich mehrere Jahre lang hatte.

Überhaupt haben die Leute, die in dieser Zeit damit angefangen haben, es eigentlich nur gemacht, weil es um den Spaß ging. Im Laufe der Jahre ist daraus die Industrie geworden, die wir heute nur zu gut kennen. Und ich frage mich, wie die Leute, die damals mit mir aus Spaß angefangen haben, es geschafft haben, daraus einen Beruf zu machen, ohne die Freude daran zu verlieren.

Für manche war es wahrscheinlich das Beste, was ihnen passieren konnte – mit ihrem Hobby Geld verdienen. Bei anderen wiederum hat das Aufkommen von Algorithmen, Rankings und Analytics dieses kleine Flämmchen, das in ihnen für dieses Hobby brannte, zum erlöschen gebracht. Alles wurde viel systematischer und ich bewundere die Leute, die damit ihren Alltag bestreiten können. Oft steckt weitaus mehr Arbeit dahinter, als unsereiner ahnt. Wir sehen schließlich nur die Highlights.

Einfach nicht meine Welt

Nur habe ich für mich schnell gemerkt, dass diese Welt in der Form nichts für mich ist. Ich bin ein schlechter Instagrammer und obwohl ich immer irgendwie und irgendwo gebloggt habe (Xanga anyone??), habe ich nie Maßnahmen ergriffen, um das Ganze wirklich zu professionalisieren. Ich hatte nie einen genauen Zeitplan dafür, wann ich etwas hochlade und auch Bilder haben für mich immer eher eine Nebenrolle gespielt. Dabei kann man ihnen in der Bloggerwelt anscheinend gar nicht genug Aufmerksamkeit schenken.

Mir ging es immer nur darum, zu schreiben und zu teilen, was in mir vorgeht. Deshalb konnte ich auch nie dauerhaft einem Zeitplan folgen: ich kann nur dann etwas schreiben, wenn mir auch danach ist. Ich will mir nichts aus dem Ärmel schütteln, nur um irgendwas zu haben, das am Ende für mich keine Bedeutung hat. Ja, ich kümmere mich immer darum, dass am Anfang eines jeden Beitrags ein einigermaßen ansehnliches Bild ist, aber auch nur weil ich sonst selber finde, dass es beschissen und lieblos aussieht. Außerdem kann ein passendes Bild den Einstieg in einen Text ungemein erleichtern.

Am wichtigsten war mir aber immer, einfach das zu sagen, was ich sagen wollte. Unabhängig davon, ob das Thema gerade hip ist, oder ob es mich persönlich gerade besonders beschäftigt. Ich unterstelle jetzt nicht sämtlichen Bloggern, dass sie unpersönliche Maschinen sind, aber es ist nunmal so, dass es für einige ein Beruf ist und ein Beruf erfordert Disziplin und das heißt auch, dass man hin und wieder Dinge tun muss, die einem nicht gefallen, die aber dem großen Ganzen helfen.

Es gibt auch viele Blogger oder Social-Media-Persönlichkeiten, die ich sehr gerne verfolge,weil sie mich inspirieren, aber am Ende habe ich mich dieser Welt nie zugehörig gefühlt. Obwohl das hier ein Blog ist, sehe ich mich halt nicht als Blogger. Deshalb hatte ich auch solche Probleme, als ich meine Facebook-Seite gemacht habe und aussuchen musste, „was ich bin“. Am Ende habe ich mich zwar für „Blogger/in“ entschieden, aber nur, weil ich dort im Grunde zwischen Pest und Cholera wählen durfte.

Ich tippe, also bin ich?

Schlussendlich kann man wie beim Yoga argumentieren: Wenn man Yoga macht, egal wie oft und wie intensiv, dann ist man ein Yogi. Wenn man einen Blog schreibt, egal wie (un)regelmäßig und (un)professionell, dann ist man ein Blogger. Nur sehe ich mich da trotzdem nicht. Ich fühle mich aber auch nicht als Schriftstellerin. Als Autorin vielleicht? Gibt es da überhaupt einen Unterschied?

