Wie“La dolce Vita“ meine Seele kurierte

Bergamo

Am Freitagabend stieg ich am Flughafen Köln/Bonn aus dem Flieger. Es war kalt und etwas ungemütlich. Ich konnte zwar noch die warmen Sonnenstrahlen der letzten Tage auf meiner Haut nachspüren, aber sie war bedeckt von einem Pullover und meiner Jeansjacke, um sie vor dem plötzlichen Temperatursturz zu schützen. In Deutschland liegen trotz der noch warmen Temperaturen bereits die ersten Vorboten des Herbstes in der Luft.

Doch in der vergangenen Woche konnte ich kurz vor dem Abschied des Sommers die Vorzüge eines mediterranen Sommers erleben. Eine Woche in Bergamo liegt hinter mir und sie war genau das, was ich gebraucht hatte. Die Erkundung neuer Städte und einer neuen Kultur. Wandertouren in den Bergen. Hier und da eine neue Herausforderung. Es war genau das, wonach mein Körper und meine ausgehungerte Seele seit Monaten regelrecht gegiert hatten.

Schon als wir vorletzten Freitag um kurz vor 10 in der Früh in Bergamo ankamen, wusste ich, dass es genau das war, was mir gefehlt hatte. Eine Auszeit an einem Ort, der mich nicht jeden Tag an die Arbeit erinnert. Einfach mal komplett abschalten, mich treiben lassen und ohne Reue mit Pizza, Pasta und Aperol Spritz das Leben genießen.

Ein bisschen „La dolce Vita“

Wir (meine Mutter und ich) gingen in diesen Urlaub ohne einen festen Zeitplan. Wir hatten ein paar Dinge, die wir auf jeden Fall machen wollten, wie zum Beispiel für einen Tag nach Mailand fahren und Wandern gehen, doch im Grunde lebten wir einfach in jeden Tag hinein und richteten uns danach, wie wir uns fühlten.

So erkundeten wir am ersten Tag erstmal in Ruhe die Stadt mit ihrem gigantischen Friedhof, den kleinen Straßen und Lokalen. An einem anderen Tag trieben wir uns fast nur in den hiesigen Museen herum. Ab Montag wagten wir uns mit unserem Mietwagen auf die italienischen Straßen mit ihren unzähligen Kreisverkehren und Serpentinen, bei denen wir das eine oder andere Mal regelrecht Blut und Wasser schwitzten. Dafür wurden wir mit Ausblicken und Erlebnissen belohnt, die ich kaum in Worte fassen kann.

Wir entdeckten die vielfältige Natur des Serio-Tals mit seinen majestätischen Wasserfällen, die Wälder und Wiesen bei Lecco am Lago di Como und die Höhen der Berge hinter Cusio, wo ein Blick ins Tal kilometerweit reichte. Wir erlebten die Freundlichkeit der Lombarden und konnten ein bisschen von dem Gefühl erhaschen, das man „La dolce Vita“ nennt, als wir an einem besonders sonnigen Tag die Wanderschuhe auszogen und unsere Füße in den Lago d’Iseo hielten.

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Ein kleiner Reset zwischendurch

Diese Reise war ein dringend nötiger Reset für mich. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie angespannt ich in der letzten Zeit wirklich gewesen bin. Es ist für mich eine große Erkenntnis, dass ich kein Mensch bin, der nur in einem Lebensraum überleben kann, ohne schlecht gelaunt zu werden oder mich vom Alltagsstress überrollen zu lassen. Ich habe es immer irgendwie gefühlt, habe die Wichtigkeit des Reisens aber trotzdem immer heruntergespielt.

Und mindestens genau so wichtig ist dabei für mich, dass ich mich nicht zwangsläufig 3 Wochen am Stück für ein Retreat auf Bali zurückziehen muss, sondern dass auch eine kurze Woche wie diese zwischendurch ausreicht, um meinen Tank wieder aufzufüllen. Hauptsache weg.

In anderthalb Monaten werde ich wieder im Flieger sitzen. Eine Reise, auf die ich, seit meinem letzten Trip dorthin, schon 5 Jahre warte: Japan. Zweieinhalb Wochen werde ich mit meiner besten Freundin das Land bereisen – von Tokyo über Kyoto nach Hiroshima und wieder zurück. Auch hier werde ich sicher am Ende kurz berichten, was ich erlebt habe.

