Die wertvollste Ressource der Welt

Zeit

Das Thema Geld ist überall – egal, ob man es hat oder nicht. Oft sind wir damit knauserig. Ich kann mich beispielsweise noch gut an mein Studium erinnern, als ich sämtliche Ausgaben und Einnahmen aufgeschrieben habe, um den Überblick über mein Geld zu behalten. Und nicht selten habe ich überlegt, ob ich mir das Kino oder den Restaurantbesuch wirklich leisten kann.

Geld ist also nicht nur überall, sondern es ist auch noch extrem wichtig. Ohne Geld haben wir kein Dach über dem Kopf und können uns nichts zu Essen leisten. Kein Urlaub, keine neue Kleidung, nix. Trotzdem gibt es für mich noch etwas, das in den letzten Monaten viel, viel wichtiger geworden ist: Zeit. Denn während wir Geld durch Arbeit und Sparen vermehren können, wird die Zeit, die wir auf dieser Erde haben immer weniger.  Wir wissen noch nichtmal, wie viel wir am Ende überhaupt von ihr haben. Trotzdem gehen wir mit ihr um, als wäre sie grenzenloses Gut.

All die Stunden, die wir mit dem Binge-Watching irgendwelcher Serien verbringen oder damit, uns vor den Sachen zu drücken, die wir eigentlich machen sollten… all das ist wertvolle Zeit, die nahezu ungenutzt verstreicht und nicht wieder zurückkommt. Ich selbst bin oft recht wahllos, wenn es darum geht, wie ich mir meine Tage einteile. Dann nehme ich mir zwar oft Dinge vor, die ich tun will, aber am Ende versacke doch vor dem Fernseher oder in einem der zahlreichen Wurmlöcher auf Youtube. Am Ende des Tages habe ich nichts gemacht, außer mich berieseln zu lassen.

Wertvolles Potenzial wird einfach verschenkt

Ich glaube nicht, dass man seinen Tag mit sämtlichen Kunstgriffen aus der Effizienz-Trickkiste feintunen muss, nur damit am Ende auch wirklich jede Minute sinnvoll genutzt sind. Mir persönlich sind solche Pausen, in denen ich nichts tue, auch mehr als willkommen. Wenn ich den ganzen Tag über meiner Arbeit gebrütet habe, will halt einfach nichts mehr machen, das mich mental anstrengt. Nur nehmen diese „kleinen Pausen“ schnell Überhand. Statt zu schreiben oder etwas anderes kreatives zu machen, gebe ich mich dann komplett dem Konsum hin.

In diese Falle bin ich besonders gerne während des Studiums getappt, als ich noch mehr Zeit hatte. Nur ist es mir damals nie wirklich aufgefallen. Jetzt, mit einem Vollzeitjob, ist mir erst bewusst geworden, wie wenig freie Zeit mir eigentlich zur Verfügung steht, um mir die Träume und Ziele zu erfüllen, die ich abseits meines Jobs habe. Muss ich während meines Feierabends wirklich 3 Folgen einer Serie schauen? Oder reicht es auch, wenn ich mal nur eine Folge gucke?

Wir tauschen langfristiges Glück gegen kurzfristiges Vergnügen

Es ist natürlich immer die einfachere Wahl, den Konsum zu wählen und sich stundenlang einfach nur berieseln zu lassen, statt aktiv zu werden. Doch fühlen wir uns danach wirklich besser? Ich muss zugeben, dass ich es manchmal schon bereue, wenn ich Sonntagabends ins Bett gehe mit dem Wissen, dass ich nichts geschafft habe, außer eine ganze Staffel Gilmore Girls zu gucken – was sicher auch irgendwo beeindruckend ist. Aber war das wirklich die ganze Zeit wert, die ich dafür hergegeben habe?

Wäre es schlimm gewesen, wenn ich zumindest 2 Stunden freigeschaufelt hätte, um spazieren zu gehen oder wenigstens etwas zu lesen? Gerade nach einem langen Tag auf der Arbeit fällt es mir sehr leicht, mich direkt in meinen Pyjama zu schmeißen und den Rest des Abends an mir vorbeiziehen zu lassen. Auch diese Blogposts, die mir eigentlich Spaß machen und mir dabei helfen, das Chaos in meinem Kopf zu ordnen, erfordern eine gewisse Anstrengung und Mühe.

Es war ja schon Arbeit, den Fernseher nach einer Folge Suits abzustellen, um diesen Beitrag hier zu schreiben.

Schlussendlich sieht es jedoch so aus: Jeder Mensch auf diesem Planeten hat 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Der einzige Unterschied zwischen den Menschen, die Erfolg (welcher Art auch immer) und Erfüllung verspüren und dem Rest, der sich zwar das gleiche wünscht, aber nichts dafür tut, ist die Art wie er diese 24 Stunden nutzt.

