Der (un)konventionelle Lebensweg

konventionell

Wenn man die Deutschen danach fragt, was der ideale Karriereverlauf ist, dann antworten die meisten vermutlich mit dieser Reihenfolge:

  1. Schule
  2. Studium oder Ausbildung
  3. Jobeinstieg in dem Bereich, in dem man ausgebildet wurde
  4. In der ersten Firma so lange wie möglich bleiben – im besten Fall bis zur Rente

Dieser Weg ist zweifellos der einfachste und komfortabelste. Doch meiner Meinung nach muss er nicht zwangsläufig auch der beste sein. Gerade heutzutage, wo auch junge Leute sich vermehrt mit dem Thema Selbstständigkeit beschäftigen oder nach anderen Alternativen zur Einkommensbeschaffung suchen, ist der konventionelle Weg nicht nur unattraktiver, sondern auch weniger praktikabel geworden.

Abgesehen davon wird immer mehr Menschen bewusst, wie schnelllebig unser Leben und damit auch unsere Karrieren verlaufen können. Man muss nicht bis zur Rente in ein und derselben Firma bleiben und nur weil man etwas studiert hat, heißt das noch lange nicht, dass man in diesem Feld später tatsächlich arbeiten wird. Der Fokus wird dadurch zunehmend auf das Sammeln von unterschiedlichen Erfahrungen gelegt und darauf, seinem Leben einen Sinn zu geben, der aus mehr besteht, als einfach nur Geld für den nächsten Urlaub zu verdienen. Frei nach dem Motto:

Selbstverwirklichung statt Sicherheit/Beständigkeit

Obwohl ich bisher viel Glück hatte, was meine Karriere angeht, würde ich nicht sagen, dass ich bisher eine Standard-Karriere gemacht habe (wenn es so was überhaupt noch gibt). Nach dem Abitur habe ich mich gegen ein Studium oder eine Ausbildung in einem „krisensicheren Feld“ entschieden. Stattdessen habe ich Asienwissenschaften studiert. Auf die bange Frage von Angehörigen und Bekannten hin, was man damit macht, habe ich immer gesagt, dass ich z.B. als Auslandsreferentin oder Übersetzerin arbeiten könne, was durchaus stimmt, aber je weiter ich in meinem Studium kam, desto mehr wurde mir bewusst, dass das langfristig nicht mein Weg ist.

Das Studium war für mich eine nützliche und wichtige Station, die mein Leben und meine weiteren Entscheidungen zwar beeinflusst aber nicht zu 100% festgelegt hat. Dabei dachte ich in der Schule immer, dass das Studium mein komplettes restliches Leben bestimmen würde. Das ist absoluter Bullshit.

Das Leben ist kein ebener, asphaltierter Weg, der immer nur gerade aus geht. Es gibt unterschiedliche Terrains und Abzweigungen, die man nehmen kann. Schon die nächste Kurve kann vollkommen neue Möglichkeiten offenbaren. Die Erkenntnis, dass ich vom vorgezeichneten Weg abweichen kann, war für mich nicht beängstigend. Ich habe sie als Chance gesehen, mich zu öffnen. Ich musste nicht zwangsläufig das machen, was ich gelernt habe.

Der direkte Weg ist überbewertet

So machte ich im Studium einen Abstecher in die Start-Up-Welt und wurde ein Teil von mymuesli. Die Arbeit dort hat mir unheimlich Spaß gemacht und ich habe viel gelernt, aber auch das war nur eine Station. Jetzt arbeite ich seit über einen Jahr im Bereich Produktmanagement und Marketing eines Verlags – ein Job, der mich ungemein erfüllt. Trotzdem kann ich nicht mit Sicherheit sagen, dass ich ihn bis an das Ende meines beruflichen Lebens ausüben werde.

