Bin ich ein Blogger?

Blogger

Ich erinnere mich noch an die Zeit – vor mittlerweile vielen, vielen Jahren – als es diese ganze Social-Media- und Influencer-Welt noch nicht gab. Und damit meine ich nicht die Zeit, als das ganze gerade irgendwie anfing, sondern als dieses Feld noch nicht existent war. Meinen ersten Blog habe ich vor über 10 Jahren geschrieben. Er war, wie dieser hier, sehr persönlich geprägt. Dabei ging es mir nicht darum, bekannt zu werden oder damit Geld zu verdienen. Ich habe es gemacht, weil es mir Spaß gemacht hat. Genau so ging es mit dem Youtube-Channel, den ich mehrere Jahre lang hatte.

Überhaupt haben die Leute, die in dieser Zeit damit angefangen haben, es eigentlich nur gemacht, weil es um den Spaß ging. Im Laufe der Jahre ist daraus die Industrie geworden, die wir heute nur zu gut kennen. Und ich frage mich, wie die Leute, die damals mit mir aus Spaß angefangen haben, es geschafft haben, daraus einen Beruf zu machen, ohne die Freude daran zu verlieren.

Für manche war es wahrscheinlich das Beste, was ihnen passieren konnte – mit ihrem Hobby Geld verdienen. Bei anderen wiederum hat das Aufkommen von Algorithmen, Rankings und Analytics dieses kleine Flämmchen, das in ihnen für dieses Hobby brannte, zum erlöschen gebracht. Alles wurde viel systematischer und ich bewundere die Leute, die damit ihren Alltag bestreiten können. Oft steckt weitaus mehr Arbeit dahinter, als unsereiner ahnt. Wir sehen schließlich nur die Highlights.

Einfach nicht meine Welt

Nur habe ich für mich schnell gemerkt, dass diese Welt in der Form nichts für mich ist. Ich bin ein schlechter Instagrammer und obwohl ich immer irgendwie und irgendwo gebloggt habe (Xanga anyone??), habe ich nie Maßnahmen ergriffen, um das Ganze wirklich zu professionalisieren. Ich hatte nie einen genauen Zeitplan dafür, wann ich etwas hochlade und auch Bilder haben für mich immer eher eine Nebenrolle gespielt. Dabei kann man ihnen in der Bloggerwelt anscheinend gar nicht genug Aufmerksamkeit schenken.

Mir ging es immer nur darum, zu schreiben und zu teilen, was in mir vorgeht. Deshalb konnte ich auch nie dauerhaft einem Zeitplan folgen: ich kann nur dann etwas schreiben, wenn mir auch danach ist. Ich will mir nichts aus dem Ärmel schütteln, nur um irgendwas zu haben, das am Ende für mich keine Bedeutung hat. Ja, ich kümmere mich immer darum, dass am Anfang eines jeden Beitrags ein einigermaßen ansehnliches Bild ist, aber auch nur weil ich sonst selber finde, dass es beschissen und lieblos aussieht. Außerdem kann ein passendes Bild den Einstieg in einen Text ungemein erleichtern.

Am wichtigsten war mir aber immer, einfach das zu sagen, was ich sagen wollte. Unabhängig davon, ob das Thema gerade hip ist, oder ob es mich persönlich gerade besonders beschäftigt. Ich unterstelle jetzt nicht sämtlichen Bloggern, dass sie unpersönliche Maschinen sind, aber es ist nunmal so, dass es für einige ein Beruf ist und ein Beruf erfordert Disziplin und das heißt auch, dass man hin und wieder Dinge tun muss, die einem nicht gefallen, die aber dem großen Ganzen helfen.

Es gibt auch viele Blogger oder Social-Media-Persönlichkeiten, die ich sehr gerne verfolge,weil sie mich inspirieren, aber am Ende habe ich mich dieser Welt nie zugehörig gefühlt. Obwohl das hier ein Blog ist, sehe ich mich halt nicht als Blogger. Deshalb hatte ich auch solche Probleme, als ich meine Facebook-Seite gemacht habe und aussuchen musste, „was ich bin“. Am Ende habe ich mich zwar für „Blogger/in“ entschieden, aber nur, weil ich dort im Grunde zwischen Pest und Cholera wählen durfte.

Ich tippe, also bin ich?

Schlussendlich kann man wie beim Yoga argumentieren: Wenn man Yoga macht, egal wie oft und wie intensiv, dann ist man ein Yogi. Wenn man einen Blog schreibt, egal wie (un)regelmäßig und (un)professionell, dann ist man ein Blogger. Nur sehe ich mich da trotzdem nicht. Ich fühle mich aber auch nicht als Schriftstellerin. Als Autorin vielleicht? Gibt es da überhaupt einen Unterschied?

