Das Alleinesein zelebrieren

AlleineseinSich mit seinen Freunden zu treffen, ist ja schön und gut, aber es ist mindestens genau so wichtig, auch mal Zeit mit sich selbst zu verbringen. Denn während man sich seine Freunde und die Zeiten an an denen man sie sieht, aussuchen kann, sieht es mit einem selbst anders aus. Man ist dazu gezwungen 24 Stunden am Tag mit sich selbst auszukommen. Bis einen irgendwann das Zeitliche segnet.

Deshalb finde ich es umso wichtiger, Routinen und Beschäftigungen zu haben, die nur für einen selbst gedacht sind. So sollte man nicht nur die Zeit mit seinen Liebsten zelebrieren, sondern auch die Zeit, die man mit sich selbst verbringt.

Für mich war das schon immer etwas vollkommen natürliches. Das mag zum einen damit zusammenhängen, dass ich als Einzelkind aufgewachsen bin und schon früh gelernt habe, dass das Alleinesein nichts schlimmes ist. Zum anderen bin ich von Natur aus ein Mensch, der die Zeit, die er ohne andere Menschen verbringen kann, sehr schätzt.

Trotzdem gibt es bei mir nach wie vor größere und kleinere Hemmnisse, die ich erst in jüngerer Zeit begonnen habe abzubauen. Viele Dinge sieht man im Kopf automatisch als Gruppenaktivitäten an, obwohl es objektiv betrachtet, keinen Sinn macht. Warum soll man nur mit Freunden ins Kino oder in ein Restaurant gehen können? Warum ist es bemitleidenswert, wenn man alleine in den Urlaub fliegt? Natürlich ist es schön, Leute um sich zu haben, mit denen man diese Erfahrungen teilen kann, aber es sollte einen nicht davon abhalten diese Dinge zu tun, wenn sich niemand dafür findet.

So habe ich letztes Jahr endlich damit begonnen, alleine ins Kino zu gehen. Zwar nicht immer, aber es kommt oft genug vor, dass ich einen Film sehen möchte, für den sich sonst niemand interessiert. Mittlerweile sehe ich es nicht mehr ein, einen Film zu verpassen, nur weil ich keine Begleitung habe (und während der Film läuft, kann man sich sowieso nicht unterhalten).

Das Gleiche gilt für Lokale und Cafés. Wenn ich dazu Lust habe, mich irgendwo gemütlich hinzusetzen, muss ich nicht zwingend jemanden dabei haben. Sich einfach mit einem Buch in ein Café zu setzen und dort einen Tee zu trinken, kann genau so erfüllend sein, wie sich dort mit einer Freundin zu treffen und zu quatschen. Es ist halt nur anders.

Die Zeit, die man mit sich selbst verbringt, wird viel zu häufig als selbstverständlich, manchmal sogar als Zeitverschwendung angesehen. Man macht ja meistens sowieso nichts besonderes, außer rumzuhängen. Aber selbst das ist für mich manchmal eine Art des Zelebrierens. Besonders wenn das bedeutet, es mir auf dem Sofa gemütlich zu machen und mir meine Lieblingssendung anzusehen. Das ist dann, aus meiner Sicht, keine Zeitverschwendung, sondern eine Art, mir etwas gutes zu tun.

Ich glaube, dass es wichtig für uns Menschen ist, zu lernen, dass wir die Zeit, die wir alleine mit uns verbringen genau so wertschätzen müssen, wie die Zeit, die wir für andere Menschen aufbringen. Denn nur, wenn wir wenigstens hin und wieder mal alleine sind, haben wir wirklich die Muße, um zu reflektieren, um Pläne zu schmieden und uns einfach um uns selbst zu kümmern. Und das vollkommen kompromisslos.

Zwar hat der Kopf dann auch Zeit, um uns mit den Dingen zu belästigen, über die wir eigentlich nicht so gerne nachdenken, die wir lieber verdrängen wollen, aber ewig können wir sie meistens doch nicht vor uns herschieben. Somit steht das Alleinesein auch dafür, dass man mit sich und seiner Umwelt nach und nach ins reine kommt.

Deshalb wünsche ich mir eine Welt, in der das Alleinesein nicht nur belächelt oder sogar bewusst vermieden wird. Es ist eine Form der Selbstheilung, der eigenen Weiterentwicklung und manchmal der einzige Weg, um zu lernen, wie man mit sich selbst klar kommt.

Viele Menschen im Leben kommen und gehen. Ob sie für immer gehen, oder nur temporär, sei dabei mal dahingestellt. Das einzige, was wirklich konstant ist und wovon man sich nicht zurückziehen kann, ist die eigene Gesellschaft.

