Ein unentspannter Sommer

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Was sind das nur für ein paar verrückte Wochen gewesen? Und damit meine ich nichtmal zwingend das deutsche Wetter, das beschlossen hat, uns einen Hochsommer zu bescheren,  der mich dazu gezwungen hat, mir jeden Tag die Beine zu rasieren und mein klimaanlagenloses Büro im 6. Stock regelecht zu verabscheuen. Ich meine den kleinen „Struggle“ (ich habe mir sagen lassen, dass die coolen Kids heutzutage sich so ausdrücken), den ich gerade mein Leben nenne.

Einer der Urheber des Ganzen ist ein kleines Gerät, das ich seit beinahe 3 Monaten mit mir herumtrage und das ich Ende nächster Woche endlich wieder ablegen kann. Ich rede von einem Schrittzähler. Ein paar Mitarbeiter kamen nämlich auf die glorreiche Idee, bei der „Virgin Pulse Challenge“ anzutreten, die am 23. Mai gestartet ist. Und ich Depp hatte die noch viel glorreichere Idee, dort mit einzusteigen.

Eine „gute“ Idee, oder nicht?

Das Prinzip dieser Challenge ist denkbar einfach: man findet sich in Teams zu je 7 Personen zusammen und sammelt 100 Tage lang Schritte. Der Gewinner kriegt irgendwas, was er nicht braucht – und natürlich Ruhm und Ehre. Dabei tritt man gegen Teams aus der eigenen Firma und der ganzen Welt an.

Ich dachte ja, dass es ein guter Weg wäre, um mich zu mehr Bewegung zu motivieren. Damit lag ich auch gar nicht mal so falsch. Ich bin seltener mit dem Bus gefahren, als sonst. Ich habe öfter die Treppen genommen und auch so regelmäßig Sport gemacht. All das ist durchaus positiv, doch das Gefühl des Zwangs, immer mehr Schritte zu machen, machte mich recht schnell zu einem unentspannten Menschen.

Ich habe angefangen, meine Tage um den Sport herum zu bauen, damit ich auch bloß auf die Schrittzahl komme, die ich brauchte. Ich wollte ja meinen, geschweige denn den Gruppenschnitt, nicht runterziehen. Zwischenzeitlich habe ich sogar überlegt, mir extra für die Challenge ein Fahrrad zu kaufen – was ich nicht getan habe.

From Hero to Zero?

Also, stand ich an manchen Tagen ganz früh auf, um noch vor der Arbeit zu trainieren, oder habe die Matte spät Abends ausgerollt. Wenn ich mal einen Tag einfach Pause gemacht habe, hatte ich direkt ein schlechtes Gewissen. Ich habe Sport gemacht, anstatt zu schreiben oder etwas anderes zu tun, auf das ich theoretisch Lust gehabt hätte. Von Motivation konnte da irgendwann keine Rede mehr sein. Es war reiner Zwang. Hauptsache, irgendwas gemacht.

Abgesehen davon, hatte ich irgendwann das Gefühl, dass es egal war, ob ich etwas tat oder nicht, weil der Impact gleich Null zu sein schien. Und so schrumpfte mein Schrittedurchschnitt von Anfangs knapp 17.000 Schritten auf aktuell knapp über 15.000 Schritte. Dabei weiß ich noch nichtmal genau, was ich anders mache, als am Anfang. Wahrscheinlich ist das einfach nur die Strafe dafür, dass ich mental aktuell die Power von einem Schluck Wasser in der Kurve habe und mich in der Hinsicht ein wenig gehen lasse.

Ich muss ja zugeben, dass mein Körper lange nicht mehr so sommertauglich gewesen ist, wie in dieser Saison, aber der Preis, den ich rein gefühlsmäßig dafür zahlen musste, ist mir zu hoch, um mir den Stress nächstes Jahr nochmal zu machen. Ich werde nie die Panik vergessen, die aufkam, als ich auf einer 5 stündigen Autofahrt kurz Pause an der Autobahntanke machte, wieder weiterfuhr und plötzlich feststellte, dass dieser dämliche Schrittzähler weg war. Ich war drauf dran, wieder umzudrehen und nach diesem Ding zu suchen. Zum Glück sah ich es gerade noch rechtzeitig zwischen meine Füßen auf dem Boden liegen.

Nein, dieser Sommer war wahrlich nicht gerade der entspannendste in meinem Leben. Er hat mir allerdings gezeigt, dass körperliche Ertüchtigung nichts ist, was ich einer „lustigen Challenge“ verbinden sollte, da es zu viele negative Gedanken in mir auslöst. Zu viel selbst auferlegter Zwang, zu wenig Gehör für die Bedürfnisse meines Körpers.

Die Stadt der Liebe? Is‘ klar…

Paris

Dieser Beitrag ist eigentlich schon ein paar Monate alt. Ich weiß nicht, warum ich ihn damals nicht veröffentlicht habe – deshalb tue ich es jetzt. Der Hintergrund ist ein Kurztrip nach Paris mit meiner besten Freundin im vergangenen Sommer.

