Jägerin des verlorenen Mojo

mojo

Das vergangene Osterwochende habe ich endlich mit dem verbracht, was ich schon längst hätte machen sollen: Ich habe meine Wohnung aufgeräumt und entrümpelt. Das bedeutete einen Gang zur Altkleidersammlung, eine Tour zum Wertstoffhof und weitere Fahrten zu diversen Baumärkten, Gartencentern und natürlich IKEA (an einem Ostersamstag reiner Selbstmord!).

Vor allem nach diesem Samstag hatte ich seit langem endlich wieder das Gefühl wirklich etwas geschafft zu haben. Endlich habe ich ein paar Dinge entsorgt, die ich absolut nicht mehr gebraucht habe. Ich habe mir nach Jahren Vorhänge geholt, die mein Schlafzimmer ausreichend abdunkeln, damit es nicht schon um halb 7 morgens taghell ist. Auf einmal hatte ich wieder Stauraum, von dem ich vorher gar nicht wusste, dass ich ihn überhaupt besitze.

Dieser Tag hat mir dabei geholfen, mein Leben wieder ein bisschen auf die Kette zu kriegen. Besonders nachdem ich mich die Wochen davor so unruhig und ein wenig verloren gefühlt hatte. Es ist meiner Meinung nach wirklich keine Übertreibung, wenn davon gesprochen wird, dass unsere Wohnzustände in Teilen unsere Seele und unseren Gemütszustand widerspiegeln. Mein Kopf war in der letzten Zeit so voll gestopft mit Müll, genau wie meine kleine Butze. Da konnte ja nichts vernünftiges bei rumkommen.

Auf dem Weg zurück zum „königlichen Groove“

Das bedeutet natürlich nicht, dass damit auf einen Schlag all meine Probleme und Fragen aus der Welt geschafft sind, aber es hat mir dabei geholfen, ein paar Dinge klarer zu sehen und meine Prioritäten neu zu setzen. Will ich Dinge nur um mich haben, nur um des Habens willen oder weil ich sie schätze und genieße? Je länger ich mit dieser Aktion gewartet hätte, desto mehr hätte sich angesammelt und meine Wohnung und meine Gedanken verstopft.

Jetzt fühle ich mich aber endlich wieder so, als wäre ich auf dem besten Weg, um mein „Mojo“, mein Glück, nicht nur zu finden, sondern wieder selbst in die Hand zu nehmen. Denn wie gesagt, nur weil ich meine Wohnung aufgeräumt habe, regelt das nicht automatisch mein ganzes Leben.


Dinge, die ich tun will, um mein Mojo wieder zu beleben:

  1. Weniger Zeit vertrödeln – Ich neige vor allem nach der Arbeit sehr stark dazu, mich durch irgendwelche Videos auf Youtube zu klicken, oder mich in den Weiten von Pinterest zu verlaufen. Die Zeit, die dafür drauf geht, kann ich viel sinnvoller nutzen.
  2. Weniger Süß essen – Die letzten Wochen war mein Konsum an Süßigkeiten relativ gering gewesen. Das hat sich in den letzten Tagen dramatisch geändert und sich in meiner Haut und dem kleinen Bauchtäschchen widergespiegelt, das ich gerne mit hoch geschnittenen Hosen verdecke. Das darf kein Dauerzustand werden!
  3. Bewegung, Bewegung, Bewegung – Während ich in den USA war, ist der Sport eindeutig zu kurz gekommen. Vor allem Yoga hilft mir sehr um meine körperliche und mentale Ausgeglichenheit aufrecht zu erhalten.
  4. Weniger einfache Kohlenhydrate – Ich liebe Nudeln, aber leider merke ich es auch, wenn ich sie mehrere Tage hintereinander esse. Deshalb heißt die Devise nun leider: weniger Nudeln, mehr Gemüse.
  5. Meinen Balkon aufhübschen – Meine Wohnung ist jetzt frühlingsbereit (inkl. geputzter Fenster!). Jetzt muss ich nur noch dafür sorgen, dass es mein Balkon bald nachzieht. Ich habe also endlich einen ernsthaften Grund, um ins Gartencenter zu fahren – Hurra!!
  6. Mehr Wasser trinken – Eine ganze Zeit lang habe ich es ganz gut geschafft, auf mein tägliches Soll an Flüssigkeit zu kommen, doch in der letzten Zeit ist es mir sehr schwer gefallen.Deshalb werde ich wieder damit anfangen, meine Flüssgkeitszufuhr zu tracken.

