Die Angst vor der Unvergänglichkeit

 

TattooAls ich 14 oder 15 war, habe ich mir ein Labret-piercing stechen lassen. Damals war ich am Beginn meiner „unangepassten Phase“ und fand es nicht nur todschick, sondern dachte auch noch einen Schritt weiter: Was, wenn ich das Ding irgendwann nicht mehr will? Dann kann ich es einfach rausnehmen und keinen stört es. So habe ich selbst in dieser pseudo-rebellischen Zeit an die Zukunft gedacht. Wenn das mal kein feuchtes Schulterklopfen wert ist, dann weiß ich auch nicht. Vor ca. anderthalb Jahren war die Zeit meines Piercings dann gezählt – der Job rief.

Manchmal vermisse ich es schon ein wenig, weil es jahrelang ein Teil von mir war, aber das soll jetzt nicht das Thema dieses Beitrags sein. Stattdessen soll es um Tattoos gehen – denn im Gegensatz zu den meisten Piercings sind die wirklich für die Ewigkeit gedacht.

Tattoos haben mich seit meiner Jugend gereizt, doch ich hatte immer Angst vor der Bindung. Was, wenn mir das Motiv später nicht mehr gefällt? Oder die Stelle? Und wer will schon eine Sonne auf den Arm tätowiert bekommen, die im Alter eher wie eine Trockenpflaume aussieht? Ich hatte zahlreiche Ideen, die ich mir gerne hätte stechen lassen, doch neben dem Schmerz und dem Preis hielt mich vor allem die Angst vor der Unvergänglichkeit zurück.

Jeder, der sich in den 90ern ein Arschgeweih hat stechen lassen, läuft immer noch damit rum. Außer er hat ein Cover-Up machen lassen, was ein neues Tattoo bedeutet oder er hat in eine Laserentfernung investiert, was nicht nur scheißeteuer ist, sondern auch scheißewehtut.

Und dann machte es „Klick!“

Meine Einstellung, gefangen zwischen Skepsis und Faszination änderte sich beinahe schlagartig im Herbst letzten Jahres. Damals ließ ich mir einen Teil der Himalaya-Bergkette auf die Innenseite meines rechten Oberarms tätowieren. Es war mehr oder weniger eine spontane Aktion, die Entscheidung schnell getroffen und der Termin nur wenige Wochen später. Es war einer dieser Momente, in denen man einfach weiß: „Jetzt oder nie.“ Ich entschied mich für das „Jetzt“ und bereue es bisher kein Stück. Vielmehr frage ich mich, warum ich so lange gezögert habe.

Ich kann auch nicht sagen, was genau ausschlaggebend für den Sinneswandel war. Ich vermute aber, dass es vor allem daran lag, dass ich mich in der Zeit dafür entschieden hatte, wieder mehr ich selbst zu sein und meiner Intuition zu folgen. Und ich wollte mich nicht mehr jahrelang mit diesem elenden „Was wäre wenn…?“ beschäftigen? Nicht immer nur denken und alle Ideen monate- oder jahrelang durchkauen, sondern manchmal einfach machen.

Dabei ist das mit dem Durchkauen eine meiner Spezialitäten. Große und auf den ersten Blick wichtig erscheinende Entscheidungen münden bei mir jedes Mal in ellenlange Diskussion mit mir selbst, in denen das für und wider so lange gegeneinander abgewogen wird, bis ich mich gar nicht entscheide und alles im Sande verlaufen lasse. So ging es mir auch lange  mit dem Tattoo. Ich dachte lange Zeit, ein Tattoo muss bedeutungsschwer und symbolisch sein – immerhin wird es für immer auf der Haut bleiben.

Ganz entspannt bleiben

Mittlerweile sehe ich das etwas entspannter, was wohl überhaupt erst zu diesem ersten Tattoo geführt hat. Auch wenn ich mir ein Motiv später nicht mehr so stechen lassen würde, ist es trotzdem stellvertretend für eine gewisse Phase in meinem Leben – ganz egal, ob es im Moment des Stechens eine tiefsinnige Bedeutung hat, oder nicht. Es ist eine Erinnerung, aber auch Selbstdarstellung und –verschönerung. Es macht meinen Körper noch einzigartiger und bringt mich näher zu mir selbst.

Letztes Wochenende folgte dann das zweite Tattoo: Ein Lavendelstrauch am linken Unterarm. Beinahe bedeutungslos und absolut spontan, denn die Entscheidung dazu habe ich erst am Abend davor gefällt.  Es ist, als wäre meine Hemmschwelle wie eine bröcklige Mauer in sich zusammengefallen. Im Kopf sind beide Arme schon voller Tattoos und von der anfänglichen Angst ist keine Spur mehr.

Vielmehr freue ich darauf, wenn ich in vielen Jahrzehnten alt und runzelig bin und mir mit anderen tätowierten Verrückten das Altenheim teile. Dann zeigen wir uns gegenseitig unsere Trockenpflaumen- und aprikosen und lachen darüber. Über uns, die Tattoos und manchmal auch darüber, wie dumm wir waren, as wir sie uns haben machen lassen. Weil das Leben nicht perfekt ist und wir sind es auch nicht.

Trotzdem sind wir die meiste Zeit irgendwie glücklich damit.

Ich weiß nicht, ob meine Tattoos mir in ein paar Jahren noch gefallen werden, doch ich weiß, dass ich bisher die Dinge, die ich nicht getan habe, immer mehr bereut habe, als die Dinge, die ich getan habe und dass ich im Moment sehr zufrieden mit ihnen bin.

Was sollte ich sonst noch wollen?

 

Das größte Kompliment

PartyGestern war wieder ausrasten angesagt. In meinem Fall bedeutet das: Tanzen bis in die frühen Morgenstunden ohne mich darum zu kümmern, was andere Leute davon halten könnten. Ich hatte vor ein paar Monaten schon mal darüber geschrieben, dass es mir nicht liegt, einfach nur mit dem Drink in der Hand rumzustehen und ein bisschen mit dem Arsch zu wackeln, weil es „sexy“ aussieht.

