Vom Erdboden verschluckt

Welle

In den vergangenen Wochen habe ich nichts von mir hören lassen. Ich hatte öfter in der Zeit die Idee, wieder etwas zu schreiben, aber am Ende habe ich es doch nicht getan. Entweder hatte ich keine Lust oder keine Idee. Das ist vielleicht einer der Gründe, weshalb ich zuerst den mpuls hatte, diesen Beitrag mit einer Enschuldigung zu beginnen.

Doch wie man sieht, habe ich mich dagegen entschieden. Ich wollte diesen Blog nie als einen Ort ansehen, der für mich nur eine weitere Verpflichtung neben meinem Alltag ist, sondern als einen Ort, an dem ich teilen kann, was in mir vorgeht und wenn mir danach ist. Die letzten Wochen war mir einfach nicht danach und um ehrlich zu sein, war ohnehin nur nach wenig Dingen zumute.

Mein Kopf hing hing (und hängt) die ganze Zeit in den Wolken fest. Ich habe mich an meinem Alltag entlang gehangelt, habe getan, was ich tun musste, um zu funktionieren – viel mehr aber auch nicht. Es mag zum Teil diese allgemeine Sommerträgheit sein, die einen überkommt, wenn es zu heiß zum Denken wird. Alles, was man dann will, ist in einer Hängematte zu liegen und zu schlafen. Überhaupt habe ich mich die letzten Wochen sehr müde gefühlt.

Meine Zahnärztin fragte mich zuletzt, ob ich unter Kopfschmerzen leide, da ich nachts mit den Zähnen knirsche. Die Kopfschmerzen blieben bisher aus, doch die Folgen des Zähneknirschens spüre ich beinahe jeden Morgen, wenn der Kiefer spannt und die Zähne ein kleines bisschen pochen. Nicht genug, um zu schmerzen, aber ausreichend, um zu signaliseren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Und das kommt nicht von ungefähr.

Wenn ich mir so ansehe, was ich bisher geschrieben habe, lautet das Motto dieses Beitrags wohl „Stress“. Ich war die letzten Wochen einfach nur gestresst. Nicht, weil ich Überstunden auf der Arbeit gemacht habe oder weil etwas Traumatisierendes passiert ist. Es ist vielmehr so, dass es mir unglaublich schwer gefallen ist, Gedanken loszulassen.

Das ist noch nie meine Stärke gewesen. Ich gehöre zu den Menschen, die mit 86 Jahren auf ihrem Totenbett liegen und sich voller Scham daran zurückerinnern, wie sie mit 13 im Matheunterricht eine falsche Antwort genannt haben. Doch dieses Festhalten an bestimmten Gedanken oder Erinnerungen lähmt mich eher selten in den Ausmaßen, wie es jetzt der Fall war. Gedanken und kleine Sorgen haben sich still und heimlich aufeinander gestapelt und zu einem dicken Knoten verhärtet, der in meiner Kehle wohnt. Es war wohl nur eine Frage der Zeit bis mein Verstand runterfährt, um das erstmal zu verarbeiten.

Ich kann also noch nicht sagen, dass ich „zurück“ bin, weil ich genau spüre, dass mental und körperlich noch nicht ganz auf der Höhe bin. Aber gleichzeitig will ich es nicht mehr einfach so laufen lassen. Es ist Zeit, aus meiner kleinen Höhle zu kriechen und wieder ein bisschen frische Luft zu schnuppern.

In diesem Sinne, bis später!

Alles reine Kopfsache

Aufwärts

Wenn wir alle mal ehrlich sind, dann wissen doch nur die wenigsten von uns, was wir hier eigentlich tun. Ja, wir planen bestimmte Dinge im voraus. Wir planen unseren Urlaub, Teile unserer Karriere und andere Ziele, die wir erreichen möchten. Aber wenn man das alles runterbricht, sieht es am Ende so aus: Wir leben von einem Tag zum nächsten und können nur einen Schritt nach dem anderen gehen.

Das fällt uns an manchen Tagen sehr leicht. Alles scheint uns regelrecht zuzufliegen und wir sind beeindruckt von dem, was wir gerade erreichen. Es gibt aber auch Tage, an denen es schwer ist. So schwer, dass wir manchmal einfach nur stehen bleiben wollen, weil wir das Gefühl haben, dass wir nicht weitergehen können. Wir starren dann einfach nur auf unsere Füße. Der Weg scheint scheint immer weiter und weiter zu werden. Und man fragt sich: Wozu überhaupt noch weitergehen? Das wir doch sowieso nichts mehr.