Ich bin also bisher von den Geisteswissenschaften über Biomüsli bis zum Marketing gekommen. Geradlinig sieht eindeutig anders aus. Dass mein Leben so verlaufen würde, hätte ich vor knapp 8 Jahren, als ich mein Abitur gemacht habe, niemals erwartet. Und doch bin ich froh darüber, dass es so gekommen ist, denn so konnte ich in relativ kurzer Zeit viele wertvolle Erfahrungen sammeln – Umwege nicht ausgeschlossen.

Das Leben ist zu kurz für Stagnation und das Verharren in der Komfortzone.

Deshalb finde ich es so bewundernswert, wenn junge Leute, einige sogar jünger als ich, den Schritt in die Selbstständigkeit wagen oder sich anderweitig etwas eigenes aufbauen. Natürlich wissen sie nicht, ob sie erfolgreich sein werden oder wann sie davon leben werden können. Aber sie erweitern kontinuierlich ihre Grenzen und folgen ihrer Leidenschaft – auch wenn das am Anfang oftmals härtere Arbeit und weniger Lohn bedeutet.

Selbst wenn es am Ende nicht funktioniert und sie sich wieder umorientieren müssen, kann mir keiner sagen, dass die Erfahrung selbst nicht lehrreich war. Ich will damit nicht sagen, dass wir jetzt alle unsere Jobs oder das Studium hinschmeißen und ein Unternehmen gründen sollen (für mich wäre das sowieso nichts), aber ich glaube, dass wir alle etwas mehr Mut vertragen können, wenn es um unser Berufsleben geht.

Denn wir brauchen Mut, wenn wir unseren bisherigen Pfad verlassen wollen oder sogar müssen. Wir brauchen Mut, um…

  • etwas eigenes zu starten.
  • einen Neuanfang zu wagen.
  •  unserer Leidenschaft zu folgen.
  • Umwege zu gehen.
  • Auszeiten zu nehmen.

Ich bin für unkonventionelle Lebensläufe und Menschen, die sich etwas trauen. Wir sollten alle unsere Komfortzonen öfter mal verlassen, denn man weiß nie, was für Abenteuer einen erwarten, wenn man den ausgetretenen Pfad verlässt und einfach mal querfeldein weiter geht.

„Schalt mal ’nen Gang runter.“

Pause

Wenn man ein Projekt startet, das einem viel Spaß macht oder bei dem man schnell Erfolge sehen will, neigt man gerade in der Anfangszeit dazu zu viel zu machen. Klar, man ist hochmotiviert und will Ergebnisse sehen, doch wie oft kommt es dann vor, dass man zu viel auf einmal will? Man fängt an, sich mehr Druck als nötig zu machen, arbeitet unter Umständen mehr als jemals zuvor, aber wirklich zufrieden ist man trotzdem nicht.

Am Ende ist man oftmals so überfordert, dass man hinschmeißt. Und damit meine ich nicht nur die Kandidaten, die sich jedes Jahr zu Beginn vornehmen, mehr Sport zu treiben. Es kann einen in jedem Bereich treffen: wenn wir eine Sprache lernen wollen, wenn wir neben dem Job ein kleines Business gründen, oder sogar bei derart banalen Dingen wie dem Entrümpeln der eigenen vier Wände.

Alles auf einmal ist nicht immer besser

Das geflügelte Wort „Work-Life-Balance“ wird einem in der Regel immer dann um die Ohren gehauen, wenn man zu viel vom ersten Teil der Rechnung hat: Arbeit. Dann werden wir meist von Freunden und Kollegen, die es nur gut mit uns meinen, dazu aufgefordert, endlich mal einen Gang runter zu schalten. Ich gehöre von Natur aus eher zu den entspannteren Personen, die dementsprechend eher damit kämpfen, ihren Hintern überhaupt erst für etwas hoch zu kriegen. Doch auch ich habe diese Momente, in denen ich zu viel will.

Die komplette Wohnung muss dann in einer Art Gewaltmarsch innerhalb eines Tages komplett auf den Kopf gestellt und aufgeräumt werden, anstatt alles auf zwei Tage zu verteilen. Ein 40 Seiten langer Text für die Arbeit muss in wenigen Stunden überarbeitet werden – und das neben dem üblichen Tagesgeschäft auf der Arbeit, das alleine schon mehr als genug ist. Mein persönliches Paradebeispiel habe ich aber gerade hier erlebt.

