Mein Körper – mein Zuhause

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Als Jugendliche trug ich nicht gerne kurze Hosen oder Röcke. Schwimmen gehen war mir ein Graus und enge Oberteile waren sowieso der Horror. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich den Sommer nie leiden konnte, denn meist bedeutet er all diese Dinge. Da ist nicht viel mit Kuschelpullovern, in denen man sich verstecken kann, oder mit langen Hosen, die die unliebsame Orangenhaut an den Beinen verstecken.

Ich kann mich nicht daran erinnern, wann genau ich damit angefangen habe, meinen Körper zu verstecken. Ich erinnere mich aber an das Gefühl, das ich hatte, wenn ich andere Mädchen angesehen habe: Nicht genug. Mein Bauch ist nicht flach genug, meine Oberschenkel sind nicht glatt genug. Meine Wangen sind nicht schmal genug. Ich habe immer irgendetwas an mir gefunden, das mich gestört hat – was an sich nichtmal das Dramatische ist.

Denn Selbstliebe bedeutet in meinen Augen nicht, dass ich alles an mir bedingungslos lieben muss. Die Cellulite an meinen Beinen finde ich nicht schön, aber der Fehler liegt nicht darin, dass ich sie nicht schön finde, sondern darin, dass sie über Jahre hinweg bestimmt hat, ob ich zum Beispiel kurze Hosen anziehen darf oder nicht. Sie ist noch nichtmal besonders schlimm. Trotzdem habe ich mich dafür geschämt. Also, habe ich auch im Hochsommer lange Hosen getragen, nur damit ich nicht zeigen muss, dass ich auch nur ein Mensch bin. Ein Mensch, der nicht mit Photoshop bearbeitet wurde und taufrisch einem Fitness-Magazin entsprungen ist.

Ich brauche keinen „perfekten“ Körper

Da Gefühl nicht genug zu sein (oder an manchen Stellen zu viel) sorgte lange Zeit dafür, dass ich überhaupt kein Gefühl für meinen Körper hatte. Die Tatsache, dass er trotz seiner Mäkel begehrenswert sein kann, kam mir dabei nie in den Sinn. Ich habe nur seine Unzulänglichkeiten gesehen.

Erst in jüngerer Vergangenheit habe ich damit angefangen, mich mit ihnen zu arrangieren und es ärgert mich, dass ich es so lange hinausgezögert habe. Denn mal ehrlich: Wer will mir im Hochsommer verbieten, kurze Hosen zu tragen? Wen interessiert das überhaupt? Niemand. Und wer achtet auf das kleine Bäuchlein? Genau, auch niemand. Und wenn doch, warum sollte mich das beeinflussen?

Es ist traurig, dass ich erst jetzt lerne, so zu denken und noch trauriger, dass manche Menschen es nie lernen, weil sie sich einfach nicht trauen loszulassen. Aber ich bin es mittlerweile einfach Leid, mir Dinge zu verbieten,  nur weil ich hin und wieder gerne das Leben genieße und man das auch sehen kann (ganz zu schweigen von den Tagen an denen man sich aufgrund der Freuden des weiblichen Zyklus besonders unattraktiv und aufgeschwemmt fühlt).

Diese neu aufkeimende Akzeptanz für meinen eigenen Körper soll jetzt auf keinen Fall bedeuten, dass ich nur noch in Hotpants und knallengen Croptops durch die Gegend laufen werde – aus dem Alter bin ich sowieso langsam raus. Ich bin nur nicht mehr dazu bereit, mich für Dinge zu schämen, für die ich mich eigentlich nicht schämen muss.

Das Leben ist dafür nicht nur zu kurz („Ich bin zu alt für diesen Scheiß.„), sondern auch zu schade. Vielleicht kann man wirklich sagen, dass mit dem Alter eine gewisse Weisheit kommt. Ich würde es jetzt eher als ein gewisses Maß an Gleichgültigkeit bezeichnen, weil ich einfach keinen Bock mehr habe, mir mehr Gedanken über solche Nichtigkeiten zu machen, als tatsächlich nötig ist.

Niemand erwartet von uns mehr Perfektion als wir selbst. Und jetzt ist es Zeit, ein bisschen locker zu lassen. In meinem Körper bin ich zu Hause und jetzt soll er sich auch wie eines anfühlen.