Vielleicht bin ich, so kitschig das auch klingen mag, ganz einfach nur eine Schülerin des Lebens. Ich mache ständig neue Erfahrungen, lerne aus ihnen und gebe das ganze weiter. Aber um ehrlich zu sein, fühle ich mich am wohlsten, wenn ich in gar keiner Schublade stecke. Denn nur dann kann ich wirklich machen, was ich will und wann ich will – und das tue ich gerade.

Jeder ist mal ein Nichtsnutz.

Blattwerk
Photo by Thomas Millot on Unsplash

Auch wenn man sich im allgemeinen nicht über das Leben beklagen kann, abgesehen von den üblichen Erste-Welt-Problemen, gibt es immer wieder diese Tage an denen nichts wirklich zu klappen scheint. Tage, die einem das Gefühl geben, dass man vom Pech verfolgt wird und an denen man mit einem Mal alles in Frage stellt, was man bisher gemacht hat.

Gestern war für mich einer dieser Tage. Ich bin eigentlich davon überzeugt, dass ich ganz gut darin bin, Dinge zu planen und zu organisieren. Zwar mehr für andere als für mich selbst, das eigene Leben endet ja doch immer irgendwo im Chaos, aber selbst mit der besten Planung können Dinge schief gehen. So auch gestern.

Wahrscheinlich kam es mir auch einfach nur schlimm vor und für die meisten ist es kein großes Ding:

Das kann jedem Mal passieren.“

Da steckt man manchmal nicht drin. Muss man halt das beste draus machen.

Ist doch kein Ding. Mach dir nichts draus.

Das ist zumindest die Art der aufmunternden Antworten, die man bei solchen Geschichten zu hören bekommt. Und eigentlich muss ich ihnen recht geben. Bei aller Sorgfalt passieren immer wieder unvorhergesehene Dinge und dann muss man das Beste daraus machen. Ist einfach so.

Wäre da nur nicht dieser kleine Teil in meinem Kopf, der sofort anfängt aufzulisten, was ich falsch gemacht habe, oder hätte anders machen können, um es zu vermeiden. Obwohl der Zug schon abgefahren. Das Kind ist in den Brunnen gefallen und hat sich beide Arme gebrochen. Und beide Beine. So fühlt es sich jedenfalls an.

Und das ist dann auch meistens der Anfang vom Ende, denn was darauf folgt, ist selten gut: Ich fange dann nicht nur an, meine Handlungen in dieser speziellen Situation zu hinterfragen, sondern im Prinzip auch sämtliche anderen Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe.

Fazit: Eigentlich bin ich ja sowieso unwürdig und kann nix. 

Zu dieser Erkenntnis komme ich in der Regel nach erschreckend kurzer Zeit. Dabei ist am Ende alles nur halb so schlimm. Der Druck, den wir uns selbst machen, ist in den meisten Fällen um einiges größer als der, der uns von anderen auferlegt wird. Klar, wir wollen perfekt sein, gelobt werden und im Leben voran kommen. Zu oft vergessen wir aber, dass auch Fehler machen zum Vorwärts kommen gehören.

Wenn ich rückblickend etwas aus dem gestrigen Tag gelernt habe, dann nicht, dass ich ein vollkommen inkompetenter Vollhorst bin, sondern was ich anders machen kann, wenn mich wieder eine solche Situation oder Aufgabe erwartet. Es war eine dieser kleinen Lektionen, die im ersten Moment weh tun und unangenehm sind, mit denen wir aber immer rechnen müssen. Und in der Regel sind sie auch noch lehrreicher als die Momente, in denen alles glatt laufen zu scheint.

Wenn man etwas Zeit hatte, um einen Rückschlag zu verarbeiten, so klein er am Ende auch sein mag, ist es natürlich immer leicht so hochtrabend daher zu reden wie jetzt. Gestern hätte ich mich am liebsten in einem Loch verkrochen und wäre nicht wieder raus gekommen. Ich war zu enttäuscht von mir selbst, um klar zu denken

Also beschloss ich, sie mit ein wenig Retail Therapy und einem guten Essen in einem kleinen, gemütlichen Café von mir weg zu schieben.  Das gelang mir auch so halb. Doch als ich später am Abend am Flughafen Tegel ankam und mein Flieger mit über einer Stunde Verspätung die Stadt verließ, war ich mir sicher, dass dieser Tag nun vollkommen verkorkst war.

Um kurz vor Mitternacht öffnete ich die Tür zu meiner kleinen 33m²-Wohnung. Ich war wieder zu Hause. Faszinierend, wie schnell einen diese Tatsache wieder beruhigen kann.

Fest steht: Der gestrige Tag wird nicht gerade als der beste oder erfolgreichste Tag in die Annalen meiner persönlichen Geschichte eingehen. Er wird aber auch nicht der schlimmste sein. Bei weitem nicht. Ob ich das jetzt beruhigend finde oder nicht, sei jetzt mal dahin gestellt, aber er war eine wertvolle Lektion, denn kein Mensch ist wirklich immer zu Hundert Prozent perfekt.

Und das sollten wir auch nicht von uns erwarten.