All die Sachen, die ich hier aufgelistet habe, sind an sich ziemlich simpel und leicht in meinen Alltag zu integrieren, aber oft sind es diese vermeintlich einfachen Dinge, die wir aufschieben oder vergessen – vor allem, wenn wir dafür doch unseren Schweinehund überwinden müssen, wohl wissend, dass es eigentlich gut für uns ist.

Neben den hier erwähnten Vorhaben, gibt es natürlich weitere, größere Projekte, die ich machen möchte, aber gerade um die zu schaffen, glaube ich, dass es für mich persönlich umso wichtiger ist, auf diese 6 Dinge besonders zu achten. Ich möchte nicht nach 2 Monaten fest stellen, dass ich mich kaum bewegt habe, mir dafür aber jeden Abend einen fetten Teller Pasta reingezogen habe (überspitzt ausgedrückt) und mich dann schlecht fühlen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Jägerin des verlorenen Mojo nimmt ihr Leben jetzt wieder selbst in die Hand!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wie füllt man einen Sonntag?

Sonntag

Ist der Sonntag nicht ein komischer Tag? Ja, er gehört zum Wochenende dazu, aber irgendwie hängt man mit seinen Gedanken meistens schon beim Montag. Das verpasst dem Wochenend-Gefühl einen ziemlich gemeinen Dämpfer. Dazu kommt dann noch die Tatsache, dass der Sonntag einen augenscheinlich zum Nichtstun verdammt: Die Geschäfte haben geschlossen. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren meistens auch nicht so ideal, wie unter der Woche (aber wo will man auch hin, wenn nichts auf hat?) und überhaupt ist der ganze Tag häufig von dieser merkwürdigen Aura umgeben:

Man macht kaum was und trotzdem ist der Sonntag schneller vorbei als man gucken kann. Das war’s dann schon wieder mit dem Wochenende.

Obwohl ich persönlich das Nichtstun ja gerne als Hobby bezeichne, kann selbst ich nicht nur den ganzen Tag abhängen und in die Röhre gucken. Im Idealfall versuche ich mit dem, was möglich ist, das Beste aus diesem Tag zu machen:

Zum Pflanzencenter fahren. Ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat, dass einige große Pflanzencenter Sonntags geöffnet haben, aber diese Person hat einen Orden verdient. Für mich ist das dort gefährlicher als bei IKEA. Ich liebe es, durch die großen Hallen zu spazieren und mir all die schönen Pflanzen anzusehen, neue Kräuter für meinen Fenstersims auszusuchen und mich danach zu Hause mit einem neuen Stück Natur zu umgeben. Für mich ist das zweifellos einer der Höhepunkte eines perfekten Sonntags.

Spazieren gehen. Wenn ich nicht mein Geld im Pflanzencenter auf dem Kopf haue, nutze ich die freien Stunden auch gerne, um an die frische Luft zu gehen (soll ja angeblich gesund sein, ne?). Selbst wenn es nur für eine halbe Stunde ist. Entweder nehme ich die Hunde mit ins Feld, wenn ich bei meinen Eltern bin, oder ich suche mir einen spannenden Podcast raus und mache einen Zug durch die Gemeinde. Vor allem, wenn sich innerhalb der Woche viele Gedanken angesammlt haben, ist das für mich eine gute Möglichkeit, um den Kopf wieder frei zu kriegen.

Kochen. Letztes Jahr habe ich mir einen Slow Cooker gegönnt. Dieses Ding ist der Wahnsinn und das Essen damit ein Gedicht! Mit einem Nachteil: Die Gerichte darin brauchen alle etwas länger – länger im Sinne von: 3-6 Stunden. Deshalb ist der Sonntag der perfekte Tag, um Gerichte zu kochen, für die ich unter der Woche keine Zeit habe. Dazu gehören gerade in der kalten Jahreszeit Eintöpfe und herzhafte Currys. Und das beste daran: Ich habe gleich für mehrere Tage vorgesorgt.

Schreiben. Mittlerweile habe ich eine mehr oder weniger erfolgreiche Routine entwickelt, was das Schreiben von kleinen Texten für diesen Blog angeht. Häufig setze ich mich Abends nach der Arbeit noch hin und schreibe, aber an sich ist der Sonntag der perfekte Tag dafür: Keine Verpflichtungen, keine Termine und viel Zeit, die gefüllt werden muss. Wenn ich in den Tagen davor Notizen mit Ideen gesammelt habe, können die nun endlich niedergeschrieben werden. Oder ich folge einer spontanen Eingebung, so wie heute.