Vielleicht bin ich, so kitschig das auch klingen mag, ganz einfach nur eine Schülerin des Lebens. Ich mache ständig neue Erfahrungen, lerne aus ihnen und gebe das ganze weiter. Aber um ehrlich zu sein, fühle ich mich am wohlsten, wenn ich in gar keiner Schublade stecke. Denn nur dann kann ich wirklich machen, was ich will und wann ich will – und das tue ich gerade.

Durchgewischt und abgestaubt

Putzen

Es gibt Hausarbeiten, die eigentlich niemand leidenschaftlich gerne macht. Dazu gehören Bügeln, Abspülen und Fenster putzen. Es ist ja im Grunde auch eine ziemliche Sysiphos-Arbeit, denn der positive Effekt dieser Arbeiten ist nur temporär. Spätestens nach ein paar Tagen sehen die Fenster wieder so aus, als hätte man sie 6 Monate nicht geputzt und das sorgsam gebügelte Hemd übersteht nicht mal einen Tag ohne wieder auszusehen wie Hulle.

Ich kenne einige Leute, die so unangenehme Aufgaben deshalb outsourcen. Ein Mal in der Woche kommt die Putzfrau und die Hemden werden in die Reinigung gebracht. So spart man für ein wenig Geld viel Arbeit und kann sich trotzdem an einer sauberen Umgebung erfreuen. Ein absolut lohnenswerter Deal.

Ich persönlich bin noch nicht auf diesen Zug aufgesprungen. Zum einen weil es keinen Sinn macht bei unter 50m² überhaupt jemanden zu engagieren und zum Anderen, weil mir der Gedanke, dass fremde Leute in meinen Sachen herumschnüffeln könnten, überhaupt nicht gefällt. Da schwinge ich lieber selber den Wischmopp. Nur geschieht das zumindest in letzter Zeit leider viel zu selten.

Immer diese Angewohnheiten

Besonders in den vergangenen Monaten habe ich die schlechte Angewohnheit entwickelt, meine Wohnung so lange ungeputzt zu lassen, bis mir die Staubmäuse regelrecht ins Gesicht springen, wenn ich die Tür öffne. Der Grund dafür ist natürlich pure Faulheit. Ich liebe Ausmisten und in alten Sachen herumwühlen, aber Putzen ist überhaupt nicht mein Ding, obwohl ich das Gefühl danach liebe. Es ist also ein bisschen wie mit Sport: Der Weg dorthin ist schwierig, aber am Ende ist man froh, wenn man es gemacht hat.

Heute habe ich es aber endlich wieder geschafft! Ich habe die Böden gewischt und die Regale abgestaubt. Ich habe das Bad geputzt und die Küche auf Vordermann gebracht. Und wie immer sitze ich nun in dieser frisch duftenden, blitzeblanken Oase der Ruhe und frage mich, wie ich es die letzten Tage in meinem eigenen Dreck nur ausgehalten habe.

Die Antwort ist einfach: Ignorieren. Wir Menschen haben die faszinierende Eigenschaft, Unangenehmes über sehr lange Zeiträume auszublenden und herunterzuspielen. Bis der Punkt erreicht ist, an dem man es nicht mehr ignorieren kann, vergeht unter Umständen eine Menge Zeit. In diesem speziellen Fall kann es sich bei mir sogar um Wochen handeln.

Den Kopf einfach mal ausschalten

Ich weiß, schön ist anders, aber meistens ist die Vorstellung, sich direkt nach der Arbeit auf die Couch zu verziehen, halt viel verlockender, als Staub zu wischen. Und der innere Schweinehund ist oft einfach zu stark. Heute habe ich es auch nur geschafft, aktiv zu werden, weil ich nicht nachgedacht habe.

