Eine Woche der Exzesse

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Nach einer Woche „La dolce Vita“ in Italien hatte ich mich am vergangenen Montag eigentlich recht motiviert gefühlt, um wieder voll in meine gesunden Tagesroutinen einzusteigen: selbst gekochtes Essen auf der Arbeit, regelmäßiger Sport, mehr Wasser trinken und jeden Morgen Trockenbürsten sind nur ein paar der Punkte, die ich mir vorgenommen hatte. Doch, wie so oft, machte mir das Leben einen Strich durch die Rechnung.

Am Ende der letzten Woche hatte ich nämlich so gut wie keines meiner kleinen Alltagsziele erreicht. Stattdessen bin ich jeden Tag essen gegangen (manchmal sogar mittags und abends), habe kaum Sport gemacht und viel Alkohol getrunken. Gepaart mit der Tatsache, dass meine Periode zum Ende hin kurz bevor stand (Hallo, Milchtüten-Brüste!), kann man sich vielleicht vorstellen, dass ich mich am Sonntag, gelinde gesagt, bescheiden gefühlt habe. Ich war ein gestrandetes Walross an einem kalten, windigen Tag an der Nordsee.

Natürlich habe ich für meine Verfehlungen gute Entschuldigungen parat – für ein paar jedenfalls. Eine gute Freundin hatte ihre letzte Woche in Bonn und die mussten wir natürlich ausnutzen. Dann war da noch eine andere Freundin, die ich einen Monat nicht gesehen hatte und ein Geburtstag, den wir am Samstag derart gebührend gefeiert haben, dass ich die Nachwirkungen bis heute gespürt habe. Man wird nicht jünger, nicht wahr?

Dass meine Prioritäten da nicht gerade bei sportlicher Aktivität oder dem täglichen Abschrubben meines Körpers lagen, liegt wohl auf der Hand. Was mich bei all dem Spaß, den ich in dieser Woche allerdings hatte, am meisten erstaunt, ist die Tatsache, wie sehr mir meine gesunden Routinen gefehlt haben.

Früher dachte ich immer, dass einfach nur rumgammeln und Essen gehen das größte ist. In gewisser Weise denke ich das auch jetzt noch, aber mir fehlte trotzdem ein Ausgleich für meinen Körper. Ich habe mich schlapp gefühlt und ständig vergessen, genug Wasser zu trinken. Zwischendurch war da einfach diese Trägheit in mir, die ich kaum noch loswerden konnte. Ich war ständig müde. Abgesehen davon ist mir wieder bewusst geworden, wie teuer Essengehen und Trinken überhaupt ist.

Für mich war es also in mehrfacher Hinsicht eine Woche der Exzesse. Hin und wieder kann man das mal machen, aber ich habe wirklich gemerkt, dass das für mich kein Lebensstil ist, den ich auf Dauer führen könnte. Da lobe ich mir zwischendurch Tage wie heute. Von der Arbeit nach Hause kommen und dann ein lockeres Workout einlegen, Duschen, Trockenbürsten und was gutes zu Essen kochen. Als nächstes stehen ein schöner Film und ein paar Seiten Lektüre auf dem Plan. Für mich ein absolut perfekter Feierabend, wenn ich mich nicht mit Freunden treffe.

Ich brauche nicht jeden Tag Halli-Galli, auch wenn ein Leben voller Dekadenz für eine Woche ganz nett war. Manchmal reichen auch die eigene Gesellschaft und ein intensiver Blick von Mr. Darcy. Na, welcher Film wird heute Abend geguckt?

 

Ein unentspannter Sommer

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Was sind das nur für ein paar verrückte Wochen gewesen? Und damit meine ich nichtmal zwingend das deutsche Wetter, das beschlossen hat, uns einen Hochsommer zu bescheren,  der mich dazu gezwungen hat, mir jeden Tag die Beine zu rasieren und mein klimaanlagenloses Büro im 6. Stock regelecht zu verabscheuen. Ich meine den kleinen „Struggle“ (ich habe mir sagen lassen, dass die coolen Kids heutzutage sich so ausdrücken), den ich gerade mein Leben nenne.