Auch wenn es häufig nichts an de Tief selbst ändert, hilft es mir immer, wenn ich mir diesen Momenten vor Augen führe, dass sie nur temporär sind. Dass alles langfristig gesehen nicht mal halb so schlimm ist, wie meine Gedanken es mir einreden wollen. Und gerade in unseren vermeintlich schwächsten Augenblicken, haben wir mehr Stärke in uns, als wir in uns zugestehen.

Zu dieser Erkenntnis bin ich vor ein paar Tagen gekommen (oder eher gebracht worden). Besonders wenn wir sehr perfektionistisch veranlagt sind, fällt es uns schwer, Lob oder Komplimente anzunehmen, denn wir sehen in erster Linie nur die Dinge, die wir noch besser machen können und vernachlässigen das, was wir schon geschafft haben. Ich bin gerade in den letzten Monaten besser darin geworden, anerzuerkennen, dass das, was ich mache gut ist – auch wenn es (noch) nicht perfekt ist.

Trotzdem gibt es Tage, an denen mir mein „gut“einfach nicht gut genug ist. Ich ärgere mich einfach nur über alles, was ich tue und nicht tue, weil mir alles falsch und schlecht vorkommt. Das sind die Tage, an denen ich stehen bleibe oder mich noch lieber in der Erde einbuddeln würde. Dabei denke ich gar nicht daran, dass das nur meine Sicht der Dinge ist. Ich vergesse, dass die Menschen um mich herum mich trotzdem für das schätzen, was ich tue und für das, was ich bin.

Nach meinem Tief der letzten Tage, fühlt es sich wieder so an, als würde es langsam wieder bergauf gehen. Meine Schritte haben noch lange nicht ihr altes Tempo aufgenommen, sie warten nur darauf, dass mein Kopf ihnen wieder das „Go“ gibt. Denn das sind die Herausforderungen in unserem Leben: reine Kopfsache. Ganz besonders dann, wenn es schwer wird.

Ich weiß, dass ich jetzt am Beginn einer neuen Aufwärtskurve stehe. Wenn ich nach vorne blicke, kann ich sie schon sehen, diese leichte Steigung. Nur noch ein bisschen die Zähne zusammenbeißen, gut zu mir selbst sein und das Leben nehmen, wie es ist. Wir können alles tun, was wir uns vornehmen. Wir müssen uns nur jeden Tag wieder ein bisschen mehr anstrengen – oder es wenigstens versuchen.

Dieses Tief hatte jetzt nicht die Ausmaße des Finanzcrashs von 2008, doch es hat ausgereicht, um für mich alles wieder ins rechte Licht zu rücken. Es hat mich auf die nächsten Schritte vorbereitet und mir die Zeit gegeben, um meine Wanderschuhe neu zu schnüren. Es ist immer leichter, bergab zu gehen, sich seinen Gedanken hinzugeben, wenn sie erstmal Fahrt aufgenommen haben, selbst wenn man weiß, dass sie einem nicht gut tun. Es ist aber nur so lange leicht, bis man im Tal angekommen ist. Es ist schon dunkel und man hat keinen Ort zum schlafen.

Dann heißt es: Einfach mal eine Nacht unter freiem Himmel schlafen, reflektieren und sich ausruhen. Morgen geht es weiter und dann wird es auch wieder bergauf gehen. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.

Ein kleines Lebenszeichen

Unruhe

Genau 3 Wochen sind seit meinem letzten Beitrag vergangen und eines kann ich direkt vorweg sagen: Es ist echt viel passiert. Ich war in New York City und Orlando, Florida (Berichte dazu werden nach und nach folgen). Ich bin 27 geworden und auch im Job kündigen sich in den nächsten Monaten einige willkommene Veränderungen an. Ich habe eine neue Obsession entdeckt und gemerkt, dass ich ein bisschen Vitamin D doch besser gebrauchen kann, als ich kleine Schneekönigin sonst immer wahrhaben wollte.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Entwicklungen, die sich gerade durch mein Leben ziehen, sehr positiv sind. Mein Geburtstag ist zwar in der Regel ein Tag, den ich am liebsten überspringen würde, um nicht ans Älterwerden erinnert zu werden, aber ich habe, wenn man das große Ganze betrachtet, gerade in den letzten Wochen viel erlebt, was mich glücklich macht.

