Ein kleines Lebenszeichen

Unruhe

Genau 3 Wochen sind seit meinem letzten Beitrag vergangen und eines kann ich direkt vorweg sagen: Es ist echt viel passiert. Ich war in New York City und Orlando, Florida (Berichte dazu werden nach und nach folgen). Ich bin 27 geworden und auch im Job kündigen sich in den nächsten Monaten einige willkommene Veränderungen an. Ich habe eine neue Obsession entdeckt und gemerkt, dass ich ein bisschen Vitamin D doch besser gebrauchen kann, als ich kleine Schneekönigin sonst immer wahrhaben wollte.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Entwicklungen, die sich gerade durch mein Leben ziehen, sehr positiv sind. Mein Geburtstag ist zwar in der Regel ein Tag, den ich am liebsten überspringen würde, um nicht ans Älterwerden erinnert zu werden, aber ich habe, wenn man das große Ganze betrachtet, gerade in den letzten Wochen viel erlebt, was mich glücklich macht.

Dazu hat mit Sicherheit auch die kleine Auszeit in den USA beigetragen. Ich konnte viele neue Eindrücke mitnehmen, Sonne tanken und zumindest für ein paar Tage aus dem Alltag ausbrechen. Als ich am vorletzten Sonntag wieder nach Hause kam, war ich hochmotiviert. Ich habe direkt am Montag dem Friseur einen Besuch abgestattet und meine formlosen Zotteln abschneiden lassen. Jetzt bin ich wieder stolze Bob-Trägerin.

Alles neu macht der M…März?

Am liebsten hätte ich sofort meiner Wohnung den bitter nötigen Frühjahrputz verpasst, den Balkon aufgemöbelt und mein ganzes Hab und Gut ausgemistet. Bei mir stehen alle Zeichen auf einen fast schon euphorischen Neustart – aber irgendwas fühlt sich verkehrt an.

Ich habe schon seit einer Woche versucht, herauszufinden, was es ist. Natürlich ohne Erfolg. Mein Zeitmanagement ist die letzten Tage katastrophal gewesen. Meist bin ich über eine Stunde später ins Bett gekommen, als ich eigentlich wollte – wie auch immer ich das geschafft habe. Wenn ich dann erstmal im Bett lag, wollte mein Kopf einfach nicht abschalten. Ständig unterbrach ein neuer aufkommender Gedanke die so dringend herbeigesehnte Stille und wenn mir dann doch endlich die Augen zufielen, war der Schlaf unruhig und die Träume so merkwürdig (bis verstörend), wie sie lebhaft waren.

Man kann das ganze auf den Jet-Lag nach einer fast 24-Stunden langen Reise zurückführen und wahrscheinlich war dieser Umstand auch nicht unschuldig an dieser inneren Unruhe, die nur sehr zögerlich von mir ablässt. Ehrlich gesagt, glaube ich aber, dass das nicht alles ist.

Ein reißender Strom in meinem Bauch

Aus irgendeinem Grund bin ich aufgeregt und habe Hummeln im Hintern. Es ist aber nicht wie die Vorfreude auf eine Reise, wo man sonst an nichts anderes mehr denken kann oder will, sondern vielmehr eine unterschwellige, aber konstante Anspannung. Es fällt mir sehr schwer, mich zu konzentrieren – einer der Gründe, warum ich mich so spät erst wieder melde. Es ist, als würde mein Körper die ganze Zeit darauf warten, dass etwas passiert. Ich weiß nur nicht, was das sein soll.

Vielleicht wird es langsam Zeit, dass endlich Frühling wird. Wahrscheinlich wird sich diese Unruhe auch so still und heimlich wieder verabschieden, wie sie gekommen ist. Trotzdem wüsste ich gerne, warum sie überhaupt über mich gekommen ist. Ich werde das kommende lange Wochenende jedenfalls dafür nutzen und einen Teil der angestauten Energie abbauen, indem ich meiner Wohnung endlich eine Grundreinigung verpasse. Dabei werde ich mich auch gleich auf die Suche nach meinem verschollenen Zen machen.

Ich werde dann auch versuchen, meine ersten Eindrücke aus den USA zusammenzufassen. Schließlich will ich euch dazu nichts vorenthalten. Ich weiß noch nicht, wie das genau aussehen wird. Nur folgendes kann ich jetzt schon verraten: Dem MET werde ich einen eigenen Beitrag widmen!