Sind Brüste unmoralisch?

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Die Verehrung und gleichzeitige Verdammung des weiblichen Körpers scheinen keine Grenzen zu kennen. Dieser Gegensatz zwischen Ästhetik und Verwerflichkeit wird für mich am deutlichsten, wenn man sich ansieht, wie die Brüste der Frau in der Gesellschaft behandelt werden. Häufig werden sie mit Scham verbunden, als etwas, das versteckt werden muss. Einige Menschen finden es sogar unmoralisch, wenn eine Frau ihr Kind in der Öffentlichkeit stillt. Doch was könnte natürlicher sein, als das? Was soll daran bitteschön unmoralisch sein?

Anderes Beispiel: Wenn Männer im Schwimmbad nur in Badehose herumlaufen, ist das normal. Wenn Frauen ihr Bikinioberteil ausziehen, ernten sie abwertende Blicke und wenn sie Pech haben, sogar eine Anzeige – wie ein aktuelles Beispiel aus Spanien zeigt.

Warum müssen wir gerade diesen Teil unseres Körper derart verstecken?

Ich muss an dieser Stelle offen zugeben, dass auch ich nicht vollkommen frei von sämtlicher Befangenheit bin. Ich würde mich ja nichtmal trauen,  in meiner eigenen Wohung oben ohne herumzulaufen, weil man mich durch die Fenster sehen kann. Wie sollte es aber auch anders sein? Wie soll ich unbefangen sein, wenn mir vorgelebt wird, dass es „sich nicht gehört„, seine Brüste zu zeigen? Und das nicht von meiner eigenen Mutter oder meiner Familie, sondern direkt von der ganzen Gesellschaft.

Wenn Frauen keinen BH tragen wollen, tragen sie gerne Nippel-Cover, damit man bloß „nichts sieht„. Es ist die eine Stelle des weiblichen Körpers, die auf keinen Fall angesehen werden darf. Was auch immer du tust, schau auf gar keinen Fall hin!

Und trotzdem wird geguckt. Ich will jetzt nicht in die „Scheiß-Männer-Kerbe“ schlagen, aber es ist einfach so, dass Männer den Drang haben zu gucken, wenn es ein paar schöne Ländererein zu sehen gibt – aber da geht es mir nicht anders. Frauenkörper üben nunmal eine sexuelle Faszination aus. Das ist einfach so. Da ändern auch ein Rollkragenpulli und eine Schlabberhose nichts dran. Aber ist das echt so schlimm? Was, wenn nicht die Brüste das eigentliche Problem sind, sondern unser Bild von Sex und Sexualität im allgemeinen und wir diese Diskussion vor einem völlig falschen Hintergrund führen?

Alles doppelmoralisch korrekt

Für mich wirkt es jedenfalls so:  Frauen, die ihre Brüste in der Öffentlichkeit zeigen, wollen die Aufmerksamkeit der Männer auf sich ziehen – wahrlich skandalös! Und weil der weibliche Körper ohnehin schon so stark sexualisiert wird, über Sex aber weder geredet noch gesprochen werden darf, muss alles versteckt werden, was damit in Verbindung gebracht werden könnte.

Deshalb sind Männerbrüste wahrscheinlich auch total egal. Ich habe jedenfalls noch nie einem Mann auf die Brust gestarrt und gedacht: „Euch Schnuckis nehme ich mit in die Kiste und dann zeig ich euch, wo der Hammer hängt.“ höchstens, wenn ich ihm mal auf den knackigen Hintern geschaut habe, aber der ist in der Regel ja auch züchtig verpackt. Also, alles im Rahmen der doppelmoralischen Richtlinien.

Insgesamt muss ich sagen, dass hier Probleme gemacht werden, wo eigentlich keine sind. Der menschliche Körper, ist nichts, wofür man sich schämen sollte. Trotzdem tun wir alles, um ihn schlecht zu reden, zu verhüllen, zu verdammen und zu bemäkeln. Ich bin kein Paradebeispiel für bedingungslose Selbstliebe, aber ein absoluter Verfechter davon, es jeden Tag auf’s neue zu üben und mir mehr Respekt zu schenken – selbst wenn mir die Gesellschaft das Gegenteil andrehen will.

Vielleicht sollte ich doch mal nackt durch meine Wohnung laufen. Einfach, weil ich es kann.