Kinder? Nein, Danke.

Der erste Entwurf dieses Beitrags ist anderthalb Jahre alt. Allein das ist ein Indikator dafür, wie schwierig dieses Thema ist. Für mich ist es eigentlich eine verhältnismäßig einfache Sache, aber es gibt Themen, die generell mehr Diskussionen aufwerfen als andere. Neben Politik und Religion gehört dazu Kinder und Familienplanung.

Dabei ist die Bedeutsamkeit für Frauen nochmal eine andere als für Männer. Das ist jedenfalls Mein Eindruck. Immerhin wird uns Frauen recht früh und oft sehr eindringlich vermittelt, dass wir ein Verfallsdatum haben, wenn es darum geht, eine Familie zu gründen. Mitte bis Ende 30 ist bei vielen der Ofen so gut wie aus und es wird schwierig dann noch Kinder zu bekommen. Es ist also nur natürlich, sich vorher Gedanken über dieses Thema zu machen.

Als ich kürzlich wegen einer Erkältung bei einer Ärztin war, wies sie mich auf eine Vorsorgeuntersuchung hin, die sie anbietet und die unter anderem das Thema „Familienplanung“ abdeckt. Sie ließ das Wort so nonchalant fallen, als wäre es etwas vollkommen selbstverständliches. Das ist es für viele Frauen sicher auch. Heiraten, Kinder bekommen… eigentlich etwas ganz normales, aber das erste, was mir dazu einfiel, war: „Ich will gar keine Familie gründen. Kinder sind nicht Teil meiner Zukunftsplanung.

Denn es ist wirklich so. Ich will keine Kinder. Ich habe es noch nie als erstrebenswert für mich angesehen, ein nach deutschen Standards klassisches Familienleben zu führen: verheiratet, Eigenheim und ein oder zwei Kinder… Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Hinzu kommt, dass ich keinerlei mütterliche Instinkte in mir habe und nichtmal annähernd etwas mit Kindern anfangen kann.

Das wird mir vor allem bewusst, wenn ich die Menschen in meinem Umfeld beobachte. Immerhin muss ich mir langsam eingestehen, dass ich in diesem Alter angekommen bin, in dem Menschen heiraten und Kinder kriegen. Wenn eine Freundin mir vollkommen begeistert Bilder von ihrem Neffen zeigt und immer wieder vorschwärmt, wie süß er doch ist, sehe ich einen kleinen pausbäckigen Jungen, aber nichts, was mein Herz höher schlagen lässt. Ein Baby auf den Arm zu nehmen, fühlt sich für mich absolut befremdlich an, selbst wenn es das Kind sehr guter Freunde ist.

Für mich ist klar, dass ich mich über kurz oder lang nicht als Mutter sehe. Wenn ich mir mein Leben in den kommenden Jahren vorstelle, sehe ich Reisen, Bücher, meine Freunde und durchtanzte Nächte, aber ich sehe keinen Ring an meinem Finger und erst recht kein Kind, das ich morgens für die Schule fertig mache. Das mag im ersten Moment egoistisch und unreif klingen, aber meiner Meinung nach hat das nur wenig mit Unreife zu tun und sondern vielmehr damit, dass es mein Recht ist, mein Leben so zu leben, wie ich es möchte. Einen gewissen Egoismus kann ich dabei nicht abstreiten.

Dieser Beitrag soll keinesfalls eine Hasstirade auf Frauen sein, die einen Kinderwunsch haben und eine Familie gründen wollen – und erst recht nicht gegen die Frauen, die für ihre Familie zu Hause bleiben wollen. Im Gegenteil, ich habe davor vollsten Respekt und bin der Meinung, dass dieser Lebensentwurf genauso respektiert werden soll wie mein eigener. Manche Frauen sind einfach die geborenen Mütter. Ich gehöre nur nicht dazu.

Ich will nicht dafür bemitleidet werden, dass ich ohne Nachkommen irgendwann alleine sein könnte oder darüber belehrt werden, dass sich meine Einstellung mit dem richtigen Mann ändert. Ich will den Spiegel nicht von einem veralteten Gesellschaftsmodell vorgehalten bekommen, das man meiner Meinung nach nicht einfach allen Menschen überstülpen kann. In den vergangenen Jahren habe ich mich immer wieder gefragt, ob irgendwann der Moment kommen würde, an dem es „Klick“ macht, doch dieser Moment kam nie. Aber muss es das überhaupt? Ich denke nicht.

Es tut mir in gewisser Weise für meine Eltern Leid, von denen ich weiß, dass sie sich Enkelkinder wünschen würden, weil sie nach mir kein Kind mehr bekommen konnten. Aber ein Kind zu bekommen, nur um sie glücklich zu machen, ist genau so falsch wie ein Kind zu bekommen, um eine kaputte Ehe zu retten.