Genau so wenig liegt es mir, zu Musik zu tanzen, die mir nicht gefällt. Wenn ich in einer größeren Gruppe unterwegs bin, wechsle ich dann auch schon mal einfach den Floor – unabhängig davon, ob jemand mitkommt oder nicht. Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik! Dementsprechend unbeschwert und ausgelassen habe ich den Abend, bzw. die Nacht, verbracht. Und ehrlich gesagt: Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß beim tanzen wie gestern.

Mein persönliches Highlight ereignete sich aber erst, als die Party für mich eigentlich schon vorbei war: Ich hatte mich gerade am Ausgang angestellt, um meine Zeche zu zahlen, als ein Kerl auf mich zukam. Normalerweise bin ich solchen Momenten eher stutzig bis misstrauisch, weil in der Regel nichts vernünftiges rauskommt, doch ich wurde eines besseren belehrt.

Er legte mir die Hand auf die Schulter und sagte mir wie toll er es fand, dass ich einfach mein Ding durchgezogen habe. Er fand es gut, dass ich: „alleine gekommen bin und alleine wieder gehe“ und trotzdem so viel Spaß hatte. Dass ich mich nicht von irgendwem abschleppen lassen musste, um eine geile Zeit zu haben. Ich musste ihn erstmal dahingehend korrigieren, dass ich nicht alleine gewesen bin, aber irgendwo hatte er schon Recht: selbst wenn ich mit anderen unterwegs bin, feiere ich meistens doch eher für mich.

Diese kurze Unterhaltung, dieses Kompliment, war das größte, was man mir seit langem gemacht hat. Natürlich ist es nett, wenn jemand einem sagt, dass man schöne Augen hat oder gut aussieht, aber meistens gebe ich da trotzdem nicht besonders viel drauf, weil es mir einfach nicht wichtig ist. Selbst an Abenden wie diesen, wo selbst ich mich zumindest ein wenig aufbretzle, denn ich mache das ja nicht, damit die Männerwelt mir Honig ums Maul schmiert, sondern weil ich gerade Lust darauf habe.

Er hat mich auch nicht auf eine Art bewundert, die suggeriert hätte, dass er irgendeine Gegenleistung  verlangt. Er wollte mich nicht anbaggern. Nur ein paar nette, spontane Worte von einem Mensch zum anderen. Es waren die pure Ehrlichkeit und die Tatsache, dass er mir zu meiner Persönlichkeit und meiner Art ein Kompliment gemacht hat, die mich in dem Moment berührt haben. Und das in dem Moment, in dem ich am wenigsten damit gerechnet habe.

Ich habe mich bei ihm bedankt und ihm noch einen wunderbaren restlichen Abend gewünscht. Das Grinsen auf meinem Gesicht während des Heimwegs hätte nicht größer sein können. Das sind die Augenblicke, die für mich beim Feiern größer und besser sind, als am Ende mit irgendeinem Typen in der Kiste zu landen, den ich danach sowieso nie wieder sehen will. Diese flüchtigen, zwischenmenschlichen Momente, die mir zeigen: Ich bin vielleicht ein bisschen bekloppt mit einem Hang zur Schrulligkeit, aber das ist auch gut so. Alles andere wäre einfach nur langweilig.

Das Leben ist zu kurz, um es nach den Vorstellungen anderer zu leben, in der Hoffnung, dass sie einen dafür loben. Viel lieber lebe ich es auf meine Art. Ich will dafür keine „Komplimente“, aber wenn ich sie bekomme und sie so ehrlich und real sind, dann sind sie mir 100 mal so viel wert wie irgendeine halbgare Floskel.

Ein Angriff auf das Gewohnheitstier

London

Spontaneität ist nicht gerade eine meiner Stärken. Ich bin sehr verwurzelt in meinen Routinen und fühle mich dort sehr wohl. Vieles, was diesen gewohnten Rahmen sprengt, erfordert meist stundenlanges Überlegen. Dabei wiege ich pro und kontra meist derart umfangreich ab, dass sich die Entscheidung wieder erledigt hat, weil es einfach zu spät ist.

Diesem Dilemma begegne ich im Alltag relativ häufig. Egal, ob es darum geht, in einer Sitzung auf der Arbeit etwas vor allen Anwesenden zu sagen, oder darum, anstelle von Spaghetti-Eis was anderes zu probieren. Um hier ja keinen zu spannenden Cliffhanger zu erzeugen: meistens bleibe ich bei meinen Mustern. Das heißt, ich sage in der Sitzung natürlich nichts und was anderes als Spaghetti-Eis kommt mir nicht auf den Tisch. Denn mal ehrlich: Was ist bitteschön besser als der gefrorene Kern aus Sahne?

Eine Entscheidung gegen die Gewohnheit

Doch auch als erprobtes Gewohnheitstierchen habe ich mir in letzter Zeit vermehrt die folgende Frage gestellt: Was ist eigentlich das Schlimmste, was mir passieren kann, wenn ich mal etwas anders mache? Und vor allem spontan anders mache?

Die Antwort darauf war so beruhigend wie erüchternd. Denn meistens sieht es doch so aus: Ich werde davon weder sterben, noch sonst irgendwem Schaden zufügen. Ich gebe mir selbst nur die Chance etwas zu erleben, das potenziell besser sein kann als mein normales Leben – aber auch schlechter. Mehr ist es nicht. Und trotzde fällt es mir so schwer, einfach mal dem Impuls des Moments zu folgen…

Um aus dieser Gewohnheitskiste auszubrechen, habe ich deshalb etwas ganz verrücktes getan („verrückt“ ist übrigens ein sehr dehnbarer Begriff, wie man an meinen Standards sieht): Ich habe ein Wochenende in London gebucht. Ganz für mich allein. Und ich habe nur 2 Tage gebraucht, um diese Entscheidung zu treffen! Das hat doch einen feuchten Schulterklopfer verdient, oder?

Damit habe ich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen, um mich mit sanftem Druck aus meiner Komfortzone zu schieben. Denn die Sache ist die: London ist natürlich keine billige Stadt, aber im Moment kann ich es mir leisten. Also, wozu der falsche Geiz? Erlebnisse sind schließlich die beste Form der Geldanlage (sorry, Aktien).  Nun aber zu den Gewohnheiten, denen ich mit dieser Aktion ein Schnippchen schlagen will:

1. Ich verbringe mein Wochenende mal komplett anders als sonst. Obwohl London mir sehr vertraut ist, habe ich dort natürlich ganz andere Möglichkeiten. Statt zu Hause oder bei meinen Eltern einfach nur herumzuhängen, werde ich unterwegs sein und Ecken der Stadt erkunden, die ich noch nicht gesehen habe und mich mit neuen Eindrücken umgeben.