Bs dahin bereite ich mich mental schon mal auf meine liebste Jahreszeit vor und versuche so viel wie möglich von dieser neu gewonnenen Leichtigkeit zu bewahren.

 

Ein Angriff auf das Gewohnheitstier

London

Spontaneität ist nicht gerade eine meiner Stärken. Ich bin sehr verwurzelt in meinen Routinen und fühle mich dort sehr wohl. Vieles, was diesen gewohnten Rahmen sprengt, erfordert meist stundenlanges Überlegen. Dabei wiege ich pro und kontra meist derart umfangreich ab, dass sich die Entscheidung wieder erledigt hat, weil es einfach zu spät ist.

Diesem Dilemma begegne ich im Alltag relativ häufig. Egal, ob es darum geht, in einer Sitzung auf der Arbeit etwas vor allen Anwesenden zu sagen, oder darum, anstelle von Spaghetti-Eis was anderes zu probieren. Um hier ja keinen zu spannenden Cliffhanger zu erzeugen: meistens bleibe ich bei meinen Mustern. Das heißt, ich sage in der Sitzung natürlich nichts und was anderes als Spaghetti-Eis kommt mir nicht auf den Tisch. Denn mal ehrlich: Was ist bitteschön besser als der gefrorene Kern aus Sahne?

Eine Entscheidung gegen die Gewohnheit

Doch auch als erprobtes Gewohnheitstierchen habe ich mir in letzter Zeit vermehrt die folgende Frage gestellt: Was ist eigentlich das Schlimmste, was mir passieren kann, wenn ich mal etwas anders mache? Und vor allem spontan anders mache?

Die Antwort darauf war so beruhigend wie erüchternd. Denn meistens sieht es doch so aus: Ich werde davon weder sterben, noch sonst irgendwem Schaden zufügen. Ich gebe mir selbst nur die Chance etwas zu erleben, das potenziell besser sein kann als mein normales Leben – aber auch schlechter. Mehr ist es nicht. Und trotzde fällt es mir so schwer, einfach mal dem Impuls des Moments zu folgen…

Um aus dieser Gewohnheitskiste auszubrechen, habe ich deshalb etwas ganz verrücktes getan („verrückt“ ist übrigens ein sehr dehnbarer Begriff, wie man an meinen Standards sieht): Ich habe ein Wochenende in London gebucht. Ganz für mich allein. Und ich habe nur 2 Tage gebraucht, um diese Entscheidung zu treffen! Das hat doch einen feuchten Schulterklopfer verdient, oder?

Damit habe ich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen, um mich mit sanftem Druck aus meiner Komfortzone zu schieben. Denn die Sache ist die: London ist natürlich keine billige Stadt, aber im Moment kann ich es mir leisten. Also, wozu der falsche Geiz? Erlebnisse sind schließlich die beste Form der Geldanlage (sorry, Aktien).  Nun aber zu den Gewohnheiten, denen ich mit dieser Aktion ein Schnippchen schlagen will:

1. Ich verbringe mein Wochenende mal komplett anders als sonst. Obwohl London mir sehr vertraut ist, habe ich dort natürlich ganz andere Möglichkeiten. Statt zu Hause oder bei meinen Eltern einfach nur herumzuhängen, werde ich unterwegs sein und Ecken der Stadt erkunden, die ich noch nicht gesehen habe und mich mit neuen Eindrücken umgeben.

2. Ich werde alleine sein. Damit habe ich an sich kein Problem, doch es gibt immer noch Dinge, die ich nicht gerne alleine mache, allen voran auswärts essen. Dabei ist es eigentlich nichts wofür man sich schämen muss. Dieses Wochenende wird für mich also eine gute Probe sein, mich noch wohler in meiner eigenen Gesellschaft zu fühlen und mich davon nicht einschränken zu lassen. Und auch so werde ich alles alleine regeln müssen. Das ist in einer Stadt, die man schon kennt, vielleicht nicht die größte Herausforderung, aber doch zumindest eine gute Übung.