Einer der Urheber des Ganzen ist ein kleines Gerät, das ich seit beinahe 3 Monaten mit mir herumtrage und das ich Ende nächster Woche endlich wieder ablegen kann. Ich rede von einem Schrittzähler. Ein paar Mitarbeiter kamen nämlich auf die glorreiche Idee, bei der „Virgin Pulse Challenge“ anzutreten, die am 23. Mai gestartet ist. Und ich Depp hatte die noch viel glorreichere Idee, dort mit einzusteigen.

Eine „gute“ Idee, oder nicht?

Das Prinzip dieser Challenge ist denkbar einfach: man findet sich in Teams zu je 7 Personen zusammen und sammelt 100 Tage lang Schritte. Der Gewinner kriegt irgendwas, was er nicht braucht – und natürlich Ruhm und Ehre. Dabei tritt man gegen Teams aus der eigenen Firma und der ganzen Welt an.

Ich dachte ja, dass es ein guter Weg wäre, um mich zu mehr Bewegung zu motivieren. Damit lag ich auch gar nicht mal so falsch. Ich bin seltener mit dem Bus gefahren, als sonst. Ich habe öfter die Treppen genommen und auch so regelmäßig Sport gemacht. All das ist durchaus positiv, doch das Gefühl des Zwangs, immer mehr Schritte zu machen, machte mich recht schnell zu einem unentspannten Menschen.

Ich habe angefangen, meine Tage um den Sport herum zu bauen, damit ich auch bloß auf die Schrittzahl komme, die ich brauchte. Ich wollte ja meinen, geschweige denn den Gruppenschnitt, nicht runterziehen. Zwischenzeitlich habe ich sogar überlegt, mir extra für die Challenge ein Fahrrad zu kaufen – was ich nicht getan habe.

From Hero to Zero?

Also, stand ich an manchen Tagen ganz früh auf, um noch vor der Arbeit zu trainieren, oder habe die Matte spät Abends ausgerollt. Wenn ich mal einen Tag einfach Pause gemacht habe, hatte ich direkt ein schlechtes Gewissen. Ich habe Sport gemacht, anstatt zu schreiben oder etwas anderes zu tun, auf das ich theoretisch Lust gehabt hätte. Von Motivation konnte da irgendwann keine Rede mehr sein. Es war reiner Zwang. Hauptsache, irgendwas gemacht.

Abgesehen davon, hatte ich irgendwann das Gefühl, dass es egal war, ob ich etwas tat oder nicht, weil der Impact gleich Null zu sein schien. Und so schrumpfte mein Schrittedurchschnitt von Anfangs knapp 17.000 Schritten auf aktuell knapp über 15.000 Schritte. Dabei weiß ich noch nichtmal genau, was ich anders mache, als am Anfang. Wahrscheinlich ist das einfach nur die Strafe dafür, dass ich mental aktuell die Power von einem Schluck Wasser in der Kurve habe und mich in der Hinsicht ein wenig gehen lasse.

Ich muss ja zugeben, dass mein Körper lange nicht mehr so sommertauglich gewesen ist, wie in dieser Saison, aber der Preis, den ich rein gefühlsmäßig dafür zahlen musste, ist mir zu hoch, um mir den Stress nächstes Jahr nochmal zu machen. Ich werde nie die Panik vergessen, die aufkam, als ich auf einer 5 stündigen Autofahrt kurz Pause an der Autobahntanke machte, wieder weiterfuhr und plötzlich feststellte, dass dieser dämliche Schrittzähler weg war. Ich war drauf dran, wieder umzudrehen und nach diesem Ding zu suchen. Zum Glück sah ich es gerade noch rechtzeitig zwischen meine Füßen auf dem Boden liegen.

Nein, dieser Sommer war wahrlich nicht gerade der entspannendste in meinem Leben. Er hat mir allerdings gezeigt, dass körperliche Ertüchtigung nichts ist, was ich einer „lustigen Challenge“ verbinden sollte, da es zu viele negative Gedanken in mir auslöst. Zu viel selbst auferlegter Zwang, zu wenig Gehör für die Bedürfnisse meines Körpers.