Dazu hat mit Sicherheit auch die kleine Auszeit in den USA beigetragen. Ich konnte viele neue Eindrücke mitnehmen, Sonne tanken und zumindest für ein paar Tage aus dem Alltag ausbrechen. Als ich am vorletzten Sonntag wieder nach Hause kam, war ich hochmotiviert. Ich habe direkt am Montag dem Friseur einen Besuch abgestattet und meine formlosen Zotteln abschneiden lassen. Jetzt bin ich wieder stolze Bob-Trägerin.

Alles neu macht der M…März?

Am liebsten hätte ich sofort meiner Wohnung den bitter nötigen Frühjahrputz verpasst, den Balkon aufgemöbelt und mein ganzes Hab und Gut ausgemistet. Bei mir stehen alle Zeichen auf einen fast schon euphorischen Neustart – aber irgendwas fühlt sich verkehrt an.

Ich habe schon seit einer Woche versucht, herauszufinden, was es ist. Natürlich ohne Erfolg. Mein Zeitmanagement ist die letzten Tage katastrophal gewesen. Meist bin ich über eine Stunde später ins Bett gekommen, als ich eigentlich wollte – wie auch immer ich das geschafft habe. Wenn ich dann erstmal im Bett lag, wollte mein Kopf einfach nicht abschalten. Ständig unterbrach ein neuer aufkommender Gedanke die so dringend herbeigesehnte Stille und wenn mir dann doch endlich die Augen zufielen, war der Schlaf unruhig und die Träume so merkwürdig (bis verstörend), wie sie lebhaft waren.

Man kann das ganze auf den Jet-Lag nach einer fast 24-Stunden langen Reise zurückführen und wahrscheinlich war dieser Umstand auch nicht unschuldig an dieser inneren Unruhe, die nur sehr zögerlich von mir ablässt. Ehrlich gesagt, glaube ich aber, dass das nicht alles ist.

Ein reißender Strom in meinem Bauch

Aus irgendeinem Grund bin ich aufgeregt und habe Hummeln im Hintern. Es ist aber nicht wie die Vorfreude auf eine Reise, wo man sonst an nichts anderes mehr denken kann oder will, sondern vielmehr eine unterschwellige, aber konstante Anspannung. Es fällt mir sehr schwer, mich zu konzentrieren – einer der Gründe, warum ich mich so spät erst wieder melde. Es ist, als würde mein Körper die ganze Zeit darauf warten, dass etwas passiert. Ich weiß nur nicht, was das sein soll.

Vielleicht wird es langsam Zeit, dass endlich Frühling wird. Wahrscheinlich wird sich diese Unruhe auch so still und heimlich wieder verabschieden, wie sie gekommen ist. Trotzdem wüsste ich gerne, warum sie überhaupt über mich gekommen ist. Ich werde das kommende lange Wochenende jedenfalls dafür nutzen und einen Teil der angestauten Energie abbauen, indem ich meiner Wohnung endlich eine Grundreinigung verpasse. Dabei werde ich mich auch gleich auf die Suche nach meinem verschollenen Zen machen.

Ich werde dann auch versuchen, meine ersten Eindrücke aus den USA zusammenzufassen. Schließlich will ich euch dazu nichts vorenthalten. Ich weiß noch nicht, wie das genau aussehen wird. Nur folgendes kann ich jetzt schon verraten: Dem MET werde ich einen eigenen Beitrag widmen!

Die wertvollste Ressource der Welt

Zeit

Das Thema Geld ist überall – egal, ob man es hat oder nicht. Oft sind wir damit knauserig. Ich kann mich beispielsweise noch gut an mein Studium erinnern, als ich sämtliche Ausgaben und Einnahmen aufgeschrieben habe, um den Überblick über mein Geld zu behalten. Und nicht selten habe ich überlegt, ob ich mir das Kino oder den Restaurantbesuch wirklich leisten kann.

Geld ist also nicht nur überall, sondern es ist auch noch extrem wichtig. Ohne Geld haben wir kein Dach über dem Kopf und können uns nichts zu Essen leisten. Kein Urlaub, keine neue Kleidung, nix. Trotzdem gibt es für mich noch etwas, das in den letzten Monaten viel, viel wichtiger geworden ist: Zeit. Denn während wir Geld durch Arbeit und Sparen vermehren können, wird die Zeit, die wir auf dieser Erde haben immer weniger.  Wir wissen noch nichtmal, wie viel wir am Ende überhaupt von ihr haben. Trotzdem gehen wir mit ihr um, als wäre sie grenzenloses Gut.