Der erste Schritt in die richtige Richtung besteht darin, wirklich zu erkennen, wie man seine Zeit verbringt. Worin investieren wir besonders viel Zeit? Macht uns das langfristig glücklich? Und was würden wir gerne mehr in unser Leben integrieren? Allein indem wir damit anfangen, über diese Fragen nachzudenken und uns ernsthaft mit ihnen auseinander zu setzen, fördern wir einen bewussteren Umgang mit der wichtigsten Ressource der Welt.

Urlaub zu Hause

Balkonien

Die Abgabe des Urlaubsantrags ist für viele der Startschuss, um nach Hotels und Flügen für den nächsten Trip zu suchen. Gerade wenn man die Uni verlassen hat und in einem festen Job steckt, wird Urlaub noch wertvoller als er vorher ohnehin schon war. Man hat eindeutig weniger davon und im von Arbeit geprägten Alltag sind die Freiheiten des Lebens sowieso spärlich gesät.

Umso wichtiger ist es da, das bisschen an freier Zeit voll und ganz auszuschöpfen. Und während das für viele bedeutet, die Sachen zu packen und am besten möglichst weit weg und möglichst lange zu flüchten, gebe ich mich schon damit zufrieden, einfach mal ein paar Tage zu Hause zu verbringen.

Reisen ist nicht alles

Natürlich fahre ich auch gerne weg. Gerade Kurztrips können unerwartet erfüllend sein und den Energietank schnell wieder auffüllen, aber es hat auch etwas für sich, wenn man einfach mal seinem natürlichen Lebensrhythmus folgen kann. Ohne durch die normalen Arbeitszeiten eingeschränkt zu werden, kann ich mir dann meinen Tag einteilen, wie ich es möchte.

Ich kann schlafen, so lange wie ich will. Dann ein bisschen Sport machen und ein ausgiebiges Frühstück genießen. Und danach? Mal sehen, immerhin habe ich alle Zeit der Welt. Ich kann mich endlich um all die Dinge kümmern, die in der letzten Zeit zu kurz gekommen sind. Das bedeutet leider auch oft Aufräumen oder andere Dinge, die nicht so angenehm sind, aber dafür habe ich anschließend immer noch genug Zeit zum faulenzen übrig.

Zu wissen, dass ich meine Putzsession oder meinen Wocheneinkauf nicht in die wenigen freien Stunden nach der Arbeit schieben muss, ist für mich schon ein großer Stressfaktor weniger. Meistens genieße ich solche Tätigkeiten dann auch mehr, weil ich weiß, dass ich mich nicht hetzen muss, oder weil danach noch etwas schönes ansteht.

Auch ein bisschen Schadenfreude muss mal sein

Außerdem hat der Urlaub zu Hause für mich auch aus psychologischer Sicht eine positive, aber auch etwas merkwürdige Wirkung. Wenn man wegfliegt, denkt man eigentlich kaum an die daheim gebliebenen Kollegen. Für ein paar Tage lebt man in einer Art schönen, entspannten Parallelwelt, wo es keine Arbeit gibt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Bleibe ich aber zu Hause, denke ich vor allem die ersten beiden Tage an die armen Seelen, die schon längst im Büro sitzen, während ich mich noch genüsslich im Bett strecke.

Es ist ein wenig gehässig, aber aus meiner Sicht durchaus menschlich, in diesem Moment ein wenig Schadenfreude zu empfinden. Abgesehen davon gibt es mit Sicherheit genug Gelegenheiten, an denen der Spieß umgedreht wird. Da darf man sich ruhig mal freuen, wenn man sich der absoluten Faulheit hingeben kann … und andere eben nicht.

Und weil auch die lästige Heimreise weg fällt, die in den seltensten Fällen glatt läuft und einen dann mindestens so gestresst wieder zur Arbeit kommen lässt, wie man sie verlassen hat, ist der Übergang vom Urlaub zur Arbeit weitaus sanfter. Balkonien sei Dank!

Absolute Zufriedenheit für wenig Geld

Obwohl ich das mit dem Balkon die nächsten Tage lieber sein lasse, so kalt wie es draußen ist. Dafür habe ich viel Zeit für meine Freunde, Sport, Spazieren gehen, Lesen, den Blog und Serien eingeplant. Zwischendurch noch ein wenig die Wohnung aufmöbeln und ich bin vollkommen zufrieden. Einfach eine Woche voller abgammeln und schöner Dinge – ohne Flug- oder Hotelkosten.

Für mich ist es auch ein gutes Zeichen, dass ich mein Leben nicht komplett hinter mir lassen muss, um entspannen zu können. Es ist nichts bemitleidenswertes, wenn man Urlaub macht, ohne weg zu fahren. Für mich ist es vielmehr ein Zeichen dafür, wie zufrieden ich mit meinem normalen Leben bin und wie sehr ich die Stadt liebe, in der ich wohne. Und das ist meiner Meinung nach auch schon eine ganze Menge wert.

Aber trotzdem: Die nächste Reise ist schon in Planung, denn ein Leben ganz ohne Reisen wäre wie eine Spielekonsole mit kaputtem Controller. Sinnlos und ohne jeglichen Spaß.