Alles reine Kopfsache

Aufwärts

Wenn wir alle mal ehrlich sind, dann wissen doch nur die wenigsten von uns, was wir hier eigentlich tun. Ja, wir planen bestimmte Dinge im voraus. Wir planen unseren Urlaub, Teile unserer Karriere und andere Ziele, die wir erreichen möchten. Aber wenn man das alles runterbricht, sieht es am Ende so aus: Wir leben von einem Tag zum nächsten und können nur einen Schritt nach dem anderen gehen.

Das fällt uns an manchen Tagen sehr leicht. Alles scheint uns regelrecht zuzufliegen und wir sind beeindruckt von dem, was wir gerade erreichen. Es gibt aber auch Tage, an denen es schwer ist. So schwer, dass wir manchmal einfach nur stehen bleiben wollen, weil wir das Gefühl haben, dass wir nicht weitergehen können. Wir starren dann einfach nur auf unsere Füße. Der Weg scheint scheint immer weiter und weiter zu werden. Und man fragt sich: Wozu überhaupt noch weitergehen? Das wir doch sowieso nichts mehr.

Auch wenn es häufig nichts an de Tief selbst ändert, hilft es mir immer, wenn ich mir diesen Momenten vor Augen führe, dass sie nur temporär sind. Dass alles langfristig gesehen nicht mal halb so schlimm ist, wie meine Gedanken es mir einreden wollen. Und gerade in unseren vermeintlich schwächsten Augenblicken, haben wir mehr Stärke in uns, als wir in uns zugestehen.

Zu dieser Erkenntnis bin ich vor ein paar Tagen gekommen (oder eher gebracht worden). Besonders wenn wir sehr perfektionistisch veranlagt sind, fällt es uns schwer, Lob oder Komplimente anzunehmen, denn wir sehen in erster Linie nur die Dinge, die wir noch besser machen können und vernachlässigen das, was wir schon geschafft haben. Ich bin gerade in den letzten Monaten besser darin geworden, anerzuerkennen, dass das, was ich mache gut ist – auch wenn es (noch) nicht perfekt ist.

Trotzdem gibt es Tage, an denen mir mein „gut“einfach nicht gut genug ist. Ich ärgere mich einfach nur über alles, was ich tue und nicht tue, weil mir alles falsch und schlecht vorkommt. Das sind die Tage, an denen ich stehen bleibe oder mich noch lieber in der Erde einbuddeln würde. Dabei denke ich gar nicht daran, dass das nur meine Sicht der Dinge ist. Ich vergesse, dass die Menschen um mich herum mich trotzdem für das schätzen, was ich tue und für das, was ich bin.

Nach meinem Tief der letzten Tage, fühlt es sich wieder so an, als würde es langsam wieder bergauf gehen. Meine Schritte haben noch lange nicht ihr altes Tempo aufgenommen, sie warten nur darauf, dass mein Kopf ihnen wieder das „Go“ gibt. Denn das sind die Herausforderungen in unserem Leben: reine Kopfsache. Ganz besonders dann, wenn es schwer wird.

Ich weiß, dass ich jetzt am Beginn einer neuen Aufwärtskurve stehe. Wenn ich nach vorne blicke, kann ich sie schon sehen, diese leichte Steigung. Nur noch ein bisschen die Zähne zusammenbeißen, gut zu mir selbst sein und das Leben nehmen, wie es ist. Wir können alles tun, was wir uns vornehmen. Wir müssen uns nur jeden Tag wieder ein bisschen mehr anstrengen – oder es wenigstens versuchen.

Dieses Tief hatte jetzt nicht die Ausmaße des Finanzcrashs von 2008, doch es hat ausgereicht, um für mich alles wieder ins rechte Licht zu rücken. Es hat mich auf die nächsten Schritte vorbereitet und mir die Zeit gegeben, um meine Wanderschuhe neu zu schnüren. Es ist immer leichter, bergab zu gehen, sich seinen Gedanken hinzugeben, wenn sie erstmal Fahrt aufgenommen haben, selbst wenn man weiß, dass sie einem nicht gut tun. Es ist aber nur so lange leicht, bis man im Tal angekommen ist. Es ist schon dunkel und man hat keinen Ort zum schlafen.

Dann heißt es: Einfach mal eine Nacht unter freiem Himmel schlafen, reflektieren und sich ausruhen. Morgen geht es weiter und dann wird es auch wieder bergauf gehen. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.

