Die stolze Brillenschlange

Brille

Es war einmal ein kleines Mädchen. Das bekam in der vierten Klasse gesagt, dass es dringend eine Brille braucht. Also bekam es eine rote Brille mit ovalen Gläsern – und merkte dabei erst wie blind es doch gewesen war. Die Brille konnte es allerdings nie wirklich leiden – also tauschte es das Gestell bald gegen Kontaktlinsen. Die trug es viele, viele Jahre bis es irgendwann eine schlimme Hornhautentzündung bekam. Und auf einmal war es vorbei mit der grenzenlosen Sicht.

Die Brille – eine Strafe meiner Gene

Das ist, kurz gefasst, meine Geschichte bis zum Jahr 2014, geschildert aus der Perspektive meiner Augen. Ich bin schon früh zur Brillenschlange geworden. Wie gerne würde ich es darauf zurückführen, dass das daher kommt, dass ich als Kind so viel gelesen habe und ach so gebildet war, aber ich fürchte, dass es reine genetische Veranlagung ist. Meine Mutter ist mittlerweile ziemlich blind, aber in ein paar Jahren werde ich sie sicherlich eingeholt haben.

Mit einer Brille auf der Nase herumzulaufen, war mir schon als Kind ein Graus. Nicht weil ich deswegen gehänselt wurde, sondern weil ich sie unpraktisch fand. Ich mochte es nicht, über den Rand zu schauen und nichts erkennen zu können. Beim Sport rutschte sie ständig und überhaupt passte sie auch nicht zu mir. Sie war nicht Ich. 

Eine neue Freiheit

Als ich dann endlich Kontaktlinsen bekam, war ich überglücklich und trug sie wirklich exzessiv. Sie einzusetzen war über Jahre hinweg das erste, was ich morgens tat und sie rauszunehmen, war das letzte. So kam es nicht selten vor, dass ich die Dinger schon mal über 16 Stunden am Tag auf den Augen hatte. Die Brille trug ich nur im allergrößten Notfall – also eigentlich nie.

Bis ich vor ein paar Jahren eine fiese Hornhautentzündung auf beiden Augen bekam und 2 Wochen nicht arbeiten konnte. Ich durfte nicht lesen, kein Fernsehen gucken oder am Computer arbeiten.

Kontaktlinsen waren nach dieser unangenehmen Episode sowieso erstmal tabu und selbst als ich sie wieder tragen konnte, merkte ich schnell, wie angegriffen meine Augen waren, wie trocken empfindlich. So wich ich zwangsläufig häufiger auf meine Brille zurück als mir lieb war. Es dauerte Monate bis meine Augen sich einigermaßen erholt hatten. Auch heute noch trocknen sie schneller aus als vor der Entzündung.

Meine damalige Brille hatte zwar weder meine Sehstärke, noch fand ich, dass sie mir besonders gut stand, doch es war besser als mir die Linsen nach zwei Stunden Tragen aus den feuerroten Augen zu puhlen. Und obwohl ich in der Zeit anfing, meine Brille öfter zu tragen als meine Kontaktlinsen, sah ich es nicht ein, mir eine neue zu besorgen. Gute Brillen können nämlich schweineteuer sein.

Eine neue Brille ist wie ein neues Leben

Vergangenen Sommer hielt ich es – nach Monaten des Überlegens – nicht mehr aus, stiefelte zum Optiker und ließ mir eine neue Brille anfertigen. Eine schöne Nerdbrille mit großen Gläsern, wie es sich heutzutage gehört. Wenn schon, denn schon. Und was soll ich sagen? Seitdem trage ich fast nur noch Brille. Zum einen rührt diese Tatsache daher, dass ich endlich ein Modell habe, das mit dem ich mich wohl fühle. Zum anderen bin ich mittlerweile zu faul, jeden Tag mit den Kontaktlinsen herum zu hantieren. Eigentlich trage ich sie fast nur noch zum Feiern oder ähnlichen Aktivitäten. Selten habe ich wirklich „Lust“ darauf.

