Plötzlich erwachsen?

Alter

Als ich in die erste Klasse kam, kamen mir die Viertklässler so erwachsen vor. Ich wollte unbedingt so sein wie sie. Als ich auf das Gymnasium kam, waren die Abiturienten das absolute Nonplusultra. Danach waren es die Studenten. Mit jeder Stufe, die ich auf meinem Lebensweg erklomm, gab es jemand neues zu dem ich aufgeblickt habe, weil diese Person oder diese Gruppe von Menschen mir so viel erfahrener und erwachsener vorkam.

So bin ich Anderen immer hinterher gelaufen und das in einem Rennen, das ich sowieso nie gewinnen kann. Denn als ich in die vierte Klasse kam, habe ich mich nicht viel erfahrener gefühlt als in der ersten Klasse, weil ich es in dem Moment einfach nur genoss, ein Kind zu sein. Und als ich vor mittlerweile über einem Jahr meine Masterarbeit abgegeben habe, war ich nicht viel besser auf das Leben als „Erwachsener“ vorbereitet als an dem Tag, an dem ich mit der Schule fertig wurde.

Was heißt überhaupt „Erwachsen sein“? Und woher weiß man, dass man dieses Stadium erreicht hat? Erreicht man es überhaupt jemals? Fragen wie diese geistern mir schon seit vielen Jahren im Kopf herum – ganz besonders seit der Zeit kurz vor meinem Uniabschluss. Da hatte ich das Gefühl direkt am Rand einer Klippe zu stehen und die Abgabe meiner Abschlussarbeit würde mich mit brutaler Gewalt in die Welt der Erwachsenen stoßen, die ich nie wirklich verstanden habe.

In eine Welt, in der man Steuern zahlt, sich tagtäglich einem langweiligen Job hingibt und nur auf das Wochenende wartet. Man redet über Politik und Wirtschaft, gründet eine Familie und weiß, wie die Welt funktioniert.

Die Wahrheit über das Erwachsensein

Dabei sieht die Wahrheit ganz anders aus. Zumindest die Wahrheit, die ich für mich gefunden habe: wir alle stolpern eigentlich nur durch’s Leben, in der Hoffnung, dass niemand es bemerkt, wenn wir mal stolpern oder uns mit Schmackes auf die Fresse legen. Dann heißt es schnell aufstehen, die Klamotten abklopfen und so tun als wäre nichts gewesen. Und so geht es einfach immer weiter. Der Punkt, an dem man sich vollkommen sicher in seinem Tun fühlt, kommt einfach nie. Und wenn doch, ist es nur eine Frage der Zeit bis der nächste Stolperstein auftaucht.

Ich habe eine sehr lebhafte Erinnerung daran, wie ich in der Schule mit Leuten geredet habe, die so alt waren, wie ich jetzt (also Mitte bis Ende 20). Wobei man hier eher von einem Versuch sprechen sollte, denn ich hatte immer das Gefühl, dass ich keinen Kontakt zu ihnen aufbauen konnte, weil ich glaubte, irgendwas erwachsenes und intellektuelles sagen zu müssen. Und so geht es mir auch heute manchmal noch mit Leuten, die ich für erfahrener als mich selbst halte (also fast alles über 30).

Es gibt kein Ende

Man kommt einfach nie irgendwo an, weil sich alles ständig verändert. Weil wir uns ständig verändern und immer neue Dinge an uns entdecken, die dafür sorgen, dass wir uns „noch nicht soweit“ fühlen. Ich bin auch noch nicht dazu bereit, mich mit 26 Jahren als erwachsene Frau zu bezeichnen, aber das muss noch lange kein Defizit sein. Warum also der Stress?

Und es ist äußerst beruhigend zu wissen, dass es mir nicht alleine so geht. Denn das ist wohl eine der wenigen wirklich einflussreichen Erkenntnisse, die ich im Laufe meines Lebens gemacht habe: Erwachsen sein ist im Grunde ein Mythos. Wir haben alle keinen wirklichen Plan und DEN EINEN Plan gibt es sowieso nicht. Weil wir alle verschieden sind und uns kontinuierlich verändern.