All die Stunden, die wir mit dem Binge-Watching irgendwelcher Serien verbringen oder damit, uns vor den Sachen zu drücken, die wir eigentlich machen sollten… all das ist wertvolle Zeit, die nahezu ungenutzt verstreicht und nicht wieder zurückkommt. Ich selbst bin oft recht wahllos, wenn es darum geht, wie ich mir meine Tage einteile. Dann nehme ich mir zwar oft Dinge vor, die ich tun will, aber am Ende versacke doch vor dem Fernseher oder in einem der zahlreichen Wurmlöcher auf Youtube. Am Ende des Tages habe ich nichts gemacht, außer mich berieseln zu lassen.

Wertvolles Potenzial wird einfach verschenkt

Ich glaube nicht, dass man seinen Tag mit sämtlichen Kunstgriffen aus der Effizienz-Trickkiste feintunen muss, nur damit am Ende auch wirklich jede Minute sinnvoll genutzt sind. Mir persönlich sind solche Pausen, in denen ich nichts tue, auch mehr als willkommen. Wenn ich den ganzen Tag über meiner Arbeit gebrütet habe, will halt einfach nichts mehr machen, das mich mental anstrengt. Nur nehmen diese „kleinen Pausen“ schnell Überhand. Statt zu schreiben oder etwas anderes kreatives zu machen, gebe ich mich dann komplett dem Konsum hin.

In diese Falle bin ich besonders gerne während des Studiums getappt, als ich noch mehr Zeit hatte. Nur ist es mir damals nie wirklich aufgefallen. Jetzt, mit einem Vollzeitjob, ist mir erst bewusst geworden, wie wenig freie Zeit mir eigentlich zur Verfügung steht, um mir die Träume und Ziele zu erfüllen, die ich abseits meines Jobs habe. Muss ich während meines Feierabends wirklich 3 Folgen einer Serie schauen? Oder reicht es auch, wenn ich mal nur eine Folge gucke?

Wir tauschen langfristiges Glück gegen kurzfristiges Vergnügen

Es ist natürlich immer die einfachere Wahl, den Konsum zu wählen und sich stundenlang einfach nur berieseln zu lassen, statt aktiv zu werden. Doch fühlen wir uns danach wirklich besser? Ich muss zugeben, dass ich es manchmal schon bereue, wenn ich Sonntagabends ins Bett gehe mit dem Wissen, dass ich nichts geschafft habe, außer eine ganze Staffel Gilmore Girls zu gucken – was sicher auch irgendwo beeindruckend ist. Aber war das wirklich die ganze Zeit wert, die ich dafür hergegeben habe?

Wäre es schlimm gewesen, wenn ich zumindest 2 Stunden freigeschaufelt hätte, um spazieren zu gehen oder wenigstens etwas zu lesen? Gerade nach einem langen Tag auf der Arbeit fällt es mir sehr leicht, mich direkt in meinen Pyjama zu schmeißen und den Rest des Abends an mir vorbeiziehen zu lassen. Auch diese Blogposts, die mir eigentlich Spaß machen und mir dabei helfen, das Chaos in meinem Kopf zu ordnen, erfordern eine gewisse Anstrengung und Mühe.

Es war ja schon Arbeit, den Fernseher nach einer Folge Suits abzustellen, um diesen Beitrag hier zu schreiben.

Schlussendlich sieht es jedoch so aus: Jeder Mensch auf diesem Planeten hat 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Der einzige Unterschied zwischen den Menschen, die Erfolg (welcher Art auch immer) und Erfüllung verspüren und dem Rest, der sich zwar das gleiche wünscht, aber nichts dafür tut, ist die Art wie er diese 24 Stunden nutzt.

Der erste Schritt in die richtige Richtung besteht darin, wirklich zu erkennen, wie man seine Zeit verbringt. Worin investieren wir besonders viel Zeit? Macht uns das langfristig glücklich? Und was würden wir gerne mehr in unser Leben integrieren? Allein indem wir damit anfangen, über diese Fragen nachzudenken und uns ernsthaft mit ihnen auseinander zu setzen, fördern wir einen bewussteren Umgang mit der wichtigsten Ressource der Welt.

