Urlaub zu Hause

Balkonien

Die Abgabe des Urlaubsantrags ist für viele der Startschuss, um nach Hotels und Flügen für den nächsten Trip zu suchen. Gerade wenn man die Uni verlassen hat und in einem festen Job steckt, wird Urlaub noch wertvoller als er vorher ohnehin schon war. Man hat eindeutig weniger davon und im von Arbeit geprägten Alltag sind die Freiheiten des Lebens sowieso spärlich gesät.

Umso wichtiger ist es da, das bisschen an freier Zeit voll und ganz auszuschöpfen. Und während das für viele bedeutet, die Sachen zu packen und am besten möglichst weit weg und möglichst lange zu flüchten, gebe ich mich schon damit zufrieden, einfach mal ein paar Tage zu Hause zu verbringen.

Reisen ist nicht alles

Natürlich fahre ich auch gerne weg. Gerade Kurztrips können unerwartet erfüllend sein und den Energietank schnell wieder auffüllen, aber es hat auch etwas für sich, wenn man einfach mal seinem natürlichen Lebensrhythmus folgen kann. Ohne durch die normalen Arbeitszeiten eingeschränkt zu werden, kann ich mir dann meinen Tag einteilen, wie ich es möchte.

Ich kann schlafen, so lange wie ich will. Dann ein bisschen Sport machen und ein ausgiebiges Frühstück genießen. Und danach? Mal sehen, immerhin habe ich alle Zeit der Welt. Ich kann mich endlich um all die Dinge kümmern, die in der letzten Zeit zu kurz gekommen sind. Das bedeutet leider auch oft Aufräumen oder andere Dinge, die nicht so angenehm sind, aber dafür habe ich anschließend immer noch genug Zeit zum faulenzen übrig.

Zu wissen, dass ich meine Putzsession oder meinen Wocheneinkauf nicht in die wenigen freien Stunden nach der Arbeit schieben muss, ist für mich schon ein großer Stressfaktor weniger. Meistens genieße ich solche Tätigkeiten dann auch mehr, weil ich weiß, dass ich mich nicht hetzen muss, oder weil danach noch etwas schönes ansteht.

Auch ein bisschen Schadenfreude muss mal sein

Außerdem hat der Urlaub zu Hause für mich auch aus psychologischer Sicht eine positive, aber auch etwas merkwürdige Wirkung. Wenn man wegfliegt, denkt man eigentlich kaum an die daheim gebliebenen Kollegen. Für ein paar Tage lebt man in einer Art schönen, entspannten Parallelwelt, wo es keine Arbeit gibt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Bleibe ich aber zu Hause, denke ich vor allem die ersten beiden Tage an die armen Seelen, die schon längst im Büro sitzen, während ich mich noch genüsslich im Bett strecke.

Es ist ein wenig gehässig, aber aus meiner Sicht durchaus menschlich, in diesem Moment ein wenig Schadenfreude zu empfinden. Abgesehen davon gibt es mit Sicherheit genug Gelegenheiten, an denen der Spieß umgedreht wird. Da darf man sich ruhig mal freuen, wenn man sich der absoluten Faulheit hingeben kann … und andere eben nicht.

Und weil auch die lästige Heimreise weg fällt, die in den seltensten Fällen glatt läuft und einen dann mindestens so gestresst wieder zur Arbeit kommen lässt, wie man sie verlassen hat, ist der Übergang vom Urlaub zur Arbeit weitaus sanfter. Balkonien sei Dank!

Absolute Zufriedenheit für wenig Geld

Obwohl ich das mit dem Balkon die nächsten Tage lieber sein lasse, so kalt wie es draußen ist. Dafür habe ich viel Zeit für meine Freunde, Sport, Spazieren gehen, Lesen, den Blog und Serien eingeplant. Zwischendurch noch ein wenig die Wohnung aufmöbeln und ich bin vollkommen zufrieden. Einfach eine Woche voller abgammeln und schöner Dinge – ohne Flug- oder Hotelkosten.