Aufräumen/Ausmisten. Obwohl ich natürlich nichts gegen eine saubere, aufgeräumte Wohnung habe, tendiere ich sehr häufig dazu, sie mit als erstes zu vernachlässigen, wenn ich mich ein bisschen ausgebrannt fühle. Da muss irgendwann nachgeholt werden. Weil mir der Sonntag genug Zeit und Muße gibt, eignet er sich nicht nur perfekt zum Putzen, sondern vor allem auch dazu, endlich mal durch die Schränke und Regale zu wühlen und all das Zeug auszusortieren, das ich nicht mehr brauche. Clear space, clear mind.

Yoga/Sport. Im Januar habe ich die 30-Tage-Yoga-Challenge von Yoga mit Adriene gemacht. Sie gibt mir jedes Mal die Möglichkeit, positiv in das neue Jahr zu starten. Überhaupt ist Yoga für mich neben Pilates eine ieale Art der Bewegung  ohne lästiges Herumhüpfen und an einem schönen Sonntagvormittag kann ich mir dafür auch ordentlich Zeit nehmen. Da werden es statt den üblichen 30-40 Minuten gerne 60 und mehr.

Museen/Kultur. Ich bin ja schon ein kleiner Museumsfutzi. Vor allem, wenn es um Kunstmuseen geht und wenn die Besichtigung einer Burg oder eines Schlosses ansteht, bin ich direkt in der ersten Reihe. Und wann macht man sowas schon, wenn nicht an einem Sonntag?

Während ich diese kleine Liste geschrieben habe, ist mir eine Sache über diesen Wochentag bewusst geworden: Wenn uns der Sonntag eines gibt, dann ist es Zeit. In einem meiner letzten Beiträge habe ich über die Wichtigkeit von Zeit gesprochen und wie oft wir sie vertrödeln. Gerade der Sonntag wird zumindest bei mir allzu oft verschwendet, gerade weil er mir so viel Zeit gibt.

Die Aktivitäten, die ich aufgelistet habe, sind weiß Gott nichts neues. Ich hatte nicht vor, das Rad der Sonntags-Aktivitäten neu zu erfinden, doch manchmal hilft es schon, sich die ganz einfachen Dinge ins Leben zu rufen, die man machen kann, bevor man sich schon wieder einen ganzen Tag der vermeintlichen Langeweile hingibt. Denn mal ehrlich: selbst wenn man nur 2 oder sogar 3 von diesen Dingen schafft, ist der Tag doch gar nicht mal so übel, oder?

Anfang des Jahres konnte ich mich mit dem Sonntag ja noch nicht besonders anfreunden. Aber ich glaube, ich bin damit auf dem Weg Besserung – auch ohne Jahresvorsätze.

Einfach mal im Kreis kotzen

Verkehr

Wer in der Schule Pädagogik hatte, wurde mit Sicherheit auch mit jenem berühmten Ausspruch von Rousseau gequält: „Jeder Mensch ist im Grunde gut.“ die genauen Hintergründe zu diesem Spruch möchte ich an dieser Stelle nicht weiter präzisieren, aber so sehr man sich auch bemüht „gut“ zu sein: Wir alle tragen aggressives Potenzial in uns.

Das wurde mir erst kürzlich wieder bewusst, als ich vor ein paar Tagen eine Freundin nach der Arbeit besuchen wollte. Ich hatte extra meine Pause abgekürzt und früher Feierabend gemacht, damit ich einen früheren Bus zu ihr nehmen konnte. Also ging ich zur Bushaltestelle und wartete. Und wartete. Und wartete. 10 Minuten vergingen, dann 15 und auch nach 20 Minuten war von dem Bus keine Spur zu sehen. Ich spürte, dass ich mit jeder Minute unruhiger wurde und fing an, nervös mit dem Fuß zu wackeln. Meine gesamte Gesichtsmuskulatur spannte sich an und unaufhörlich schwirrte diese Frage in meinem Kopf herum: „Warum kommt dieser verdammte Bus nicht?“

Als nach einer halben Stunde endlich ein Bus kam (es war der Bus nach dem, den ich eigentlich hatte nehmen wollen), hatte ich mich selbst so in Rage gedacht, dass ich mich gar nicht darüber freuen konnte. Ich dachte nur daran, wie viel Zeit ich damit vergeudet hatte, an dieser Bushaltestelle zu stehen und zu warten. In der Zeit hätte ich zum Beispiel schon längst zu Hause sein können – oder eben bei meiner Freundin.