Obwohl ich nichts dagegen hätte, eines morgens aufzuwachen und ohne jedes Hilfsmittel alles sehen zu können, habe ich mich an mein Brillenschlangen-Dasein in den letzten Monaten unglaublich schnell gewöhnt. An manchen Tagen glaube ich sogar, dass es mein Gesicht interessanter macht und ihm mehr Struktur gibt – aber auch, dass ich mehr ich selbst bin, wenn ich eine Brille trage, als wenn ich ohne unterwegs bin. Ohne die Brille wäre mein Gesicht nur irgendein Allerweltsgesicht.

Es ist witzig, wie sich die Wahrnehmung im Laufe der Jahre ändern kann. Es ist ein bisschen wie mit einem Gemüse, das man früher auf den Tod nicht ausstehen konnte und auf einmal fängt man an, es doch zu mögen. Die Brille ist quasi so was wie mein Rosenkohl geworden. Ich überlege sogar, mir eine zweite anzuschaffen, damit ich mal was zum wechseln habe.

Heutzutage werden Brille ja sowieso mehr als eine Art modisches Accessoire denn als Notwendigkeit oder Relikt vergeistigter Nerds betrachtet, was ich persönlich aber sehr gut finde, denn dadurch ist die Auswahl an modischen und erschwinglichen Modellen stark gewachsen. Verbrennt eure Brillen also nicht, wie die Frauen ihre BHs während der 68er-Revolution, sondern tragt sie mit Stolz.

Brillenschlangen der Welt, vereinigt euch!

 

Was bedeutet „A Phalerate Mind“?

Bedeutung

„A Phalerate Mind“, auf Deutsch „ein reich verzierter Geist“ – wer denkt sich so einen Quatsch aus? Ich natürlich! Heute geht es um die Frage, die sich bis jetzt vermutlich kaum einer gestellt hat und die ich trotzdem beantworten werde: Wie ist der Blog zu seinem Namen gekommen?

Dafür sollte man zunächst folgendes wissen: das Wort „phalerate“ kommt – wer hätte es gedach – aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „reich verziert“ oder „dekoriert“. Es ist ein mittlerweile ausgestorbener Begriff aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, den ich vor vielen, vielen Monaten aufgeschnappt habe.

In meiner Wohnung liegt ein Notizbuch, in dem ich Zitate und auch ungewöhnliche Worte sammle, wenn sie mir über den Weg laufen. Eines Tages stieß ich per Zufall auf „phalerate“ und es ist einfach hängen geblieben. Es klingt für mich wie ein Wort, das glatt aus Oscar Wildes Feder hätte stammen können, denn es hört sich überbordend und blumig an, passend zu seiner Bedeutung. Wenn ich es höre, denke ich an feine Aristokraten in noch feineren Outfits, die im Kerzenschein geistreiche Gespräche führen. Gleichzeitig hat es aus moderner Sicht einen herrlich antiquierten Klang.

Da ist mich sehr für vergangene Zeiten interessiere und in manchen Dingen ein wenig altmodisch bin, ist das für mich eine absolut positive Eigenschaft. Es steht für vergangene Welten und Zeiten, für die ich beinahe nostalgische Gefühle hege, obwohl ich sie selbst nie miterlebt habe. Es drückt sozusagen meine Vorliebe für Geschichte und schöne Wörter aus.

Das Wort „mind“, also „Geist“ oder „Seele“, erklärt sich im Grunde von selbst. Für mich persönlich steht es vor allem für das, was sich hinter den Kulissen, außerhalb der körperlichen Ebene abspielt und was nicht jeder zu sehen bekommt – das Geistige und das Emotionale. Zusammengefasst stehen diese beide Wörter einfach gesagt dafür, dass in meinem Kopf ständig irgendwas los ist. Ich bin eine notorische Tagträumerin, habe eigentlich immer irgendwas zu grübeln, auch wenn man es mir nicht ansieht. Es ist ständig etwas los, häufig vollkommen durcheinander und unzusammenhängend. Manchmal drehen sich meine Gedanken aber auch einfach nur im Kreis.

Aber so geht es ja auch auf diesem Blog zu. Er ist fast wie eine Art Braindump, auf dem ich mein Gedanken ordnen und loswerden kann, also ein Spiegel dessen, was mir aktuell durch den Kopf geht. Und das kann wirklich alles sein. Da kann es schon mal vorkommen, dass nicht alles zusammenpasst.