2. Ich werde alleine sein. Damit habe ich an sich kein Problem, doch es gibt immer noch Dinge, die ich nicht gerne alleine mache, allen voran auswärts essen. Dabei ist es eigentlich nichts wofür man sich schämen muss. Dieses Wochenende wird für mich also eine gute Probe sein, mich noch wohler in meiner eigenen Gesellschaft zu fühlen und mich davon nicht einschränken zu lassen. Und auch so werde ich alles alleine regeln müssen. Das ist in einer Stadt, die man schon kennt, vielleicht nicht die größte Herausforderung, aber doch zumindest eine gute Übung.

3. Ich folge meinem Bauchgefühl. Meist ist es doch so,  dass wir unsere Tage sehr ähnlich verbringen. Wir nehmen uns zwar ständig besondere Ausflüge vor, machen aber nur die wenigsten davon, weil wir es uns selbst wieder ausreden. Doch gerade, wenn diese Impulse spontan aufkommen, sind sie ein Zeichen dafür, dass uns etwas gerade besonders gut tun würde oder uns schlicht fehlt. In meinem Fall heißt das, zumindest für 2 Tage den Alltag zu verlassen und mir Zeit für mich zu nehmen, die ich nicht mit Netflix & Co. verbringe.

Der Moment, als ich die Flugtickets gebucht habe, war für mich unerwartet aufregend. Einfach, weil ich normalerweise nicht als der Mensch bekannt ist, der spontan irgendwo hin fliegt oder etwas ungewöhnliches macht. Doch das muss nicht bedeuten, dass ich mich dieser Rolle immer fügen muss. Ich will mehr reisen und mehr Erfahrungen sammeln, auch wenn das heißt, dass ich meine geliebten Gewohnheiten zeitweilig hinter mir lassen muss.

Jägerin des verlorenen Mojo

mojo

Das vergangene Osterwochende habe ich endlich mit dem verbracht, was ich schon längst hätte machen sollen: Ich habe meine Wohnung aufgeräumt und entrümpelt. Das bedeutete einen Gang zur Altkleidersammlung, eine Tour zum Wertstoffhof und weitere Fahrten zu diversen Baumärkten, Gartencentern und natürlich IKEA (an einem Ostersamstag reiner Selbstmord!).

Vor allem nach diesem Samstag hatte ich seit langem endlich wieder das Gefühl wirklich etwas geschafft zu haben. Endlich habe ich ein paar Dinge entsorgt, die ich absolut nicht mehr gebraucht habe. Ich habe mir nach Jahren Vorhänge geholt, die mein Schlafzimmer ausreichend abdunkeln, damit es nicht schon um halb 7 morgens taghell ist. Auf einmal hatte ich wieder Stauraum, von dem ich vorher gar nicht wusste, dass ich ihn überhaupt besitze.

Dieser Tag hat mir dabei geholfen, mein Leben wieder ein bisschen auf die Kette zu kriegen. Besonders nachdem ich mich die Wochen davor so unruhig und ein wenig verloren gefühlt hatte. Es ist meiner Meinung nach wirklich keine Übertreibung, wenn davon gesprochen wird, dass unsere Wohnzustände in Teilen unsere Seele und unseren Gemütszustand widerspiegeln. Mein Kopf war in der letzten Zeit so voll gestopft mit Müll, genau wie meine kleine Butze. Da konnte ja nichts vernünftiges bei rumkommen.

Auf dem Weg zurück zum „königlichen Groove“

Das bedeutet natürlich nicht, dass damit auf einen Schlag all meine Probleme und Fragen aus der Welt geschafft sind, aber es hat mir dabei geholfen, ein paar Dinge klarer zu sehen und meine Prioritäten neu zu setzen. Will ich Dinge nur um mich haben, nur um des Habens willen oder weil ich sie schätze und genieße? Je länger ich mit dieser Aktion gewartet hätte, desto mehr hätte sich angesammelt und meine Wohnung und meine Gedanken verstopft.

Jetzt fühle ich mich aber endlich wieder so, als wäre ich auf dem besten Weg, um mein „Mojo“, mein Glück, nicht nur zu finden, sondern wieder selbst in die Hand zu nehmen. Denn wie gesagt, nur weil ich meine Wohnung aufgeräumt habe, regelt das nicht automatisch mein ganzes Leben.


Dinge, die ich tun will, um mein Mojo wieder zu beleben:

  1. Weniger Zeit vertrödeln – Ich neige vor allem nach der Arbeit sehr stark dazu, mich durch irgendwelche Videos auf Youtube zu klicken, oder mich in den Weiten von Pinterest zu verlaufen. Die Zeit, die dafür drauf geht, kann ich viel sinnvoller nutzen.
  2. Weniger Süß essen – Die letzten Wochen war mein Konsum an Süßigkeiten relativ gering gewesen. Das hat sich in den letzten Tagen dramatisch geändert und sich in meiner Haut und dem kleinen Bauchtäschchen widergespiegelt, das ich gerne mit hoch geschnittenen Hosen verdecke. Das darf kein Dauerzustand werden!
  3. Bewegung, Bewegung, Bewegung – Während ich in den USA war, ist der Sport eindeutig zu kurz gekommen. Vor allem Yoga hilft mir sehr um meine körperliche und mentale Ausgeglichenheit aufrecht zu erhalten.
  4. Weniger einfache Kohlenhydrate – Ich liebe Nudeln, aber leider merke ich es auch, wenn ich sie mehrere Tage hintereinander esse. Deshalb heißt die Devise nun leider: weniger Nudeln, mehr Gemüse.
  5. Meinen Balkon aufhübschen – Meine Wohnung ist jetzt frühlingsbereit (inkl. geputzter Fenster!). Jetzt muss ich nur noch dafür sorgen, dass es mein Balkon bald nachzieht. Ich habe also endlich einen ernsthaften Grund, um ins Gartencenter zu fahren – Hurra!!
  6. Mehr Wasser trinken – Eine ganze Zeit lang habe ich es ganz gut geschafft, auf mein tägliches Soll an Flüssigkeit zu kommen, doch in der letzten Zeit ist es mir sehr schwer gefallen.Deshalb werde ich wieder damit anfangen, meine Flüssgkeitszufuhr zu tracken.