Ich habe einfach angefangen, meine Sachen aus dem Weg zu räumen und den Boden frei zu machen. Ich habe mir nicht vorgestellt, wie anstrengend es ist, das Bad zu schrubben und wie viel schöner es stattdessen wäre, mein neues Videospiel zu zocken. Jede Bewegung war wie automatisiert und ehe ich mich versah, war ich schon mittendrin, ohne wirklich bewusst die Entscheidung getroffen haben „Jetzt putze ich meine Wohnung.“.

In unseren Köpfen ist die meiste Zeit viel zu viel los und nicht alles, was sich dort abspielt, bringt uns weiter. Gedanken wie aus dem obrigen Beispiel lähmen uns eher als dass sie uns nutzen, weil den bequemen Weg mit dem anstrengenden Weg vergleichen. Wie dann die Entscheidung ausfällt, ist eigentlich klar. Das mit dem Putzen ist ein sehr banales, aber äußerst alltägliches Beispiel.

Doch wenn diese Bequemlichkeit schon bei derart kleinen Dingen dazu führt, dass man wochenlang in seinem eigenen Dreck sitzt ohne etwas daran zu ändern, welche Auswirkungen hat sie erst, wenn wir mit wirklich wichtigen Entscheidungen konfrontiert werden? Wenn wir stundenlang pro und kontra abwiegen, bis wir uns am Ende nur noch im Kreis drehen und uns dafür entscheiden, nichts zu tun, weil das am einfachsten ist.

Wie das Leben so spielt

Ehrlich gesagt, hätte ich nicht gedacht, dass dieser Text diese fast schon tiefsinnige Wendung nehmen würde. Eigentlich sollte das hier nur zeigen, dass es ganz schön ist, ab und an mal den Hintern hoch zu kriegen, doch der Kopf macht halt doch, was er will. Solange das, wie hier, bedeutet, dass man zu einer Erkenntnis kommt, die einem etwas bringt, die einem dabei hilft zu verstehen, kann man den Kopf auch einfach mal machen lassen.

Gefährlich wird es erst, wenn uns das davon abhält, unser Potenzial zu entfalten, weil ein anderer Weg aus der Sicht unseres Verstandes einfacher oder bequemer ist. Und während ich das hier schreibe, merke ich erst wieder, was für einen weiten Weg ich in dieser Hinsicht noch zu gehen habe.

Was für ein Start ins Wochenende!

Rastlosigkeit – ein Mini-Pseudo-Podcast

Rastlosigkeit

In einem Anflug jugendlichen Leichtsinns habe ich den folgenden Beitrag nicht nur geschrieben, sondern auch als Audio-Datei aufgenommen. Höre ihn dir hier an und/oder lese ihn weiter unten wie gewohnt. Viel Spaß damit!

In letzter Zeit plagt mich eine unglaubliche Rastlosigkeit. Es gibt einfach zu viele Dinge, die ich tun will.

Ich will diesem Blog mehr Zeit widmen. Ich will wieder eine Geschichte, vielleicht sogar ein ganzes Buch schreiben. Ich will meine Fremdsprachenkenntnisse wieder auffrischen. Ich will lernen, wie man eine Mütze strickt. Und so weiter und so fort. Ich will, ich will, ich will.

Lauter große und kleine Projekte, reihen sich in meinem Kopf aneinander. Sie buhlen um meine Aufmerksamkeit und darum, dass ich endlich meinem Schweinehund in den Hintern trete. Es überfordert mich. Es ist einfach zu viel.

Also, mache ich nichts.

Und mit jedem Tag, der ungenutzt verstreicht, fühle ich mich nutzloser. Ich ärgere mich darüber, dass ich mich nicht aufraffen kann und das, was ich an Potenzial habe, jämmerlich verkümmern lasse. So viel machen zu wollen und doch davor zurück zu schrecken, ist auf Dauer anstrengend.