Für mich ist es auch ein gutes Zeichen, dass ich mein Leben nicht komplett hinter mir lassen muss, um entspannen zu können. Es ist nichts bemitleidenswertes, wenn man Urlaub macht, ohne weg zu fahren. Für mich ist es vielmehr ein Zeichen dafür, wie zufrieden ich mit meinem normalen Leben bin und wie sehr ich die Stadt liebe, in der ich wohne. Und das ist meiner Meinung nach auch schon eine ganze Menge wert.

Aber trotzdem: Die nächste Reise ist schon in Planung, denn ein Leben ganz ohne Reisen wäre wie eine Spielekonsole mit kaputtem Controller. Sinnlos und ohne jeglichen Spaß.

 

So ein Donnerstag, 21:15 Uhr

Herbstblues

Dass ich den Herbst liebe, ist nichts neues, doch jede Jahreszeit hat ihre Schattenseiten. Und das meine ich in diesem Fall ganz wörtlich: Die Tatsache, dass es früher dunkel wird, macht selbst mir ein wenig zu schaffen. Das Büro zu verlassen und im Dunkeln zu stehen, sorgt äußerst zuverlässig dafür, dass ich am liebsten sofort ins Bett gehen würde.

Es ist manchmal so schon schwer genug, sich zu all den Dingen aufzuraffen, die man im Alltag machen muss. Darunter fällt für mich persönlich eigentlich alles außer schlafen, essen und die Couch/das Bett zu belagern. Die Dunkelheit macht es nicht gerade einfacher, gerade wenn es darum geht, nach der Arbeit noch produktiv zu sein. Viel lieber zieht man sich gleich was gemütliches an und igelt sich ein.

Wenn die Kuschelsocken stärker sind als die Motivation

An dem Abend, an dem ich diese Worte schreibe, sitze ich eingehüllt in meinen Pyjama und meinen Mops-Fleecemantel auf dem Sofa. Ich habe Feierabend und seit ich nach Hause gekommen bin, war das Produktivste, das ich getan habe, die Pizzareste vom Mittagessen in den Ofen zu schieben. Kein Sport, kein Aufräumen, kein Garnichts.

Ich glaube nicht daran, dass man immer produktiv sein muss. Ruhephasen gehören genau so zum Leben, wie das hektische Treiben zwischendurch. Es ist aber die eine Sache, sich bewusst für eine Auszeit zu entscheiden. Es ist etwas ganz anderes, wenn es sich so anfühlt, als würden die äußeren Umstände einen regelrecht dazu zwingen und man ist in dem Moment einfach nur zu schlapp, um sich aufzuraffen.

Aber so geht es mir zurzeit. Mein Körper und mein Geist laufen gefühlt auf Sparflamme. Ich versuche, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Dinge zu tun, die einfach getan werden müssen, aber alles, was darüber hinausgeht, übersteigt aktuell meine Kapazitäten.

„TSCHAKKAA!!“ und so…

Die richtigen Kämpfernaturen da draußen werden jetzt wahrscheinlich sagen: „Da muss man sich halt durchbeißen und einfach durchpowern!“ das mag in vielen Fällen auch zutreffen, aber ich bin auch der Meinung, dass einem der Körper solche Signale nicht umsonst sendet. Wenn man wirklich erschöpft ist, dann muss man Gott auch mal einen guten Mann sein lassen, selbst wenn es in dem Moment schwer fällt. Man neigt ja doch dazu, sich sehr schnell ein schlechtes Gewissen zu machen.

Ich denke mir auch die ganze Zeit, dass ich schon längst wenigstens eine halbe Stunde Sport hätte dazwischen schieben können, aber ich weiß auch, dass ich überhaupt nicht leistungsfähig gewesen wäre. Es kommt nicht häufig vor, aber ich muss mich echt dazu zwingen, zu entspannen, ohne mich dafür schuldig zu fühlen.

Es ist wohl an der Zeit, dass ich meinen eigenen Ratschlag befolge: die Schuldgefühle fallen zu lassen, den Abend so zu verbringen, wie es meinem Körper gut tut und morgen wieder gestärkt zur Tat zu schreiten. Denn es ist „so ein“ Abend – ein Abend an dem auch mit ein wenig gutem Willen nichts geht. Und das muss auch mal in Ordnung sein.