3. Ich folge meinem Bauchgefühl. Meist ist es doch so,  dass wir unsere Tage sehr ähnlich verbringen. Wir nehmen uns zwar ständig besondere Ausflüge vor, machen aber nur die wenigsten davon, weil wir es uns selbst wieder ausreden. Doch gerade, wenn diese Impulse spontan aufkommen, sind sie ein Zeichen dafür, dass uns etwas gerade besonders gut tun würde oder uns schlicht fehlt. In meinem Fall heißt das, zumindest für 2 Tage den Alltag zu verlassen und mir Zeit für mich zu nehmen, die ich nicht mit Netflix & Co. verbringe.

Der Moment, als ich die Flugtickets gebucht habe, war für mich unerwartet aufregend. Einfach, weil ich normalerweise nicht als der Mensch bekannt ist, der spontan irgendwo hin fliegt oder etwas ungewöhnliches macht. Doch das muss nicht bedeuten, dass ich mich dieser Rolle immer fügen muss. Ich will mehr reisen und mehr Erfahrungen sammeln, auch wenn das heißt, dass ich meine geliebten Gewohnheiten zeitweilig hinter mir lassen muss.

Das MET – Ein Irrgarten der Kunst

METIch liebe große Städte – ihre Vielfalt und die Anonymität. Millionen von Menschen, die sich wie Ameisen durch ein Netz von Straßen schlängeln. Alles wirkt hektisch und überfordert einen manchmal mit seine Reizen und doch hat es System. Mittlerweile fühle ich mich in Seoul und in London fast wie zu Hause. Tokyo ist eine der faszinierendsten Städte, die ich bisher besucht habe und jetzt kann ich auch New York City auf meine Liste der bisher besuchten Großstädte setzen.

Auch wenn ich sie als Stadt per sé nicht als schön beschreiben würde, hat sie doch unglaublich viel zu bieten. Es ist wirklich eine Stadt, die niemals still steht – geschweige denn still ist. Dabei habe ich mir zwischendurch nichts mehr als ein bisschen Stille gewünscht. Und ich fand sie.

Ich fand die Stille in ihrer schönsten Form direkt am Central Park: Das Metropolitan Museum of Art, kurz MET. Dreieinhalb Stunden nur für mich, umgeben von Gemälden, Skulpturen und vielen anderen Kunstgegenständen mit denen ich niemals gerechnet hätte. Jeder Raum hielt eine neue Überraschung für mich bereit.

Müsste ich diesen Ort mit nur wenigen Worten beschreiben, dann würde ich sagen, es ist ein gigantischer Irrgarten der Kunst. Abgesehen davon, dass es absolut riesig ist (spoiler alert: Ich habe noch lange nicht alles gesehen und muss wohl „leider“ nochmal hin), bietet es eine Fülle an Objekten, die ich in einer solchen Vielfalt noch nie gesehen habe.

Allein diese Vielfalt und die Tatsache, dass man meiner Meinung nach mindestens zwei Tage einplanen sollte, wenn man sich möglichst viel anschauen will, rechtfertigt in meinen Augen den stolzen Eintrittspreis von 25$. Dafür kann man das Museum an 3 aufeinanderfolgenden Tagen besuchen. Ein super Preisleistungsverhältnis für jeden Kunst-Junkie!

Nachdem ich meinen Eintritt bezahlt hatte, legte ich meine Musik auf und die Reise konnte losgehen. Mein Weg führte mich über antike Skulpturen nach Afrika, Südamerika, zu den Impressionisten und Klassikern des 19. Jahrhunderts. Ich sah die prächtigen Räume venezianischer Palazzi wieder auferstehen und tauchte in die Welt von Fabergé ein.

Und obwohl das Museum gut besucht und damit teilweise mit mehr Leuten angefüllt als mir lieb war, gab es Bereiche, in denen sich kaum ein Mensch aufhielt und wo ich wirklich für mich sein konnte. Dann nahm ich mir auch wirklich Zeit, um all die Einflüsse, die mich umgaben, aufzunehmen und zu genießen.