Die letzten Wochen war ich extrem motiviert, was diesen Blog angeht. Ich wollte jede Woche regelmäßig Content raushauen – mindestens zwei-, besser natürlich dreimal die Woche. Hochwertig sollte er sein und natürlich war da die ganze Zeit der Gedanke im Hinterkopf: „Du musst da jetzt was machen! Wenn du jetzt nicht machst, dann bringt das alles doch nix.“ es war ein bisschen so wie früher, als ich angefangen hatte, mein ganzes Leben um mein Sportprogramm zu bauen – nur eben mit dem Blog.

Stress statt Spaß

Ich habe überlegt, welche Termine ich wie legen muss, damit ich noch Zeit zum schreiben habe, habe mir irgendwas aus den Fingern gesaugt und teilweise auch die Momente ignoriert, in denen es besser gewesen wäre, wenn ich mal eine Pause eingelegt hätte. Zweimal die Woche einen Text zu schreiben und ins Internet zu stellen, mag für so manchen nach wenig Arbeit klingen, doch für mich ist es tatsächlich ein wenig anders.

Bei einem Vollzeitjob, sozialen Verpflichtungen und Sport bleibt nicht mehr viel Zeit übrig, wenn ich zwischendurch noch etwas entspannen will. Doch in den letzten Tagen stellte ich mir vermehrt die folgende Frage: „Warum überhaupt der ganze Stress, wenn es doch eigentlich Spaß machen soll?Geht die Welt unter, wenn ich mal ein paar Tage nichts schreibe? Nein. Bin ich weniger wert, wenn ich mir eine Pause gönne ohne vorgearbeitet zu haben? Auch das nicht.

Und so habe ich mir die letzten Tage einfach mal genommen, um mich auf andere Dinge zu konzentrieren, die mir wichtig sind und den Kopf frei zu kriegen. Denn obwohl ich gerne schreibe und es mir hilft, meine Gedanken zu ordnen, ist es immer auch mit Anstrengung verbunden. Und bevor ich es übertreibe und mir sprichwörtlich der Treibstoff ausgeht, lasse ich es lieber etwas langsamer angehen.

Volle Kraft voraus durch regemäßige Pausen

Auch wenn das bedeutet, dass es hier etwas langsamer zugeht. Ich weiß, dass es für mich langfristig die schlauere Lösung ist, denn wie immer im Leben geht es um die Balance. Die besteht definitiv nicht nur darin, immer nur volle Power zu geben bis der Tank komplett leer ist, sondern auch darin zu wissen, wann man sich ein wenig zurückziehen muss.

Deshalb ist mir gerade jetzt wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, hin und wieder mal die Beine hoch zu legen und zu versuchen, sich Ruhe zu gönnen, ohne deswegen direkt in die Selbstkritik zu verfallen. Ab und an einen Gang runter zu schalten, ist nichts wofür man sich meiner Meinung nach schämen muss, sondern etwas, das in der heutigen Zeit des „Hustlens“ viel mehr geschätzt und kultiviert werden sollte, denn nur mit regelmäßigen Pausen bleiben wir langfristig leistungsfähig und behalten den Spaß an dem, was wir tun.

Und diese Pause kam mir zusätzlich zugute, weil sie mich zu diesem spontanen Post inspiriert hat, auf den ich wohl nicht gekommen wäre, wenn ich krampfhaft versucht hätte, mir etwas zu überlegen. Also ein absoluter Win-Win für alle, oder nicht?

Erfahrung vor Perfektion – Wagen statt Aufschieben

mehr-machen

Das Wichtigste ausnahmsweise mal direkt zu Beginn: Man kann eigentlich nicht zu früh damit anfangen, Visionen und Vorstellungen umzusetzen.Viele unserer Vorhaben scheitern nämlich nicht daran, dass wir sie zu früh angehen, sondern daran, dass wir sie immer weiter aufschieben, weil wir glauben, dass wir noch nicht genug Erfahrung haben. Doch wo soll man diese Erfahrung hernehmen, wenn man gar nicht erst anfängt?

