Das MET – Ein Irrgarten der Kunst

METIch liebe große Städte – ihre Vielfalt und die Anonymität. Millionen von Menschen, die sich wie Ameisen durch ein Netz von Straßen schlängeln. Alles wirkt hektisch und überfordert einen manchmal mit seine Reizen und doch hat es System. Mittlerweile fühle ich mich in Seoul und in London fast wie zu Hause. Tokyo ist eine der faszinierendsten Städte, die ich bisher besucht habe und jetzt kann ich auch New York City auf meine Liste der bisher besuchten Großstädte setzen.

Auch wenn ich sie als Stadt per sé nicht als schön beschreiben würde, hat sie doch unglaublich viel zu bieten. Es ist wirklich eine Stadt, die niemals still steht – geschweige denn still ist. Dabei habe ich mir zwischendurch nichts mehr als ein bisschen Stille gewünscht. Und ich fand sie.

Ich fand die Stille in ihrer schönsten Form direkt am Central Park: Das Metropolitan Museum of Art, kurz MET. Dreieinhalb Stunden nur für mich, umgeben von Gemälden, Skulpturen und vielen anderen Kunstgegenständen mit denen ich niemals gerechnet hätte. Jeder Raum hielt eine neue Überraschung für mich bereit.

Müsste ich diesen Ort mit nur wenigen Worten beschreiben, dann würde ich sagen, es ist ein gigantischer Irrgarten der Kunst. Abgesehen davon, dass es absolut riesig ist (spoiler alert: Ich habe noch lange nicht alles gesehen und muss wohl „leider“ nochmal hin), bietet es eine Fülle an Objekten, die ich in einer solchen Vielfalt noch nie gesehen habe.

Allein diese Vielfalt und die Tatsache, dass man meiner Meinung nach mindestens zwei Tage einplanen sollte, wenn man sich möglichst viel anschauen will, rechtfertigt in meinen Augen den stolzen Eintrittspreis von 25$. Dafür kann man das Museum an 3 aufeinanderfolgenden Tagen besuchen. Ein super Preisleistungsverhältnis für jeden Kunst-Junkie!

Nachdem ich meinen Eintritt bezahlt hatte, legte ich meine Musik auf und die Reise konnte losgehen. Mein Weg führte mich über antike Skulpturen nach Afrika, Südamerika, zu den Impressionisten und Klassikern des 19. Jahrhunderts. Ich sah die prächtigen Räume venezianischer Palazzi wieder auferstehen und tauchte in die Welt von Fabergé ein.

Und obwohl das Museum gut besucht und damit teilweise mit mehr Leuten angefüllt als mir lieb war, gab es Bereiche, in denen sich kaum ein Mensch aufhielt und wo ich wirklich für mich sein konnte. Dann nahm ich mir auch wirklich Zeit, um all die Einflüsse, die mich umgaben, aufzunehmen und zu genießen.

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Die schiere Fülle an unterschiedlichen Stilen und Objekten war beinahe erschlagend, als ich auf einmal merkte, dass mir die Zeit davonlief und ich noch lange nicht alles gesehen hatte, was ich sehen wollte. Was war mit der asiatischen Kunst? Und mit den Ägyptern? Abgesehen davon hatte ich mich zwischenzeitlich ohnehin zwischen irgendwelchen Kolonialmöbelstücken verlaufen.

Trotz der Hektik, die sich dadurch zum Ende meines Besuches entwickelte, lief ich regelrecht auf Wolken. So sehr, dass ich mir aus dem Souveniershop glatt noch eine Tasse oder einen Beutel mitgenommen hätte, doch beides wurde zu derart salzigen Preisen angeboten, dass ich beschloss, mich auf die Eintrittskarte als Andenken zu beschränken.

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Das MET war für mich eine der positivsten Überraschungen dieser Reise und damit eines der absoluten Highlights. Obwohl rein von meinem Bauchgefühl her das „Victoria & Albert Museum“ in London nach wie vor mein liebstes Kunstmuseum ist, hat sich das MET im Sturm auf den zweiten Platz katapultiert (gefolgt vom „Louvre“ in Paris). Während ich das Victoria & Albert Museum fast jedes Mal besuche, wenn ich in London bin, hat das MET zweifellos das Potenzial dazu das gleiche zu werden, wenn ich in Zukunft wieder nach New York reise.