Jägerin des verlorenen Mojo

mojo

Das vergangene Osterwochende habe ich endlich mit dem verbracht, was ich schon längst hätte machen sollen: Ich habe meine Wohnung aufgeräumt und entrümpelt. Das bedeutete einen Gang zur Altkleidersammlung, eine Tour zum Wertstoffhof und weitere Fahrten zu diversen Baumärkten, Gartencentern und natürlich IKEA (an einem Ostersamstag reiner Selbstmord!).

Vor allem nach diesem Samstag hatte ich seit langem endlich wieder das Gefühl wirklich etwas geschafft zu haben. Endlich habe ich ein paar Dinge entsorgt, die ich absolut nicht mehr gebraucht habe. Ich habe mir nach Jahren Vorhänge geholt, die mein Schlafzimmer ausreichend abdunkeln, damit es nicht schon um halb 7 morgens taghell ist. Auf einmal hatte ich wieder Stauraum, von dem ich vorher gar nicht wusste, dass ich ihn überhaupt besitze.

Dieser Tag hat mir dabei geholfen, mein Leben wieder ein bisschen auf die Kette zu kriegen. Besonders nachdem ich mich die Wochen davor so unruhig und ein wenig verloren gefühlt hatte. Es ist meiner Meinung nach wirklich keine Übertreibung, wenn davon gesprochen wird, dass unsere Wohnzustände in Teilen unsere Seele und unseren Gemütszustand widerspiegeln. Mein Kopf war in der letzten Zeit so voll gestopft mit Müll, genau wie meine kleine Butze. Da konnte ja nichts vernünftiges bei rumkommen.

Auf dem Weg zurück zum „königlichen Groove“

Das bedeutet natürlich nicht, dass damit auf einen Schlag all meine Probleme und Fragen aus der Welt geschafft sind, aber es hat mir dabei geholfen, ein paar Dinge klarer zu sehen und meine Prioritäten neu zu setzen. Will ich Dinge nur um mich haben, nur um des Habens willen oder weil ich sie schätze und genieße? Je länger ich mit dieser Aktion gewartet hätte, desto mehr hätte sich angesammelt und meine Wohnung und meine Gedanken verstopft.

Jetzt fühle ich mich aber endlich wieder so, als wäre ich auf dem besten Weg, um mein „Mojo“, mein Glück, nicht nur zu finden, sondern wieder selbst in die Hand zu nehmen. Denn wie gesagt, nur weil ich meine Wohnung aufgeräumt habe, regelt das nicht automatisch mein ganzes Leben.


Dinge, die ich tun will, um mein Mojo wieder zu beleben:

  1. Weniger Zeit vertrödeln – Ich neige vor allem nach der Arbeit sehr stark dazu, mich durch irgendwelche Videos auf Youtube zu klicken, oder mich in den Weiten von Pinterest zu verlaufen. Die Zeit, die dafür drauf geht, kann ich viel sinnvoller nutzen.
  2. Weniger Süß essen – Die letzten Wochen war mein Konsum an Süßigkeiten relativ gering gewesen. Das hat sich in den letzten Tagen dramatisch geändert und sich in meiner Haut und dem kleinen Bauchtäschchen widergespiegelt, das ich gerne mit hoch geschnittenen Hosen verdecke. Das darf kein Dauerzustand werden!
  3. Bewegung, Bewegung, Bewegung – Während ich in den USA war, ist der Sport eindeutig zu kurz gekommen. Vor allem Yoga hilft mir sehr um meine körperliche und mentale Ausgeglichenheit aufrecht zu erhalten.
  4. Weniger einfache Kohlenhydrate – Ich liebe Nudeln, aber leider merke ich es auch, wenn ich sie mehrere Tage hintereinander esse. Deshalb heißt die Devise nun leider: weniger Nudeln, mehr Gemüse.
  5. Meinen Balkon aufhübschen – Meine Wohnung ist jetzt frühlingsbereit (inkl. geputzter Fenster!). Jetzt muss ich nur noch dafür sorgen, dass es mein Balkon bald nachzieht. Ich habe also endlich einen ernsthaften Grund, um ins Gartencenter zu fahren – Hurra!!
  6. Mehr Wasser trinken – Eine ganze Zeit lang habe ich es ganz gut geschafft, auf mein tägliches Soll an Flüssigkeit zu kommen, doch in der letzten Zeit ist es mir sehr schwer gefallen.Deshalb werde ich wieder damit anfangen, meine Flüssgkeitszufuhr zu tracken.