Nur vom Bücher wälzen, planen und sich den  Kopf zerbrechen, passiert auch nichts. Und vom Zweifeln sowieso nicht. Wir lernen erst dann wirklich dazu, wenn wir ins Handeln kommen. Ja, dabei macht man Fehler und ja, es ist anstrengend, aber nur so kommt man weiter.  Um das zu verdeutlichen, muss ich mal wieder in die Klischee-Motivationssprüche-Kiste greifen, aber es gibt im Englischen diesen Satz, den man eigentlich als Mantra vieler erfolgreicher Menschen bezeichnen kann:

Start before you’re ready.“

Oder auf Deutsch: „Fang‘ an, bevor du soweit bist.“ Dieses Prinzip ist so einfach, wie einleuchtend: Wenn wir immer erst warten würden, bis wir uns bereit fühlen, würden wir gerade die großen Projekte in unserem Leben gar nicht erst wagen. Wir würden sie immer weiter vor uns herschieben, mit dem Vorwand, dass wir noch nicht soweit sind. Wir fangen dann an, auf irgendwelche Zeichen vom Universum zu warten und verlieren aber eigentlich nur wertvolle Zeit. Am Ende landen diese Träume dann in der Mottenkiste.

Aller Anfang ist schwer

Als Königin des Aufschiebens kann ich davon ein Liedchen singen. Wie viele Vorhaben ich schon vor mir her geschoben und dann komplett in den Sand gesetzt habe, kann ich hier gar nicht aufzählen. Den Plan ein Buch zu schreiben, von dem ich vor geraumer Zeit gesprochen habe, habe ich natürlich immer noch nicht angekratzt. Es ist ein Mammutprojekt, das mir so wichtig ist, dass die Angst davor, es überhaupt zu beginnen und damit zu scheitern, viel zu groß ist.

Eigentlich wäre das natürlich mein perfektes Start-Before-You’re-Ready-Projekt, aber was soll ich sagen? Ich bin halt nicht perfekt und ich glaube, dass es oft so ist, dass es uns schwerer fällt, etwas anzugehen, je wichtiger es uns ist, weil wir es von Anfang an richtig machen wollen. Weil wir glauben, noch nicht genug zu wissen. Weil wir glauben, dass wir einfach noch nicht gut genug sind. Mir fallen jedenfalls immer Tausend „gute“ Gründe ein, warum ich eine Idee besser erstmal ruhen lassen sollte.

Ergänzend zu einem meiner vergangenen Posts, möchte ich nochmal kurz darauf eingehen, dass wir überall von Menschen umgeben sind, die besser sind als wir. Ich glaube, dass auch dieser Aspekt einen nicht unwesentlichen Anteil an unserer Angst vor der Umsetzung unserer Träume hat. Wenn man überall, gerade im Bereich Social Media, von Leuten umgeben ist, die ihr Handwerk scheinbar perfekt beherrschen, ist das natürlich einschüchternd. Da wagt man es gar nicht erst, sich mit ihnen messen zu wollen.

Aber der entscheidendste Faktor, für mich jedenfalls, ist die generelle Angst zu Versagen. Sobald man sich an ein Projekt heran wagt, ist da immer die Gefahr, dass es nicht klappt. Wenn man es aber gar nicht erst versucht, dann braucht man sich dieser Gefahr auch nicht erst auszusetzen. Auf diese Weise kann man sich ganz simpel aus der Affäre ziehen. Und so hüllen wir uns in den sicheren Kokon des Nichtstuns, bis wir irgendwann für uns die Entscheidung treffen, dass es jetzt sowieso zu spät ist. Was folgt, ist die oben erwähnte Mottenkiste.

Zu früh anfangen gibt’s nicht, aber zu spät anfangen?

