Out of Order

krank

Manchmal kommt es ganz plötzlich. An dem einen Tag fühlt man sich noch wie der junge Frühling und blickt hochmotiviert einer neuen Woche entgegen – und am nächsten Morgen wacht man auf mit Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel und dichten Nebenhöhlen. Dahin sind die Motivation und wie der junge Frühling sieht man nach wenigen Stunden auch nicht mehr aus, wenn man in den Spiegel schaut. Eher wie ein Kohlkopf, der ein paar Mal unter die Räder gekommen ist. Ladies und Gentlemen, das war wahrlich und wahrlich der Beginn einer wunderbaren Woche.

Und damit meine ich nicht diese, sondern die letzte. Der Grund für meine Abwesenheit letzte Woche lag nämlich in einem extrem überraschend über mich hergefallenen Virus, der beschlossen hatte, die komplette Woche bei mir zu verbringen. Noch am Mittwoch wagte ich den vorsichtigen, äußerst dummen Versuch, doch arbeiten zu gehen, was ich aber schnell wieder bleiben ließ. Am Ende verbrachte ich die Woche abwechselnd auf dem Sofa oder im Bett. Mehr als Fernsehen oder schlafen war eigentlich auch nicht drin (und jede halbe Stunde auf Toilette wanken, weil meine Blase das Fassvermögen einer Erbse hat).

Ich gab mir wirklich alle Mühe, alles ruhig angehen zu lassen, damit ich mich auskurieren kann. Trotzdem weigerte ich mich die ersten Tage zum Arzt zu gehen. Einerseits weil ich, wie immer, dem Irrglauben unterlag „Das geht von selbst wieder weg“ und andererseits aus Angst, dass er die Spritze zückt, um mir Blut abzuzapfen. Das schlimmste war aber meine Angst davor, dass er mich krank schreibt.

Keine Zeit zum gesund werden

Es ist schon komisch, wie gut wir darin sind auf die Gesundheit anderer zu achten und ihnen damit in den Ohren zu hängen, dass sie zum Arzt gehen sollen, wenn sie krank sind, aber sobald wir selbst dran glauben müssen, haben wir zu viel zu tun um krank zu sein und geben uns weder die Ruhe, noch die Mittel um wieder wirklich gesund werden zu können. Ich selbst dachte auch nur an all die Termine und Deadlines, die mich erwarteten. Wie sollte ich da krank sein können?

Die Antwort ist ergreifend schlicht: Ich war es einfach. Das war halt so und ich musste das Beste daraus machen. Es einfach nur zu ignorieren, ändert schließlich auch nichts an den Tatsachen.Wenn mein Haus brennt und ich das Fenster öffne, um frische Luft rein zu lassen, brennt es trotzdem weiter (manchmal sogar schlimmer als vorher).

Davon geht die Welt nicht unter

Als der Arzt mich dann bis einschließlich heute krank schrieb (nicht ohne den Hinweis, dass ich ja arbeiten gehen könnte, wenn ich mich entsprechend fühle), versuchte ich mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass ich meine Termine einfach verschieben muss. In dem Zustand wäre ich ohnehin für niemanden eine wirkliche Freude gewesen – mal ganz abgesehen von der Ansteckungsgefahr. Die Termine zu verschieben, war am Ende kein wirklich großes Ding und ich hatte endlich den Kopf frei um mich zu erholen. Die ganze Zeit davor hatte ich an nichts anderes denken können, als ich bloß schnell wieder gesund sein muss, um meine Termine einzuhalten.

Aber ganz ehrlich? Was, wenn sich wirklich alles ein paar Tage nach hinten verschiebt? Davon geht die Welt auch nicht unter.

Wir schieben ja oft die Arbeit vor, wenn wir krank sind. Wir haben viel zu viel zu tun und „können“ uns nicht die Zeit nehmen, um gesund zu werden. Die Wahrheit ist meistens aber die: wir können uns die Zeit schon nehmen, wir wollen nur häufig nicht. Weil wir anderen nicht zur Last fallen wollen, weil wir keine Lusche sein wollen, oder was auch immer. Fakt ist aber, wenn wir die Symptome ignorieren und einfach weiter arbeiten, ist das weder pflichtbewusst, noch sollten wir uns dafür über den Klee loben. Es sorgt nur dafür, dass wir uns nicht richtig auskurieren, die Krankheit verschleppen und womöglich auch noch andere anstecken.

Ehrlich gesagt, bin ich auch noch nicht zu 100% wieder gesund, aber ich bin aus dem schlimmsten raus und das soll bitte auch so bleiben. Sollte ich auf der Arbeit merken, dass es noch nicht geht, dann gehe ich halt wieder und lasse lieber nochmal den Arzt drübersehen. Jedenfalls habe ich jetzt nicht mehr vor, dem „Workaholic-Lifestyle“ zu frönen, sondern dafür zu sorgen, dass ich mich vernünftiger um mich selbst kümmere.

Sonst bin ich meinen Kollegen auf der Arbeit auch keine große Hilfe. Die hassen mich am Ende nur, wenn ich sie kurz vor Karneval mit einem Virus anstecke.