All die Sachen, die ich hier aufgelistet habe, sind an sich ziemlich simpel und leicht in meinen Alltag zu integrieren, aber oft sind es diese vermeintlich einfachen Dinge, die wir aufschieben oder vergessen – vor allem, wenn wir dafür doch unseren Schweinehund überwinden müssen, wohl wissend, dass es eigentlich gut für uns ist.

Neben den hier erwähnten Vorhaben, gibt es natürlich weitere, größere Projekte, die ich machen möchte, aber gerade um die zu schaffen, glaube ich, dass es für mich persönlich umso wichtiger ist, auf diese 6 Dinge besonders zu achten. Ich möchte nicht nach 2 Monaten fest stellen, dass ich mich kaum bewegt habe, mir dafür aber jeden Abend einen fetten Teller Pasta reingezogen habe (überspitzt ausgedrückt) und mich dann schlecht fühlen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Jägerin des verlorenen Mojo nimmt ihr Leben jetzt wieder selbst in die Hand!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Ängste eines Anfängers

Blatt

Jedes Mal, wenn ich diese weiße Seite sehe, habe ich Angst. Ich habe Angst davor, dass mir nichts einfällt. Angst davor, dass das, was mir einfällt, nicht gut genug ist. Dabei ist das, was ich hier schreibe eigentlich nur für mich gedacht. Ich muss es niemandem zeigen. Ich muss es ja nichtmal selbst lesen, wenn ich es nicht will.

Trotzdem ist der Anspruch hoch. Am besten muss alles sofort perfekt sein. Dabei weiß ich ganz genau, dass Perfektion ein Luftschloss ist, dem man sich zwar annähern kann, das man aber nie wirklich erreicht. Erst recht nicht, wenn man gar nicht erst anfängt zu laufen.

Obwohl ich ein langsamer Leser bin, lese ich gerne und so viel, wi bei meinem Tempo irgendwie möglich. Ich habe Bücher gelesen, die mir nicht gefallen haben, Bücher, die ich gut fand, aber die trotzdem schnell wieder in Vergessenheit geraten sind und Bücher, die nachhaltig in mein Gedächtnis gebrannt haben.

Ich habe sie aufgesogen. Die Emotionen, die Ästhetik, die Worte – jede einzelne Seite. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, selbst zu schreiben, will ich, dass meine Texte bei anderen genau diese Wirkung hervorruft. Ich will eine Geschichte schreiben, die einen wach hält, wenn man eigentlich schon längst schlafen sollte. Dieser Moment, wenn man das Licht eigentlich schon ausgemacht hat, es dann aber doch wieder einschaltet, um „nur noch ein paar Seiten“ zu lesen.

Die eigenen Ansprüche sind die höchsten Mauern

Doch dafür muss ich zunächst meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden, die im Moment höher sind als die von allen anderen. Die Perfektion, die ich aus dem Stand zu erreichen versuche, ist dabei unerreichbar. Erst recht nicht, wenn ich noch am Anfang meines Weges stehe. Am liebsten würde ich mit Anlauf auf die Pforte meines Luftschlosses zustürmen und das Schloss gewaltsam aufbrechen.

Ich wäre gerne das „Wunderkind“ gewesen, das mit Anfang 20 ein Erstlingswerk veröffentlicht, das von Kritikern wie Lesern gleichermaßen geliebt wird. Es wäre mein Weg gewesen, um etwas besonderes zu sein. Mein Ziel war hohe Literatur für die Massen, doch die Zweifel waren bisher immer stärker als der Wille.

Bis heute fehlten mir stets der Mut, die Ideen und das Handwerk, das ich nur erlange, wenn ich mich hinsetze und mich meiner Angst stelle. Auch wenn mir diese Worte gerade leicht von der Hand gehen, weil ich einfach nur das schreibe, was mir gerade durch den Kopf geht, ist es nicht das, was ich eigentlich schreiben will. Das „Blatt“ füllt sich, aber für mich bleibt es dennoch leer.