Natürlich versuche ich hier irgendwie eine Linie mit meinem Content zu finden, doch ich glaube auch, dass ich hier nur authentisch sein kann, wenn ich auch das wiedergebe, was mich wirklich beschäftigt. Dann ist es egal, ob ein Thema gerade in aller Munde ist und mir deshalb mehr Traffic ermöglichen würde. Wenn es mich nicht interessiert, weil mich gerade ganz andere Themen nachts wach halten, dann bringt es mir auch nichts darüber zu schreiben.

So nehme ich es lieber im Kauf, auch mal über Dinge zu reden, die weniger Leute interessieren. Nur so kann ich ehrlich sagen, was ich denke und meine authentische Sicht der Dinge bieten. Denn das ist etwas, das in der heutigen Zeit, was gerade heute in den Medien, wo Meinungen leicht erkauft werden können, häufig zu kurz kommt.

Das hier soll jetzt nicht in einen Rant über unsere Medienlandschaft ausarten, aber ich hoffe, dass ich hiermit die eine oder andere stille Frage beantworten konnte. „A Phalerate Mind“ war kein Titel für den ich lange überlegen musste. Er war einfach schon immer irgendwie da, in meinem kleinen, überfüllten Kopf.

Saturday Night Fever

Tanzen

Der Samstag ist nicht erst seit den Zeiten von „Saturday Night Fever“ mit John Travolta der Tag, an dem traditionell die Sau raus gelassen wird. Es hat fast schon etwas ritualisiertes an sich, wenn man sich für den Abend her richtet und dann mit seinen Freunden in die Nacht hinauszieht, um einfach nur Spaß zu haben. In den seltensten Fällen wird darüber nachgedacht, wie es einem am Tag danach gehen könnte, aber darum geht es auch nicht. Was zählt, ist der Moment.

So ging es auch mir am letzten Samstag, als es mich mit ein paar Freunden erst in die Bar unseres Vertrauens und dann in den Club gezogen hat. Dabei sollte ich jetzt direkt schon vorausschicken, dass ich, verglichen mit anderen Leuten, einen anderen Ansatz verfolge, wenn es um das Thema Ausgehen geht. Viele wollen nämlich nicht nur Spaß haben im Sinne von Tanzen und Trinken, sondern sie wollen Leute kennenlernen – allen voran potenzielle Partner für Paarungszwecke.

Wenn ich aber sage: „Ich gehe heute Tanzen.“ dann meine ich das auch wirklich genau so. Das heißt nicht, dass ich nicht offen dafür wäre, mich auf jemanden einzulassen, wenn ich mich genug für ihn interessiere, aber es wäre nur das Beiwerk. Mein primäres Ziel ist es einfach nur abzupacken und meine Lieblingslieder schief mitzugrölen.

Spaß (fast) ohne Rücksicht auf Verluste

Dabei nehme ich keine Rücksicht darauf, wie das auf andere wirken könnte oder ob die Art wie ich tanze sexy aussieht. Ich würde meinen Stil sowieso eher als eine Art psychedelischen bis spastischen Ausdruckstanz beschreiben. Wie das in der Realität aussieht, kann sich jeder selbst vorstellen. Wenn viel Herumgefuchtel mit den Armen und Herumgehoppse dabei ist, wird es schon passen.

Jedenfalls führt dieser Stil auch dazu, dass ich eigentlich nie mitten auf der Tanzfläche unterwegs bin. Ich habe noch nie verstanden, warum alle sich konsequent darauf konzentrieren, auf der Mitte der Fläche zu tanzen. Gut, man wird dort vielleicht am ehesten beachtet, aber wie soll man sich da anständig bewegen? Ich müsste dort jedes Mal Angst haben, dass ich harmlosen Zivilisten meine Arme ins Gesicht klatsche oder ihnen auf die Füße trete.

Dann nehme ich doch lieber mit den Ecken vorlieb, wo weniger los ist, ich mich aber wenigstens frei bewegen kann. Wenn schon, denn schon. Ich will am Ende nicht diejenige sein, die nahezu bewegungsunfähig in einem Pool aus schwitzenden Menschen eingezwängt ist, wenn „Come on Eileen“ oder „Dancing with Myself“ ertönt.