Ich bin nicht die geborene Mutter. Wenn man ehrlich ist, bin ich nicht einmal die geborene Tante. Das heißt aber nicht, dass ich meinen Platz nicht auf eine andere Art finden kann. Diese Welt hat so viele Herausforderungen und Möglichkeiten zu bieten und ich möchte mich nicht in einen Lebensweg pressen lassen, den ich nicht als meinen eigenen betrachte.

Beziehungsunfähig oder beziehungsunwillig?

Beziehungen. Was für einige Menschen den Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens darstellt, ist für mich im Laufe der letzten Jahre zunehmend in den Hintergrund gerückt. Und nein, ich glaube nicht, dass es zwingend daran liegt, dass ich „den Richtigen“ noch nicht gefunden habe. Ich habe schlichtweg kein Interesse an einer festen Beziehung. Der Gedanke daran erfüllt mich nicht mit einem Gefühl des Glücks und der Geborgenheit. Im Gegenteil. Er engt mich ein.

Dieses Gefühl zieht sich durch jeden Ansatz von einer festen Beziehung, den ich jemals in meinem bisherigen Leben miterleben durfte. Zu schnell wollte ich zu meinen alten Single-Gewohnheiten zurückkehren, wollte aus dem Wir so schnell wie möglich wieder ein Ich machen.

Doch ich würde mich niemals als beziehungsunfähig bezeichnen. Ich will einfach nur nicht – was ein großer Unterschied ist. Ich bin durchaus der Ansicht, dass ich mich auf etwas festes einlassen könnte, wenn ich ein wirkliches Verlangen danach hätte. Und das ist absolut nichts falsches. Jeder Mensch muss für sich wissen, was ihm gut tut und was er braucht, um ein Leben zu führen, das ihn zufrieden macht. Ein fester Partner gehört für mich nicht zu den Dingen, die ich brauche, um mir das zu ermöglichen.

Ich will damit nicht sagen, dass sich das nicht irgendwann ändern kann. Es ist einfach nur das, was ich in den letzten Jahren gefühlt habe und jetzt immernoch fühle. Heute bin ich mir dessen um einiges bewusster als früher. Ich muss nicht so tun, als würde ich nach meinem Mr. Right suchen, oder als würde ich diese Verbindung zu einer bestimmten Person vermissen, wenn dem nicht so ist.

Mein perfektes Leben ohne Partner

Ich kann für mich alleine stehen. Ich kann alleine glücklich sein. Nicht, weil ich es anders nicht kann, sondern weil ich es nicht muss, wenn es nicht das ist, was ich will. Die Zeiten, in denen man sich dafür schämen muss, dass man über einen längeren Zeitraum keinen festen Partner hatte, sind vorbei. Zumindest sollten wir endlich so handeln. Eine (monogame) Beziehung ist nicht das be-all and end-all allen Lebens. Und das ist okay. Genauso okay ist es, wenn man ein Beziehungsmensch ist und diese Bindung braucht. Das will ich hier keinesfalls verdammen.

Nur, wenn ich mir ein perfektes Leben ausmale, sehe ich selten einen anderen Menschen an meiner Seite. Ich sehe meine Freunde, denen ich vertraue. Ich sehe Familie. Ich sehe Bücher und Filme, lange Spaziergänge und Tagträumereien. Ich sehe Reisen und durchtanzte Nächte. Ich sehe aber niemanden, der morgens neben mir aufwacht.

Ein kleines Zugeständnis…

Natürlich stelle ich mir manchmal vor, wie es sein könnte. Manchmal gefällt mir dieser Gedanke auch. Irgendwie. Aber er verfliegt in der Regel so schnell, wie er gekommen ist. Denn es ist nicht das ernsthafte Verlangen danach, das mich reizt, sondern die bloße Vorstellung an sich. So, wie Menschen manchmal nur die Vorstellung einer bestimmten Person lieben, ungeachtet der Realität.

Ich denke, dass wir künftig noch offener und toleranter werden müssen, was verschiedene Lebens- und Liebeskonzepte angeht. Es gibt kein „one size fits all“ und nicht jeder, der keine feste Beziehung anstrebt, ist gleich beziehungsunfähig. Dafür müssen wir aber vor allem mehr miteinander über solche Dinge reden und nachfragen, bevor wir jemanden einfach in eine Schublade stecken. Aber das gilt wohl für so ziemlich alle Dinge des Lebens…

„Sorry, aber ich bin schon vergeben.“

Kuss

Sorry, aber ich bin schon vergeben.“ Diese Ausrede hat mit Sicherheit jeder schon mal in der einen oder anderen Form benutzt. Auch ich habe sie hin und wieder mal fallen gelassen, doch die Sache ist die: wenn wir sie benutzen, entspricht es nicht immer der Wahrheit. In meinem Fall hat es tatsächlich nie gestimmt.