All die Sachen, die ich hier aufgelistet habe, sind an sich ziemlich simpel und leicht in meinen Alltag zu integrieren, aber oft sind es diese vermeintlich einfachen Dinge, die wir aufschieben oder vergessen – vor allem, wenn wir dafür doch unseren Schweinehund überwinden müssen, wohl wissend, dass es eigentlich gut für uns ist.

Neben den hier erwähnten Vorhaben, gibt es natürlich weitere, größere Projekte, die ich machen möchte, aber gerade um die zu schaffen, glaube ich, dass es für mich persönlich umso wichtiger ist, auf diese 6 Dinge besonders zu achten. Ich möchte nicht nach 2 Monaten fest stellen, dass ich mich kaum bewegt habe, mir dafür aber jeden Abend einen fetten Teller Pasta reingezogen habe (überspitzt ausgedrückt) und mich dann schlecht fühlen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Jägerin des verlorenen Mojo nimmt ihr Leben jetzt wieder selbst in die Hand!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein kleines Lebenszeichen

Unruhe

Genau 3 Wochen sind seit meinem letzten Beitrag vergangen und eines kann ich direkt vorweg sagen: Es ist echt viel passiert. Ich war in New York City und Orlando, Florida (Berichte dazu werden nach und nach folgen). Ich bin 27 geworden und auch im Job kündigen sich in den nächsten Monaten einige willkommene Veränderungen an. Ich habe eine neue Obsession entdeckt und gemerkt, dass ich ein bisschen Vitamin D doch besser gebrauchen kann, als ich kleine Schneekönigin sonst immer wahrhaben wollte.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Entwicklungen, die sich gerade durch mein Leben ziehen, sehr positiv sind. Mein Geburtstag ist zwar in der Regel ein Tag, den ich am liebsten überspringen würde, um nicht ans Älterwerden erinnert zu werden, aber ich habe, wenn man das große Ganze betrachtet, gerade in den letzten Wochen viel erlebt, was mich glücklich macht.

Dazu hat mit Sicherheit auch die kleine Auszeit in den USA beigetragen. Ich konnte viele neue Eindrücke mitnehmen, Sonne tanken und zumindest für ein paar Tage aus dem Alltag ausbrechen. Als ich am vorletzten Sonntag wieder nach Hause kam, war ich hochmotiviert. Ich habe direkt am Montag dem Friseur einen Besuch abgestattet und meine formlosen Zotteln abschneiden lassen. Jetzt bin ich wieder stolze Bob-Trägerin.

Alles neu macht der M…März?

Am liebsten hätte ich sofort meiner Wohnung den bitter nötigen Frühjahrputz verpasst, den Balkon aufgemöbelt und mein ganzes Hab und Gut ausgemistet. Bei mir stehen alle Zeichen auf einen fast schon euphorischen Neustart – aber irgendwas fühlt sich verkehrt an.

Ich habe schon seit einer Woche versucht, herauszufinden, was es ist. Natürlich ohne Erfolg. Mein Zeitmanagement ist die letzten Tage katastrophal gewesen. Meist bin ich über eine Stunde später ins Bett gekommen, als ich eigentlich wollte – wie auch immer ich das geschafft habe. Wenn ich dann erstmal im Bett lag, wollte mein Kopf einfach nicht abschalten. Ständig unterbrach ein neuer aufkommender Gedanke die so dringend herbeigesehnte Stille und wenn mir dann doch endlich die Augen zufielen, war der Schlaf unruhig und die Träume so merkwürdig (bis verstörend), wie sie lebhaft waren.

Man kann das ganze auf den Jet-Lag nach einer fast 24-Stunden langen Reise zurückführen und wahrscheinlich war dieser Umstand auch nicht unschuldig an dieser inneren Unruhe, die nur sehr zögerlich von mir ablässt. Ehrlich gesagt, glaube ich aber, dass das nicht alles ist.

Ein reißender Strom in meinem Bauch

Aus irgendeinem Grund bin ich aufgeregt und habe Hummeln im Hintern. Es ist aber nicht wie die Vorfreude auf eine Reise, wo man sonst an nichts anderes mehr denken kann oder will, sondern vielmehr eine unterschwellige, aber konstante Anspannung. Es fällt mir sehr schwer, mich zu konzentrieren – einer der Gründe, warum ich mich so spät erst wieder melde. Es ist, als würde mein Körper die ganze Zeit darauf warten, dass etwas passiert. Ich weiß nur nicht, was das sein soll.

Vielleicht wird es langsam Zeit, dass endlich Frühling wird. Wahrscheinlich wird sich diese Unruhe auch so still und heimlich wieder verabschieden, wie sie gekommen ist. Trotzdem wüsste ich gerne, warum sie überhaupt über mich gekommen ist. Ich werde das kommende lange Wochenende jedenfalls dafür nutzen und einen Teil der angestauten Energie abbauen, indem ich meiner Wohnung endlich eine Grundreinigung verpasse. Dabei werde ich mich auch gleich auf die Suche nach meinem verschollenen Zen machen.

Ich werde dann auch versuchen, meine ersten Eindrücke aus den USA zusammenzufassen. Schließlich will ich euch dazu nichts vorenthalten. Ich weiß noch nicht, wie das genau aussehen wird. Nur folgendes kann ich jetzt schon verraten: Dem MET werde ich einen eigenen Beitrag widmen!

Wo bleibt der Frühling?

Frühling

Als ich am Freitagabend aus dem Fenster geschaut habe, waren sämtliche Hintergärten in eine leichte, weiße Schneedecke gehüllt. Ich hatte mal nicht gemerkt, dass es angefangen hatte zu schneien.  Alles war ganz und gar friedlich. Man konnte hören, wie der Schnee still und heimlich herabrieselte. Wäre es nicht schon so spät gewesen (und ich nicht so faul) hätte ich mir gatt nochmal Schuhe und Mantel angezogen und wäre spazieren gegangen. Am nächsten Tag musste ich das zweite Mal in diesem Winter den Schnee von meinem Auto schieben.