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Die schiere Fülle an unterschiedlichen Stilen und Objekten war beinahe erschlagend, als ich auf einmal merkte, dass mir die Zeit davonlief und ich noch lange nicht alles gesehen hatte, was ich sehen wollte. Was war mit der asiatischen Kunst? Und mit den Ägyptern? Abgesehen davon hatte ich mich zwischenzeitlich ohnehin zwischen irgendwelchen Kolonialmöbelstücken verlaufen.

Trotz der Hektik, die sich dadurch zum Ende meines Besuches entwickelte, lief ich regelrecht auf Wolken. So sehr, dass ich mir aus dem Souveniershop glatt noch eine Tasse oder einen Beutel mitgenommen hätte, doch beides wurde zu derart salzigen Preisen angeboten, dass ich beschloss, mich auf die Eintrittskarte als Andenken zu beschränken.

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Das MET war für mich eine der positivsten Überraschungen dieser Reise und damit eines der absoluten Highlights. Obwohl rein von meinem Bauchgefühl her das „Victoria & Albert Museum“ in London nach wie vor mein liebstes Kunstmuseum ist, hat sich das MET im Sturm auf den zweiten Platz katapultiert (gefolgt vom „Louvre“ in Paris). Während ich das Victoria & Albert Museum fast jedes Mal besuche, wenn ich in London bin, hat das MET zweifellos das Potenzial dazu das gleiche zu werden, wenn ich in Zukunft wieder nach New York reise.

Fernweh und andere Probleme

Fernweh

Mir fällt die Decke auf den Kopf. Zumindest fühlt es sich gerade so an. Seit Tagen schon bin ich rastlos, kann mich auf nichts konzentrieren. Ich fange eine Aufgabe an, nur um eine Minute den Tab für etwas neues am PC zu öffnen. Nichts mag irgendwie wirklich gelingen. Mein Kopf ist gefühlt überall – nur nicht dort, wo er gerade sein soll. Wenn er nicht angewachsen wäre, wäre er mir wohl schon längst von den Schultern gesprungen und davon gerollt.

Er wäre zum nächsten Flughafen und in den nächstmöglichen Flieger gekullert, denn die Wahrheit ist die: Ich habe ganz böses Fernweh. Für dieses Jahr stehen schon zwei große Reisen an, die ich voller Ungeduld erwarte, doch jetzt gerade kann es mir einfach nicht schnell genug gehen. Am liebsten würde ich jetzt meinen Koffer packen und abhauen.

Und weil die eine Reise im März ist und die andere im November, überlege ich natürlich auch, wie ich die Monate dazwischen überbrücken kann. Im Moment bin ich jedenfalls fest davon überzeugt, dass ich wahnsinnig werde, wenn ich sie hier verbringe. Meine neueste, fixe Idee ist ein langes Wochenende alleine in einer Stadt, in der ich noch nie vorher gewesen bin: Barcelona.

Zum einen ist da der Nervenkitzel, weil ich gerne mal alleine reisen würde, es aber noch nie wirklich getan habe. Zum anderen möchte ich mich mal wieder voll und ganz diesem Kulturrausch hingeben. Selbst wenn es nur für ein paar Tage ist. Hauptsache weg, hauptsache schön.

Woher dieser plötzliche Drang zur Flucht kommt, weiß ich nicht. Normalerweise bin ich auch eher der Homebuddy, was schlicht und ergreifend daher kommt, dass ich mein zu Hause liebe, aber ich kriege den Kopf einfach nicht frei. Ständig ist da oben irgendwas los. Und oft sagt man ja, dass ein Tapetenwechsel zwischendurch auch für frischen Wind im Oberstübchen sorgt. Schaden kann es jedenfalls nicht (auch wenn mein Bankkonto mir dann etwas anderes sagen wird).

Selbstfindung im neuen Jahrtausend

Vielleicht ist es aber auch diese romantische Vorstellung, die man schon mal hat, wenn man von Leuten hört, die eine Reise gemacht haben und die scheinbar von der absoluten Erleuchtung den Kopf gestreichelt bekommen haben. Sie berichten von der Klarheit, die sie plötzlich über sich und das Leben haben, dass sie auf einmal wissen, wer sie sind und weshalb sie auf dieser Welt sind. Sie fangen an Bücher zu schreiben, eröffnen ein eigenes Meditationszentrum, oder packen ihren Koffer direkt wieder um auszuwandern.