Deshalb ist es auch egal, wenn ich in 4 Jahren ledig und kinderlos bin. Es ist egal, ob ich mich für Politik oder Hippiekram interessiere. Und vor allem ist es egal, ob ich mich als Erwachsener klassifiziere oder nicht. Mein Leben funktioniert auch so.

Und überhaupt: wenn Erwachsensein so ist, wie viele Leute es sagen – langweilig, routiniert, immer planbar und ernst – dann kann ich jetzt guten Gewissens darauf verzichten. Ich bleibe ich, egal wie alt ich bin und das ist viel besser.

Einfach mal im Kreis kotzen

Verkehr

Wer in der Schule Pädagogik hatte, wurde mit Sicherheit auch mit jenem berühmten Ausspruch von Rousseau gequält: „Jeder Mensch ist im Grunde gut.“ die genauen Hintergründe zu diesem Spruch möchte ich an dieser Stelle nicht weiter präzisieren, aber so sehr man sich auch bemüht „gut“ zu sein: Wir alle tragen aggressives Potenzial in uns.

Das wurde mir erst kürzlich wieder bewusst, als ich vor ein paar Tagen eine Freundin nach der Arbeit besuchen wollte. Ich hatte extra meine Pause abgekürzt und früher Feierabend gemacht, damit ich einen früheren Bus zu ihr nehmen konnte. Also ging ich zur Bushaltestelle und wartete. Und wartete. Und wartete. 10 Minuten vergingen, dann 15 und auch nach 20 Minuten war von dem Bus keine Spur zu sehen. Ich spürte, dass ich mit jeder Minute unruhiger wurde und fing an, nervös mit dem Fuß zu wackeln. Meine gesamte Gesichtsmuskulatur spannte sich an und unaufhörlich schwirrte diese Frage in meinem Kopf herum: „Warum kommt dieser verdammte Bus nicht?“

Als nach einer halben Stunde endlich ein Bus kam (es war der Bus nach dem, den ich eigentlich hatte nehmen wollen), hatte ich mich selbst so in Rage gedacht, dass ich mich gar nicht darüber freuen konnte. Ich dachte nur daran, wie viel Zeit ich damit vergeudet hatte, an dieser Bushaltestelle zu stehen und zu warten. In der Zeit hätte ich zum Beispiel schon längst zu Hause sein können – oder eben bei meiner Freundin.

Das Beste aus der Situation machen, ist manchmal zu einfach

Und solche Momente passieren einem immer wieder. Momente, in denen wir oft keinen Einfluss auf unsere Umwelt nehmen können und uns nichts anderes übrig bleibt als zu reagieren. Diese Machtlosigkeit macht mich jedes Mal rasend. Ich versuche mir dann einzureden, dass es nichts bringt, mich aufzuregen, weil es nichts an der Situation ändert, aber ich kann diese Wut nicht unterdrücken.

Doch da liegt oftmals der springende Punkt: Es ist vollkommen legitim, sich im ersten Moment zu ärgern. Wenn einem etwas widerfährt, das einem nicht gefällt, muss man es nicht weglachen, weil man „ja sowieso nichts ändern kann“. Viel entscheidender ist das, was unmittelbar danach passiert. Als ich nämlich geschlagene 30 Minuten an dieser Bushaltestelle stand, hatte ich die ganze Zeit über ein Buch in meiner Tasche. Ich hätte diese Zeit nutzen und mindestens ein Kapitel darin lesen können. Oder ich hätte mir mindestens eine Folge von einem informativen Podcast anhören können.

Stattdessen habe ich alle zwei Minuten auf mein Handy geschaut und mich mit meiner Wut weiter hoch geschaukelt. Was ich davon hatte? Natürlich nichts. Es ist dumm, wenn man solche Momente rückblickend nochmal betrachtet. Wenn eine Bahn 5 oder 10 Minuten Verspätung hat, ist das erstmal ärgerlich, aber welche weitreichenden Folgen hat das in der Regel, wenn man keinen wichtigen Termin hat? Meistens keine. Wir sind dann vielleicht 10 Minuten später zu Hause und das war’s. Kein Drama.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Nur sagt sich das immer so leicht, wenn man nicht gerade in dieser Situation steckt. Ich kann jetzt vollkommen abgeklärt sagen, wie wenig Bedeutung die Dinge haben, die uns widerfahren und dass es viel wichtiger ist, wie wir darauf reagieren, aber sobald mein nächster Zug 10 Minuten Verspätung hat, werde ich wieder da stehen und ein Gesicht wie 10 Tage Regenwetter ziehen.

Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass diese Wut den ganzen Tag unterschwellig in mir brodelt und nur darauf wartet, einen Anlass dafür zu finden, um auszubrechen. Dabei kann es sich um die banalsten Dinge handeln: Ich bekomme eine Flasche nicht auf, ich sterbe immer wieder an derselben Stelle in einem Videospiel, Autofahren im allgemeinen und auf der Autobahn im speziellen, weil einfach jeder seinen Führerschein im Lotto gewonnen zu haben scheint.

Sobald ein unerwarteter Störfaktor auftaucht, gehen sämtliche Alarmglocken los. Wenn man Zeit hat, um sich auf ein Problem oder eine schwere Aufgabe vorzubereiten, ist es oftmals weniger schlimm, als mit einer kleinen Lappalie konfrontiert zu werden, die einen dafür eiskalt erwischt.

Das „Wie“ ist wichtiger als das „Was“

Insgesamt betrachtet glaube ich tatsächlich daran, dass das „Wie“ wichtiger ist, als das „Was“. Was um uns herum passiert, können wir oft nicht steuern, aber wir könnnen steuern, wie wir reagieren (nachdem der erste Unmut verflogen ist). Dass ich in der Hinsicht noch einen weiten Weg vor mir habe, ist mehr als offensichtlich, aber wie sagt man so schön? Das Leben ist eine Reise. Und wenn man mein Leben nach diesem Kriterium bewerten würde, würde diese Reise wohl nie zuende gehen.

Merken

Muss man immer gönnen können?

Spagat

„Dabei sein ist alles.“ so hört sich das an, wenn Menschen sich und anderen einreden wollen, dass es ihnen nichts ausmacht, wenn sie verloren haben. Vermutlich soll dieser beinahe schon mantrahaft anmutende Ausspruch eine Art Placebo-Effekt bewirken, aber zumindest bei mir funktioniert er nicht. Und bei den meisten anderen Menschen vermutlich auch nicht.

Doch wie hört es sich an, wenn einem das Gefühl von Neid vorgeworfen wird – geschweige denn, wenn man es tatsächlich ist?

„Man muss auch gönnen können.“

Beide Sätze werden meist im Zusammenhang mit Personen verwendet, die häufig der Person, die den Satz ausspricht, in irgendwas nachstehen. Wesentlich besser fühlt man sich bei beiden nicht. Wer wie ich ist, regt sich dann nur noch mehr auf und bekommt gesagt, dass man ein schlechter Verlierer ist. Was ich absolut bin.

In letzter Zeit habe ich mich aber vor allem mit der Frage beschäftigt, ob ich wirklich immer anderen was gönnen muss? Als Ergänzung zum Artikel 3 des Rheinischen Grundgesetzes (korrekt ausgesprochen:“ Mer muss och jünne könne„), ist diese Redensart fest in meiner Region verankert. Der Hintergrund dazu klingt eigentlich absolut einleuchtend:

Man soll anderen gegenüber nicht neidisch oder missgünstig sein. Meistens hat davon ohnehin niemand etwas, außer dass man sich selbst noch schlechter fühlt als vorher, wenn man auf dem Glück anderer herumreitet und nicht selten trägt man die daraus resultierende schlechte Laune auch nach außen. Und wozu? Ändern kann man meistens sowieso nichts und wenn anderen etwas gutes widerfährt, haben sie es sich oft mehr als redlich verdient.

Wer hart arbeitet, wird in der Regel dafür belohnt. Wer nichts macht, oder weniger macht, als er eigentlich könnte, braucht sich nicht darüber wundern, wenn das Ergebnis schlechter ist. Manchmal ist auch einfach nur ein Quäntchen Glück dabei, aber am Ende ist der Erfolg im Grunde auf die Leistungen des Individuums zurückzuführen.