Es war einer der wenigen Momente in dieser Saison, dass der Winter sich in dieser Region wirklich wie Winter angefühlt hat. Zumindest so, wie ich ihn mir immer in meiner kleinen, idealen Welt vorstelle: kalt, sonnig und voller Schnee. Die ganzen Tage davor war es einfach nur klirrend kalt und windig gewesen. Wirkliche Stimmung konnte da nicht aufkommen. Doch in der letzten Zeit schlichen sich ganz zarte Veränderungen in das Wetter ein. Trotz der Kälte und trotz des Schnees. Es war die Art, wie das Licht manchmal fiel und wie die Luft sich anfühlte und auf einmal spürte ich es ganz genau:

Der Frühling kommt.

Besonders an den Tagen, an denen keine Wolke am Himmel zu sehen ist. Die Sonne scheint und die Luft ist herrlich klar. Morgens hört man wieder die Vögel zwitschern und wenn ich um 18 Uhr herum das Büro verlasse, ist es noch nicht dunkel. Alles deutet darauf hin, dass der Winter sich allmählich seiner wohlverdienten Pause nähert.

Und ich muss an dieser Stelle ehrlich sein: Obwohl ich ihn eigentlich ganz gerne mag, freue ich mich gerade richtig auf den Frühling. Jedes Jahr, wenn man schon regelrecht zittrig vor Vitamin-D-Mangel wird, überkommt mich eine kleine Welle der Euphorie, sobald diese Übergangszeit beginnt. Zuerst lässt man die Handschuhe oder die Mütze weg. Dann darf der Schal zu Hause bleiben. Irgendwann wird auch die Jacke leichter.

Man hat wieder mehr Elan, um auch Abends noch etwas zu unternehmen und verkriecht sich nicht gleich im Pyjama auf das Sofa. Ich persönlich, fange ja auch schon wieder damit an, meinen Balkon mental neu zu bepflanzen. Mit jedem Tag fühlt es sich so an, als würde eine neue Sache dazukommen, auf die ich mich freuen kann. Das Leben wird wieder ein wenig leichter.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich finde, der Winter hat uns jetzt lange genug mit seiner Anwesenheit beehrt. So langsam wird es Zeit für einen Stimmungswechsel.

Den werde ich am Mittwoch gebührend einleiten, wenn ich zuerst nach New York fliege, wo es wahrscheinlich ebenfalls erstmal knackekalt sein wird. Aber dann geht es für ein paar Tage in das sonnige Orlando. Sonnenschutzmittel und Disney World lassen grüßen. In dieser Zeit werde ich, wenn überhaupt, kaum Zeit zum Schreiben haben.

Habt also Geduld mit mir. Spätestens wenn ich wieder zurück bin, werde ich mit Sicherheit viele interessante Geschichten zu erzählen haben.

 

Wie füllt man einen Sonntag?

Sonntag

Ist der Sonntag nicht ein komischer Tag? Ja, er gehört zum Wochenende dazu, aber irgendwie hängt man mit seinen Gedanken meistens schon beim Montag. Das verpasst dem Wochenend-Gefühl einen ziemlich gemeinen Dämpfer. Dazu kommt dann noch die Tatsache, dass der Sonntag einen augenscheinlich zum Nichtstun verdammt: Die Geschäfte haben geschlossen. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren meistens auch nicht so ideal, wie unter der Woche (aber wo will man auch hin, wenn nichts auf hat?) und überhaupt ist der ganze Tag häufig von dieser merkwürdigen Aura umgeben:

Man macht kaum was und trotzdem ist der Sonntag schneller vorbei als man gucken kann. Das war’s dann schon wieder mit dem Wochenende.

Obwohl ich persönlich das Nichtstun ja gerne als Hobby bezeichne, kann selbst ich nicht nur den ganzen Tag abhängen und in die Röhre gucken. Im Idealfall versuche ich mit dem, was möglich ist, das Beste aus diesem Tag zu machen:

Zum Pflanzencenter fahren. Ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat, dass einige große Pflanzencenter Sonntags geöffnet haben, aber diese Person hat einen Orden verdient. Für mich ist das dort gefährlicher als bei IKEA. Ich liebe es, durch die großen Hallen zu spazieren und mir all die schönen Pflanzen anzusehen, neue Kräuter für meinen Fenstersims auszusuchen und mich danach zu Hause mit einem neuen Stück Natur zu umgeben. Für mich ist das zweifellos einer der Höhepunkte eines perfekten Sonntags.

Spazieren gehen. Wenn ich nicht mein Geld im Pflanzencenter auf dem Kopf haue, nutze ich die freien Stunden auch gerne, um an die frische Luft zu gehen (soll ja angeblich gesund sein, ne?). Selbst wenn es nur für eine halbe Stunde ist. Entweder nehme ich die Hunde mit ins Feld, wenn ich bei meinen Eltern bin, oder ich suche mir einen spannenden Podcast raus und mache einen Zug durch die Gemeinde. Vor allem, wenn sich innerhalb der Woche viele Gedanken angesammlt haben, ist das für mich eine gute Möglichkeit, um den Kopf wieder frei zu kriegen.

Kochen. Letztes Jahr habe ich mir einen Slow Cooker gegönnt. Dieses Ding ist der Wahnsinn und das Essen damit ein Gedicht! Mit einem Nachteil: Die Gerichte darin brauchen alle etwas länger – länger im Sinne von: 3-6 Stunden. Deshalb ist der Sonntag der perfekte Tag, um Gerichte zu kochen, für die ich unter der Woche keine Zeit habe. Dazu gehören gerade in der kalten Jahreszeit Eintöpfe und herzhafte Currys. Und das beste daran: Ich habe gleich für mehrere Tage vorgesorgt.

Schreiben. Mittlerweile habe ich eine mehr oder weniger erfolgreiche Routine entwickelt, was das Schreiben von kleinen Texten für diesen Blog angeht. Häufig setze ich mich Abends nach der Arbeit noch hin und schreibe, aber an sich ist der Sonntag der perfekte Tag dafür: Keine Verpflichtungen, keine Termine und viel Zeit, die gefüllt werden muss. Wenn ich in den Tagen davor Notizen mit Ideen gesammelt habe, können die nun endlich niedergeschrieben werden. Oder ich folge einer spontanen Eingebung, so wie heute.