Ich denke, es ist so: zu früh anfangen, gibt es im Grunde nicht. Der Anfang ist immer das schwierigste, selbst wenn man glaubt, im Vorfeld genug Erfahrung gesammelt zu haben. Oft kommt es trotz aller Planung anders als gedacht, aber daraus lernt man wenigstens etwas. Ein wenig schwieriger ist es mit der Frage, ob es jemals zu spät ist, um etwas zu anzufangen.

Prinzipiell glaube ich nicht, dass es jemals zu spät ist, um eine neue Sprache zu lernen, sich selbstständig zu machen oder zum Beispiel auszuwandern. Doch die Sache ist die: je mehr Zeit wir uns lassen, um uns Gedanken zu machen, desto mehr Zeit haben wir, um Ausreden zu finden oder uns mit unnützen Gedankenspielen verrückt zu machen; und desto weniger Zeit bleibt am Ende für die Umsetzung und damit für die Erfahrung selbst. Das ist etwas, das so verkopfte Menschen wie ich, die immer alles gerne in sämtlichen Szenarien im Kopf durchspielen, nur schwer umsetzen können. Immerhin soll alles direkt perfekt sein.

Deshalb ist es gerade für mich wichtig den Punkt zu finden, an dem ich aufhöre, etwas zu planen und stattdessen damit anfange, zu prokrastinieren und mir Vorhaben auszureden, weil ich Angst habe, dass ich an ihnen scheitern werde. Selbst wenn ich mir alles ausmale, was passieren könnte, ist das nichts wert, solange ich es nicht wenigstens versucht habe. Egal, ob ich glaube, dass ich bereit bin oder nicht.

In diesem Sinne auch ein gut gemeintes Memo an mich selbst: Es ist nie zu früh, um mit etwas anzufangen (außer vielleicht mit Rauchen, Alkohol und solchen Späßen). Wir werden uns am Ende immer mehr über das ärgern, was uns entgangen ist, weil wir in unserem Kokon geblieben sind, statt dem Ruf der Wildnis zu folgen. Denn eines trifft auf die Menschheit leider ziemlich genau zu:

Wir denken zu viel und machen zu wenig.

Mit diesem kurzen Pep-Talk an mich selbst schließe ich die Woche nun langsam ab und nehme mir folgendes als kurzes, knackiges Mantra mit:

Erfahrung vor Perfektion – Wagen statt Aufschieben

 

Wer nichts investiert, bekommt nichts zurück (Pseudo-Podcast #2)

InvestitionEs gibt für jede Situation im Leben einen passenden Spruch. Meistens wird er von Außenstehenden abgelassen, wenn man ihnen von seinen Problemen erzählt. Einer meiner „Favoriten“ ist:

Von nix kommt nix.

Erste Reaktion? Wahrscheinlich ein genervtes Augenrollen. Das Problem bei diesen Sprüchen? Wir wollen sie nicht nur nicht hören, weil sie abgedroschen und manchmal ziemlich kitschig sind; oft sind sie auch noch verdammt wahr. Sie treffen einen Nerv, weil sie unser Problem so vereinfacht und altklug darstellen, dass es weh tut. Gerade dieses „Von nix kommt nix“ hat mich in letzter Zeit unglaublich beschäftigt.

Oft sehen wir all diese erfolgreichen Menschen, egal ob privat oder in den Medien und wir fragen uns: „Wie hat er/sie das nur gemacht?“ und manchmal kommt da auch der alte Freund Neid ganz kräftig durch, der ihnen den Erfolg nicht gönnt. Es wirkt, als hätten sie über Nacht Karriere gemacht und sonst nichts dafür getan.

Nur selten sehen wir, welcher immense Aufwand neben einem Quäntchen Glück eigentlich dahinter steckt. Denn die Sache ist die: Man muss im Leben immer etwas investieren, um auch etwas zu bekommen. Dabei ist es egal, ob es darum geht Geld, Zeit oder Aufwand zu investieren. Bei besonders großen Projekten muss man auch regelrecht alles geben. Wer den ganzen Tag nur auf dem Sofa sitzt und Netflix guckt, braucht sich nicht wundern, wenn er im Leben sonst nicht viel erreicht.

