Fernweh und andere Probleme

Fernweh

Mir fällt die Decke auf den Kopf. Zumindest fühlt es sich gerade so an. Seit Tagen schon bin ich rastlos, kann mich auf nichts konzentrieren. Ich fange eine Aufgabe an, nur um eine Minute den Tab für etwas neues am PC zu öffnen. Nichts mag irgendwie wirklich gelingen. Mein Kopf ist gefühlt überall – nur nicht dort, wo er gerade sein soll. Wenn er nicht angewachsen wäre, wäre er mir wohl schon längst von den Schultern gesprungen und davon gerollt.

Er wäre zum nächsten Flughafen und in den nächstmöglichen Flieger gekullert, denn die Wahrheit ist die: Ich habe ganz böses Fernweh. Für dieses Jahr stehen schon zwei große Reisen an, die ich voller Ungeduld erwarte, doch jetzt gerade kann es mir einfach nicht schnell genug gehen. Am liebsten würde ich jetzt meinen Koffer packen und abhauen.

Und weil die eine Reise im März ist und die andere im November, überlege ich natürlich auch, wie ich die Monate dazwischen überbrücken kann. Im Moment bin ich jedenfalls fest davon überzeugt, dass ich wahnsinnig werde, wenn ich sie hier verbringe. Meine neueste, fixe Idee ist ein langes Wochenende alleine in einer Stadt, in der ich noch nie vorher gewesen bin: Barcelona.

Zum einen ist da der Nervenkitzel, weil ich gerne mal alleine reisen würde, es aber noch nie wirklich getan habe. Zum anderen möchte ich mich mal wieder voll und ganz diesem Kulturrausch hingeben. Selbst wenn es nur für ein paar Tage ist. Hauptsache weg, hauptsache schön.

Woher dieser plötzliche Drang zur Flucht kommt, weiß ich nicht. Normalerweise bin ich auch eher der Homebuddy, was schlicht und ergreifend daher kommt, dass ich mein zu Hause liebe, aber ich kriege den Kopf einfach nicht frei. Ständig ist da oben irgendwas los. Und oft sagt man ja, dass ein Tapetenwechsel zwischendurch auch für frischen Wind im Oberstübchen sorgt. Schaden kann es jedenfalls nicht (auch wenn mein Bankkonto mir dann etwas anderes sagen wird).

Selbstfindung im neuen Jahrtausend

Vielleicht ist es aber auch diese romantische Vorstellung, die man schon mal hat, wenn man von Leuten hört, die eine Reise gemacht haben und die scheinbar von der absoluten Erleuchtung den Kopf gestreichelt bekommen haben. Sie berichten von der Klarheit, die sie plötzlich über sich und das Leben haben, dass sie auf einmal wissen, wer sie sind und weshalb sie auf dieser Welt sind. Sie fangen an Bücher zu schreiben, eröffnen ein eigenes Meditationszentrum, oder packen ihren Koffer direkt wieder um auszuwandern.

Das ist natürlich ein etwas überzeichnetes Klischee, und doch gibt es diese Reisen, die etwas mit uns machen. Die etwas in uns verändern und den Funken überspringen lassen, der so lange nicht zünden wollte. Vielleicht warte auch ich auf diesen Moment der Erleuchtung. Diesen Moment, wenn ich in einem Café in einer fernen Stadt sitze und mir ganz klar, aber trotzdem  ganz unaufdringlich bewusst wird, wo ich im Leben hin will und mit einem Mal ist alles in mir ruhig und friedlich.

Was labert die da für einen Hippie-Schmarrn?“ höre ich manche jetzt schon fragen, aber ganz ehrlich? Das ist mir wurscht. Es wäre für mich eine einfache Lösung für ein, wie mir scheint, eigentlich nicht ganz so einfach zu lösendes Problem. Weil es zu tief sitzt. Weil ich mir im Leben noch nicht die richtigen Fragen gestellt habe, oder mich nicht traue sie zu beantworten.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Reise löst nicht alle Probleme. Aber sie würde mir zumindest dabei helfen, ein wenig Abstand zu gewinnen und für ein paar Tage aus der Achterbahn in meinem Kopf auszusteigen. Allein das würde mir gerade schon extrem helfen.