Aufräumen/Ausmisten. Obwohl ich natürlich nichts gegen eine saubere, aufgeräumte Wohnung habe, tendiere ich sehr häufig dazu, sie mit als erstes zu vernachlässigen, wenn ich mich ein bisschen ausgebrannt fühle. Da muss irgendwann nachgeholt werden. Weil mir der Sonntag genug Zeit und Muße gibt, eignet er sich nicht nur perfekt zum Putzen, sondern vor allem auch dazu, endlich mal durch die Schränke und Regale zu wühlen und all das Zeug auszusortieren, das ich nicht mehr brauche. Clear space, clear mind.

Yoga/Sport. Im Januar habe ich die 30-Tage-Yoga-Challenge von Yoga mit Adriene gemacht. Sie gibt mir jedes Mal die Möglichkeit, positiv in das neue Jahr zu starten. Überhaupt ist Yoga für mich neben Pilates eine ieale Art der Bewegung  ohne lästiges Herumhüpfen und an einem schönen Sonntagvormittag kann ich mir dafür auch ordentlich Zeit nehmen. Da werden es statt den üblichen 30-40 Minuten gerne 60 und mehr.

Museen/Kultur. Ich bin ja schon ein kleiner Museumsfutzi. Vor allem, wenn es um Kunstmuseen geht und wenn die Besichtigung einer Burg oder eines Schlosses ansteht, bin ich direkt in der ersten Reihe. Und wann macht man sowas schon, wenn nicht an einem Sonntag?

Während ich diese kleine Liste geschrieben habe, ist mir eine Sache über diesen Wochentag bewusst geworden: Wenn uns der Sonntag eines gibt, dann ist es Zeit. In einem meiner letzten Beiträge habe ich über die Wichtigkeit von Zeit gesprochen und wie oft wir sie vertrödeln. Gerade der Sonntag wird zumindest bei mir allzu oft verschwendet, gerade weil er mir so viel Zeit gibt.

Die Aktivitäten, die ich aufgelistet habe, sind weiß Gott nichts neues. Ich hatte nicht vor, das Rad der Sonntags-Aktivitäten neu zu erfinden, doch manchmal hilft es schon, sich die ganz einfachen Dinge ins Leben zu rufen, die man machen kann, bevor man sich schon wieder einen ganzen Tag der vermeintlichen Langeweile hingibt. Denn mal ehrlich: selbst wenn man nur 2 oder sogar 3 von diesen Dingen schafft, ist der Tag doch gar nicht mal so übel, oder?

Anfang des Jahres konnte ich mich mit dem Sonntag ja noch nicht besonders anfreunden. Aber ich glaube, ich bin damit auf dem Weg Besserung – auch ohne Jahresvorsätze.

Die stolze Brillenschlange

Brille

Es war einmal ein kleines Mädchen. Das bekam in der vierten Klasse gesagt, dass es dringend eine Brille braucht. Also bekam es eine rote Brille mit ovalen Gläsern – und merkte dabei erst wie blind es doch gewesen war. Die Brille konnte es allerdings nie wirklich leiden – also tauschte es das Gestell bald gegen Kontaktlinsen. Die trug es viele, viele Jahre bis es irgendwann eine schlimme Hornhautentzündung bekam. Und auf einmal war es vorbei mit der grenzenlosen Sicht.

Die Brille – eine Strafe meiner Gene

Das ist, kurz gefasst, meine Geschichte bis zum Jahr 2014, geschildert aus der Perspektive meiner Augen. Ich bin schon früh zur Brillenschlange geworden. Wie gerne würde ich es darauf zurückführen, dass das daher kommt, dass ich als Kind so viel gelesen habe und ach so gebildet war, aber ich fürchte, dass es reine genetische Veranlagung ist. Meine Mutter ist mittlerweile ziemlich blind, aber in ein paar Jahren werde ich sie sicherlich eingeholt haben.

Mit einer Brille auf der Nase herumzulaufen, war mir schon als Kind ein Graus. Nicht weil ich deswegen gehänselt wurde, sondern weil ich sie unpraktisch fand. Ich mochte es nicht, über den Rand zu schauen und nichts erkennen zu können. Beim Sport rutschte sie ständig und überhaupt passte sie auch nicht zu mir. Sie war nicht Ich. 

Eine neue Freiheit

Als ich dann endlich Kontaktlinsen bekam, war ich überglücklich und trug sie wirklich exzessiv. Sie einzusetzen war über Jahre hinweg das erste, was ich morgens tat und sie rauszunehmen, war das letzte. So kam es nicht selten vor, dass ich die Dinger schon mal über 16 Stunden am Tag auf den Augen hatte. Die Brille trug ich nur im allergrößten Notfall – also eigentlich nie.

Bis ich vor ein paar Jahren eine fiese Hornhautentzündung auf beiden Augen bekam und 2 Wochen nicht arbeiten konnte. Ich durfte nicht lesen, kein Fernsehen gucken oder am Computer arbeiten.

Kontaktlinsen waren nach dieser unangenehmen Episode sowieso erstmal tabu und selbst als ich sie wieder tragen konnte, merkte ich schnell, wie angegriffen meine Augen waren, wie trocken empfindlich. So wich ich zwangsläufig häufiger auf meine Brille zurück als mir lieb war. Es dauerte Monate bis meine Augen sich einigermaßen erholt hatten. Auch heute noch trocknen sie schneller aus als vor der Entzündung.

Meine damalige Brille hatte zwar weder meine Sehstärke, noch fand ich, dass sie mir besonders gut stand, doch es war besser als mir die Linsen nach zwei Stunden Tragen aus den feuerroten Augen zu puhlen. Und obwohl ich in der Zeit anfing, meine Brille öfter zu tragen als meine Kontaktlinsen, sah ich es nicht ein, mir eine neue zu besorgen. Gute Brillen können nämlich schweineteuer sein.

