Ein ominöses Dokument…

Schreiben

Im Dezember saß ich in einemmehrtägigen Seminar. Es ging um das Thema Werbetexten und so verbrachten wir einige Stunden mit Zusammenbauen unterschiedlicher Textpassagen und dem Spielen mit  Wörtern. Das ganze wurde immer wieder von Theorie-Vorträgen unterbrochen.

In einem dieser Vorträge traf es mich absolut unerwartet. Es war, als wäre ein Blitz direkt neben mir eingeschlagen und der plötzliche Schock hätte mich an etwas wichtiges erinnert. Fast so, wie wenn man mitten in der Nacht mit einem Mal kerzengerade im Bett sitzt, weil einem eingefallen ist, dass man vergessen hat Klopapier zu kaufen.

Das hier war jedoch mehr eine fixe Idee, obwohl es sich gleichzeitig so anfühlte, als hätte sie schon länger unter der Oberfläche geschwelt. Als hätte sie darauf gewartet, auszubrechen. Ich glaube, es lag daran, dass es an dem Morgen geschneit hatte…

Ein neues Symbol auf meinem Desktop

Was ich in Stichworten im Seminar schnell hingekritzelt hatte, schrieb ich so rasch wie möglich aus. Es war nicht viel – nur etwas weniger als eine Seite – aber es fühlte sich trotzdem wichtig an. Es war eine Szene und ich wusste, dass sie der Einstieg zu einem Roman werden würde. Das Dokument nannte ich dann ganz belanglos „Idee Story“ und legte es auf meinem Desktop ab. In den nächsten Monaten wanderte mein Blick jedes Mal, wenn ich meinen Computer startete, automatisch zu diesem Icon. „Idee Story“. Doch ich wusste noch nicht, was ich damit anfangen sollte.

Ich hatte zwar in dem Moment, als ich diese Seite geschrieben habe, eine grobe Richtung im Kopf, aber es war nicht genug, um damit weiter zu arbeiten. Es war zu vage, zu einfach. Viele der großen Schriftsteller glauben an die „harte Arbeit“. Das ist es, was Schreiben die meiste Zeit ist. Die romantische Vorstellung, die wir so häufig damit verbinden, entspricht in den seltensten Fällen der Wahrheit. Dieser beinahe meditative Schreibfluss kommt nicht von selbst. Gute Ideen sind in den seltensten Fällen spontane Eingebungen, sondern das Ergebnis stundenlangen Grübelns. Stunden, in denen man manchmal nicht mehr als eine halbe Seite schafft und 90% ist Mist.

Ich war damals noch nicht bereit, diese Arbeit zu investieren. Ich musste die Idee erst „marinieren“ lassen und sie in meinem Kopf weiter spinnen. Ab einem gewissen Punkt fing ich an, mir Notizen über die beiden Protagonisten und den weiteren Verlauf zu machen. Das meiste davon ist jetzt überflüssig. Es war zu konstruiert. Ein zwanghafter Versuch um voran zu kommen und das Ruder mit Gewalt herum zu reißen.

Ready when I’m not…

Erst Ende letzten Monats wurde diese Idee, die ich im Dezember hatte, konkreter. Konkret genug, dass ich mir den Spaß machte, das Dokument wieder zu öffnen und ein Stückchen weiter zu schreiben. Am nächsten Tag noch ein Stückchen. Und ein paar Tage darauf noch ein Stückchen. Ohne den Anspruch auf Perfektion oder Vollständigkeit. Ohne viel darüber nachzudenken.

Ich bin weiß Gott noch nicht weit, aber so langsam fühlt es sich so an, als würde das Ganze irgendwo hin führen. Fragt mich nur nicht wohin.  Es ist meine persönliche Herkules-Aufgabe, die ich für mich und in meinem eigenen Tempo lösen muss. Der gordische Knoten, der mir lange genug den Magen zusammengeschürt hat und den ich nun zerteilen muss.

Ich weiß schon, wie es ausgehen wird. Egal, wie oft ich Namen, Szenen oder Orte ändern muss bis es passt. Die Vision für das Ende wird in meinem Kopf immer klarer. Aber das ist nicht das Ziel. Ich will mir selbst beweisen, dass ich bereit bin, auch wenn ich mich noch nicht so fühle. Ich muss nur weiter machen – jeden Tag ein bisschen mehr.