Oft ist diese Ausrede nämlich einfach nur genau das – und damit eine beliebte Ausflucht von zahlreichen Singles vor ungewollten Verehrern. Es ist wie das berühmt-berüchtigte: „Sorry, Schatz, aber ich habe Migräne.“ in eingeschlafenen Beziehungen. Das kommt nicht zuletzt daher, dass dieser Weg so unglaublich komfortabel ist. Immerhin gibt es für viele Leute keinen vernünftigeren Grund, um die Avancen gegenüber dem neuesten Objekt der Begierde aufzugeben.

Wenn jemand vergeben ist, macht es keinen Sinn, der Person weiter nachzulaufen (meistens jedenfalls). In dem Fall sind auch keine weiteren Erklärungen nötig. Deshalb war es für mich immer eine bevorzugte Ausrede, wenn ich angesprochen wurde und einfach keine Lust hatte. Ich musste keine Fragen beantworten wie: „Ja, aber warum denn nicht?“ oder „Willst du es nicht mal versuchen?

Dabei denke ich mir sowieso nur: „Ich habe doch gerade gesagt, dass ich einfach kein Interesse habe. Was ist daran so schwer zu verstehen?“ Warum müssen wir uns immer rechtfertigen, wenn wir jemanden abweisen, einfach nur weil er oder sie uns nicht sympathisch ist? Oder weil wir nicht in der Stimmung zum flirten sind? Muss es immer einen triftigen Grund geben?

Die „Partner-Lüge“

Um solchen sinn- und fruchtlosen Diskussionen zu entgehen, flüchten Singles rund um den Globus sich regelmäßig in die kleine große „Partner-Lüge“.  Ich persönlich finde es nicht verwerflich, wenn man sich damit unnötige Gespräche vom Leib halten kann. Mich macht es eher stutzig, dass man überhaupt zu solchen Mitteln greifen muss, um ernst genommen zu werden, wenn man irgendeinen Fremden im Club abweist.

Natürlich lässt sich nie ausschließen, dass einem so etwas (oder jemand) entgeht, aber die Gefahr besteht doch immer. Selbst wenn wir uns auf eine Person einlassen, schließen wir damit die Türen zu anderen Personen. Und wenn man mal ganz pragmatisch ist: potenzielle Partner gibt es wie Sand am Meer. Wenn der eine nicht passt, dann gibt es immer irgendwo eine Alternative. Deshalb mache ich mir als Single auch keine Gedanken um so was, sondern genieße vielmehr die Zeit, die ich für mich habe (eines der Privilegien, die ich in einer Beziehung nur schwer aufgeben kann).

Was ist schon normal?

In diesem Zusammenhang fällt mir gleichzeitig noch etwas auf, was das Thema dieses Beitrags betrifft: eben weil die Partner-Lüge so eine beliebte Ausrede ist, zeigt sich darin einmal mehr, was von der Gesellschaft als „normal“ gewertet wird: Menschen sind entweder in einer Beziehung oder wollen zumindest in einer sein. Die Möglichkeit, dass jemand gerade ernsthaft kein Interesse hat oder sogar sein Singleleben genießt, wird häufig nicht akzeptiert.

Meistens kann man sich dann so Sprüche anhören wie: „Der Richtige/Die Richtige kommt schon noch.“ das mag schon sein, aber könnt ihr bitte diesen mitleidigen Ton in der Stimme abschalten oder daran ersticken? Kein Interesse zu haben ist weder traurig, noch zwangsweise ein Zeichen des Trotzes, weil man niemanden abkriegt. Das ist einfach nur Bullshit.

Aber warum ist das überhaupt so? Sicher, wir Menschen waren schon immer evolutionsbedingt Herdentiere. Denn mal ehrlich: wenn so ein Baby das Licht der Welt erblickt, ist es alleine alles andere als überlebensfähig – und das trifft traurigerweise auch auf viele Erwachsene zu. Die Evolution zwingt uns dazu, dass wir uns in Lebensgemeinschaften zusammenfinden wollen. Ausnahmen gibt es zwar, werden aber  nur mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis genommen. Wie, das ist nicht normal?

Und ja, es mag sein, dass sich mit dem passenden Partner auch die Bereitschaft zu einem Zwei-Mann-Rudel einstellt, aber das bedeutet bis dahin nicht, dass man auf die Flirtversuche von Hinz und Kunz eingehen muss, die einen überhaupt nicht interessieren.

Es ist nicht gerade die ehrliche Art, aber um diesem Rattenschwanz an Problemen und Fragen zu entgehen ist das für mich nur noch ein Grund mehr, um mich für die faule Ausrede zu entscheiden, statt einfach nur zu sagen: „Sorry, aber ich habe kein Interesse.