Ich habe mal gehört, dass es helfen soll, wenn man sich immer ein Projekt herauspickt und daran arbeitet. Multi-Tasking soll ja ohnehin nur ein Mythos sein. Eine Aufgabe nach der nächsten anzugehen, wirkt weniger kolossal und unlösbar, als diesen ganzen Berg einfach nur vor sich zu sehen – und zu verzweifeln.

Die Welt da draußen ist voll von Leuten, die anscheinend alles auf einmal machen, besonders im kreativen Bereich. Man ist nicht nur Blogger, sondern auch noch Podcaster, Lifecoach und macht nebenbei eine Ausbildung zum Ernährungsberater. Es ist verrückt. Vor allem, wenn man selbst auch gerne so ein Multitalent wäre, es aber nicht mal schafft, eine Sache anzugehen.

So verbringe ich mittlerweile einen nicht gerade kleinen Teil meiner freien Zeit damit, mich mit unwichtigen Tätigkeiten und Netflix zu beschäftigen.Wobei, eigentlich kann ich es auch ganz direkt sagen. Wir sind ja unter uns: Ich prokrastiniere vom feinsten, schaue mir ganz viele Videos zu den Themen Produktivität und Arbeitsmoral an. Astreine Selbsttäuschung!

Nur wirklich genießen kann ich es nicht, so wie in der Uni damals. Dort hatte ich Deadlines. Irgendwann musste ich mich auf den Hosenboden setzen und lernen. Ich habe die Zeit des herrlichen Nichtstuns so lange genossen, bis ich wusste, dass es langsam Zeit wurde, etwas zu tun. Dann wurde gearbeitet und es hat funktioniert. Jetzt setze ich mir meine Ziele selber und schiebe sie immer weiter auf. Das macht mich unruhig.

Schon vor mindestens 3 Jahren wollte ich im November beim Projekt NaNoWriMo teilnehmen, in der Hoffnung, dass es mich meinem ersten Buch näher bringt. Hat es natürlich nicht, weil ich nicht teilgenommen habe. Mir hat die zündende Idee gefehlt. Jetzt bin ich 26 und habe immer noch nichts in der Richtung geschafft. Vielleicht dieses Jahr?

Ich will nicht irgendwann den Löffel abgeben und mich über all die großen und kleinen Dinge ärgern, die ich nicht gemacht habe, weil ich überfordert war. Oder weil ich mich nicht getraut habe.

Ich werde nicht mehr mit Anfang 20 neben der Uni einen Bestseller veröffentlichen. Der Zug ist schon lange abgefahren, aber es ist definitiv noch nicht  zu spät, um was im Leben zu reißen. Und während es wahrscheinlich unmöglich ist, alles, was man sich irgendwie irgendwann mal vornimmt, auch zu schaffen, so gibt es doch ein paar Dinge, die auf jeden Fall machbar sind.

Und solange ich das Projekt, das mir am meisten am Herzen liegt, nicht zumindest begonnen habe, wird diese Rastlosigkeit auch nicht verschwinden.

Von welchem Projekt ich rede?

Das Buch.

Fuck the essence.

titel

Der Titel ist der entscheidende Teil eines jeden Projektes. Es ist egal, ob es eine Hausarbeit für die Uni, ein Film oder ein Bild ist; ohne einen guten Titel geht nichts. Kurz und prägnant sollte er im besten Fall sein. Immerhin erregt er die Aufmerksamkeit der Menschen. Immerhin klingt „Breakfast at Tiffany’s“ um einiges schöner an, als „mittelmäßiger Schriftsteller verliebt sich in bindungsunfähiges Party-Girl“. Und wer hätte sich schon „Männer in bunten Anzügen bekämpfen das Böse in liebevoll gestalteter CGI-Landschaft“ angesehen, wenn er sich doch „Guardians of the Galaxy“ oder „The Dark Knight“ ansehen kann?

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