Doch selbst mit all diesem gebetsmühlenartig heruntergefaselten Binsenweisheiten, lässt er sich nie ganz abstellen, dieser Neid. Er frisst sich tief in dich hinein und baut sich ein hübsches, kleines Nest in deiner Brust.

Und wenn du glaubst, dass doch eigentlich alles super läuft, steckt dein Kollege den Kopf zur Tür rein und verkündet, dass er sein Projekt perfekt abgeliefert hat. Geile Zahlen, geiles Ergebnis, geile Stimmung. Er hat wirklich allen Grund zur Freude. Du lächelst ihn an und beglückwünschst ihm. Du weißt, dass er viel dafür getan hat, dass dieser kleine Triumph wohl verdient ist. Trotzdem ist da dieses Brodeln in deiner Magengegend. Der Neid streckt seinen Kopf aus dem Nest und fängt gleich an zu zetern:

Warum hast du das nicht auch gekonnt?
Warum muss Kollege XY wieder in einem besser sein?

Und überhaupt? Warum kriegst du ohnehin nie etwas auf die Reihe, du Dödel?

Also nein, ich will niemandem auch nur irgendwas gönnen!

Das ganze ist umso ärgerlicher, wenn man tief im Inneren genau weiß, dass man nicht sein Bestes gegeben hat, aber trotzdem den gleichen Erfolg erwartet. Wer nur 1 mal die Woche 10 Sit-Ups macht und jeden Abend eine Tüte Chips verdrückt, wird nie so einen Body haben, wie der Typ aus der Wohnung nebenan, der verarbeiteten Zucker aus seiner Ernährung verbannt hat und 4 mal die Woche ins Fitness-Studio geht.

Aber manche Faktoren lassen sich auch nicht beeinflussen:  Wenn besagter Kollege schon länger dabei ist und mehr Erfahrung hat, versteht es sich von selbst, dass die Chancen für den großen Coup bei ihm größer sind. Außer man ist ein Wunderkind (dann muss ich dich leider dafür hassen. Sorry, not sorry).

Aber abgesehen von diesen nicht beeinflussbaren Faktoren, glaube ich, als überzeugter und passionierter Neider, dass folgendes Problem oftmals eng mit dem Neid zusammenhängt:

Die Unfähigkeit dazu, sich seine wahren Prioritäten einzugestehen.

Was ich damit meine, ist folgendes:

Wenn jemand ein Ziel vor Augen hat, das er unbedingt erreichen will, hat das für ihn die Prio 1. Er überlegt, was er tun kann, um dieses Ziel zu erreichen, stellt einen Schlachtplan auf und befolgt ihn konsequent. Er muss es deshalb nicht zwangsläufig erreichen, aber wer sich vernünftig ernährt und Sport treibt, hat nun mal größere Chancen auf einen durchtrainierten Körper als unser Chips-Freund von oben.

Ich hätte auch gerne einen flachen Bauch und keine Dellen an den Oberschenkeln. Ja, ich mache Sport, aber ich liebe einfach Süßigkeiten und Knabberzeug. Von daher versteht es sich von selbst, dass ich (noch) nicht wie ein Victoria’s-Secret-Model aussehe. In dem Moment, in dem ich in die Tüte Gummibärchen greife, ist meine Priorität nicht bei dem Körper, den ich irgendwie gerne hätte, sondern bei der Befriedigung eines niederen Bedürfnisses. Es ist nicht nett, sich das selbst so zu sagen, aber es ist so. Und das heißt für mich, dass der Bikini-Körper nicht die Prio 1 bei mir hat.

Ich muss anderen wohl was gönnen können, mir selbst aber auch! Also, her mit er Tafel Schokolade.

(Natürlich bin ich trotzdem neidisch, wenn ich schlanke Mädels ohne Schwabbelfett an den Beinen sehe.)