Rastlosigkeit – ein Mini-Pseudo-Podcast

Rastlosigkeit

In einem Anflug jugendlichen Leichtsinns habe ich den folgenden Beitrag nicht nur geschrieben, sondern auch als Audio-Datei aufgenommen. Höre ihn dir hier an und/oder lese ihn weiter unten wie gewohnt. Viel Spaß damit!

In letzter Zeit plagt mich eine unglaubliche Rastlosigkeit. Es gibt einfach zu viele Dinge, die ich tun will.

Ich will diesem Blog mehr Zeit widmen. Ich will wieder eine Geschichte, vielleicht sogar ein ganzes Buch schreiben. Ich will meine Fremdsprachenkenntnisse wieder auffrischen. Ich will lernen, wie man eine Mütze strickt. Und so weiter und so fort. Ich will, ich will, ich will.

Lauter große und kleine Projekte, reihen sich in meinem Kopf aneinander. Sie buhlen um meine Aufmerksamkeit und darum, dass ich endlich meinem Schweinehund in den Hintern trete. Es überfordert mich. Es ist einfach zu viel.

Also, mache ich nichts.

Und mit jedem Tag, der ungenutzt verstreicht, fühle ich mich nutzloser. Ich ärgere mich darüber, dass ich mich nicht aufraffen kann und das, was ich an Potenzial habe, jämmerlich verkümmern lasse. So viel machen zu wollen und doch davor zurück zu schrecken, ist auf Dauer anstrengend.

Ich habe mal gehört, dass es helfen soll, wenn man sich immer ein Projekt herauspickt und daran arbeitet. Multi-Tasking soll ja ohnehin nur ein Mythos sein. Eine Aufgabe nach der nächsten anzugehen, wirkt weniger kolossal und unlösbar, als diesen ganzen Berg einfach nur vor sich zu sehen – und zu verzweifeln.

Die Welt da draußen ist voll von Leuten, die anscheinend alles auf einmal machen, besonders im kreativen Bereich. Man ist nicht nur Blogger, sondern auch noch Podcaster, Lifecoach und macht nebenbei eine Ausbildung zum Ernährungsberater. Es ist verrückt. Vor allem, wenn man selbst auch gerne so ein Multitalent wäre, es aber nicht mal schafft, eine Sache anzugehen.

So verbringe ich mittlerweile einen nicht gerade kleinen Teil meiner freien Zeit damit, mich mit unwichtigen Tätigkeiten und Netflix zu beschäftigen.Wobei, eigentlich kann ich es auch ganz direkt sagen. Wir sind ja unter uns: Ich prokrastiniere vom feinsten, schaue mir ganz viele Videos zu den Themen Produktivität und Arbeitsmoral an. Astreine Selbsttäuschung!

Nur wirklich genießen kann ich es nicht, so wie in der Uni damals. Dort hatte ich Deadlines. Irgendwann musste ich mich auf den Hosenboden setzen und lernen. Ich habe die Zeit des herrlichen Nichtstuns so lange genossen, bis ich wusste, dass es langsam Zeit wurde, etwas zu tun. Dann wurde gearbeitet und es hat funktioniert. Jetzt setze ich mir meine Ziele selber und schiebe sie immer weiter auf. Das macht mich unruhig.

Schon vor mindestens 3 Jahren wollte ich im November beim Projekt NaNoWriMo teilnehmen, in der Hoffnung, dass es mich meinem ersten Buch näher bringt. Hat es natürlich nicht, weil ich nicht teilgenommen habe. Mir hat die zündende Idee gefehlt. Jetzt bin ich 26 und habe immer noch nichts in der Richtung geschafft. Vielleicht dieses Jahr?

Ich will nicht irgendwann den Löffel abgeben und mich über all die großen und kleinen Dinge ärgern, die ich nicht gemacht habe, weil ich überfordert war. Oder weil ich mich nicht getraut habe.

Ich werde nicht mehr mit Anfang 20 neben der Uni einen Bestseller veröffentlichen. Der Zug ist schon lange abgefahren, aber es ist definitiv noch nicht  zu spät, um was im Leben zu reißen. Und während es wahrscheinlich unmöglich ist, alles, was man sich irgendwie irgendwann mal vornimmt, auch zu schaffen, so gibt es doch ein paar Dinge, die auf jeden Fall machbar sind.

Und solange ich das Projekt, das mir am meisten am Herzen liegt, nicht zumindest begonnen habe, wird diese Rastlosigkeit auch nicht verschwinden.

Von welchem Projekt ich rede?

Das Buch.