Das ist natürlich ein etwas überzeichnetes Klischee, und doch gibt es diese Reisen, die etwas mit uns machen. Die etwas in uns verändern und den Funken überspringen lassen, der so lange nicht zünden wollte. Vielleicht warte auch ich auf diesen Moment der Erleuchtung. Diesen Moment, wenn ich in einem Café in einer fernen Stadt sitze und mir ganz klar, aber trotzdem  ganz unaufdringlich bewusst wird, wo ich im Leben hin will und mit einem Mal ist alles in mir ruhig und friedlich.

Was labert die da für einen Hippie-Schmarrn?“ höre ich manche jetzt schon fragen, aber ganz ehrlich? Das ist mir wurscht. Es wäre für mich eine einfache Lösung für ein, wie mir scheint, eigentlich nicht ganz so einfach zu lösendes Problem. Weil es zu tief sitzt. Weil ich mir im Leben noch nicht die richtigen Fragen gestellt habe, oder mich nicht traue sie zu beantworten.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Reise löst nicht alle Probleme. Aber sie würde mir zumindest dabei helfen, ein wenig Abstand zu gewinnen und für ein paar Tage aus der Achterbahn in meinem Kopf auszusteigen. Allein das würde mir gerade schon extrem helfen.

Die Stadt der Liebe? Is‘ klar…

Paris

Dieser Beitrag ist eigentlich schon ein paar Monate alt. Ich weiß nicht, warum ich ihn damals nicht veröffentlicht habe – deshalb tue ich es jetzt. Der Hintergrund ist ein Kurztrip nach Paris mit meiner besten Freundin im vergangenen Sommer.

Enjoy, people!

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Kürzlich habe ich ein langes Wochenende in Paris verbracht. Ich bin schon über 5 Jahre nicht mehr dort gewesen und obwohl ich die Stadt sehr schön finde, und auch immer wieder mal hinfahren würde, sind mir dieses Mal einige Dinge aufgefallen, die ich bei meinem ersten Besuch damals wohl verdrängt habe. Oder es gab sie damals einfach noch nicht, wer weiß…

  1. Paris ist schweineteuer. Gut, solange man Urlaub innerhalb Westeuropas macht, kann man nur schwer damit rechnen, eine vernünfte Mahlzeit für unter 10€ zu bekommen. Zumindest wenn man was vernünftiges haben will. Aber nicht nur das Essen summiert sich ganz schnell: Besonders wenn man die kulturellen Vorzüge der Stadt genießen will, muss man tief in die Tasche greifen. Währen in London fast alle Museen kostenlos sind, muss man für den überfüllten (aber dennoch sehenswerten) Louvre 16€ bezahlen, sobald man das Pech hat Ü25 zu sein. Zum Glück sind wenigstens die Metrotickets recht erschwinglich.
  2. Touristen, überall Touristen. Auch damit sollte man rechnen, wenn man im Sommer irgendein Land besucht. Besonders oft gesichtet wurden Horden chinesischer Touristen, die bunten Schirmchen hinterher liefen. Wirkliche Romantik kann da weiß Gott nicht aufkommen. Ganz besonders nicht an solchen Hotspots wie Notre Dame, in Montmartre oder in Versailles.
  3. Und sind sie alle dumm? Als wir uns auf den Weg 20170729_114938nach Versailles machten, mussten wir an einer Metro-Station in die Bahn umsteigen, die bis nach Versailles fuhr. Da die meisten Touristen anscheinend zu dumm sind, um den Weg über die Straße zur Station zu finden, sind eigens Leute rekrutiert worden, um besagten Touristen per Fingerzeig den Weg zu deuten. Das gleiche Vergnügen erwartete einen nach der Ankunft am Bahnhof von Versailles. Wie soll man auch sonst den Weg zum riesigen Schloss finden??
  4. Man(n) hat gerne was zu gucken. Es soll ja schon mal vorkommen, dass Männer Interesse am anderen Geschlecht haben und das auch mehr oder weniger offen zeigen, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal von so vielen Männern so offen angestarrt wurde – und ich merke sowas eigentlich nie. Sehr subtil, meine Herren! Vielleicht hatte ich aber auch einfach nur was zwischen den Zähnen…
  5. Bloß nicht vor 19 Uhr Essen gehen! Anscheinend gehören die Franzosen zu den Völkchen, die gerne sehr spät zu Abend essen. Wen vor 19 Uhr der Hunger umtreibt, wird die meisten Restaurants geschlossen vorfinden. Bis dahin gibt es nur Wein und Zigaretten.
  6. Keine japanischen Restaurants besuchen, die nicht von Japanern betrieben werden. Nachdem wir uns 4 Stunden durch den Louvre geschleppt hatten, hing uns der Magen bis in die Kniekehlen. Und so stürmten wir dankbar einen Laden, der verheißungsvoll und in japanischen Lettern „Ramen“ versprach. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann, der dort arbeitete nicht nur kein Japaner, sondern Chinese war, was an sich kein Verbrechen ist. Wirklich kriminell wurde es erst dann, als eine Truppe seiner Landsmänner nach uns reinmarschiert kam, eigene Beilagen mitbrachte UND auch noch vor uns bedient wurde. Jep, danach waren wir auch mehr als bedient.