Jane Austen – aber als Hippie im Petticoat

Nostalgie2Wer in unserer Zeit hier in Deutschland lebt, kann sich eigentlich kaum beschweren. Ich kann es jedenfalls nicht. Ich habe einen tollen Job mit einem gesicherten Einkommen und einer Krankenversicherung. Ich darf wählen, obwohl ich eine Frau bin. Und ich darf (fast immer) anziehen, was ich will.

Freiheiten wie diese, waren vor vielen Jahren nicht selbstverständlich. Noch vor ein paar Jahrzehnten mussten Frauen ihre Männer fragen, ob sie arbeiten gehen dürfen. Saß eine Frau in der Auto-Nation Deutschland dann auch noch hinter dem Steuer, wurde erst recht die Nase gerümpft. Wirklich viel entscheiden, durfte man damals ohnehin nicht. Wenn der Sohn vom Bauer Humpe nebenan aus Sicht der Eltern eine vielversprechende Partie abgab, dann wurde der halt geheiratet.

„Früher“ oder „damals“ war nicht immer alles besser. Ich wage sogar zu behaupten, dass wir, trotz all es Wahnsinns um uns herum, noch eine Menge Glück haben. Dennoch trifft sie viele von uns immer wieder: diese Nostalgie für längst vergangene Zeiten. Und damit meine ich nicht unbedingt die 80er oder 90er, die auf sämtlichen Parties abgefeiert werden. Die Zeiten von denen ich spreche, haben wir in der Regel nicht mal selbst miterlebt.

Wahrscheinlich faszinieren sie uns gerade deshalb. Wie oft hast du dich schon gefragt: „Was wäre, wenn ich zu dieser Zeit gelebt hätte?

Oder bin ich einfach nur komisch? Denn ich für meinen Teil stelle mir diese Frage sehr häufig – und kann mich dabei nie für eine Epoche entscheiden. Mal will ich im Puffärmel-Kleidchen auf feinen Gesellschaften nach dem perfekten Mr. Darcy suchen. Mal will ich den ganzen Wahnsinn der Werbeagenturen auf der New Yorker Madison Avenue der 60er-Jahre miterleben. Oder ich träume davon, eine echte Sommerfrische im Stil der 20er mitzuerleben.

Natürlich sind das alles nur idealisierte Träumereien. Es sind Wunschvorstellungen, die nichts mit der damaligen Realität gemein haben. Denn die war mit Sicherheit für die meisten Menschen um einiges härter, als man es sich heute vorstellt. Die Regency-Ära war kein einziges Happy End, wie ein Jane-Austen-Roman. Und Versailles bestand nicht nur aus rauschenden Festen.

So fernab diese Gedankenspiele auch sein mögen, so glaube ich trotzdem, dass sie mir gut tun. Sie regen meine Fantasie an und bieten mir eine Möglichkeit, den Alltag hinter mir zu lassen. Gleichzeitig verleiten sie mich oft dazu, mich mehr über diese Epochen zu informieren. Um eben nicht nur in meiner Traumwelt festzustecken.

Ich bin froh darüber, dass es heutzutage genug Mittel und Wege gibt, diese Nostalgie auszuleben. In meiner Wohnung findet sich das eine oder andere kleine Flohmarktstück, das eine eigene Geschichte erzählt. In meiner DVD-Sammlung stehen Kostümschinken neben waschechten Hollywood-Klassikern aus den 50ern. Und Oscar Wilde teilt sich mein Bücherregal mit Biographien über Madame de Pompadour.

Viele können damit nichts anfangen. Für die ist Geschichte sowieso dröge und langweilig und dem alten Kram können sie einfach nichts abgewinnen. Für mich ist es eine Art, meinem Leben mehr Würze zu verleihen. Es ist wie die Prise Zimt, die aus einer einfachen, heißen Schokolade, eine richtig leckere, heiße Schokolade macht.

Und so sehr ich unsere heutige Zeit mit all ihren Annehmlichkeiten liebe, so zu 100% habe ich noch nie zu ihr gehört. Dafür hat die Vergangenheit einfach zu viel zu bieten. Da wäre ich gerne mal Jane Austen – aber bitte als Hippie und im Petticoat.

Und du so?

Nostalgischer Träumer oder eher ein Kind der Moderne?