Das Beste aus der Situation machen, ist manchmal zu einfach

Und solche Momente passieren einem immer wieder. Momente, in denen wir oft keinen Einfluss auf unsere Umwelt nehmen können und uns nichts anderes übrig bleibt als zu reagieren. Diese Machtlosigkeit macht mich jedes Mal rasend. Ich versuche mir dann einzureden, dass es nichts bringt, mich aufzuregen, weil es nichts an der Situation ändert, aber ich kann diese Wut nicht unterdrücken.

Doch da liegt oftmals der springende Punkt: Es ist vollkommen legitim, sich im ersten Moment zu ärgern. Wenn einem etwas widerfährt, das einem nicht gefällt, muss man es nicht weglachen, weil man „ja sowieso nichts ändern kann“. Viel entscheidender ist das, was unmittelbar danach passiert. Als ich nämlich geschlagene 30 Minuten an dieser Bushaltestelle stand, hatte ich die ganze Zeit über ein Buch in meiner Tasche. Ich hätte diese Zeit nutzen und mindestens ein Kapitel darin lesen können. Oder ich hätte mir mindestens eine Folge von einem informativen Podcast anhören können.

Stattdessen habe ich alle zwei Minuten auf mein Handy geschaut und mich mit meiner Wut weiter hoch geschaukelt. Was ich davon hatte? Natürlich nichts. Es ist dumm, wenn man solche Momente rückblickend nochmal betrachtet. Wenn eine Bahn 5 oder 10 Minuten Verspätung hat, ist das erstmal ärgerlich, aber welche weitreichenden Folgen hat das in der Regel, wenn man keinen wichtigen Termin hat? Meistens keine. Wir sind dann vielleicht 10 Minuten später zu Hause und das war’s. Kein Drama.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Nur sagt sich das immer so leicht, wenn man nicht gerade in dieser Situation steckt. Ich kann jetzt vollkommen abgeklärt sagen, wie wenig Bedeutung die Dinge haben, die uns widerfahren und dass es viel wichtiger ist, wie wir darauf reagieren, aber sobald mein nächster Zug 10 Minuten Verspätung hat, werde ich wieder da stehen und ein Gesicht wie 10 Tage Regenwetter ziehen.

Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass diese Wut den ganzen Tag unterschwellig in mir brodelt und nur darauf wartet, einen Anlass dafür zu finden, um auszubrechen. Dabei kann es sich um die banalsten Dinge handeln: Ich bekomme eine Flasche nicht auf, ich sterbe immer wieder an derselben Stelle in einem Videospiel, Autofahren im allgemeinen und auf der Autobahn im speziellen, weil einfach jeder seinen Führerschein im Lotto gewonnen zu haben scheint.

Sobald ein unerwarteter Störfaktor auftaucht, gehen sämtliche Alarmglocken los. Wenn man Zeit hat, um sich auf ein Problem oder eine schwere Aufgabe vorzubereiten, ist es oftmals weniger schlimm, als mit einer kleinen Lappalie konfrontiert zu werden, die einen dafür eiskalt erwischt.

Das „Wie“ ist wichtiger als das „Was“

Insgesamt betrachtet glaube ich tatsächlich daran, dass das „Wie“ wichtiger ist, als das „Was“. Was um uns herum passiert, können wir oft nicht steuern, aber wir könnnen steuern, wie wir reagieren (nachdem der erste Unmut verflogen ist). Dass ich in der Hinsicht noch einen weiten Weg vor mir habe, ist mehr als offensichtlich, aber wie sagt man so schön? Das Leben ist eine Reise. Und wenn man mein Leben nach diesem Kriterium bewerten würde, würde diese Reise wohl nie zuende gehen.

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Ich bin ein verdammt verwöhntes Einzelkind

cash

Ich bin ein verwöhntes Einzelkind. Es hat mir nie an irgendwas gemangelt und es war selten, dass ich nicht das bekommen habe, was ich wollte. Jeden Monat gab es ein schönes Taschengeld und das habe ich gehütet und gespart, um mir die Sachen zu kaufen, die ich unbedingt haben wollte. In meinem Zimmer standen sage und schreibe 3 Sparschweine und ich weiß nicht einmal mehr, wofür die überhaupt gut waren.

Zumindest habe ich immer brav Geld beiseite gelegt und mir schon während meiner Schulzeit ein gutes Polster angespart. Dann kam die Uni. Ich hatte Glück. Während viele meiner Kommilitonen auf Bafög zurückgreifen mussten oder mindestens einen Job nebenher brauchten, bezahlten meine Eltern alles.