Eine neue Brille ist wie ein neues Leben

Vergangenen Sommer hielt ich es – nach Monaten des Überlegens – nicht mehr aus, stiefelte zum Optiker und ließ mir eine neue Brille anfertigen. Eine schöne Nerdbrille mit großen Gläsern, wie es sich heutzutage gehört. Wenn schon, denn schon. Und was soll ich sagen? Seitdem trage ich fast nur noch Brille. Zum einen rührt diese Tatsache daher, dass ich endlich ein Modell habe, das mit dem ich mich wohl fühle. Zum anderen bin ich mittlerweile zu faul, jeden Tag mit den Kontaktlinsen herum zu hantieren. Eigentlich trage ich sie fast nur noch zum Feiern oder ähnlichen Aktivitäten. Selten habe ich wirklich „Lust“ darauf.

Obwohl ich nichts dagegen hätte, eines morgens aufzuwachen und ohne jedes Hilfsmittel alles sehen zu können, habe ich mich an mein Brillenschlangen-Dasein in den letzten Monaten unglaublich schnell gewöhnt. An manchen Tagen glaube ich sogar, dass es mein Gesicht interessanter macht und ihm mehr Struktur gibt – aber auch, dass ich mehr ich selbst bin, wenn ich eine Brille trage, als wenn ich ohne unterwegs bin. Ohne die Brille wäre mein Gesicht nur irgendein Allerweltsgesicht.

Es ist witzig, wie sich die Wahrnehmung im Laufe der Jahre ändern kann. Es ist ein bisschen wie mit einem Gemüse, das man früher auf den Tod nicht ausstehen konnte und auf einmal fängt man an, es doch zu mögen. Die Brille ist quasi so was wie mein Rosenkohl geworden. Ich überlege sogar, mir eine zweite anzuschaffen, damit ich mal was zum wechseln habe.

Heutzutage werden Brille ja sowieso mehr als eine Art modisches Accessoire denn als Notwendigkeit oder Relikt vergeistigter Nerds betrachtet, was ich persönlich aber sehr gut finde, denn dadurch ist die Auswahl an modischen und erschwinglichen Modellen stark gewachsen. Verbrennt eure Brillen also nicht, wie die Frauen ihre BHs während der 68er-Revolution, sondern tragt sie mit Stolz.

Brillenschlangen der Welt, vereinigt euch!

 

Was bedeutet „A Phalerate Mind“?

Bedeutung

„A Phalerate Mind“, auf Deutsch „ein reich verzierter Geist“ – wer denkt sich so einen Quatsch aus? Ich natürlich! Heute geht es um die Frage, die sich bis jetzt vermutlich kaum einer gestellt hat und die ich trotzdem beantworten werde: Wie ist der Blog zu seinem Namen gekommen?

Dafür sollte man zunächst folgendes wissen: das Wort „phalerate“ kommt – wer hätte es gedach – aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „reich verziert“ oder „dekoriert“. Es ist ein mittlerweile ausgestorbener Begriff aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, den ich vor vielen, vielen Monaten aufgeschnappt habe.

In meiner Wohnung liegt ein Notizbuch, in dem ich Zitate und auch ungewöhnliche Worte sammle, wenn sie mir über den Weg laufen. Eines Tages stieß ich per Zufall auf „phalerate“ und es ist einfach hängen geblieben. Es klingt für mich wie ein Wort, das glatt aus Oscar Wildes Feder hätte stammen können, denn es hört sich überbordend und blumig an, passend zu seiner Bedeutung. Wenn ich es höre, denke ich an feine Aristokraten in noch feineren Outfits, die im Kerzenschein geistreiche Gespräche führen. Gleichzeitig hat es aus moderner Sicht einen herrlich antiquierten Klang.

Da ist mich sehr für vergangene Zeiten interessiere und in manchen Dingen ein wenig altmodisch bin, ist das für mich eine absolut positive Eigenschaft. Es steht für vergangene Welten und Zeiten, für die ich beinahe nostalgische Gefühle hege, obwohl ich sie selbst nie miterlebt habe. Es drückt sozusagen meine Vorliebe für Geschichte und schöne Wörter aus.

Das Wort „mind“, also „Geist“ oder „Seele“, erklärt sich im Grunde von selbst. Für mich persönlich steht es vor allem für das, was sich hinter den Kulissen, außerhalb der körperlichen Ebene abspielt und was nicht jeder zu sehen bekommt – das Geistige und das Emotionale. Zusammengefasst stehen diese beide Wörter einfach gesagt dafür, dass in meinem Kopf ständig irgendwas los ist. Ich bin eine notorische Tagträumerin, habe eigentlich immer irgendwas zu grübeln, auch wenn man es mir nicht ansieht. Es ist ständig etwas los, häufig vollkommen durcheinander und unzusammenhängend. Manchmal drehen sich meine Gedanken aber auch einfach nur im Kreis.

Aber so geht es ja auch auf diesem Blog zu. Er ist fast wie eine Art Braindump, auf dem ich mein Gedanken ordnen und loswerden kann, also ein Spiegel dessen, was mir aktuell durch den Kopf geht. Und das kann wirklich alles sein. Da kann es schon mal vorkommen, dass nicht alles zusammenpasst.

Natürlich versuche ich hier irgendwie eine Linie mit meinem Content zu finden, doch ich glaube auch, dass ich hier nur authentisch sein kann, wenn ich auch das wiedergebe, was mich wirklich beschäftigt. Dann ist es egal, ob ein Thema gerade in aller Munde ist und mir deshalb mehr Traffic ermöglichen würde. Wenn es mich nicht interessiert, weil mich gerade ganz andere Themen nachts wach halten, dann bringt es mir auch nichts darüber zu schreiben.

So nehme ich es lieber im Kauf, auch mal über Dinge zu reden, die weniger Leute interessieren. Nur so kann ich ehrlich sagen, was ich denke und meine authentische Sicht der Dinge bieten. Denn das ist etwas, das in der heutigen Zeit, was gerade heute in den Medien, wo Meinungen leicht erkauft werden können, häufig zu kurz kommt.

Das hier soll jetzt nicht in einen Rant über unsere Medienlandschaft ausarten, aber ich hoffe, dass ich hiermit die eine oder andere stille Frage beantworten konnte. „A Phalerate Mind“ war kein Titel für den ich lange überlegen musste. Er war einfach schon immer irgendwie da, in meinem kleinen, überfüllten Kopf.