Nichtstun ist einfach, bringt aber auch nichts

Ich selbst kann mich von diesem Verhalten nicht freisprechen. Ich liebe es, auf der Couch rumzugammeln und im Grunde nichts zu tun, doch mittlerweile wird mir fast schlecht, wenn ich überlege, was ich in all diesen Stunden die letzten Jahre hätte erreichen können. Ich habe abgesehen vom nötigsten – sprich dem, was die Uni von mir verlangt hat – kaum etwas in mich investiert. Ich habe mich nur wenig weitergebildet, nur wenig private Projekte verfolgt. Wenn ich Leute in meinem Alter gesehen habe, die sich schon als Jungunternehmer bezeichnen konnten, hatte ich das Gefühl, dass ich mein eigenes Potenzial nie wirklich ausgeschöpft habe.

Weil es einfacher ist, nichts zu tun. Es ist einfacher die Hände in den Schoß zu legen und sich hin und wieder ein wenig zu beschweren, als die Ärmel hochzukrempeln und in die Projekte zu investieren, die einem im Kopf herumschwirren.

Und selbst wenn wir uns aufraffen können, so wissen wir im Vorfeld nicht, ob sich die Investition auch lohnen wird. Was, wenn wir alles geben und nichts dafür zurück bekommen? Mittlerweile sehe ich es so: Wir bekommen immer irgendwas zurück. Und wenn es nicht das ist, was wir uns erhoffen, dann sind wir zumindest um Erfahrungen reicher, die uns langfristig trotzdem weiterbringen.

Wenn wir trotz Schweiß und Tränen an etwas scheitern, ist diese Erfahrung immer noch mehr wert, als es vor lauter Angst gar nicht erst zu versuchen. Man kann keine Sprache lernen ohne Vokabeln und Grammatik zu pauken. Man bekommt kein Zertifikat ohne die Prüfung dafür abzulegen. Wer nichts investiert, bekommt nichts zurück.

2. Binsenweisheit: Man kann nicht alles haben

Natürlich bedeutet das auch, dass man Abstriche machen muss: Ich kann nicht den ganzen Tag Downton Abbey gucken und gleichzeitig meinen Gehirnschmalz für Texte wie diesen hier anstrengen (Herzlichen Glückwunsch an die Leute, die das können).  Und wenn ich plane, einen Kurs zu besuchen, von dem ich weiß, dass er mich in meiner persönlichen Weiterentwicklung unterstützen wird, werde ich nicht nur meine Zeit, sondern wohl auch mein Geld investieren müssen.

Das wichtigste, was ich bei meinem aktuellen Wissensstand mitnehme, ist die Erkenntnis, dass wir uns dessen bewusst werden müssen, wo wir langfristig im Leben stehen wollen und mehr in die Faktoren zu investieren, die uns diesem Ziel näherbringen. Das kann bedeuten, dass man weniger Zeit auf Social Media verbringt, aber dafür diese Zeit aufwendet, um sich einen Podcast, zu einem Thema, das einen beschäftigt, anzuhören. Oder es bedeutet, dass man mal nicht die ganze Nacht durchfeiert und stattdessen früh aufsteht und eine Runde laufen geht.

Investiere dich und deine Ressourcen, auch wenn du nicht weißt, wie das Ergebnis sein wird und traue dich, einfach mal mehr zu geben, als du es bisher gegeben hast. Nur so kannst du Dinge bewegen.

Du bist deines Glückes Schmied

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Als Jugendliche habe ich viel Zeit dafür aufgewendet, unangepasst zu sein. Ich habe mir mein Lippenpiercing stechen lassen, die Haare schwarz gefärbt – überhaupt war da sehr viel schwarz involviert – und Musik angehört, die außer mir keiner mochte. Es ging mir nicht primär darum, ein Ehrenmitglied im „Special-Snowflakes-Club“ zu werden, sondern ich fand es schön, in meiner eigenen Welt zu leben und einfach nur das zu tun, was mir gerade Spaß macht. Dass die meisten meiner Klassenkameraden damit nichts anfangen konnten, kümmerte mich nicht und auch dass ich mich dadurch in gewisser Weise von ihnen distanzierte.