Imitation oder Originalität?

Einer meiner größten Albträume liegt wohl darin, dass die Geschichten, die ich hoffentlich später schreiben werde, lediglich als minderwertige Kopien der Werke wahrgenommen werden, die ich bewundere. Mir ist bewusst, dass ich das Rad nicht neu erfinden kann und dass im Grunde alles, was ich mir überlegen könnte, wahrscheinlich schon durch die Hände eines anderen seinen Weg in die Realität gefunden hat.

Mein Problem liegt eher, dass ich automatisch versuche, den Stil der Bücher zu imitieren, die ich liebe, weil ich mich an ihnen messe. Liegt es daran, dass ich meiner eigenen Stimme nicht vertraue? Daran, dass ich nicht glaube, mit meiner eigenen Art etwas von Bedeutung schaffen zu können? Oder daran, dass ich so verzweifelt versuche, die Gefühle zu reproduzieren, die diese Bücher in mir ausgelöst haben?

All das sind wahrscheinlich Fragen, die sich jeder Schreiberling an irgendeinem Punkt seiner Reise in der einen oder anderen Form stellt. Zweifeln ist normal. Es gehört zum Prozess dazu. Mittlerweile habe ich einen ersten Versuch gestartet, um etwas eigenes zu erschaffen. Ich weiß noch nicht, wohin es führt, aber es ist ein notwendiger, wenn auch einschüchternder Schritt, den ich machen muss.

Ich werde aus diesem Nichts, dieser leeren Seite, etwas formen. Selbst wenn ich am Ende noch nicht zufrieden sein werde. Meine Zweifel sollen nicht länger die Fesseln sein, die mich von den Dingen abhalten, die ich tun muss, um glücklich zu sein.

Die wertvollste Ressource der Welt

Zeit

Das Thema Geld ist überall – egal, ob man es hat oder nicht. Oft sind wir damit knauserig. Ich kann mich beispielsweise noch gut an mein Studium erinnern, als ich sämtliche Ausgaben und Einnahmen aufgeschrieben habe, um den Überblick über mein Geld zu behalten. Und nicht selten habe ich überlegt, ob ich mir das Kino oder den Restaurantbesuch wirklich leisten kann.

Geld ist also nicht nur überall, sondern es ist auch noch extrem wichtig. Ohne Geld haben wir kein Dach über dem Kopf und können uns nichts zu Essen leisten. Kein Urlaub, keine neue Kleidung, nix. Trotzdem gibt es für mich noch etwas, das in den letzten Monaten viel, viel wichtiger geworden ist: Zeit. Denn während wir Geld durch Arbeit und Sparen vermehren können, wird die Zeit, die wir auf dieser Erde haben immer weniger.  Wir wissen noch nichtmal, wie viel wir am Ende überhaupt von ihr haben. Trotzdem gehen wir mit ihr um, als wäre sie grenzenloses Gut.

All die Stunden, die wir mit dem Binge-Watching irgendwelcher Serien verbringen oder damit, uns vor den Sachen zu drücken, die wir eigentlich machen sollten… all das ist wertvolle Zeit, die nahezu ungenutzt verstreicht und nicht wieder zurückkommt. Ich selbst bin oft recht wahllos, wenn es darum geht, wie ich mir meine Tage einteile. Dann nehme ich mir zwar oft Dinge vor, die ich tun will, aber am Ende versacke doch vor dem Fernseher oder in einem der zahlreichen Wurmlöcher auf Youtube. Am Ende des Tages habe ich nichts gemacht, außer mich berieseln zu lassen.

Wertvolles Potenzial wird einfach verschenkt

Ich glaube nicht, dass man seinen Tag mit sämtlichen Kunstgriffen aus der Effizienz-Trickkiste feintunen muss, nur damit am Ende auch wirklich jede Minute sinnvoll genutzt sind. Mir persönlich sind solche Pausen, in denen ich nichts tue, auch mehr als willkommen. Wenn ich den ganzen Tag über meiner Arbeit gebrütet habe, will halt einfach nichts mehr machen, das mich mental anstrengt. Nur nehmen diese „kleinen Pausen“ schnell Überhand. Statt zu schreiben oder etwas anderes kreatives zu machen, gebe ich mich dann komplett dem Konsum hin.