Der (un)konventionelle Lebensweg

konventionell

Wenn man die Deutschen danach fragt, was der ideale Karriereverlauf ist, dann antworten die meisten vermutlich mit dieser Reihenfolge:

  1. Schule
  2. Studium oder Ausbildung
  3. Jobeinstieg in dem Bereich, in dem man ausgebildet wurde
  4. In der ersten Firma so lange wie möglich bleiben – im besten Fall bis zur Rente

Dieser Weg ist zweifellos der einfachste und komfortabelste. Doch meiner Meinung nach muss er nicht zwangsläufig auch der beste sein. Gerade heutzutage, wo auch junge Leute sich vermehrt mit dem Thema Selbstständigkeit beschäftigen oder nach anderen Alternativen zur Einkommensbeschaffung suchen, ist der konventionelle Weg nicht nur unattraktiver, sondern auch weniger praktikabel geworden.

Abgesehen davon wird immer mehr Menschen bewusst, wie schnelllebig unser Leben und damit auch unsere Karrieren verlaufen können. Man muss nicht bis zur Rente in ein und derselben Firma bleiben und nur weil man etwas studiert hat, heißt das noch lange nicht, dass man in diesem Feld später tatsächlich arbeiten wird. Der Fokus wird dadurch zunehmend auf das Sammeln von unterschiedlichen Erfahrungen gelegt und darauf, seinem Leben einen Sinn zu geben, der aus mehr besteht, als einfach nur Geld für den nächsten Urlaub zu verdienen. Frei nach dem Motto:

Selbstverwirklichung statt Sicherheit/Beständigkeit

Obwohl ich bisher viel Glück hatte, was meine Karriere angeht, würde ich nicht sagen, dass ich bisher eine Standard-Karriere gemacht habe (wenn es so was überhaupt noch gibt). Nach dem Abitur habe ich mich gegen ein Studium oder eine Ausbildung in einem „krisensicheren Feld“ entschieden. Stattdessen habe ich Asienwissenschaften studiert. Auf die bange Frage von Angehörigen und Bekannten hin, was man damit macht, habe ich immer gesagt, dass ich z.B. als Auslandsreferentin oder Übersetzerin arbeiten könne, was durchaus stimmt, aber je weiter ich in meinem Studium kam, desto mehr wurde mir bewusst, dass das langfristig nicht mein Weg ist.

Das Studium war für mich eine nützliche und wichtige Station, die mein Leben und meine weiteren Entscheidungen zwar beeinflusst aber nicht zu 100% festgelegt hat. Dabei dachte ich in der Schule immer, dass das Studium mein komplettes restliches Leben bestimmen würde. Das ist absoluter Bullshit.

Das Leben ist kein ebener, asphaltierter Weg, der immer nur gerade aus geht. Es gibt unterschiedliche Terrains und Abzweigungen, die man nehmen kann. Schon die nächste Kurve kann vollkommen neue Möglichkeiten offenbaren. Die Erkenntnis, dass ich vom vorgezeichneten Weg abweichen kann, war für mich nicht beängstigend. Ich habe sie als Chance gesehen, mich zu öffnen. Ich musste nicht zwangsläufig das machen, was ich gelernt habe.

Der direkte Weg ist überbewertet

So machte ich im Studium einen Abstecher in die Start-Up-Welt und wurde ein Teil von mymuesli. Die Arbeit dort hat mir unheimlich Spaß gemacht und ich habe viel gelernt, aber auch das war nur eine Station. Jetzt arbeite ich seit über einen Jahr im Bereich Produktmanagement und Marketing eines Verlags – ein Job, der mich ungemein erfüllt. Trotzdem kann ich nicht mit Sicherheit sagen, dass ich ihn bis an das Ende meines beruflichen Lebens ausüben werde.

Ich bin also bisher von den Geisteswissenschaften über Biomüsli bis zum Marketing gekommen. Geradlinig sieht eindeutig anders aus. Dass mein Leben so verlaufen würde, hätte ich vor knapp 8 Jahren, als ich mein Abitur gemacht habe, niemals erwartet. Und doch bin ich froh darüber, dass es so gekommen ist, denn so konnte ich in relativ kurzer Zeit viele wertvolle Erfahrungen sammeln – Umwege nicht ausgeschlossen.

Das Leben ist zu kurz für Stagnation und das Verharren in der Komfortzone.

Deshalb finde ich es so bewundernswert, wenn junge Leute, einige sogar jünger als ich, den Schritt in die Selbstständigkeit wagen oder sich anderweitig etwas eigenes aufbauen. Natürlich wissen sie nicht, ob sie erfolgreich sein werden oder wann sie davon leben werden können. Aber sie erweitern kontinuierlich ihre Grenzen und folgen ihrer Leidenschaft – auch wenn das am Anfang oftmals härtere Arbeit und weniger Lohn bedeutet.

