Socially awkward Steppenläufer

Einsiedlerkrebs

Oft finde ich mich in irgendwelchen Gesprächen wieder und denke mir einfach nur: „Ich habe dazu gerade absolut nichts zu sagen.“ weil in meinem Kopf einfach nichts ist, nicht bis auf eine gähnende Leere. Manchmal glaube ich sogar, dass ich mein Gehirn wie eine kleine Murmel durch meinen Kopf rollen hören kann. Und ich frage mich dann ganz automatisch: „Ist dieses Gespräch dumm oder bin ich es?

Man sagt oft von introvertierten Personen, dass in ihren Köpfen viel mehr vorgeht, als sie nach außen zeigen. Lieber lassen sie sich auf ein langes, intensives Gespräch ein, als auf sinnlose Diskussionen oder Smalltalk. Beides sind einfach unnötige Energieräuber. Auf mich trifft das alles nur in Teilen zu. Sicher, es gibt Gespräche an denen ich mich gerne beteilige, wo es mir auch Spaß macht zu diskutieren, aber oft genug habe ich keinen blassen Schimmer, was ich sinnvolles beitragen könnte. Also, sage ich einfach nichts.

Ein bisschen ratlos, ein bisschen frustriert

Ich weiß nicht, ob es nicht besser wäre, diesen Muskel zu trainieren und mich solchen Gesprächen zu stellen. Nur, wie macht man das? Soll ich meine Unwissenheit nutzen und Fragen stellen? Oder eine Aussage aufgreifen, mit der ich zumindest vage etwas anfangen kann, um das Gespräch in eine Richtung zu lenken mit der ich arbeiten kann? Allein, wenn ich nur an diese beiden Optionen denke, spüre ich, wie sich mein Energietank von selbst leert.

Es ist ein wenig frustrierend. Wie viele Gespräche mit potenziell interessanten Menschen habe ich schon verpasst, einfach weil ich keine Ahnung hatte, was ich sagen soll? Und wann ist die Interaktion mit anderen Menschen so schwierig geworden? Oder bin ich einfach nur schwierig geworden?

Es ist der große Blogeintrag der Fragen auf die ich keine Antwort habe. Das ist für niemanden wirklich befriedigend. Weder für meine armen Leser, noch für mich, aber gerade deshalb ist es umso wichtiger für mich ist, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Immerhin weiß ich, dass ich im Kreise meiner Engsten nicht mundfaul bin, aber der Kreis dieser Engsten besteht aus Menschen, die ich seit vielen, vielen Jahren kenne.

Alle anderen, die bisher weniger als 4 Jahre mit mir ausgehalten haben, werden es oftmals schwer haben, mir mehr als 2 Sätze am Stück aus der Nase zu ziehen. Nach den üblichen Nettigkeiten trete ich dann in der Regel den Rückzug an und gehe zum höflichen Nicken und Lächeln über. Ich warte eigentlich nur noch darauf, dass einer der obligatorischen Steppenläufer wie in einem Western durch die Szenerie geweht wird. Langsam und qualvoll.

„Socially awkwardness“ ist kein Freifahrtsschein

Ich könnte es mit dem Label der allgemein anerkannten „socially awkwardness“ abtun, mich einfach rausreden, indem ich sage: „So bin ich halt.“ das möchte ich aber nicht. Ich bin mir dessen bewusst, dass Konversation nie meine größte Stärke sein wird, dafür schweige ich einfach zu gerne, aber ich merke auch, dass mir diese Veranlagung zumindest das eine oder andere Erlebnis verbaut und es mir auch auf professioneller Ebene erschwert mich durchzusetzen.

Dann würde ich diesen Steppenläufer am liebsten abfackeln und die Murmel in meinem Kopf mindestens wieder auf die Größe eines halbwegs funktionalen Gehirns aufblasen, um ein einigermaßen sinnvolles Gespräch führen zu können.

Also, werde ich das tun, was ich am besten kann: Einen intensiven „Deep Dive“ (yay, neues Business-Deutsch) durchführen, rund 10% des Gelernten an zwei Gelegenheiten ausprobieren, das Experiment als Fehlschlag abstempeln und zu meinen alten Gewohnheiten zurückkehren, weil es im Kokon des alt bekannten doch am schönsten ist. Wünscht mir Glück!

Fun Fact: Der erste Entwurf dieses Beitrags ist knapp 1 Jahr alt. Wenn das nicht bestätigt, dass ich ein Problem habe, dann weiß ich auch nicht.