In diese Falle bin ich besonders gerne während des Studiums getappt, als ich noch mehr Zeit hatte. Nur ist es mir damals nie wirklich aufgefallen. Jetzt, mit einem Vollzeitjob, ist mir erst bewusst geworden, wie wenig freie Zeit mir eigentlich zur Verfügung steht, um mir die Träume und Ziele zu erfüllen, die ich abseits meines Jobs habe. Muss ich während meines Feierabends wirklich 3 Folgen einer Serie schauen? Oder reicht es auch, wenn ich mal nur eine Folge gucke?

Wir tauschen langfristiges Glück gegen kurzfristiges Vergnügen

Es ist natürlich immer die einfachere Wahl, den Konsum zu wählen und sich stundenlang einfach nur berieseln zu lassen, statt aktiv zu werden. Doch fühlen wir uns danach wirklich besser? Ich muss zugeben, dass ich es manchmal schon bereue, wenn ich Sonntagabends ins Bett gehe mit dem Wissen, dass ich nichts geschafft habe, außer eine ganze Staffel Gilmore Girls zu gucken – was sicher auch irgendwo beeindruckend ist. Aber war das wirklich die ganze Zeit wert, die ich dafür hergegeben habe?

Wäre es schlimm gewesen, wenn ich zumindest 2 Stunden freigeschaufelt hätte, um spazieren zu gehen oder wenigstens etwas zu lesen? Gerade nach einem langen Tag auf der Arbeit fällt es mir sehr leicht, mich direkt in meinen Pyjama zu schmeißen und den Rest des Abends an mir vorbeiziehen zu lassen. Auch diese Blogposts, die mir eigentlich Spaß machen und mir dabei helfen, das Chaos in meinem Kopf zu ordnen, erfordern eine gewisse Anstrengung und Mühe.

Es war ja schon Arbeit, den Fernseher nach einer Folge Suits abzustellen, um diesen Beitrag hier zu schreiben.

Schlussendlich sieht es jedoch so aus: Jeder Mensch auf diesem Planeten hat 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Der einzige Unterschied zwischen den Menschen, die Erfolg (welcher Art auch immer) und Erfüllung verspüren und dem Rest, der sich zwar das gleiche wünscht, aber nichts dafür tut, ist die Art wie er diese 24 Stunden nutzt.

Der erste Schritt in die richtige Richtung besteht darin, wirklich zu erkennen, wie man seine Zeit verbringt. Worin investieren wir besonders viel Zeit? Macht uns das langfristig glücklich? Und was würden wir gerne mehr in unser Leben integrieren? Allein indem wir damit anfangen, über diese Fragen nachzudenken und uns ernsthaft mit ihnen auseinander zu setzen, fördern wir einen bewussteren Umgang mit der wichtigsten Ressource der Welt.

„Schalt mal ’nen Gang runter.“

Pause

Wenn man ein Projekt startet, das einem viel Spaß macht oder bei dem man schnell Erfolge sehen will, neigt man gerade in der Anfangszeit dazu zu viel zu machen. Klar, man ist hochmotiviert und will Ergebnisse sehen, doch wie oft kommt es dann vor, dass man zu viel auf einmal will? Man fängt an, sich mehr Druck als nötig zu machen, arbeitet unter Umständen mehr als jemals zuvor, aber wirklich zufrieden ist man trotzdem nicht.

Am Ende ist man oftmals so überfordert, dass man hinschmeißt. Und damit meine ich nicht nur die Kandidaten, die sich jedes Jahr zu Beginn vornehmen, mehr Sport zu treiben. Es kann einen in jedem Bereich treffen: wenn wir eine Sprache lernen wollen, wenn wir neben dem Job ein kleines Business gründen, oder sogar bei derart banalen Dingen wie dem Entrümpeln der eigenen vier Wände.

Alles auf einmal ist nicht immer besser

Das geflügelte Wort „Work-Life-Balance“ wird einem in der Regel immer dann um die Ohren gehauen, wenn man zu viel vom ersten Teil der Rechnung hat: Arbeit. Dann werden wir meist von Freunden und Kollegen, die es nur gut mit uns meinen, dazu aufgefordert, endlich mal einen Gang runter zu schalten. Ich gehöre von Natur aus eher zu den entspannteren Personen, die dementsprechend eher damit kämpfen, ihren Hintern überhaupt erst für etwas hoch zu kriegen. Doch auch ich habe diese Momente, in denen ich zu viel will.