Ich muss zugeben, dass es mir zusehends peinlicher wurde, wenn ich sah, wie andere sich den Arsch aufreißen mussten, um über die Runden zu kommen, während ich in meiner schönen WG-Wohnung saß, hin und wieder in der Uni aufschlug und ansonsten faulenzte. Ich gönnte mir immer wieder was von dem Geld, das ich jeden Monat überwiesen bekam, setzte mir aber auch feste Budgets, die ich auch (meistens) einhielt. Irgendwann fing ich an, meine Ausgaben und Einnahmen minutiös festzuhalten.

Als ich mir zum Ende des Bachelors hin einen Job suchte, war das nicht weil ich ihn unbedingt brauchte, sondern weil ich endlich ein Stück Unabhängigkeit gewinnen wollte. Ich wollte etwas für meinen Lebenslauf tun und dafür sorgen, dass meine Eltern mehr Geld für sich einbehalten konnten. Es war mir unangenehm, dass ich mit 22 Jahren noch nie gearbeitet hatte (abgesehen von den obligatorischen Autowäschen für meinem Stiefvater, nachdem ich in der Zeit vor Telefon-Flats für eine horrende Telefonrechnung gesorgt hatte).

Auch während des Masters arbeitete ich und so wurde der Anteil meines selbstverdienten Geldes allmählich größer als der, der mir von meinen Eltern zugschustert wurde. Jetzt, wo ich endlich voll im Berufsleben angekommen bin, bin ich natürlich vollkommen unabhängig, was meine Finanzen angeht.

Und doch musste ich nie erfahren, was es heißt, wirklich hart arbeiten zu müssen. Ich war nie stinkreich, aber ich konnte mir immer Dinge leisten, die für andere vermutlich nicht im Rahmend es möglichen waren. Hier mal ein paar neue Klamotten, da eine neue DVD… Shoppen war und ist für mich ein Hobby.

Es ist ein Luxus, wenn man nicht jeden Cent zweimal herumdrehen muss, bevor man ihn ausgibt. Und es ist erst recht purer Luxus, wenn man mit 25 Jahren „mal eben so“ einen Neuwagen geschenkt bekommt. Ich war und bin verdammt verwöhnt und ich weiß das auch. Ich bin bin ungemein dankbar dafür.

Auch wenn ich mich noch immer oft genug dafür schäme, wie viel Glück ich in der Hinsicht immer hatte. Denn es macht einen manchmal blind für die Probleme anderer – weil man sie in der Form einfach nie hatte. Es macht einen irgendwie ignorant und ein Stück weit naiv. Es sorgt dafür, dass ich nicht gerne über Geld rede. Noch weniger als ohnehin schicklich ist.

Manchmal verstecke ich neue Dinge, die ich mir gekauft habe auch eine gewisse Zeit vor Leuten, die ich kenne, damit sie nicht sehen, dass ich schon wieder shoppen war.

Seit Anfang des Jahres schreibe ich meine Ausgaben nicht mehr auf. Hätte ich es die letzten Monate getan, wäre ich vermutlich vom Glauben abgefallen. Es ist nicht so, dass ich die Kontrolle über mein Geld verloren habe. Dazu achte ich nach wie vor zu sehr darauf.

Es sitzt gerade einfach nur etwas locker, frei nach dem Motto: „Gönnung muss sein.“

Aber wie viel kann oder sollte sich ein Mensch gönnen bevor es unverschämt und ungerecht wird? Der Satz „Ich gönne mir das jetzt mal.“ wäre bei mir absolut fehl am Platz, wenn ich mir außer der Reihe etwas kaufe. Und die Tatsache, dass ich den Gürtel nie wirklich enger schnallen musste, beängstigt mich ein wenig.

Was, wenn es wirklich mal sein muss? Werde ich dann wieder 3 Sparschweine haben müssen, um meine Finanzen zu verwalten? Und die Sparschweine in einen Safe stecken müssen, dessen Code ich nicht kenne damit ich bloß nichts ausgebe?

Geld ist zurecht ein Thema, das mit Vorsicht zu genießen ist. Besonders, wenn man so ein verdammt verwöhntes Einzelkind wie ich ist.

Fragt nicht nach dem Sinn dieses Beitrags. Es ist nur ein Thema, das mir schon lange durch den Kopf gespukt ist. Vermutlich musste ich nur meine Gedanken ein wenig ordnen und wieder klar kommen.

Bald folgen auch wieder gehaltvollere Beiträge. Versprochen.

Aber wenn wir schon mal beim Thema sind: Welche Beziehung habt ihr zum lieben Geld?