Wie viel bin ich wert?

Verkauf dich niemals unter Wert!“ Das wird einem vor jeder Gehaltsverhandlung eingebläut, aber auch wenn man sich auf einen neuen Partner einlässt. Dabei frage ich mich allerdings immer wieder: Woher weiß ich denn wie viel ich wert bin? Was bin ich überhaupt wert?

Vor allem im Arbeitsumfeld stellt sich mir diese Frage immer wieder. Ich bin umgeben von hart arbeitenden Menschen mit guten Ideen, die in ihrem eigenen Bereich wirklich viel erreichen. Da kann ich einfach nicht anders, als mich mit ihnen zu vergleichen. Natürlich weiß ich, dass es Dinge gibt, die mir mehr liegen als ihnen, aber wenn ich diese Leute sehe und mich dann frage „Wie viel bin ich wert?„, komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass mein Wert geringer ist als ihrer. Immerhin haben sie so viel großes geleistet, sich durchgebissen und was erreicht. Aber ich? Was habe ich schon großartiges geleistet?

Vielleicht liegt es daran, dass ich genau um meine Schwächen weiß, aber in meinen Augen nicht konsequent genug an ihnen arbeite. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich die Dinge, die ich schon erreicht habe nicht ausreichend wertschätze – dass ich sie immer als weniger innovativ oder nutzbringend ansehe als die Beiträge anderer.

Schätze ich meinen Wert schlechter ein als andere?

Wie ich es auch drehe und wende, am Ende stehe ich immer wieder vor demselben Problem: „Wert“ ist in diesem Fall eine vollkommen subjektiv betrachtete Einheit. Jeder hat seine eigenen Maßstäbe. Was ich als unzureichend ansehe, könnte jemand anderesherausragend finden. Und dazu kommt auch noch folgende Schwierigkeit: wer mit einem ähnlich dürftig ausgeprägten Selbstbewusstsein ausgestattet ist wie ich, wird seinen Wert eher an seinen Fehlern messen als an seinen Stärken und ihn dadurch automatisch niedriger einschätzen.

Dadurch bringt man sich sich selbst und anderen gegenüber direkt in eine schlechtere Verhandlungspositionen. Denn am Ende ist es doch auch so: Selbst wenn jemand anderes ursprünglich denkt, dass ich weniger wert bin, kann ich ihn vom Gegenteil überzeugen, wenn ich selbst auch davon überzeugt bin und dafür stichhaltige Argumente vorbringen kann. Aber wie soll ich das machen, wenn ich selbst nicht daran glaube?

Es ist alles Ansichtssache

Am Ende ist dieser berühmt berüchtigte Wert in erster Linie eines: eine Ansichtssachte. Ich habe leider keine magische Formel dafür, wie man seinen indiviuellen Wert berechnet, oder wie ich meinen eigenen am Ende doch noch gefunden habe. Auch für mich ist es ein work in progress. Indem ich mich mit dieser Frage beschäftige, sehe ich meine größten Verbesserungspotenziale und wo ich vielleicht auch mal auf die Meinung anderer hören sollte.

Fakt ist, dass ich meinen Wert steigern will. Nicht, weil ich 10% mehr Gehalt will, sondern weil ich eine Bereicherung für mein Team sein will. Ich will am Ende des Tages mit dem Bewusstsein nach Hause gehen, dass ich alles gegeben habe um uns einen Schritt nach vorne zu bringen. Dann weiß ich wenigstens, dass ich all meine aktuellen Privilegien zu Recht genieße. Das wäre doch schon mal ein Anfang, oder nicht?