Selbst wenn es am Ende nicht funktioniert und sie sich wieder umorientieren müssen, kann mir keiner sagen, dass die Erfahrung selbst nicht lehrreich war. Ich will damit nicht sagen, dass wir jetzt alle unsere Jobs oder das Studium hinschmeißen und ein Unternehmen gründen sollen (für mich wäre das sowieso nichts), aber ich glaube, dass wir alle etwas mehr Mut vertragen können, wenn es um unser Berufsleben geht.

Denn wir brauchen Mut, wenn wir unseren bisherigen Pfad verlassen wollen oder sogar müssen. Wir brauchen Mut, um…

  • etwas eigenes zu starten.
  • einen Neuanfang zu wagen.
  •  unserer Leidenschaft zu folgen.
  • Umwege zu gehen.
  • Auszeiten zu nehmen.

Ich bin für unkonventionelle Lebensläufe und Menschen, die sich etwas trauen. Wir sollten alle unsere Komfortzonen öfter mal verlassen, denn man weiß nie, was für Abenteuer einen erwarten, wenn man den ausgetretenen Pfad verlässt und einfach mal querfeldein weiter geht.

„Schalt mal ’nen Gang runter.“

Pause

Wenn man ein Projekt startet, das einem viel Spaß macht oder bei dem man schnell Erfolge sehen will, neigt man gerade in der Anfangszeit dazu zu viel zu machen. Klar, man ist hochmotiviert und will Ergebnisse sehen, doch wie oft kommt es dann vor, dass man zu viel auf einmal will? Man fängt an, sich mehr Druck als nötig zu machen, arbeitet unter Umständen mehr als jemals zuvor, aber wirklich zufrieden ist man trotzdem nicht.

Am Ende ist man oftmals so überfordert, dass man hinschmeißt. Und damit meine ich nicht nur die Kandidaten, die sich jedes Jahr zu Beginn vornehmen, mehr Sport zu treiben. Es kann einen in jedem Bereich treffen: wenn wir eine Sprache lernen wollen, wenn wir neben dem Job ein kleines Business gründen, oder sogar bei derart banalen Dingen wie dem Entrümpeln der eigenen vier Wände.

Alles auf einmal ist nicht immer besser

Das geflügelte Wort „Work-Life-Balance“ wird einem in der Regel immer dann um die Ohren gehauen, wenn man zu viel vom ersten Teil der Rechnung hat: Arbeit. Dann werden wir meist von Freunden und Kollegen, die es nur gut mit uns meinen, dazu aufgefordert, endlich mal einen Gang runter zu schalten. Ich gehöre von Natur aus eher zu den entspannteren Personen, die dementsprechend eher damit kämpfen, ihren Hintern überhaupt erst für etwas hoch zu kriegen. Doch auch ich habe diese Momente, in denen ich zu viel will.

Die komplette Wohnung muss dann in einer Art Gewaltmarsch innerhalb eines Tages komplett auf den Kopf gestellt und aufgeräumt werden, anstatt alles auf zwei Tage zu verteilen. Ein 40 Seiten langer Text für die Arbeit muss in wenigen Stunden überarbeitet werden – und das neben dem üblichen Tagesgeschäft auf der Arbeit, das alleine schon mehr als genug ist. Mein persönliches Paradebeispiel habe ich aber gerade hier erlebt.

Die letzten Wochen war ich extrem motiviert, was diesen Blog angeht. Ich wollte jede Woche regelmäßig Content raushauen – mindestens zwei-, besser natürlich dreimal die Woche. Hochwertig sollte er sein und natürlich war da die ganze Zeit der Gedanke im Hinterkopf: „Du musst da jetzt was machen! Wenn du jetzt nicht machst, dann bringt das alles doch nix.“ es war ein bisschen so wie früher, als ich angefangen hatte, mein ganzes Leben um mein Sportprogramm zu bauen – nur eben mit dem Blog.

Stress statt Spaß

Ich habe überlegt, welche Termine ich wie legen muss, damit ich noch Zeit zum schreiben habe, habe mir irgendwas aus den Fingern gesaugt und teilweise auch die Momente ignoriert, in denen es besser gewesen wäre, wenn ich mal eine Pause eingelegt hätte. Zweimal die Woche einen Text zu schreiben und ins Internet zu stellen, mag für so manchen nach wenig Arbeit klingen, doch für mich ist es tatsächlich ein wenig anders.