Also nutze und kultiviere sie so gut du nur kannst.

Sei gut zu dir selbst.

Zusammen ist man weniger allein?

Zusammen

Ich habe nie geglaubt, dass ich zwingend einen anderen Menschen an meiner Seite brauche um mich ganz zu fühlen. Die meiste Zeit meines Lebens war ich mir selbst genug. Vielleicht liegt das an meiner Mentalität als Einzelkind. Ich war es schon immer gewohnt alleine zu sein und mit mir selbst aus zukommen. Und so sehr ich die Zeit mit den Menschen, die mir am Herzen liegen auch schätze, am Ende bin ich immer froh, wenn ich irgendwann  endlich wieder alleine bin.

In einer Welt in der nur gehört wird wer am lautesten schreit, wird einem am laufenden Band zu verstehen gegeben, dass es nicht richtig ist, wenn man alleine sein will; dass es nicht gut ist, wenn man still ist; dass man zusammen einfach weniger allein ist. Dabei habe ich nie verstanden, was daran schlecht ist allein zu sein. Man kann tun, was man will und voll und ganz auf die eigenen Bedürfnisse eingehen ohne Kompromisse eingehen zu müssen.

Allerdings verstehe ich allmählich, was passiert, wenn man zu viel Zeit allein verbringt. Man tendiert dazu ein wenig abzustumpfen. Damit will ich nicht sagen, dass ich unsensibel bin und mich nicht in meine Mitmenschen hineinversetzen kann. Vielmehr meine ich damit, dass es schwieriger wird,die eigenen Gefühle nach außen zu kehren. Es scheint nicht sonderlich wichtig zu sein. Immerhin macht man sowieso alles mit sich selbst aus. Dabei verletzt man andere oftmals mehr indem man ihnen nichts erzählt, als dass man sie mit den eigenen Sorgen und Ängsten belästigt.

Ich bin kein Mensch, der in die Welt hinausgeht, um zwanghaft nach Gleichgesinnten zu suchen mit denen ich mich austauschen kann. Ich brauche niemanden, der mich bei jedem kleinen Schritt, den ich gehe, bekräftigt. Ich brauche niemanden, der mir sagt, dass er gerne Zeit mit mir verbringt. Ich brauche niemanden, der mich in den Arm nimmt. All das brauche ich nicht.

Nichtsdestotrotz ist es schön jemanden zu haben, der all diese Dinge tut. Es geht nicht immer nur darum, ob man das Gefühl hat, dass etwas wirklich nötig ist. Manchmal reicht es schon, wenn es einfach nur gut tut. Das Schwierige dabei ist, es hinzunehmen und auch zuzugeben – nicht nur vor sich selbst, sondern gerade vor anderen.

Bestätigung, Zuneigung, Zärtlichkeit.

All das wird viel zu oft im Kampf um Autonomie und Selbstzufriedenheit geopfert. Denn so krampfhaft wie manche Menschen versuchen nicht alleine zu sein, so krampfhaft versuchen andere ihre Mitmenschen nicht zu nah an sich heran zu lassen. Und je länger man sich dagegen sträubt sich emotional auf jemanden einzulassen, desto schwieriger wird es überhaupt eine Bindung zu jemanden aufzubauen.

Wer wirklich alle Schotten dicht macht, steht irgendwann ganz allein da. Und alles, was dann an die Tür klopft, wirkt bedrohlich und beängstigend. Dabei sollten Menschen doch genau das nicht sein. In der Regel sind sie es auch nicht, aber diese kleine Insel auf der man sitzt, ist zu bequem um sie einfach so zu verlassen. Denn was passiert, wenn man sich auf einen anderen Menschen einlässt? Entweder lassen sie einen irgendwann kalt oder sie werden einem wichtig,was weitaus gruseliger ist. Manchmal werden sie sogar so wichtig, dass man plötzlich nicht mehr nur allein sein möchte. Ein Gedanke, der beängstigend wirken kann.

Zusammen ist man weniger allein. Früher habe ich mal über diesen Spruch gelacht und geglaubt, dass der nur von jemandem kommen kann, der mit sich selbst nicht im reinen ist, der nicht allein sein kann, weil er es nicht gewöhnt ist. Die Wahrheit ist aber viel unbequemer: Ich habe nie gelernt, wie man mit jemandem zusammen funktioniert.

Allein sein zu wollen ist nicht falsch, doch es ist genau so wenig falsch es sich einzugestehen, wenn man es nicht mehr sein möchte.