Tief im Inneren glaube ich, dass ich tatsächlich nicht immer anderen alles gönnen muss. Das könnte ich auch nicht. Aber ich kann diesen Neid benutzen, um zu sehen, was ich in Wahrheit will und wie sehr ich es will.

Wenn ich unbedingt auch mal in die Büros meiner Kollegen schlendern und ihnen mit einem breiten Grinsen von der geilen Aktion erzählen will, die ich gebracht habe, werde ich die entsprechenden Schritte ergreifen. Andernfalls muss ich erkennen, dass meine Prioritäten einfach anders liegen, zum Beispiel beim Feierabend und Netflix gucken.

Neid ist vollkommen natürlich. Er liegt in der Natur des Menschen. Wichtig ist nur, was wir aus ihm machen. Ob wir ihn nutzen, um uns und unsere Gewohnheiten in Frage zu stellen, oder ob wir uns ihm hingeben und nichts tun.

Beides ist meiner Meinung nach je nach Fall vollkommen legitim.

 

Weil auch Erwachsene mal das Klopapier vergessen

Kein Klopapier

Die letzten Monate liefen super. Das erkennt man daran, dass hier absolute Funkstille geherrscht hat. Leider neigt der Mensch ja doch eher dazu, sich ausgiebig über die Dinge im Leben auszulassen, die beschissen laufen, als über die, die wirklich schön sind.

Und da bin ich keine Ausnahme.

Aber um den allerersten Satz zumindest kurz zu spezifizieren:

Ein kleines Life-Update

Ich habe direkt zu Anfang des Jahres einen Job angefangen. Einen richtigen Erwachsenen-Job. Einen Job, der mich ungemein erfüllt und mir auch nach fast einem halben Jahr noch Freude macht. Allein das ist schon mehr, als ich mir letztes Jahr um diese Zeit erhofft hatte.

Ich habe meine erste Steuererklärung abgegeben – fast ohne Unterstützung. Und ich war auch noch pünktlich! (An dieser Stelle nochmal ein Gruß an alle, die auch am Abend des 30.05. beim Finanzamt waren, um ihren Wisch einzuwerfen).

Und ich plane möglichst dieses Jahr noch umzuziehen. Mein neues Gehalt macht mich zwar nicht steinreich, aber es reicht, um endlich meine kleine Studentenbutze verlassen zu können und mir was richtiges leisten zu können. Mit einer richtigen Küche. Und Platz für einen Esstisch.

Insgesamt kann ich mich aktuell also kaum beklagen. Der erste Schritt vom nervösen, zukunftsverängstigten Studenten zu einer nicht mehr ganz so nervösen, „erwachsenen“ Frau ist getan.

Und wenn ich es mir so recht überlege, war es alles im Grunde nur halb so schlimm. Ich schwebte regelrecht auf meiner eigenen kleinen Wolke des selbstbewussten, perfekt organisierten Young Professionals.

Bis ich mich eines Morgens mit meiner Lektüre auf der Toilette niederließ und feststellte: Ich habe kein Klopapier mehr. Und nicht nur im Bad. Ich hatte gar kein Klopapier mehr. Ich hatte einfach vergessen, welches zu kaufen.

Klopokalypse? Oder nur ein schlechter Wortwitz?

Und mit einem Mal löste sich diese Wolke unter mir auf, während ich, die Hose noch in den Kniekehlen hängend, in die Küche watschelte und eine Küchenrolle zur Hilfe holte.

Eine. ganze. Woche. lang.

Eine ganze Woche lang habe ich es nicht geschafft, neues Klopapier zu holen.

Und auf einmal fielen mir auch die ganzen anderen Sachen ein, die in der Zeit, die ich die letzten Monate sorgsam verdrängt hatte. Die Wohnung anständig putzen. Das Auto waschen. Pfandflaschen weg bringen und Altglas weg werfen. Diesen Blog hier pflegen!

Das meiste sind nur Kleinigkeiten, die ich mehr oder weniger bewusst unter den Teppich gekehrt habe. Ganz im Zeichen der vielbeschäftigten Arbeiterbiene, die Abends zu müde ist um zu putzen und die sich lieber direkt mit Netflix und einer Schale Chili sin Carne auf das Sofa haut.