Die komplette Wohnung muss dann in einer Art Gewaltmarsch innerhalb eines Tages komplett auf den Kopf gestellt und aufgeräumt werden, anstatt alles auf zwei Tage zu verteilen. Ein 40 Seiten langer Text für die Arbeit muss in wenigen Stunden überarbeitet werden – und das neben dem üblichen Tagesgeschäft auf der Arbeit, das alleine schon mehr als genug ist. Mein persönliches Paradebeispiel habe ich aber gerade hier erlebt.

Die letzten Wochen war ich extrem motiviert, was diesen Blog angeht. Ich wollte jede Woche regelmäßig Content raushauen – mindestens zwei-, besser natürlich dreimal die Woche. Hochwertig sollte er sein und natürlich war da die ganze Zeit der Gedanke im Hinterkopf: „Du musst da jetzt was machen! Wenn du jetzt nicht machst, dann bringt das alles doch nix.“ es war ein bisschen so wie früher, als ich angefangen hatte, mein ganzes Leben um mein Sportprogramm zu bauen – nur eben mit dem Blog.

Stress statt Spaß

Ich habe überlegt, welche Termine ich wie legen muss, damit ich noch Zeit zum schreiben habe, habe mir irgendwas aus den Fingern gesaugt und teilweise auch die Momente ignoriert, in denen es besser gewesen wäre, wenn ich mal eine Pause eingelegt hätte. Zweimal die Woche einen Text zu schreiben und ins Internet zu stellen, mag für so manchen nach wenig Arbeit klingen, doch für mich ist es tatsächlich ein wenig anders.

Bei einem Vollzeitjob, sozialen Verpflichtungen und Sport bleibt nicht mehr viel Zeit übrig, wenn ich zwischendurch noch etwas entspannen will. Doch in den letzten Tagen stellte ich mir vermehrt die folgende Frage: „Warum überhaupt der ganze Stress, wenn es doch eigentlich Spaß machen soll?Geht die Welt unter, wenn ich mal ein paar Tage nichts schreibe? Nein. Bin ich weniger wert, wenn ich mir eine Pause gönne ohne vorgearbeitet zu haben? Auch das nicht.

Und so habe ich mir die letzten Tage einfach mal genommen, um mich auf andere Dinge zu konzentrieren, die mir wichtig sind und den Kopf frei zu kriegen. Denn obwohl ich gerne schreibe und es mir hilft, meine Gedanken zu ordnen, ist es immer auch mit Anstrengung verbunden. Und bevor ich es übertreibe und mir sprichwörtlich der Treibstoff ausgeht, lasse ich es lieber etwas langsamer angehen.

Volle Kraft voraus durch regemäßige Pausen

Auch wenn das bedeutet, dass es hier etwas langsamer zugeht. Ich weiß, dass es für mich langfristig die schlauere Lösung ist, denn wie immer im Leben geht es um die Balance. Die besteht definitiv nicht nur darin, immer nur volle Power zu geben bis der Tank komplett leer ist, sondern auch darin zu wissen, wann man sich ein wenig zurückziehen muss.

Deshalb ist mir gerade jetzt wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, hin und wieder mal die Beine hoch zu legen und zu versuchen, sich Ruhe zu gönnen, ohne deswegen direkt in die Selbstkritik zu verfallen. Ab und an einen Gang runter zu schalten, ist nichts wofür man sich meiner Meinung nach schämen muss, sondern etwas, das in der heutigen Zeit des „Hustlens“ viel mehr geschätzt und kultiviert werden sollte, denn nur mit regelmäßigen Pausen bleiben wir langfristig leistungsfähig und behalten den Spaß an dem, was wir tun.

Und diese Pause kam mir zusätzlich zugute, weil sie mich zu diesem spontanen Post inspiriert hat, auf den ich wohl nicht gekommen wäre, wenn ich krampfhaft versucht hätte, mir etwas zu überlegen. Also ein absoluter Win-Win für alle, oder nicht?