Zu zweit Tanzen – mein Antichrist?

Für mich ist ein Abend dementsprechend dann erfolgreich gelaufen, wenn meine Stimme heiser vom singen ist und meine Beine weh tun, weil so viele tanzbare Lieder gespielt wurden. Es macht mich unglaublich glücklich, weil ich mal alles rauslassen konnte, was sich über die Woche hinweg angestaut hat und es mir in dem Moment egal ist, was andere über mich denken. Das Tüpfelchen auf dem i ist ein Muskelkater in den Waden am nächsten Tag.

All das ist für mich generell mehr wert, als irgendwann knutschend mit irgendeinem Kerl in der Ecke zu stehen, den ich wahrscheinlich nie wiedersehe, weil er doch nicht Cary Grant ist. Noch schlimmer wird es, wenn es darum geht, zusammen zu tanzen. Ich kann es nicht. Ich kann mich nicht anständig bewegen, wenn ich zu sehr auf andere achten und auch noch mit ihnen interagieren muss.

Da verliere ich jegliches Gefühl für Rhythmus und meinen Körper – eine Erfahrung, die ich anderen und mir selbst am liebsten erspare. Tanzen sollte eine Möglichkeit sein, um sich frei zu fühlen und sich selbst auszudrücken und nicht, um sich selbst zu kasteien, nur um jemand anderem zu gefallen.

Dance like nobody is watching and be proud of it!

Scheiß‘ auf das, was andere über dich denken könnten, wenn du tanzt. Scheiß‘ darauf, wie es aussehen könnte. Wichtig ist, wie es sich für dich anfühlt und wenn die Musik dir Impulse gibt, dann folge ihnen, auch wenn es vielleicht doof aussieht. Am Ende der Nacht erinnert sich fast niemand mehr daran und das hat auch etwas herrliches an sich.

Vor ein paar Wochen gab es tatsächlich den Moment, als ich mich hingesetzt habe, um eine Pause vom Tanzen zu machen, als ein Mädel auf mich zukam und mir sagte, dass sie mir schon die ganze Zeit zugesehen hatte und mir einfach mal sagen wollte, wie sehr ihr mein Tanzstil gefiel. Ich war so perplex, dass ich kaum ein Wort rausbekommen habe, habe mich aber unheimlich darüber gefreut. Für meine verrückte Art von einer Person ein wenig gefeiert zu werden, war und ist mehr wert, als die Blicke von 50 Typen, die nur dann reagiert hätten, wenn ich im Minirock ein bisschen mit dem Arsch gewackelt und das Haar lasziv über die Schulter geworfen hätte.

Ich hätte ihr gerne noch ein Kompliment für ihren tollen Zylinder gemacht (es war Halloween), aber ich war einfach noch in einem Zustand der positiven Schockstarre.

Ein solches Kompliment blieb am letzten Samstag aus, doch meine Stimmung hätte trotzdem nicht besser sein können, als ich heiser und leise „Africa“ von Toto summend nach Hause gestiefelt bin. Nach der Hitze und dem Trubel im Club gab es nichts besseres, als mich wieder der Ruhe hinzugeben und mich über mein eigentlich ganz schönes Leben zu freuen.

Rock on, Freunde der Nacht und bis zum nächsten Wochenende!

Urlaub zu Hause

Balkonien

Die Abgabe des Urlaubsantrags ist für viele der Startschuss, um nach Hotels und Flügen für den nächsten Trip zu suchen. Gerade wenn man die Uni verlassen hat und in einem festen Job steckt, wird Urlaub noch wertvoller als er vorher ohnehin schon war. Man hat eindeutig weniger davon und im von Arbeit geprägten Alltag sind die Freiheiten des Lebens sowieso spärlich gesät.

Umso wichtiger ist es da, das bisschen an freier Zeit voll und ganz auszuschöpfen. Und während das für viele bedeutet, die Sachen zu packen und am besten möglichst weit weg und möglichst lange zu flüchten, gebe ich mich schon damit zufrieden, einfach mal ein paar Tage zu Hause zu verbringen.