Sport um 7 Uhr morgens geht voll klar, aber mal eben ein ausgelatschtes Paar Schuhe in der Mittagspause zum Schuster bringen? Himmelherrgott, nein!

Not a single f*** was given

Am Ende ist das alles ziemlich egal, wenn man mal ehrlich ist. Es ist keine Schande, wenn man sich eine Woche lang den Hintern mit Küchenrolle abwischt. Es ist nur nicht ganz so weich und erfordert mehr Arbeit, weil man das Papier erst in Stücke reißen muss.

Erwachsen sein oder überhaupt erst mal zu werden, heißt nicht, dass man alles perfekt machen muss. Und es ist für mich vielmehr beruhigend zu wissen, dass solche Kleinigkeiten mich nicht mehr aus der Ruhe bringen müssen. Ein Mal kurz resignierend mit dem Kopf schütteln reicht vollkommen aus. Denn im großen und ganzen mache ich doch schon sehr viel richtig.

Nur weil man ein Mal etwas vergessen hat oder seine Prioritäten anders setzt, bedeutet das nicht, dass einen das auf der menschlichen Entwicklungsstufe 10 Schritte zurückwirft.

Das Leben geht weiter. An der Tatsache, dass ich rein lebenstechnisch auf einem verdammt guten Weg bin, ändern auch diese Stolpersteinchen nichts.

So, keep calm, carry on and at least try to make sure you always have some bloomin‘ toilet paper at home!

365 Tage Leben – und ein Blick in die Zukunft?

Feuerwerk

Während ich das hier schreibe, feiert eine meiner engsten Freundinnen ihren ersten Hochzeitstag. Heute vor einem Jahr hat sie geheiratet. Dabei fühlt es sich noch so frisch an, als wäre es erst gestern gewesen. Heute ist also definitiv noch nicht Silvester, doch Ereignisse wie dieses lassen einen trotzdem über das nachdenken, was einem bisher im Leben passiert ist, insbesondere in dieser einen Zeitspanne. Innerhalb dieses einen Jahres war ich zwei Mal in Schottland, habe eine Beförderung auf der Arbeit erhalten, angefangen meine Master-Arbeit zu schreiben und ich habe angefangen Ukulele zu lernen. Und natürlich waren da noch viele andere große und kleine Dinge, die ich an dieser Stelle nicht alle aufzählen kann.

Wenn ein neues Jahr anfängt, frage ich mich immer, was ich mit der ganzen Zeit machen soll, vor allem aber wie ich sie sinnvoll nutzen kann. Es werden Pläne geschmiedet von denen vielleicht die Hälfte wirklich umgesetzt wird. Nachdem ich dann 6 Monate so vor mich hin gelebt habe, weil „das Jahr ja gerade erst angefangen hat“, bekomme ich Panik. Das Jahr hat doch gar nicht gerade erst angefangen! Es ist schon wieder zur Hälfte vorbei! Und auf einmal geht alles ganz schnell, das Jahr ist vorbei und ein neues fängt an.

An Tagen wie heute wird mir immer bewusst, was andere Menschen mit ihrem Leben machen und was ich mit meinem Leben mache – vor allem aber, was ich damit machen könnte. Welche Chancen ungenutzt bleiben, aber auch welche ich ergriffen habe.

Dabei finde ich, dass die Zahl 365 so irreführend ist. Auf der einen Seite klingt sie nach so viel. 365 Tage an denen wir die Möglichkeit haben unser Leben selber in die Hand zu nehmen, doch jeder dieser Tage ist nur 24 Stunden lang. Und wie oft lässt einen Tag nach dem anderen einfach verstreichen? Aus 365 Tagen werden so schnell 320, dann 270; der Zähler geht immer weiter runter bis wir wieder mit Sektgläsern in der Hand auf den Straßen stehen und dabei zuschauen wie der Nachthimmel sich in bunten, glitzernden Farben ergießt.

