Sind Brüste unmoralisch?

Körper

Die Verehrung und gleichzeitige Verdammung des weiblichen Körpers scheinen keine Grenzen zu kennen. Dieser Gegensatz zwischen Ästhetik und Verwerflichkeit wird für mich am deutlichsten, wenn man sich ansieht, wie die Brüste der Frau in der Gesellschaft behandelt werden. Häufig werden sie mit Scham verbunden, als etwas, das versteckt werden muss. Einige Menschen finden es sogar unmoralisch, wenn eine Frau ihr Kind in der Öffentlichkeit stillt. Doch was könnte natürlicher sein, als das? Was soll daran bitteschön unmoralisch sein?

Anderes Beispiel: Wenn Männer im Schwimmbad nur in Badehose herumlaufen, ist das normal. Wenn Frauen ihr Bikinioberteil ausziehen, ernten sie abwertende Blicke und wenn sie Pech haben, sogar eine Anzeige – wie ein aktuelles Beispiel aus Spanien zeigt.

Warum müssen wir gerade diesen Teil unseres Körper derart verstecken?

Ich muss an dieser Stelle offen zugeben, dass auch ich nicht vollkommen frei von sämtlicher Befangenheit bin. Ich würde mich ja nichtmal trauen,  in meiner eigenen Wohung oben ohne herumzulaufen, weil man mich durch die Fenster sehen kann. Wie sollte es aber auch anders sein? Wie soll ich unbefangen sein, wenn mir vorgelebt wird, dass es „sich nicht gehört„, seine Brüste zu zeigen? Und das nicht von meiner eigenen Mutter oder meiner Familie, sondern direkt von der ganzen Gesellschaft.

Wenn Frauen keinen BH tragen wollen, tragen sie gerne Nippel-Cover, damit man bloß „nichts sieht„. Es ist die eine Stelle des weiblichen Körpers, die auf keinen Fall angesehen werden darf. Was auch immer du tust, schau auf gar keinen Fall hin!

Und trotzdem wird geguckt. Ich will jetzt nicht in die „Scheiß-Männer-Kerbe“ schlagen, aber es ist einfach so, dass Männer den Drang haben zu gucken, wenn es ein paar schöne Ländererein zu sehen gibt – aber da geht es mir nicht anders. Frauenkörper üben nunmal eine sexuelle Faszination aus. Das ist einfach so. Da ändern auch ein Rollkragenpulli und eine Schlabberhose nichts dran. Aber ist das echt so schlimm? Was, wenn nicht die Brüste das eigentliche Problem sind, sondern unser Bild von Sex und Sexualität im allgemeinen und wir diese Diskussion vor einem völlig falschen Hintergrund führen?

Alles doppelmoralisch korrekt

Für mich wirkt es jedenfalls so:  Frauen, die ihre Brüste in der Öffentlichkeit zeigen, wollen die Aufmerksamkeit der Männer auf sich ziehen – wahrlich skandalös! Und weil der weibliche Körper ohnehin schon so stark sexualisiert wird, über Sex aber weder geredet noch gesprochen werden darf, muss alles versteckt werden, was damit in Verbindung gebracht werden könnte.

Deshalb sind Männerbrüste wahrscheinlich auch total egal. Ich habe jedenfalls noch nie einem Mann auf die Brust gestarrt und gedacht: „Euch Schnuckis nehme ich mit in die Kiste und dann zeig ich euch, wo der Hammer hängt.“ höchstens, wenn ich ihm mal auf den knackigen Hintern geschaut habe, aber der ist in der Regel ja auch züchtig verpackt. Also, alles im Rahmen der doppelmoralischen Richtlinien.

Insgesamt muss ich sagen, dass hier Probleme gemacht werden, wo eigentlich keine sind. Der menschliche Körper, ist nichts, wofür man sich schämen sollte. Trotzdem tun wir alles, um ihn schlecht zu reden, zu verhüllen, zu verdammen und zu bemäkeln. Ich bin kein Paradebeispiel für bedingungslose Selbstliebe, aber ein absoluter Verfechter davon, es jeden Tag auf’s neue zu üben und mir mehr Respekt zu schenken – selbst wenn mir die Gesellschaft das Gegenteil andrehen will.

Vielleicht sollte ich doch mal nackt durch meine Wohnung laufen. Einfach, weil ich es kann.