So hundertprozentig egal war es mir dennoch nicht, was sie über mich dachten; zumindest, was den Unterricht angeht. Ich war schweigsam, aus Angst, mich mit falschen Antworten zu blamieren und das hat mir meine Abitur-Note am Ende etwas zerschossen. Und auch so habe ich mich selten in etwas eingemischt, auch wenn ich vielleicht anderer Meinung war als meine Klassenkameraden. Wirklich lösen konnte ich mich von ihrer Meinung also nie.

Das ist ein Zwiespalt, den wohl die meisten Leute mit sich ausfechten müssen. Auf der einen Seite möchte man sich abheben und sein eigenes Ding durchziehen. Auf der anderen Seite möchte man aber auch anerkannt und gemocht (oder wenigstens nicht abgelehnt) werden. Die wenigsten Leute, die ich kenne, scheißen – auf gut Deutsch gesagt – wirklich auf das, was andere über sie sagen. Diese Kompromisslosigkeit finde ich bewundernswert, solange man seine Mitmenschen nicht vollkommen vergisst.

Du bist für dich selbst verantwortlich

Die meisten von uns vergessen aber, dass wir selbst unser Glückes Schmied sind undn icht „die anderen“. Wenn wir nicht die Dinge tun, die wir tun müssen, um glücklich und erfolgreich zu sein, nur weil uns die Meinung anderer so wichtig ist, dann blockieren wir uns selbst. Das habe ich damals in der Schule mehr als genug miterlebt. Privat konnte ich mich in meiner Persönlichkeit ausleben, doch beim Thema Schule hemmte mich meine Angst extrem. Deswegen habe ich mein Potenzial nie ganz entfaltet.

Vor allem in den letzten Monaten ist mir mehr und mehr bewusst geworden, wie wichtig es ist, selbst die Zügel in die Hand zu nehmen und einfach mal zu machen, ohne sich darum zu scheren, was andere davon halten könnten:

Du hast eine Idee und willst ein Unternehmen gründen? Dann krieg‘ deinen Arsch hoch und mach es. Du willst dir ein Tattoo stechen lassen? Warum auch nicht. In ein paar Jahrzehnten werden fast alle unserer Kumpels im Altenheim tättoowiert sein. Du willst alleine eine Reise machen? Ja, warum auch nicht? Jeder muss seine eigenen Erfahrungen im Leben machen, um weiter zu kommen, sein eigenes Lehrgeld dafür bezahlen.

Menschen im Leben kommen und gehen, und wenn sie einen ablehnen wegen der Dinge, die man tut, dann sind sie einfach nicht diejenigen, die man in seinem Leben haben sollte. Wenn du die Dinge tust, die für dich richtig sind, ziehst du auch die Menschen an, die für dich richtig sind.

Das klingt im ersten Moment einfach, aber selbst ich weiß, dass es das nicht zwingend ist. Ich selbst werde nie jemand sein, der anderer Leute Meinungen einfach ausblenden kann, aber ich kann mir nach und nach Teile von mir zurückerobern und die konstruktive Kritik, die ich auf meinem Weg bekomme, nutzen um weiter zu wachsen.

Auf die innere Stimme hören

Es ist kein Neujahrsvorsatz, den ich erst 2018 umsetzen will, sondern mit sofortiger Wirkung: Ich will tiefer in mich hineinhorchen und herausfinden, was ich will. Was ich tun muss, um glücklich zu sein und danach zu handeln, auch wenn nicht alle meiner Mitmenschen das verstehen.

Ich kann mich einfach nur wiederholen: Wir sind unseres Glückes Schmied und wenn wir nicht endlich die Verantwortung dafür übernehmen, dann wird das niemand tun.  Mach dich frei von deinen Ängsten und nimm‘ dein Leben selbst in die Hand – nicht für andere, sondern für dich.