Wer schon ein paar Mal in Paris war, wird über diese Erkenntnisse vermutlich den Kopf schütteln und sie als Allerweltswissen abstempeln. Für uns war es nach all den Jahren doch wieder ein kleiner Kulturschock. Da springt man für dreieinhalb Stunden in die Bahn und befindet sich in einer vollkommen neuen Welt.

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Dabei war nicht alles schlecht, im Gegenteil! Wir lernten einen charmanten Kellner kennen, der mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat und der tatsächlich all seinen Mut zusammennahm, um Deutsch mit uns zu sprechen. Wir hatten ein fantastisches Boeuf à la Bordelaise. Von unserem charmanten Apartment aus hatten wir jeden Tag einen fantastischen Blick auf Sacre Coeur. Keiner von uns wurde ausgeraubt. Wir haben viel Zeit damit verbracht, die Stadt zu Fuß zu erkunden und über Gott und die Welt zu reden.

Wenn man die richtigen Ecken zur richtigen Zeit besucht, ist Paris eine wunderschöne Stadt. Und wenn man es mal schafft, den Menschenmassen für einen Moment zu entkommen, dann fühlt es sich sogar so an, als wäre man mitten in „Midnight in Paris“ gelandet – wo die kleinen, engen Gassen eine Faszination ausüben, der man sich nicht entziehen kann und wo hin und wieder ein leises Chanson erklingt.

Urlaub zu Hause

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Die Abgabe des Urlaubsantrags ist für viele der Startschuss, um nach Hotels und Flügen für den nächsten Trip zu suchen. Gerade wenn man die Uni verlassen hat und in einem festen Job steckt, wird Urlaub noch wertvoller als er vorher ohnehin schon war. Man hat eindeutig weniger davon und im von Arbeit geprägten Alltag sind die Freiheiten des Lebens sowieso spärlich gesät.

Umso wichtiger ist es da, das bisschen an freier Zeit voll und ganz auszuschöpfen. Und während das für viele bedeutet, die Sachen zu packen und am besten möglichst weit weg und möglichst lange zu flüchten, gebe ich mich schon damit zufrieden, einfach mal ein paar Tage zu Hause zu verbringen.

Reisen ist nicht alles

Natürlich fahre ich auch gerne weg. Gerade Kurztrips können unerwartet erfüllend sein und den Energietank schnell wieder auffüllen, aber es hat auch etwas für sich, wenn man einfach mal seinem natürlichen Lebensrhythmus folgen kann. Ohne durch die normalen Arbeitszeiten eingeschränkt zu werden, kann ich mir dann meinen Tag einteilen, wie ich es möchte.

Ich kann schlafen, so lange wie ich will. Dann ein bisschen Sport machen und ein ausgiebiges Frühstück genießen. Und danach? Mal sehen, immerhin habe ich alle Zeit der Welt. Ich kann mich endlich um all die Dinge kümmern, die in der letzten Zeit zu kurz gekommen sind. Das bedeutet leider auch oft Aufräumen oder andere Dinge, die nicht so angenehm sind, aber dafür habe ich anschließend immer noch genug Zeit zum faulenzen übrig.