Reisen ist nicht alles

Natürlich fahre ich auch gerne weg. Gerade Kurztrips können unerwartet erfüllend sein und den Energietank schnell wieder auffüllen, aber es hat auch etwas für sich, wenn man einfach mal seinem natürlichen Lebensrhythmus folgen kann. Ohne durch die normalen Arbeitszeiten eingeschränkt zu werden, kann ich mir dann meinen Tag einteilen, wie ich es möchte.

Ich kann schlafen, so lange wie ich will. Dann ein bisschen Sport machen und ein ausgiebiges Frühstück genießen. Und danach? Mal sehen, immerhin habe ich alle Zeit der Welt. Ich kann mich endlich um all die Dinge kümmern, die in der letzten Zeit zu kurz gekommen sind. Das bedeutet leider auch oft Aufräumen oder andere Dinge, die nicht so angenehm sind, aber dafür habe ich anschließend immer noch genug Zeit zum faulenzen übrig.

Zu wissen, dass ich meine Putzsession oder meinen Wocheneinkauf nicht in die wenigen freien Stunden nach der Arbeit schieben muss, ist für mich schon ein großer Stressfaktor weniger. Meistens genieße ich solche Tätigkeiten dann auch mehr, weil ich weiß, dass ich mich nicht hetzen muss, oder weil danach noch etwas schönes ansteht.

Auch ein bisschen Schadenfreude muss mal sein

Außerdem hat der Urlaub zu Hause für mich auch aus psychologischer Sicht eine positive, aber auch etwas merkwürdige Wirkung. Wenn man wegfliegt, denkt man eigentlich kaum an die daheim gebliebenen Kollegen. Für ein paar Tage lebt man in einer Art schönen, entspannten Parallelwelt, wo es keine Arbeit gibt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Bleibe ich aber zu Hause, denke ich vor allem die ersten beiden Tage an die armen Seelen, die schon längst im Büro sitzen, während ich mich noch genüsslich im Bett strecke.

Es ist ein wenig gehässig, aber aus meiner Sicht durchaus menschlich, in diesem Moment ein wenig Schadenfreude zu empfinden. Abgesehen davon gibt es mit Sicherheit genug Gelegenheiten, an denen der Spieß umgedreht wird. Da darf man sich ruhig mal freuen, wenn man sich der absoluten Faulheit hingeben kann … und andere eben nicht.

Und weil auch die lästige Heimreise weg fällt, die in den seltensten Fällen glatt läuft und einen dann mindestens so gestresst wieder zur Arbeit kommen lässt, wie man sie verlassen hat, ist der Übergang vom Urlaub zur Arbeit weitaus sanfter. Balkonien sei Dank!

Absolute Zufriedenheit für wenig Geld

Obwohl ich das mit dem Balkon die nächsten Tage lieber sein lasse, so kalt wie es draußen ist. Dafür habe ich viel Zeit für meine Freunde, Sport, Spazieren gehen, Lesen, den Blog und Serien eingeplant. Zwischendurch noch ein wenig die Wohnung aufmöbeln und ich bin vollkommen zufrieden. Einfach eine Woche voller abgammeln und schöner Dinge – ohne Flug- oder Hotelkosten.

Für mich ist es auch ein gutes Zeichen, dass ich mein Leben nicht komplett hinter mir lassen muss, um entspannen zu können. Es ist nichts bemitleidenswertes, wenn man Urlaub macht, ohne weg zu fahren. Für mich ist es vielmehr ein Zeichen dafür, wie zufrieden ich mit meinem normalen Leben bin und wie sehr ich die Stadt liebe, in der ich wohne. Und das ist meiner Meinung nach auch schon eine ganze Menge wert.

Aber trotzdem: Die nächste Reise ist schon in Planung, denn ein Leben ganz ohne Reisen wäre wie eine Spielekonsole mit kaputtem Controller. Sinnlos und ohne jeglichen Spaß.