Fernweh und andere Probleme

Fernweh

Mir fällt die Decke auf den Kopf. Zumindest fühlt es sich gerade so an. Seit Tagen schon bin ich rastlos, kann mich auf nichts konzentrieren. Ich fange eine Aufgabe an, nur um eine Minute den Tab für etwas neues am PC zu öffnen. Nichts mag irgendwie wirklich gelingen. Mein Kopf ist gefühlt überall – nur nicht dort, wo er gerade sein soll. Wenn er nicht angewachsen wäre, wäre er mir wohl schon längst von den Schultern gesprungen und davon gerollt.

Er wäre zum nächsten Flughafen und in den nächstmöglichen Flieger gekullert, denn die Wahrheit ist die: Ich habe ganz böses Fernweh. Für dieses Jahr stehen schon zwei große Reisen an, die ich voller Ungeduld erwarte, doch jetzt gerade kann es mir einfach nicht schnell genug gehen. Am liebsten würde ich jetzt meinen Koffer packen und abhauen.

Und weil die eine Reise im März ist und die andere im November, überlege ich natürlich auch, wie ich die Monate dazwischen überbrücken kann. Im Moment bin ich jedenfalls fest davon überzeugt, dass ich wahnsinnig werde, wenn ich sie hier verbringe. Meine neueste, fixe Idee ist ein langes Wochenende alleine in einer Stadt, in der ich noch nie vorher gewesen bin: Barcelona.

Zum einen ist da der Nervenkitzel, weil ich gerne mal alleine reisen würde, es aber noch nie wirklich getan habe. Zum anderen möchte ich mich mal wieder voll und ganz diesem Kulturrausch hingeben. Selbst wenn es nur für ein paar Tage ist. Hauptsache weg, hauptsache schön.

Woher dieser plötzliche Drang zur Flucht kommt, weiß ich nicht. Normalerweise bin ich auch eher der Homebuddy, was schlicht und ergreifend daher kommt, dass ich mein zu Hause liebe, aber ich kriege den Kopf einfach nicht frei. Ständig ist da oben irgendwas los. Und oft sagt man ja, dass ein Tapetenwechsel zwischendurch auch für frischen Wind im Oberstübchen sorgt. Schaden kann es jedenfalls nicht (auch wenn mein Bankkonto mir dann etwas anderes sagen wird).

Selbstfindung im neuen Jahrtausend

Vielleicht ist es aber auch diese romantische Vorstellung, die man schon mal hat, wenn man von Leuten hört, die eine Reise gemacht haben und die scheinbar von der absoluten Erleuchtung den Kopf gestreichelt bekommen haben. Sie berichten von der Klarheit, die sie plötzlich über sich und das Leben haben, dass sie auf einmal wissen, wer sie sind und weshalb sie auf dieser Welt sind. Sie fangen an Bücher zu schreiben, eröffnen ein eigenes Meditationszentrum, oder packen ihren Koffer direkt wieder um auszuwandern.

Das ist natürlich ein etwas überzeichnetes Klischee, und doch gibt es diese Reisen, die etwas mit uns machen. Die etwas in uns verändern und den Funken überspringen lassen, der so lange nicht zünden wollte. Vielleicht warte auch ich auf diesen Moment der Erleuchtung. Diesen Moment, wenn ich in einem Café in einer fernen Stadt sitze und mir ganz klar, aber trotzdem  ganz unaufdringlich bewusst wird, wo ich im Leben hin will und mit einem Mal ist alles in mir ruhig und friedlich.

Was labert die da für einen Hippie-Schmarrn?“ höre ich manche jetzt schon fragen, aber ganz ehrlich? Das ist mir wurscht. Es wäre für mich eine einfache Lösung für ein, wie mir scheint, eigentlich nicht ganz so einfach zu lösendes Problem. Weil es zu tief sitzt. Weil ich mir im Leben noch nicht die richtigen Fragen gestellt habe, oder mich nicht traue sie zu beantworten.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Reise löst nicht alle Probleme. Aber sie würde mir zumindest dabei helfen, ein wenig Abstand zu gewinnen und für ein paar Tage aus der Achterbahn in meinem Kopf auszusteigen. Allein das würde mir gerade schon extrem helfen.