Zu wissen, dass ich meine Putzsession oder meinen Wocheneinkauf nicht in die wenigen freien Stunden nach der Arbeit schieben muss, ist für mich schon ein großer Stressfaktor weniger. Meistens genieße ich solche Tätigkeiten dann auch mehr, weil ich weiß, dass ich mich nicht hetzen muss, oder weil danach noch etwas schönes ansteht.

Auch ein bisschen Schadenfreude muss mal sein

Außerdem hat der Urlaub zu Hause für mich auch aus psychologischer Sicht eine positive, aber auch etwas merkwürdige Wirkung. Wenn man wegfliegt, denkt man eigentlich kaum an die daheim gebliebenen Kollegen. Für ein paar Tage lebt man in einer Art schönen, entspannten Parallelwelt, wo es keine Arbeit gibt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Bleibe ich aber zu Hause, denke ich vor allem die ersten beiden Tage an die armen Seelen, die schon längst im Büro sitzen, während ich mich noch genüsslich im Bett strecke.

Es ist ein wenig gehässig, aber aus meiner Sicht durchaus menschlich, in diesem Moment ein wenig Schadenfreude zu empfinden. Abgesehen davon gibt es mit Sicherheit genug Gelegenheiten, an denen der Spieß umgedreht wird. Da darf man sich ruhig mal freuen, wenn man sich der absoluten Faulheit hingeben kann … und andere eben nicht.

Und weil auch die lästige Heimreise weg fällt, die in den seltensten Fällen glatt läuft und einen dann mindestens so gestresst wieder zur Arbeit kommen lässt, wie man sie verlassen hat, ist der Übergang vom Urlaub zur Arbeit weitaus sanfter. Balkonien sei Dank!

Absolute Zufriedenheit für wenig Geld

Obwohl ich das mit dem Balkon die nächsten Tage lieber sein lasse, so kalt wie es draußen ist. Dafür habe ich viel Zeit für meine Freunde, Sport, Spazieren gehen, Lesen, den Blog und Serien eingeplant. Zwischendurch noch ein wenig die Wohnung aufmöbeln und ich bin vollkommen zufrieden. Einfach eine Woche voller abgammeln und schöner Dinge – ohne Flug- oder Hotelkosten.

Für mich ist es auch ein gutes Zeichen, dass ich mein Leben nicht komplett hinter mir lassen muss, um entspannen zu können. Es ist nichts bemitleidenswertes, wenn man Urlaub macht, ohne weg zu fahren. Für mich ist es vielmehr ein Zeichen dafür, wie zufrieden ich mit meinem normalen Leben bin und wie sehr ich die Stadt liebe, in der ich wohne. Und das ist meiner Meinung nach auch schon eine ganze Menge wert.

Aber trotzdem: Die nächste Reise ist schon in Planung, denn ein Leben ganz ohne Reisen wäre wie eine Spielekonsole mit kaputtem Controller. Sinnlos und ohne jeglichen Spaß.

 

Weltenbummler oder Gewohnheitstier?

WeltenbummlerHeutzutage ist Reisen glücklicherweise einfacher als jemals zuvor – und viele Menschen machen davon regelmäßig Gebrauch. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Reisetypen. Während manche Menschen am liebsten so viele Länder wie möglich abklappern und gefühlt schon auf der ganzen Welt unterwegs gewesen sind, fahren andere seit Jahren immer wieder zum gleichen Ort, gehören dort quasi schon zum Inventar.

Ich selbst hatte schon von klein auf das Glück, dass meine Familie gerne reiste. Meine erste richtige Reise ins Ausland war mit meiner Mutter nach Bulgarien, als ich noch im Kindergarten war. Es folgten Länder wie Tunesien, Zypern, Korfu, Portugal und (natürlich) Mallorca – auch wenn letzteres für viele eher ein 17. Bundesland ist. Als ich alleine mit Freunden reisen durfte, folgten Frankreich, England, Schottland, Südkorea und Japan. Mein letztes Reiseziel war die wunderschöne Insel Madeira.