 

Die schönste Jahreszeit ist zurück

HerbstViele von euch trauern dem Sommer wahrscheinlich schon seit Wochen hinterher. Es wird jetzt merklich früher dunkel. Es ist kalt, wenn man morgens das Haus verlässt und viele Bäume sind jetzt schon so gut wie kahl. Und wenn man es so betrachtet sind die Aussichten für die kommenden Monate tatsächlich ziemlich deprimierend.

Jedoch nicht für mich, denn der Herbst ist mit Abstand meine liebste Jahreszeit. Ich liebe es, auf dem Sofa eingekuschelt zu sein, wenn es draußen richtig usselig ist und ich liebe Herbstspaziergänge, bei denen das Laub unaufhörlich unter den Schuhen raschelt. Dem Sommer konnte ich nie wirklich viel abgewinnen. Zu heiß, zu wenig bedeckte Körperteile, zu viele Insekten. Ich bin halt kein Sommer-Sonne-Strand-Kind. Ins Freibad zu gehen, hat mich nie so gereizt, wie einfach nur gemütlich ein Buch zu lesen.

„Im Herbst stirbt alles.“

Meine Mutter, die den Sommer sehr liebt, sagt immer, dass der Herbst die Zeit ist, in der alles stirbt. Bereits Wochen bevor der Herbst überhaupt richtig anfängt, sagt sie bei unseren Spaziergängen mit den Hunden jedes Mal: „Es sieht schon richtig herbstlich aus.“ dann fange ich jedes Mal an mich zu freuen wie ein Schneekönig und ernte dafür einen Blick puren Unverständnisses.

Dabei ist der Herbst wie mein Seelenverwandter, wenn es so etwas  unter den Jahreszeiten gibt. Ich mag diese leichte Melancholie, die in der Luft liegt und die einen zum Nachdenken und Reflektieren anregt. Schon in der Schule habe ich mir vorgestellt, wie ich in meinem früheren Leben im 19. Jahrhundert mit locker hochgestecktem Haar an meinem Schreibtisch vor dem Fenster sitze, während der Wind den Regen gegen die Fensterscheibe peitscht. Natürlich schreibe ich einen Gruselroman und natürlich spielt sich das ganze in England ab. Alternativ schreibe ich einen verzweifelten Liebesbrief an den Sohn des Earl of Schlagmichtot, der absolut nicht in meiner Liga spielt.

Der Herbst ist halt das perfekte Setting für jegliches dramatisches Szenario (Wuthering Heights lässt grüßen – grauenhaftes Buch!). Gerade deshalb fangen vor allem in dieser Jahreszeit meine kreativen Säfte wieder an zu sprudeln. Geschichten und Gedanken kommen dann wie von selbst. Der Sommer hingegen ist für mich die Zeit der Faulheit, fast schon der Lathargie. Er inspiriert mich in der Regel nur mäßig, denn meistens ist es für mich viel zu heiß, um zu denken, geschweige denn etwas zu tun.

Keine Bauarbeiterdekolletés mehr!

Man darf mich jetzt gerne oberflächlich nennen, aber der Herbst hat für mich noch einen weiteren, immensen Pluspunkt: weil die Menschen aufgrund der sinkenden Temperaturen wieder mehr anziehen müssen, muss ich weniger Dinge sehen, die ich eigentlich nicht sehen will. Keine Bauarbeiterdekolletés mehr, keine halbnackten, jungen Mädels, die in Sachen rumlaufen, in denen ich meine imaginären Kinder im Leben nicht auf die Straße lassen würde, weil es eine Beleidigung für das menschliche Auge und das weibliche Selbstwertgefühl wäre.

Besonders witzig ist in dieser Hinsicht gerade die Übergangszeit, in der keiner wirklich weiß, was er anziehen soll. Es ist kein wirklicher Sommer mehr, aber so richtig kalt ist es eigentlich auch noch nicht. Während die einen aber schon den Wintereinbruch erwarten und den dicken Daunenmantel ausgepackt haben, laufe andere noch in kurzer Hose durch die Stadt. Und ich stehe in meiner Übergangsjacke mit einem Tee dazwischen und beömmel mich.

Autumn is comin‘, baby! Und ich könnte darüber nicht glücklicher sein.

Und welche Jahreszeit ist dein Seelenverwandter?