Weltenbummler oder Gewohnheitstier?

WeltenbummlerHeutzutage ist Reisen glücklicherweise einfacher als jemals zuvor – und viele Menschen machen davon regelmäßig Gebrauch. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Reisetypen. Während manche Menschen am liebsten so viele Länder wie möglich abklappern und gefühlt schon auf der ganzen Welt unterwegs gewesen sind, fahren andere seit Jahren immer wieder zum gleichen Ort, gehören dort quasi schon zum Inventar.

Ich selbst hatte schon von klein auf das Glück, dass meine Familie gerne reiste. Meine erste richtige Reise ins Ausland war mit meiner Mutter nach Bulgarien, als ich noch im Kindergarten war. Es folgten Länder wie Tunesien, Zypern, Korfu, Portugal und (natürlich) Mallorca – auch wenn letzteres für viele eher ein 17. Bundesland ist. Als ich alleine mit Freunden reisen durfte, folgten Frankreich, England, Schottland, Südkorea und Japan. Mein letztes Reiseziel war die wunderschöne Insel Madeira.

Man kann also schon sagen, dass ich ein bisschen rumgekommen bin, auch wenn ich mich noch nicht als Globetrotter bezeichnen würde. Es gibt noch immer viel zu viele Länder, die ich gerne besuchen möchte. Ich würde sogar sagen, dass die Liste immer länger, denn kürzer wird.

Und trotzdem zieht es mich immer wieder an Orte zurück, die ich schon einmal besucht habe.

Es hat einen besonderen Reiz, einen Ort zum ersten Mal zu erleben. Man kennt sich noch nicht aus, muss erst seinen Weg finden. Es ist eine aufregende Erfahrung und diese ersten Erinnerungen sind meist mit diejenigen, die am besten im Kopf hängen bleiben.

Doch ich liebe auch das Gefühl, einen Ort irgendwann so gut zu kennen, dass es sich fast so anfühlt, als würde man nach Hause kommen, wenn man ihn besucht. Man weiß, wo die besten Restaurants sind. Man muss sich nicht mehr um die Touristen-Attraktionen kümmern, sondern kann einfach vor sich hin leben, als würde man dazugehören. Dennoch muss einen das nicht davon abhalten, neues zu erleben.

Mittlerweile war ich schon drei Mal in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas. Für viele mag diese Stadt nicht sehr interessant sein – asiatische Großstadt halt, doch ich fühle mich dort unglaublich wohl und denke beinahe täglich voller Wehmut an meinen letzten Trip dorthin im Sommer 2015.

Ich habe mein Lieblingsviertel, meinen Lieblingsclub, kenne viele von den kleinen Straßen und weiß, wo die guten Cafés und Restaurants sind. Ich kann die U-Bahn benutzen, ohne vorher zehnmal darüber nachzudenken, ob das die richtige Linie in die richtige Richtung ist. In Seoul anzukommen, ist für mich ein Stück weit nach Hause zu kommen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich ohnehin ein Gewohnheitstier bin und meine Routinen sehr schätze. Ich mag alles, was mir vertraut ist und gehe gerne in meiner Komfortzone auf. Das mag für den einen oder anderen, der gerne neues entdeckt, grausam sein, weil es irgendwo einen Stillstand bedeuten kann und einen von neuen Erfahrungen abhält. Doch für mich ist es ein wunderbares Gefühl sozusagen ein zu Hause in einem anderen Land zu haben.

Ich könnte mir mittlerweile gut vorstellen für einen Tapetenwechse alleine dorthin zu fliegen und einfach nur vor mich hin zu leben, vielleicht an kreativen Projekten zu arbeiten und die Stadt zu genießen. Alles ganz entspannt und ohne Touri-Stress.

Aber so sehr es mich auch in meiner angeborenen Nostalgie an alte Orte zurückzieht, fast genau so gerne schaue ich nach vorne und stelle mir die Länder und Städte vor, die ich noch nicht selbst erlebt habe. Sie umgibt noch eine gewisse Mystik, sind unbekannt und voller Geheimnisse, die ich noch nicht entdeckt habe und die nur darauf warten, von mir aufgedeckt zu werden.

Diese Aufregung, wenn man aus einem Flugzeug steigt, ohne genau zu wissen, was einen erwartet, sich buchstäblich in einer fremden Kultur zu verlieren, ist unbeschreiblich.

Am Ende glaube ich, dass ich, wenn ich wirklich ehrlich zu mir bin, doch eher zu den Leuten gehöre, die mehr an den Reisezielen ihrer Vergangenheit hängen. Deshalb werde ich immer wieder zu ihnen zurückkehren. Gleichzeitig wäre mein Leben auch langweilig, wenn ich dem Reiz des neuen nicht von Zeit zu Zeit nachgeben würde.

Reisen bedeuten auch eine persönliche Weiterentwicklung und während es in der Komfortzone gemütlich und behaglich ist, entwickelt sich der Geist erst dann wirklich weiter, wenn er mit Dingen und Umgebungen konfrontiert wird, die er noch nicht kennt. Ich bin deshalb auch nicht der Meinung, dass Menschen, die viel Reisen ihre Zeit oder gar ihr Geld verschwenden.

Reisen – wo auch immer sie hinführen – bedeuten Lebensqualität und die möchte ich in meinem Leben auf keinen Fall missen. Egal, wohin sie mich führen.