Bei einem Vollzeitjob, sozialen Verpflichtungen und Sport bleibt nicht mehr viel Zeit übrig, wenn ich zwischendurch noch etwas entspannen will. Doch in den letzten Tagen stellte ich mir vermehrt die folgende Frage: „Warum überhaupt der ganze Stress, wenn es doch eigentlich Spaß machen soll?Geht die Welt unter, wenn ich mal ein paar Tage nichts schreibe? Nein. Bin ich weniger wert, wenn ich mir eine Pause gönne ohne vorgearbeitet zu haben? Auch das nicht.

Und so habe ich mir die letzten Tage einfach mal genommen, um mich auf andere Dinge zu konzentrieren, die mir wichtig sind und den Kopf frei zu kriegen. Denn obwohl ich gerne schreibe und es mir hilft, meine Gedanken zu ordnen, ist es immer auch mit Anstrengung verbunden. Und bevor ich es übertreibe und mir sprichwörtlich der Treibstoff ausgeht, lasse ich es lieber etwas langsamer angehen.

Volle Kraft voraus durch regemäßige Pausen

Auch wenn das bedeutet, dass es hier etwas langsamer zugeht. Ich weiß, dass es für mich langfristig die schlauere Lösung ist, denn wie immer im Leben geht es um die Balance. Die besteht definitiv nicht nur darin, immer nur volle Power zu geben bis der Tank komplett leer ist, sondern auch darin zu wissen, wann man sich ein wenig zurückziehen muss.

Deshalb ist mir gerade jetzt wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, hin und wieder mal die Beine hoch zu legen und zu versuchen, sich Ruhe zu gönnen, ohne deswegen direkt in die Selbstkritik zu verfallen. Ab und an einen Gang runter zu schalten, ist nichts wofür man sich meiner Meinung nach schämen muss, sondern etwas, das in der heutigen Zeit des „Hustlens“ viel mehr geschätzt und kultiviert werden sollte, denn nur mit regelmäßigen Pausen bleiben wir langfristig leistungsfähig und behalten den Spaß an dem, was wir tun.

Und diese Pause kam mir zusätzlich zugute, weil sie mich zu diesem spontanen Post inspiriert hat, auf den ich wohl nicht gekommen wäre, wenn ich krampfhaft versucht hätte, mir etwas zu überlegen. Also ein absoluter Win-Win für alle, oder nicht?

Erfahrung vor Perfektion – Wagen statt Aufschieben

mehr-machen

Das Wichtigste ausnahmsweise mal direkt zu Beginn: Man kann eigentlich nicht zu früh damit anfangen, Visionen und Vorstellungen umzusetzen.Viele unserer Vorhaben scheitern nämlich nicht daran, dass wir sie zu früh angehen, sondern daran, dass wir sie immer weiter aufschieben, weil wir glauben, dass wir noch nicht genug Erfahrung haben. Doch wo soll man diese Erfahrung hernehmen, wenn man gar nicht erst anfängt?

Nur vom Bücher wälzen, planen und sich den  Kopf zerbrechen, passiert auch nichts. Und vom Zweifeln sowieso nicht. Wir lernen erst dann wirklich dazu, wenn wir ins Handeln kommen. Ja, dabei macht man Fehler und ja, es ist anstrengend, aber nur so kommt man weiter.  Um das zu verdeutlichen, muss ich mal wieder in die Klischee-Motivationssprüche-Kiste greifen, aber es gibt im Englischen diesen Satz, den man eigentlich als Mantra vieler erfolgreicher Menschen bezeichnen kann:

Start before you’re ready.“

Oder auf Deutsch: „Fang‘ an, bevor du soweit bist.“ Dieses Prinzip ist so einfach, wie einleuchtend: Wenn wir immer erst warten würden, bis wir uns bereit fühlen, würden wir gerade die großen Projekte in unserem Leben gar nicht erst wagen. Wir würden sie immer weiter vor uns herschieben, mit dem Vorwand, dass wir noch nicht soweit sind. Wir fangen dann an, auf irgendwelche Zeichen vom Universum zu warten und verlieren aber eigentlich nur wertvolle Zeit. Am Ende landen diese Träume dann in der Mottenkiste.

Aller Anfang ist schwer

Als Königin des Aufschiebens kann ich davon ein Liedchen singen. Wie viele Vorhaben ich schon vor mir her geschoben und dann komplett in den Sand gesetzt habe, kann ich hier gar nicht aufzählen. Den Plan ein Buch zu schreiben, von dem ich vor geraumer Zeit gesprochen habe, habe ich natürlich immer noch nicht angekratzt. Es ist ein Mammutprojekt, das mir so wichtig ist, dass die Angst davor, es überhaupt zu beginnen und damit zu scheitern, viel zu groß ist.

