Das Glück im Unglück finden

In dem Moment, in dem ich diese Worte schreibe, wäre ich eigentlich gerade am Düsseldorfer Flughafen angekommen, um nach Manchester zu fliegen. Dass dem gerade nicht so ist, liegt daran, dass mein Flug gestrichen wurde. 3 Stunden vor Abflug.

Man kann sich meine Begeisterung, als mich die kurze SMS der Fluggesellschaft erreichte, sicher gut vorstellen. Also packte ich meine 7 Sachen wieder, informierte meine beste Freundin darüber, dass sie die erste Nacht in UK alleine verbringen muss und dackelte nach Hause. Dort führte ich ein nettes Gespräch mit einem Callcenter-Agent der Fluggesellschaft (Achtung: keine Ironie!), veranlasste eine Rückzahlung und buchte einen Alternativflug für morgen Vormittag.

All das passierte in einem Zeitfenster von gerade mal knapp einer Stunde.

Jetzt sitze ich hier auf meinem Sofa und habe wieder meine Schlabberhose angezogen. In der Küche kocht eine Portion Spaghetti mit Lachssoße.

So lästig diese ganze Geschichte auch ist, es bringt nichts, wenn ich mich darüber aufrege. Es ändert schließlich nichts. Stattdessen fallen mir immer mehr positive Dinge ein, die ich aus dieser Erfahrung ziehen kann.

Mir ging es heute den ganzen Tag nicht wirklich gut, war müde und hatte am Nachmittag mit etwas Übelkeit zu kämpfen. Jetzt kann ich mich noch eine Nacht zu Hause auskurieren. Außerdem spare ich mir gerade teures Flughafenfutter. Ich kann in Ruhe zu Hause etwas gutes essen, denn jetzt, wo die Übelkeit weg ist, fühlt es sich so an, als würde sich mein Magen selbst aufessen.

Und nicht ganz unwichtig, wenn man einen Trip macht, dessen Einkäufe hauptsächlich aus Büchern bestehen wird: Ich kann ein paar Klamotten aus meinem Koffer holen. So habe ich mehr Platz für das, was wirklich wichtig ist. Mehr Bücher.

Und last, but not least: mit etwas Glück habe ich Anspruch auf eine zusätzliche Entschädigung, die höher ausfallen wird, als mich der Flug gekostet hat. Insgesamt also alles eigentlich halb so wild.

Es ist nicht immer leicht, das Glück im Unglück zu finden. Gerade im Alltag konzentrieren wir uns häufig gerade auf die Sachen, die schlecht laufen. Wenn die Bahn zu spät kommt, kommen wir zu spät zur Arbeit. Wenn wir vergessen, etwas wichtiges im Supermarkt zu kaufen, müssen wir nochmal hin. Größter Wermutstropfen scheint dabei neben monetären Aspekten natürlich die Zeit zu sein.

Wir verlieren nie gerne Zeit – erst recht nicht, wenn uns gar keine Schuld trifft. Doch manchmal hat diese vermeintlich verlorene Zeit auch etwas gutes. Ich für meinen Teil kann, auch wenn es nach wie vor ein Ärgernis ist, genug gutes in dieser Planänderung sehen, um sie ohne großen Groll hinzunehmen.

Ich freue mich darauf, morgen mittag aus dem Flieger zu steigen und von meiner besten Freundin in Manchester in Empfang genommen werden. Dann reisen wir weiter nach York. Es wird, trotz allem, ein glorreiches Wochenende!