Enjoy, people!

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Kürzlich habe ich ein langes Wochenende in Paris verbracht. Ich bin schon über 5 Jahre nicht mehr dort gewesen und obwohl ich die Stadt sehr schön finde, und auch immer wieder mal hinfahren würde, sind mir dieses Mal einige Dinge aufgefallen, die ich bei meinem ersten Besuch damals wohl verdrängt habe. Oder es gab sie damals einfach noch nicht, wer weiß…

  1. Paris ist schweineteuer. Gut, solange man Urlaub innerhalb Westeuropas macht, kann man nur schwer damit rechnen, eine vernünfte Mahlzeit für unter 10€ zu bekommen. Zumindest wenn man was vernünftiges haben will. Aber nicht nur das Essen summiert sich ganz schnell: Besonders wenn man die kulturellen Vorzüge der Stadt genießen will, muss man tief in die Tasche greifen. Währen in London fast alle Museen kostenlos sind, muss man für den überfüllten (aber dennoch sehenswerten) Louvre 16€ bezahlen, sobald man das Pech hat Ü25 zu sein. Zum Glück sind wenigstens die Metrotickets recht erschwinglich.
  2. Touristen, überall Touristen. Auch damit sollte man rechnen, wenn man im Sommer irgendein Land besucht. Besonders oft gesichtet wurden Horden chinesischer Touristen, die bunten Schirmchen hinterher liefen. Wirkliche Romantik kann da weiß Gott nicht aufkommen. Ganz besonders nicht an solchen Hotspots wie Notre Dame, in Montmartre oder in Versailles.
  3. Und sind sie alle dumm? Als wir uns auf den Weg 20170729_114938nach Versailles machten, mussten wir an einer Metro-Station in die Bahn umsteigen, die bis nach Versailles fuhr. Da die meisten Touristen anscheinend zu dumm sind, um den Weg über die Straße zur Station zu finden, sind eigens Leute rekrutiert worden, um besagten Touristen per Fingerzeig den Weg zu deuten. Das gleiche Vergnügen erwartete einen nach der Ankunft am Bahnhof von Versailles. Wie soll man auch sonst den Weg zum riesigen Schloss finden??
  4. Man(n) hat gerne was zu gucken. Es soll ja schon mal vorkommen, dass Männer Interesse am anderen Geschlecht haben und das auch mehr oder weniger offen zeigen, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal von so vielen Männern so offen angestarrt wurde – und ich merke sowas eigentlich nie. Sehr subtil, meine Herren! Vielleicht hatte ich aber auch einfach nur was zwischen den Zähnen…
  5. Bloß nicht vor 19 Uhr Essen gehen! Anscheinend gehören die Franzosen zu den Völkchen, die gerne sehr spät zu Abend essen. Wen vor 19 Uhr der Hunger umtreibt, wird die meisten Restaurants geschlossen vorfinden. Bis dahin gibt es nur Wein und Zigaretten.
  6. Keine japanischen Restaurants besuchen, die nicht von Japanern betrieben werden. Nachdem wir uns 4 Stunden durch den Louvre geschleppt hatten, hing uns der Magen bis in die Kniekehlen. Und so stürmten wir dankbar einen Laden, der verheißungsvoll und in japanischen Lettern „Ramen“ versprach. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann, der dort arbeitete nicht nur kein Japaner, sondern Chinese war, was an sich kein Verbrechen ist. Wirklich kriminell wurde es erst dann, als eine Truppe seiner Landsmänner nach uns reinmarschiert kam, eigene Beilagen mitbrachte UND auch noch vor uns bedient wurde. Jep, danach waren wir auch mehr als bedient.

Wer schon ein paar Mal in Paris war, wird über diese Erkenntnisse vermutlich den Kopf schütteln und sie als Allerweltswissen abstempeln. Für uns war es nach all den Jahren doch wieder ein kleiner Kulturschock. Da springt man für dreieinhalb Stunden in die Bahn und befindet sich in einer vollkommen neuen Welt.

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Dabei war nicht alles schlecht, im Gegenteil! Wir lernten einen charmanten Kellner kennen, der mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat und der tatsächlich all seinen Mut zusammennahm, um Deutsch mit uns zu sprechen. Wir hatten ein fantastisches Boeuf à la Bordelaise. Von unserem charmanten Apartment aus hatten wir jeden Tag einen fantastischen Blick auf Sacre Coeur. Keiner von uns wurde ausgeraubt. Wir haben viel Zeit damit verbracht, die Stadt zu Fuß zu erkunden und über Gott und die Welt zu reden.

Wenn man die richtigen Ecken zur richtigen Zeit besucht, ist Paris eine wunderschöne Stadt. Und wenn man es mal schafft, den Menschenmassen für einen Moment zu entkommen, dann fühlt es sich sogar so an, als wäre man mitten in „Midnight in Paris“ gelandet – wo die kleinen, engen Gassen eine Faszination ausüben, der man sich nicht entziehen kann und wo hin und wieder ein leises Chanson erklingt.