Saturday Night Fever

Tanzen

Der Samstag ist nicht erst seit den Zeiten von „Saturday Night Fever“ mit John Travolta der Tag, an dem traditionell die Sau raus gelassen wird. Es hat fast schon etwas ritualisiertes an sich, wenn man sich für den Abend her richtet und dann mit seinen Freunden in die Nacht hinauszieht, um einfach nur Spaß zu haben. In den seltensten Fällen wird darüber nachgedacht, wie es einem am Tag danach gehen könnte, aber darum geht es auch nicht. Was zählt, ist der Moment.

So ging es auch mir am letzten Samstag, als es mich mit ein paar Freunden erst in die Bar unseres Vertrauens und dann in den Club gezogen hat. Dabei sollte ich jetzt direkt schon vorausschicken, dass ich, verglichen mit anderen Leuten, einen anderen Ansatz verfolge, wenn es um das Thema Ausgehen geht. Viele wollen nämlich nicht nur Spaß haben im Sinne von Tanzen und Trinken, sondern sie wollen Leute kennenlernen – allen voran potenzielle Partner für Paarungszwecke.

Wenn ich aber sage: „Ich gehe heute Tanzen.“ dann meine ich das auch wirklich genau so. Das heißt nicht, dass ich nicht offen dafür wäre, mich auf jemanden einzulassen, wenn ich mich genug für ihn interessiere, aber es wäre nur das Beiwerk. Mein primäres Ziel ist es einfach nur abzupacken und meine Lieblingslieder schief mitzugrölen.

Spaß (fast) ohne Rücksicht auf Verluste

Dabei nehme ich keine Rücksicht darauf, wie das auf andere wirken könnte oder ob die Art wie ich tanze sexy aussieht. Ich würde meinen Stil sowieso eher als eine Art psychedelischen bis spastischen Ausdruckstanz beschreiben. Wie das in der Realität aussieht, kann sich jeder selbst vorstellen. Wenn viel Herumgefuchtel mit den Armen und Herumgehoppse dabei ist, wird es schon passen.

Jedenfalls führt dieser Stil auch dazu, dass ich eigentlich nie mitten auf der Tanzfläche unterwegs bin. Ich habe noch nie verstanden, warum alle sich konsequent darauf konzentrieren, auf der Mitte der Fläche zu tanzen. Gut, man wird dort vielleicht am ehesten beachtet, aber wie soll man sich da anständig bewegen? Ich müsste dort jedes Mal Angst haben, dass ich harmlosen Zivilisten meine Arme ins Gesicht klatsche oder ihnen auf die Füße trete.

Dann nehme ich doch lieber mit den Ecken vorlieb, wo weniger los ist, ich mich aber wenigstens frei bewegen kann. Wenn schon, denn schon. Ich will am Ende nicht diejenige sein, die nahezu bewegungsunfähig in einem Pool aus schwitzenden Menschen eingezwängt ist, wenn „Come on Eileen“ oder „Dancing with Myself“ ertönt.

Zu zweit Tanzen – mein Antichrist?

Für mich ist ein Abend dementsprechend dann erfolgreich gelaufen, wenn meine Stimme heiser vom singen ist und meine Beine weh tun, weil so viele tanzbare Lieder gespielt wurden. Es macht mich unglaublich glücklich, weil ich mal alles rauslassen konnte, was sich über die Woche hinweg angestaut hat und es mir in dem Moment egal ist, was andere über mich denken. Das Tüpfelchen auf dem i ist ein Muskelkater in den Waden am nächsten Tag.

All das ist für mich generell mehr wert, als irgendwann knutschend mit irgendeinem Kerl in der Ecke zu stehen, den ich wahrscheinlich nie wiedersehe, weil er doch nicht Cary Grant ist. Noch schlimmer wird es, wenn es darum geht, zusammen zu tanzen. Ich kann es nicht. Ich kann mich nicht anständig bewegen, wenn ich zu sehr auf andere achten und auch noch mit ihnen interagieren muss.

Da verliere ich jegliches Gefühl für Rhythmus und meinen Körper – eine Erfahrung, die ich anderen und mir selbst am liebsten erspare. Tanzen sollte eine Möglichkeit sein, um sich frei zu fühlen und sich selbst auszudrücken und nicht, um sich selbst zu kasteien, nur um jemand anderem zu gefallen.

Dance like nobody is watching and be proud of it!

Scheiß‘ auf das, was andere über dich denken könnten, wenn du tanzt. Scheiß‘ darauf, wie es aussehen könnte. Wichtig ist, wie es sich für dich anfühlt und wenn die Musik dir Impulse gibt, dann folge ihnen, auch wenn es vielleicht doof aussieht. Am Ende der Nacht erinnert sich fast niemand mehr daran und das hat auch etwas herrliches an sich.

Vor ein paar Wochen gab es tatsächlich den Moment, als ich mich hingesetzt habe, um eine Pause vom Tanzen zu machen, als ein Mädel auf mich zukam und mir sagte, dass sie mir schon die ganze Zeit zugesehen hatte und mir einfach mal sagen wollte, wie sehr ihr mein Tanzstil gefiel. Ich war so perplex, dass ich kaum ein Wort rausbekommen habe, habe mich aber unheimlich darüber gefreut. Für meine verrückte Art von einer Person ein wenig gefeiert zu werden, war und ist mehr wert, als die Blicke von 50 Typen, die nur dann reagiert hätten, wenn ich im Minirock ein bisschen mit dem Arsch gewackelt und das Haar lasziv über die Schulter geworfen hätte.

Ich hätte ihr gerne noch ein Kompliment für ihren tollen Zylinder gemacht (es war Halloween), aber ich war einfach noch in einem Zustand der positiven Schockstarre.

Ein solches Kompliment blieb am letzten Samstag aus, doch meine Stimmung hätte trotzdem nicht besser sein können, als ich heiser und leise „Africa“ von Toto summend nach Hause gestiefelt bin. Nach der Hitze und dem Trubel im Club gab es nichts besseres, als mich wieder der Ruhe hinzugeben und mich über mein eigentlich ganz schönes Leben zu freuen.

Rock on, Freunde der Nacht und bis zum nächsten Wochenende!