Man kann also schon sagen, dass ich ein bisschen rumgekommen bin, auch wenn ich mich noch nicht als Globetrotter bezeichnen würde. Es gibt noch immer viel zu viele Länder, die ich gerne besuchen möchte. Ich würde sogar sagen, dass die Liste immer länger, denn kürzer wird.

Und trotzdem zieht es mich immer wieder an Orte zurück, die ich schon einmal besucht habe.

Es hat einen besonderen Reiz, einen Ort zum ersten Mal zu erleben. Man kennt sich noch nicht aus, muss erst seinen Weg finden. Es ist eine aufregende Erfahrung und diese ersten Erinnerungen sind meist mit diejenigen, die am besten im Kopf hängen bleiben.

Doch ich liebe auch das Gefühl, einen Ort irgendwann so gut zu kennen, dass es sich fast so anfühlt, als würde man nach Hause kommen, wenn man ihn besucht. Man weiß, wo die besten Restaurants sind. Man muss sich nicht mehr um die Touristen-Attraktionen kümmern, sondern kann einfach vor sich hin leben, als würde man dazugehören. Dennoch muss einen das nicht davon abhalten, neues zu erleben.

Mittlerweile war ich schon drei Mal in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas. Für viele mag diese Stadt nicht sehr interessant sein – asiatische Großstadt halt, doch ich fühle mich dort unglaublich wohl und denke beinahe täglich voller Wehmut an meinen letzten Trip dorthin im Sommer 2015.

Ich habe mein Lieblingsviertel, meinen Lieblingsclub, kenne viele von den kleinen Straßen und weiß, wo die guten Cafés und Restaurants sind. Ich kann die U-Bahn benutzen, ohne vorher zehnmal darüber nachzudenken, ob das die richtige Linie in die richtige Richtung ist. In Seoul anzukommen, ist für mich ein Stück weit nach Hause zu kommen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich ohnehin ein Gewohnheitstier bin und meine Routinen sehr schätze. Ich mag alles, was mir vertraut ist und gehe gerne in meiner Komfortzone auf. Das mag für den einen oder anderen, der gerne neues entdeckt, grausam sein, weil es irgendwo einen Stillstand bedeuten kann und einen von neuen Erfahrungen abhält. Doch für mich ist es ein wunderbares Gefühl sozusagen ein zu Hause in einem anderen Land zu haben.

Ich könnte mir mittlerweile gut vorstellen für einen Tapetenwechse alleine dorthin zu fliegen und einfach nur vor mich hin zu leben, vielleicht an kreativen Projekten zu arbeiten und die Stadt zu genießen. Alles ganz entspannt und ohne Touri-Stress.

Aber so sehr es mich auch in meiner angeborenen Nostalgie an alte Orte zurückzieht, fast genau so gerne schaue ich nach vorne und stelle mir die Länder und Städte vor, die ich noch nicht selbst erlebt habe. Sie umgibt noch eine gewisse Mystik, sind unbekannt und voller Geheimnisse, die ich noch nicht entdeckt habe und die nur darauf warten, von mir aufgedeckt zu werden.

Diese Aufregung, wenn man aus einem Flugzeug steigt, ohne genau zu wissen, was einen erwartet, sich buchstäblich in einer fremden Kultur zu verlieren, ist unbeschreiblich.

Am Ende glaube ich, dass ich, wenn ich wirklich ehrlich zu mir bin, doch eher zu den Leuten gehöre, die mehr an den Reisezielen ihrer Vergangenheit hängen. Deshalb werde ich immer wieder zu ihnen zurückkehren. Gleichzeitig wäre mein Leben auch langweilig, wenn ich dem Reiz des neuen nicht von Zeit zu Zeit nachgeben würde.

Reisen bedeuten auch eine persönliche Weiterentwicklung und während es in der Komfortzone gemütlich und behaglich ist, entwickelt sich der Geist erst dann wirklich weiter, wenn er mit Dingen und Umgebungen konfrontiert wird, die er noch nicht kennt. Ich bin deshalb auch nicht der Meinung, dass Menschen, die viel Reisen ihre Zeit oder gar ihr Geld verschwenden.

Reisen – wo auch immer sie hinführen – bedeuten Lebensqualität und die möchte ich in meinem Leben auf keinen Fall missen. Egal, wohin sie mich führen.