Wie wird das Leben in einem Jahr aussehen? Es ist eine spannende und zugleich beängstigende Frage, denn obwohl es mit der Zeit so schnell gehen kann, ist sie zuweilen doch unberechenbar. Wo werde ich arbeiten? Wo werde ich leben? Werde ich jemanden an meiner Seite haben? Während sich für die einen kaum etwas ändern mag, kann sich für andere das komplette Leben in nur wenigen Monaten auf den Kopf stellen.

Zur Zeit befinde ich mich in einer Phase des Umbruchs und ich kann beim besten Willen nicht sagen, wie mein Leben 365 Tage später aussehen wird. Diese Vorstellung ist so beängstigend, aber auch so unheimlich aufregend. Ich bin mir sicher, dass ich arbeiten und eine eigene Wohnung haben werde, doch da hört es dann auch schon auf. Gerade wenn du dich wie ich zum Beispiel am Ende deines Wegs an der Uni befindest, oder auch wenn du gerade das Abitur gemacht hast und das Studium  oder die Ausbildung losgeht, dann wird es dir wahrscheinlich ähnlich gehen.

Und während manche scheinbar genau wissen, wie sie das Optimum aus diesen 365 Tagen herausholen, müssen andere von uns es noch lernen. Und dabei geht es nicht immer nur darum höher, schneller und weiter zu kommen. Man sollte immer nein sagen können, aber es ist genau so wichtig auch ja sagen zu können. Ja, zu neuen Erfahrungen und ja zum Sprung ins kalte Wasser. Es geht also auch darum Raum zu schaffen für spontane Entwicklungen.

Wie stehst du einem Jahr gegenüber? Begegnest du jedem neuen Schritt mit freudiger Erwartung, oder weißt du lieber genau, was auf dich zukommt?
Und vor allem: hast du eine Vorstellung davon, wo du dich in einem Jahr um die Zeit  in deinem Leben siehst?

10 Zeichen des Erwachsenwerdens

erwachsen

Lange wehrt man sich dagegen, das Erwachsen werden. Am liebsten wollen wir es ja gar nicht. Keine Verantwortung übernehmen, nur frei sein und das tun, was man gerade will. Doch manchmal passiert es ganz von alleine, ganz leise. Und manchmal fühlt es sich nicht einmal so schlimm an:

  1. Die Haushaltsabteilung im DM erscheint mit einem Mal in einem völlig anderen Licht. Putzmittel, das Fettflecken entfernt und auch noch nach Grapefruit riecht? Geil!
  2. Als Resultat von Punkt 1: das Putzen der Wohnung wird nicht mehr als lästig empfunden, sondern gewinnt einen meditativen Nebeneffekt, gefolgt von dem erhebenden Gefühl etwas vollbracht zu haben, wenn einem nicht mehr an jeder Ecke eine gefährliche Wollmaus entgegen springt.
  3.  Wehwehchen, die einem früher nie aufgefallen sind, werden nun zum echten Problem: „Schon wieder diese Rückenschmerzen! Ich glaube, ich muss mal zum Chiropraktiker.“
  4. Man fängt an sich bei Mama Tipps zu holen, um Pflanzen am Leben zu erhalten, während sie früher einfach vor sich hin gestorben sind.
  5. Man holt sich Pflanzen.
  6. „Was? Schon 12 Uhr Nachts? Jetzt sollte ich aber mal langsam ins Bett gehen. Ist ja schon soooo spät!“
  7. Wenn die Idee sein Essen für die nächsten Tage schon vorzuplanen äußerst attraktiv wirkt. Immerhin ist das auf Dauer billiger und gesünder als immer spontan die Tiefkühlpizza mitzunehmen.
  8. Auf der Wunschliste steht ganz oben „Waschmaschine“ oder „neuer Kühlschrank“ anstelle von „neue Staffel Game of Thrones “ (obwohl  Game of Thrones natürlich direkt dahinter ist).
  9. Die kaputte Glühbirne im Badezimmer wird gewechselt bevor man bereits 2 Monate im Dunkeln pinkeln gegangen ist.
  10. Man denkt tatsächlich darüber nach dieses eine Hemd doch mal zu bügeln, das seit einem Jahr ungetragen im Schrank hängt. Sieht ja schon ein wenig zerknittert aus, ne?