Eigentlich wäre das natürlich mein perfektes Start-Before-You’re-Ready-Projekt, aber was soll ich sagen? Ich bin halt nicht perfekt und ich glaube, dass es oft so ist, dass es uns schwerer fällt, etwas anzugehen, je wichtiger es uns ist, weil wir es von Anfang an richtig machen wollen. Weil wir glauben, noch nicht genug zu wissen. Weil wir glauben, dass wir einfach noch nicht gut genug sind. Mir fallen jedenfalls immer Tausend „gute“ Gründe ein, warum ich eine Idee besser erstmal ruhen lassen sollte.

Ergänzend zu einem meiner vergangenen Posts, möchte ich nochmal kurz darauf eingehen, dass wir überall von Menschen umgeben sind, die besser sind als wir. Ich glaube, dass auch dieser Aspekt einen nicht unwesentlichen Anteil an unserer Angst vor der Umsetzung unserer Träume hat. Wenn man überall, gerade im Bereich Social Media, von Leuten umgeben ist, die ihr Handwerk scheinbar perfekt beherrschen, ist das natürlich einschüchternd. Da wagt man es gar nicht erst, sich mit ihnen messen zu wollen.

Aber der entscheidendste Faktor, für mich jedenfalls, ist die generelle Angst zu Versagen. Sobald man sich an ein Projekt heran wagt, ist da immer die Gefahr, dass es nicht klappt. Wenn man es aber gar nicht erst versucht, dann braucht man sich dieser Gefahr auch nicht erst auszusetzen. Auf diese Weise kann man sich ganz simpel aus der Affäre ziehen. Und so hüllen wir uns in den sicheren Kokon des Nichtstuns, bis wir irgendwann für uns die Entscheidung treffen, dass es jetzt sowieso zu spät ist. Was folgt, ist die oben erwähnte Mottenkiste.

Zu früh anfangen gibt’s nicht, aber zu spät anfangen?

Ich denke, es ist so: zu früh anfangen, gibt es im Grunde nicht. Der Anfang ist immer das schwierigste, selbst wenn man glaubt, im Vorfeld genug Erfahrung gesammelt zu haben. Oft kommt es trotz aller Planung anders als gedacht, aber daraus lernt man wenigstens etwas. Ein wenig schwieriger ist es mit der Frage, ob es jemals zu spät ist, um etwas zu anzufangen.

Prinzipiell glaube ich nicht, dass es jemals zu spät ist, um eine neue Sprache zu lernen, sich selbstständig zu machen oder zum Beispiel auszuwandern. Doch die Sache ist die: je mehr Zeit wir uns lassen, um uns Gedanken zu machen, desto mehr Zeit haben wir, um Ausreden zu finden oder uns mit unnützen Gedankenspielen verrückt zu machen; und desto weniger Zeit bleibt am Ende für die Umsetzung und damit für die Erfahrung selbst. Das ist etwas, das so verkopfte Menschen wie ich, die immer alles gerne in sämtlichen Szenarien im Kopf durchspielen, nur schwer umsetzen können. Immerhin soll alles direkt perfekt sein.

Deshalb ist es gerade für mich wichtig den Punkt zu finden, an dem ich aufhöre, etwas zu planen und stattdessen damit anfange, zu prokrastinieren und mir Vorhaben auszureden, weil ich Angst habe, dass ich an ihnen scheitern werde. Selbst wenn ich mir alles ausmale, was passieren könnte, ist das nichts wert, solange ich es nicht wenigstens versucht habe. Egal, ob ich glaube, dass ich bereit bin oder nicht.

In diesem Sinne auch ein gut gemeintes Memo an mich selbst: Es ist nie zu früh, um mit etwas anzufangen (außer vielleicht mit Rauchen, Alkohol und solchen Späßen). Wir werden uns am Ende immer mehr über das ärgern, was uns entgangen ist, weil wir in unserem Kokon geblieben sind, statt dem Ruf der Wildnis zu folgen. Denn eines trifft auf die Menschheit leider ziemlich genau zu:

Wir denken zu viel und machen zu wenig.

Mit diesem kurzen Pep-Talk an mich selbst schließe ich die Woche nun langsam ab und nehme mir folgendes als kurzes, knackiges Mantra mit:

Erfahrung vor Perfektion – Wagen statt Aufschieben